25.05.2017

Revolte + Terror = Jugendkultur hahahahahaha

vorwort: Wem der Stil des Geschriebenen nicht paßt, wer den Wirrungen und Irrungen der Gedanken nicht folgen kann, wer was auch immer …. geht einfach weg. Okay?

this is the worst trip I’ve ever been on. Mann, ich steh voll in der Wüste. Auf einer Brücke, unter der die Sanddünen lachend hindurchziehen. Als ich vor einigen Tagen über Rockmusik nachdachte, fiel mir dieser Streifen „almost famous“ ein. Ist inzwischen fast volljährig, der Film. Und dann folgte der Gedanke über diese Szene darinnen, in welcher der Junge die Platten von seiner rebellischen Schwester unter dem Bett hervorzieht, und sein Leben gerettet werden soll. Zum Glück war kein Serge Gainsbourg dabei, sowas wie Histoire de Melody Nelson, kultivierter Schweinkram mit kleiner Körbchengröße und satten Arrangements.  Zu feingeistig für die kommende Stewardess und überhaupt zu kultiviert für irgendein Amerika. Ob nun das verfilmte 1969 oder auch der Donny-Age-Komplex, unter welchem wir zu schnaufen beginnen. Als wenn das nicht egal wäre…. kaum verflogen die Klänge… stand dieses kurze Intervall am Beginn eines Streichquartetts von Alban Berg in der Atmosphäre und… was ist mit Euch los? Fragen Alban und auch ich!

Die Erinnerung an „almost famous“ hatte schon einen gewissen Sinn. Ein Film über das Ende jener Phase einer heiß gelaufenen Maschinerie. Das Vorglühen war der Rock’n’Roll, die Hüfte, Algerien, Wirtschaftsaufschwung und vor allem AUFSCHWUNG. Bis ins Weltall. Im ersten Akt wurde der Jazz dann heißer, drängender, freier, entstand eine mündige Schicht an Menschen, die Rechte forderten, flogen die Raketen im Orbit, wurden die Kriegsschauplätze exotischer und Einnahmen aus Schallplattenverkäufen galten noch ein wenig wie Wolkenkuckucksheim. Im zweiten Akt verfliegt die Exotik des Krieges, denn Er Will Dich, wird in flirrenden Paisleymustern [Das sind aber ganz schön konkrete Gedankengänge, mein lieber Schwan oder auch Scholly oder… äh] dieses Wollen verneint, mit grinsender Kopulationsakrobatik auf Rockbühnen die Macht zelebriert als Poesie der Wirtschaftsmuskelmasse, während der Rest langsam schnauft. Und wenn 1973 die Maschine eben heiß läuft? The Fall of Saigon steht vor der Tür. Die Ölkrise. Die RAF. Die PLO. Die ETA. Die IRA. Die nicht gut abzukürzende Brigate Rossi (Okay, die Abkürzung bringt Medienleute aus Bayern zum knurren) Dazu ist alleine in Europa noch so manches Ländchen unter einer Diktatur bemantelt. Spanien, Portugal, Griechenland, der Zypern-Konflikt. Dazu noch der ganze Warschauer Pakt, eine fantastische eigene Liga der Unterdrückung. Nicht zu vergessen, nicht?

Wozu das Ganze? Weil dies grelle Augenpaar manchmal ARTE schaut. Weil dort immer gerne des Sommers schöne, kreischend bunte Dokus über die Rebellen jener Zeit gezeigt werden, die uns heute mal so richtig schön zeigen können, wie der Unzustand unserer Zeit in eine total groovige … ach, klappt ja gar nicht, weil die Realität ja weder ARTE-konform, noch Netflix-bingemäßig zurecht geschustert werden kann, denn da ist der Mann mit dem Bombenkoffer. Und der macht das Licht aus. Das haben die schon immer gemacht. Die ganzen Hirnis, die nur drei Buchstaben behalten können, hatte ich schon aufgezählt. Und damit sind wir plötzlich am Brunnen Mimirs angelangt. Ganz ohne ein Auge zu verlieren. Nur eine volle Dröhnung an Alban Berg oder einen anderen geilen Macher aus der (Achtung) Neuen Wiener Schule. Nicht die Alte. Die Neue! Ist zwar älter als sowohl Frankfurt, als auch Hamburg. Nichtsdestotrotz! Oder halt mit John, bzw. Alice Coltrane hochfahren. Mimir sagt: Jungens, Mädels.

Da seht sie stehen! Dort stehen sie herum, die Konserven.

Die Konservativen.

Die Kompressionierten.

Die Konfektionierten.

Die Kompromittierten.

Die Kompostierten.

Alice, das ist nur scharf. Shiva Loka.

Die Kondolierten.

Die Gondolierten? Die Kronzeugierten!

„Das geht so nicht weiter, Mimir!“

Die Präservativen.

Die Präversativen.

Die Frittierten!!!

„Du kannst nicht so Recht sprechen, oder in den Quell der Weisheit blicken, Mimir!“

Das Kapital. Spielt und würfelt. Es rückt die Figuren. Das ist doch klar. Das ist Physik. Wölbt sich das weiße Yang oben aus, quellt das schwarze Yin nach unten weg. „Und natürlich“…. nee, ruft Mimir: meet the new boss, same as the old boss. Denn auch das ist Physik: die Luft am Gipfel ist immer dünner, als im Tal. Da können so viele Wortspiele und Versprechungen, Versprungungen, durch die Welten schwirren, das kann nicht gehen.

„Mimir! Warum schicken Leute Dick-Pics und dann seh ich nur Richard Nixon?“

Weil eben „Dicky’s such an Asshole.“ und heute singen wir „Donny’s such an Asshole“, und statt einem DickyPic, setzen wir ne blöde Orangenperücke auf. Annoying Orange for real.

Is everybody in?

Nein. Warum auch. Jedes so begrenzt, es kann. Kondoliert doch, wo ihr wollt. Zum Teufel. Ständig sterben Menschen, jederzeit, jeden Orts. Durch Krebs. Durch HIV-induzierte Erkrankungen. Durch Bombensplitter. Kein Tod ist schön. Nirgends. Nie. Und dennoch rafft es Menschen dahin. Der Schrecken ist immer die Lücke, die der Tod reißt. Die Unzeit, die er erschafft. Und dennoch sagen Mimir und auch ich: Kommt endlich klar damit, das Euer Abo mal irgendwann abläuft. Das Ticket wird Euch aus der Hand gerissen, da seht Ihr nur noch die Fetzen im Winde wehen. Und natürlich habt Ihr Angst davor, wenn der Schalter umgelegt wird. Und im Off steht nicht mal Wayne. Mimir lacht. Über die, die vor toxischen Menschen warnen. Mimir ROFLT. So ein nordisches Wesen sollte sich nicht so verstörend verhalten. Hey.

Jetzt ist die Bagatelle passiert. Der Schreiber lacht auch. Hat aber nur eine Sekunde zuvor das Wasser getrunken. Das Papier wellt. Heilig’s Blechle. Und warum das Ganze? Weil nasses Papier die Eigenheiten des Wassers übernimmt, natürlich! Das Farbband muß in der Nacht am Feuer verweilen, auf das trockenen Fußes der Text weiterwandert. Gleich einer akustischen Guitarrrrre. Chico legt noch ein paar Flöten mit ins Grab. I think it’s gonna rain today.

Zwischenwort:

Wer jetzt noch hier rum nölt, ey! Mein Freund Haarmann hat ein Hackebeilchen

„So, Mimir“ Was! Mit den Fingerchen fummelnd wie Mister Burns, nur Millionen an Dollars weniger „Also, sollen Menschen nicht Dinge und andere Menschen meiden, die schädlich sind?“ Watt is dat für ne scheiß Frage, du Eierkopf. Dann kannste dich inne Höhle einschließen. Datt ganze Leben is voll toxisch. Kaum biste auffe Welt, iss schon die Kakke am dampfen. Oder willste dem Finanzamt auch jetzt mal mit „Also, ich muß Sie bitten von Ihren Forderungen nach Steuerzahlungen Abstand zu nehmen, denn das erzeugt eine negative Schwingung in meinem Leben“ auffen zeiger gehen, watt? vollpfosten! Damals als noch über Nixon-Bilder sinniert wurde, ha. Ja, girl in trouble. Hat irgendwer mal drüber nachgedacht, was DickPicMusic ist? So was, wie … wir kommen nicht ausse zeit da raus. Almost famous und so. Led Zep I oder II. squeeze me lemon til the juice runs down me leg. Robert Plant aus Yorkshire, kreisch! Aber das ist dann der Sound der Revolte. Und natürlich der arme Hendrix, der doch niemandem was getan hatte*. Und immer wieder nur Satisfaction. Ich verlange auch nach genau dem und verlange dazu auch noch die Wahl der Waffen. Waffeln. Wenn immer auf die gleiche Stelle geschlagen wird, dann ist das Physik! Oder Biologie! Da entsteht ein Bluterguß. Und Schmerz. Und irgendwann bricht auch der Knochen. Habt Ihr sonst keine anderen Ideen? Seid doch nicht immer so eindimensional! Stellt Euch vor, Ihr stündet vor Kafkas Schloß, hört die Telefone und die Schreibmaschinen. Stellt Euch vor, Ihr seid ein Käfer. Was denn?! Ihr geht dann rein!

time takes no prisoners. time takes a cigarette.

Ein kurzer klarer Moment wie ein Pochen. Die Bürgerrechtsbewegung der 1960er hatte ein klares und einfaches Ziel: Gleiche Rechte für alle Rassen.

Was hat 2017 zu bieten? Mimir will wieder ROFLN. Können wir einfach den alten Faden wieder aufnehmen und noch „Gleiche Rechte für die Geschlechter“ hinzufügen? Okay? (this is the most worst trip I’ve ever been on) Ich bin doch der Käfer. Und das Wasser habe ich getrunken. Einst sprudelte es. -.-

* Jimi machte mal den Song little wing. Wer da irgendwas von Revolte raushört, sollte mal ein Wasser trinken. Jimi wollte doch auch nur wegfliegen.

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08. Oktober 2016 – eine kurze Bestandsaufnahme, ein Ansatz zur Diskussion gegen das Poltern des Populismus

Was tun?

Jaja, die AFD treibt weiterhin ihr Wesen, und die selektiven Rassisten, nicht nur die deutscher Nationalität, nehmen die Meinungshoheit an sich. Wer sich ihnen in den Weg stellt, dem tönt es entgegen, daß alles der Meinungsfreiheit zugehöre.

Ach, haltet doch eure Fressen. Es ist mit euch nicht zum aushalten, ihr Storch-Petry-Höcke-Kindsköppe. Ihr seit nicht einmal bessere Rattenfänger. Ihr könnt nur gut, weil ihr die mediale Präsenz erhaltet und auf dieser Klaviatur einigermassen gut klimpern könnt. Das war es auch schon. Ein Konzept, wie ihr eure sogenannte Volksgemeinschaft im Falle einer demokratisch gewonnenen Wahl führen möchtet, ist beim besten Willen nicht zu erkennen, denn ihr wißt schon, daß ihr den Ast auf dem ihr so feiste sitzen wollt, bei erster Gelegenheit absägen werdet: Sozialleistungskürzungen für Jedermann. Eieiei, seid schweigsam darüber, sonst wird das nichts.

Doch genug des Bashings der freiwilligen Trottel eines sogenannten Volkswillens.

Was ist das schon: Ein Volk?

Diese Frage wird im Laufe der folgenden Zeilen auch noch betrachtet, doch wende ich mich erst einmal einer wichtigeren Untersuchung zu. In großen Buchstaben geschrieben:

„WARUM GEHT’S MIR SO DRECKIG?“

So hieß die erste Platte der Band Ton Steine Scherben 1971 und mit diesem Satz können sich sicherlich viele, viele Menschen auf diesem Kontinenten indentifizieren. „Uns“ geht es scheiße, dann kommen diese Flüchtlingen und die bekommen alles in den hinteren Unterleib geschoben. Sogar Smartphones haben die. Und kriminell sind sie. Et Cetera.

Das es den Menschen, die sich auf eine Flucht, gar in äußerst fragwürdigen Booten über das Mittelmeer, begeben, dies kaum freiwillig tun, ist hier natürlich den meisten Menschen, die über diese sogenannte Flüchtlingskrise klagen, gar nicht klar. Selbst wenn die Flucht über die Balkanroute führt, ist es immer noch ein grausig schwieriges Unterfangen, das im Grunde höchste Hochachtung vor dem Willen dieser Menschen herausfordert. Doch was haben wir übrig: Ablehnung. Was sind wir doch für ein moralisch fragwürdiges Geschmeiß! Die wir in unseren beheizten Häusern sitzen an diesem Tag im frühen Oktober 2016. Draußen weht nicht der erste schneidende Wind. Drinnen hat es 18° Celsius oder mehr Behaglichkeit. Wir sollten unsere feisten Fressen halten, als über diese Menschen, die von egal woher zu uns strömen, herzuziehen. Ich verneige mich auch vor den sehr zynisch so genannten Wirtschaftsflüchtlingen. Denn woher kommt deren Gefühl, daß es ihnen so dreckig geht, das sie ihre Heimat hinter sich lassen? Oh, richtig. Unser Wohlbehagen, unsere Ausbeutung, unsere Unterstützung diktatorischer Regime. Kurzes Innehalten: Bin ich, als Bürger der Bundesrepublik Deutschland, automatisch an diesen genannten Wirtschaftsverbrechen und Unterdrückungen beteiligt. Tja, scheiße. Ja. So lange ich nicht dagegen protestiere, oder daran setze, meinen Anteil der Ausbeutung soweit zu minimieren, daß ich reineren Gewissens weiterleben kann. Doch dazu gehört Aktivität. Sehe ich solche Aktivität unter den AFD-Genossen, gar unter CDU/CSU-Sympathisanten? Um Himmels Willen, das widerspricht der deutschen Lebensart! Das ist links-versifftes Geseier. Danke auch! Ihr mich auch, nicht wahr. Abgrenzung gegen diese Menschen tut not und wird von mir aktiv betrieben. Sollen diese Selektivrassisten auch gerne nicht mehr weiterlesen, obwohl einigen der Rest gefallen könnte. Ja, vielleicht.

Denn: Ja, es geht sehr vielen Menschen in Deutschland dreckig. Und nicht nur in Deutschland. Der Erfolg des Front Nationale in Frankreich, der Brexit der Briten, die Erfolge populistisch-nationalistischer Strömungen in Polen, Ungarn, Österreich und Dänemark kommen nicht von ungefähr. Leute haben die Faxen dicke.

Doch: Wer ist daran schuld? Die Flüchtlinge, die sich in Massen nach Europa begeben? Die kriminellen Ausländer mit ihren Drogen? Die jüdische Weltverschwörung?

Nein. Die Schuld liegt tiefer begraben. Die Schuld wurde in Europa und dem Rest der sogenannten ersten Welt geschaffen. Und wenn WIR (damit schließe ich auch Menschen ein, die gerade noch Selektivrassisten waren, doch dann bemerken, daß ihr Intellekt eigentlich groß genug ist, um doch noch über Tellerrand zu blicken) nicht jetzt langsam etwas dagegen unternehmen, dann wird der Boden, auf dessen Fundament unser Wohlergehen aufgebaut ist, unter unseren Füssen weggezogen durch genau diese Rotte, die doch lauthals vor den geiernden Fremden warnt.

Den Menschen im Bereich der Europäischen Union geht es besser, als vielen Menschen im Rest der Welt (individuelle Härtefälle aussen vor). Das Wohlstandsniveau im Bereich der Europäischen Union hat sich ebenfalls in den Jahrzehnten verbessert. Und dennoch ist da nicht nur ein Gefühl, daß es für sehr viele Menschen besser sein könnte. Ja und dazu müssen wir in die Vergangenheit reisen.

Der Club of Rome warnte schon 1972 über Die Grenzen des Wachstums. Hört man auch 2016 noch Politikern zu, wissen sie immer darauf hinzuweisen, daß alles getan werden müßte, um das Wachstum zu erhöhen. Was bedeutet diese Diskrepanz? Nun, Politiker sind auch immer Teile ihrer Gesellschaft, und diese Gesellschaft ist auf einen Holzweg geraten. Wann? Vermutlich schon immer, doch hat sich im Nachgang des Zweiten Weltkriegs eine Verschärfung, eine Perfektionierung der Suche nach dem zerstörerischen, gesellschaftszerrüttenden Holzweg ergeben. Ich habe bereits die Jahre 1971 (Ton Steine Scherben) und 1972 (Die Grenzen des Wachstums) genannt. Und schiebe noch eine relative Zeitgenossenschaft hinterher, nun aus dem Bereich des deutschsprachigen Schlagers. Ein Gus Backus sang einmal: „Und dann hau ich mit dem Hämmerchen mein Sparschwein kaputt, mit dem Innenleben von dem kleinen Sparschwein gehts mir dann wieder gut.“ Putzig, nicht? Nein. Gar nicht putzig. Wer sich heute, 2016, noch mit Sparschweinen umgibt, ist vermutlich einer der offiziell traurigsten Menschen der Welt (außer es sollte sich noch eine Verschärfung der Negativzinsen für Guthaben ergeben). Und dennoch vermutlich auch im Inneren glücklich? Was bedeutet uns das Sparschwein? Diese Frage ist jetzt sehr ernsthaft gestellt. Was beudeutet DIR, Leser, das Sparschwein? Ein zeitlicher Anakronismus? An der Oberfläche nur gekratzt: Ja. Die Geschwindigkeit unserer Leben im Jahr 2016 hat das Sparschwein von diesem Planeten gefegt und wir können nur noch staunend, erschaudernd hinterherschauen. Das Zeitalter des Sparschweins ist definitiv vorüber. Doch wäre genau der Versuch, die Geschwindigkeit unserer Leben, die das Sparschwein als Symbol für finanzielle Rückstellungen im Bereich des privaten Lebens obsolet werden ließ, zu drosseln. Ganz im Sinne der immer wieder aktualisierten Berichte des Club of Rome, deren Ergebnisse sich nicht wirklich für die Zukunft unserer Nachkommen verbessert. Ganz zu schweigen davon, daß WIR – die Menschen der Gegenwart – inzwischen die Schattenseiten dieser Analysen zu spüren bekommen. Es wird immer stärker auch aus der Politik heraus geklagt, daß sich die Schere zwischen Arm und Reich weiter öffnet. Der Mittelstand schrumpft, die Ängste von aktuell noch „sicher“ lebenden Menschen vor einem Abrutschen in Armut verschärft sich. Die Ängstlichen suchen sich Feindbilder und eilen Populisten hinterher, die ihnen einfache Lösungen vorgauckeln. Das kommt uns doch irgendwie bekannt vor? Dazu möchte ich eine Schlagwörter aus dem Ärmel schütteln:

Die Älteren erinnern sich noch an Arbeitskämpfe zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften um eine Arbeitszeitverkürzung von 40 Wochenstunden auf eine niedrigere Zahl (letztlich gab es da eine teilweise durchgesetzte 38,5-Stunden-Woche) bei vollem Lohnausgleich.

Die Menschen des Jahres 2016 kennen viele Fälle von Menschen, die mehr als einen Job ausüben, um über die Runden zu kommen.

Die Älteren erinnern sich an: „Die Renten sind auf lange Sicht sicher.“

Die Menschen des Jahres 2016 wissen nicht unbedingt, ob sie über diesen Spruch wirklich noch lachen können, auch im Angesicht der Verwirrungen (ein Euphemismus), die durch die Einführung von geförderten privaten Vorsorge geschaffen wurde.

Die Älteren erinnern sich an Zukunftsvisionen, die verlockend waren, die Lust versprachen.

Die Menschen des Jahres 2016 sehen als Sieger im Kampf um die Zukunft die Herren Orwell, Huxley und andere Dystopisten hervorgehen.

Die erhöhte Geschwindigkeit hat uns als Menschen, als Individuen den Garaus gemacht. Und damit auch in hohem Maße die Achtung vor dem Mitmenschen zerrissen. Das ist keine Anklage gegen die neue Medienlandschaft, doch bietet sie erhöhte Möglichkeiten der Lust an der Beschimpfung nicht persönlich bekannter Menschen zu frönen. Ob Du Dich daran beteiligst, liegt nicht am Internet, sondern an Dir.

Die erhöhte Geschwindigkeit wurde an anderer Stelle eingeführt. Es geschah in dem Moment, als die Soziale Marktwirtschaft zugunsten befreiter Märkte zu Grabe getragen wurde. Und wer Mitte der 1990er Jahre dabei war, als ein deutscher Kommunikationskonzern mit großem T seine ersten für jedermann erwerbbaren Aktienpakete öffnete, war dies nur ein kleiner Schritt bei der Öffnung einer pandoraschen Büchse, jedoch signifikant. Denn: wieviele Blasen haben die Aktienmärkte innerhalb der vergangenen 20 Jahre erdulden müssen? Wieviele individuelle Träume sind hier zerschlagen worden? Hat die Menschheit den Schlag der Bankenkrise von 2008 eigentlich schon wirklich verdauen können? Nein, das hat sie nicht. Denn: natürlich sind finanzielle Krisen, wie der immer noch nicht wirklich verhinderte Staatsbankrott Griechenlands eine sehr sauber, hausgemachte Krise, doch gut geölt durch die Möglichkeiten der befreiten Geldmärkte geraten diese Schieflagen noch schneller ausser Kontrolle, und auch solch barbarische Mordorismen, wie „Wetten gegen eine Währung“, sind bei den dringenden Aufräumarbeiten einer nationalen Finanzwelt so hilfreich, wie Brandstiftung gegen ein Krankenhaus. Es ist eine Straftat. Wer anders denkt, sollte gute Argumente zu Felde führen können. Für mich gilt immer noch das Individuum höher, als ein finanzieller Gewinn.

In den Jahren nach dem Zerfall des Kommunismus wurde vom Ende der politischen Linken, vom Ende des Klassenkampfes gesprochen. Ich hoffe, diese Kommentatoren wissen um ihre völlige Fehleinschätzung (F.A.Z.?). Die einstigen, früheren Klassenkämpfe sind nur in ihrer Richtung verändert. Wurde früher vertikal gekämpft, geht es heute mit dem Messer in der Hand gegen die horizontal stehenden Gegner. Dabei verlieren die Kämpfer den Überblick, sehen aber dem Feind ins Auge. Doch wer ist dieser Feind, und warum ist er/sie es? Die neuen Kampfeslinien verlaufen auf oftmals irrationalen Wegen, und werden daher leicht von der einfachen Argumentation des Populismus an der Hand genommen. Dabei spielen dann plötzlich Wörter, wie „Volk“, „Nation“, „Leitkultur“, „Terrorismus“ eine Rolle. Und vieles scheint plötzlich neu zu sein. Es herrscht das Gefühl vor, ganz neue Wege zu beschreiten, wenn der Terrorismus als Beispiel besprochen wird. Natürlich spielt hier die sogenannte Flüchtlingskrise eine wichtige Rolle, denn im Schatten dieser bewegen sich die Täter in unsere Breitengrade und werden zu einer Bedrohung vor unserer Haustüre. Ja, das kann durchaus geschehen, die Wahrscheinlichkeit ist sicherlich höher als Null. Dennoch, bei aller Angst davor, gibt es ein gewisses Maß an staatlicher Sicherheitsapparatur, das hier an der Verhinderung der Gefahr arbeitet. Und, ganz wichtig zu erwähnen ist, daß die Kriminalogie in Deutschland durchaus gut eingearbeitet ist, seit den Tagen der RAF. Den Tagen der PLO. Den Tagen der AKP. Den Tagen der Wehrsportgruppen und anderer Freikorps. Terror in Deutschland ist – so scheußlich das klingen mag – ein widerkehrendes Phänomen, das sicherlich vor allem nicht durch einen sogenannten „Krieg gegen den Terror“ zu bekämpfen ist. Das sollten vor allem die letzten 15 Jahre eindeutig gezeigt haben.

Doch ist es ein leichtes im horizontalen Kampf dem Widersacher einen Terrorismusverdacht nachzusagen, oder ihn aus „Volk“, „Nation“ oder „Leitkultur“ auszuschließen, und ihn dadurch offen als Gegner zu brandmarken, den es zu schlagen oder mindestens erniedrigen gilt. Wenn dieser Widersacher eine sprachlose Menge ist, wie es die vielen heimatlosen Flüchtlinge der letzten Jahre sind, ist es um so einfacher, diese zu marginalisieren, sie auch als Steigbügel für eigene Profilierung zu nutzen. Das die dabei vielfach genutzten Schlagwörter „Volk“, „Nation“ und „Leitkultur“ nie wirklich klar definiert werden, spielt jedoch keine wirkliche Rolle. Doch täte es genau daran wirklich Not, denn was ist dieses „Volk“, zum Beispiel jenes auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland. Ich stelle zur Disposition, das es definitiv kein homogenes Volk in diesem Land gibt, das nicht nur an landsmannschaftlichen Unterschieden liegen mag, sondern auch dadurch bedingt wird, wie groß auch im Jahr 2016 noch die selbstgefühlte Scham in Anbetracht einer 12jährigen Spanne der deutschen Geschichte ist. Eine vielleicht kurze Zeit, die dennoch eine übermenschliche Katastrophe in jeder Facette des Menschlichen, der Menschlichkeit darstellt. Hier darf niemals eine Marginalisierung stattfinden. Und um die Frage eines jugendlichen Bürgers dieses Landes im Laufe des Jahres 2015 aufzugreifen: „Bin ich jetzt Schuld an den 60 Millionen Toten?“: Nein, kein deutscher Bürger, der nach dem 8. Mai 1945 geboren wurde, trägt daran eine Schuld, doch ist uns als Nachfahren – ob un- oder nur mittelbar – eine Pflicht erwachsen, mindestens auf dem Gebiet dieses Landes dafür Sorge zu tragen, das Verfolgung geächtet wird. Das die Zugehörigkeit zu einer Rasse und das Geschlecht eines Menschen nicht dazu führt, Benachteiligung zu erfahren. Das die sexuelle Orientierung eines Menschen geachtet wird. Kommen Menschen in dieses Land, welchen diese Grundwerte fremd sind, dann sind wir dazu angehalten zu lehren und vor allem mit einem Beispiel voranzugehen, das so gut ist, wie wir es eben jeder für sich leisten kann. Dazu ist die Selbstversicherung jedes Menschen notwendig. Kein Mensch ist jederzeit frei davon gegen irgendetwas, irgendjemanden Abneigung zu empfinden. Diese innere Abgrenzug ist ein Teil der menschlichen Existenz. Doch kann jeder Mensch lernen, damit umzugehen, es nicht in Wort oder Tat nach aussen zu führen.

Doch Selbstversicherung und Selbstvergewisserung sind Prozesse, die ihre Zeit brauchen. Womit sich der Kreis zum Sparschwein schließt, denn auch dieses brauchte Zeit, um sich zu füllen.

Es ist nicht die Frage, ob ein Mensch jedes Jahr ein neues Smartphone braucht. Es ist eher die Frage, warum jedes Jahr ein neues Smartphone angeboten wird, und warum globale Konzerne, die dieses Angebot in die Welt schreien, noch nicht einmal einer regulären Steuerpflicht dort unterliegen, wo sie ihre Geschäfte machen. Gerade dieser Aspekt stinkt bereits seit vielen Jahren, und niemand räumt auf.

Wie hieß es damals in der Zeit, als Zukunft noch etwas Gutes schien: Think global, act local. Genau: ACT LOCAL, ihr Blutsauger der Menschen, die ihr eure Targets (Zielscheiben) nennt. Wir, die Menschen dieses Planeten, sind nicht für das Wohlergehen eurer CEOs und Aktionäre zuständig. Werdet wieder gewahr, daß ihr nur die Produzenten von Produkten sind, die WIR für uns nutzen.

P.S. für die AFD-Fanboys und -girlies: Wenn irgendwo auf diesem Planeten ein Mensch, der dort Ausländer ist, straffällig wird, ist – so seine Schuld nachgewiesen ist – dieser zu bestrafen. Ich weiß nicht, warum solch eine klare Realität unseres Zusammenlebens immer wieder zur Sprache gebracht werden muß. Sollte es im Bereich der Legislativen Lücken geben, sind diese durch die gesetzgebende Exekutive unserer Gewaltenteilung zu schließen. Punkt.

„Young kids playing rock music, should be ashamed of themselves for not doing something really new.“

„Young kids playing rock music, should be ashamed of themselves for not doing something really new.“

Wenn ich diese Aussage lese. dann stimme ich ein wenig zu. Der Mensch, welcher dieses sagte, will wohl auch einfach etwas zuspitzen und vielleicht sogar Widerspruch auslösen. Was auch immer. Ich frage mich natürlich, ob Rockmusik im Jahr 2016 wirklich noch wichtig ist. War sie jemals wichtig? Ja. Auf jeden Fall. Doch die beste Musik, die ich selber über die Jahre in meinem Herzen sammelte, war Musik, die vielleicht Rock oder auch komplett anderes war, aber Musik, die berührte. Insofern kann die Rockmusik ab der Gegenwart ruhig verschwinden, in Bezug auf die erwähnten „young kids“. Und die Alten, die noch zum Instrument greifen? Okay, seien wir ehrlich. Weltbewegendes hat es in der Rockmusik tatsächlich seit Jahren nicht mehr gegeben. Und eine neue Punk-, Metal-, Indierockband braucht auch kein Mensch. Explosive Musik mit Gitarren, Bass, Schlagzeug machten zuletzt höchstens noch die Swans, die das Vokabular der Musik jedoch auch mächtig erweiterten, da sie Atmosphäre und Aura der Musik belebten und ihnen die Länge eines Musikstückes völlig egal wurde, so das die Fugen auseinanderbrachen. Und da die Swans ihre Musik hauptsächlich über die neue Schiene des Fundraising finanzierten, war die Musikindustrie nur noch als teilweiser Verteiler gefragt. Und die Industrie braucht den Rockmusiker noch, und dabei auch gerne mal jung und unverbraucht, damit auch das junge Publikum noch bedient werden kann. Es mag 14-jährige Jungs und Mädels geben, die einen Michael Gira als Idol sehen können, aber viele werden es nicht sein, welche die Geduld aufbringen, sich mit derart sperriger Musik auseinanderzusetzen. Wenn also alt, dann Acts, die auch bei sommerlichen Festivals noch die Massen bewegen können. Und das ist keine Rockmusik mehr, sondern Show. Entertainment. ZDF-Fernsehgarten für Hippies und solche, die das nie zugeben würden, denn ihre Tattoos passen nicht dazu, denn sie sind HARTE, ganz HARTE Jungs und Mädels.

„young kids should stop flogging dead horses.“

Noch ein Zitatteil, das in sofern interessant ist, da es auf einen Plattentitel der Sex Pistols verweist. Der Kenner weiss, das diese Platte erst nach dem Ende der Band veröffentlicht wurde und auch nur Unveröffentlichtes und Ausschuß zusammenraffte, womit dem Titel „flogging a dead horse“ auch schön Genüge getan wurde. Und da setze ich doch mal an: Was wäre jetzt so schrecklich an einer Band aus 19- bis 25-jährigen Menschen, die den Ball der Sex-Pistols-Nachfolgeband P(ublic) I(mage) L(imited) aufnähmen und einen Sound wie jene auf „metal box“ brächten? Oh, das wäre himmlisch! Wird es eine solche Band geben? Nein. Es könnte sie geben, denn sicherlich wird dem ein oder anderen jungen Menschen irgendwann dieser Sound auf dem Lebensweg begegnen. Und von diesen jungen Menschen wird vielleicht jeder zehnte auch so tief beeindruckt sein, das er/sie sich denkt: „Das will ich auch mal machen.“ Denn der zwischen Krautrock und Dub angesiedelte klinische Antirock-Sound mit schneidenden Gitarren, angewidertem Mundwerk ist sicherlich noch nicht totgespielt, kein verendetes Pferd vom Anger. Dennoch wissen die meisten Menschen, die es jemals mit der Musik versuchten, das der eigene Sound auch sehr stark von der direkten Umwelt geprägt wird, was auch für die Musik von PIL galt, denn diese hörten Can und Reggae am Gunter Grove. Das nur mal als Anstoß. Neue unrockende, aber laute Wege sind möglich, auch noch nach 2016.

Warum trotzdem immer noch junge Menschen es mit diesem Klangbild versuchen? Außer, das es einfacher ist, als z.B. sich im Jazz zu versuchen? Die Rockmusik ist inzwischen gesellschaflich so integriert, daß der Tod eines Rockmusikers in der Jetztzeit mehr Tränen hervorrufen kann, als der Tod eines anderen prominenten Menschen. Sollten tatsächlich irgendwann Mitglieder der Rolling Stones sterben, werden wir es wieder messen können. Ein weiterer Grund ist der wirtschaftliche Aspekt, denn würden die Kids tatsächlich diesem Stil entsagen und völlig neue musikalische Klangwelten entwickeln, würde dies die Musikindustrie vor ein unglaubliches Problem stellen, denn damit brächen sicherlich auch Kundenpotenzen weg, die vielleicht das neue RedHotChilliPeppers-Album einfach ignorierten und bei deren Auftritt während einem Sommer-OpenAir einfach das Gelände verliessen, denn: „Rock? Pfff!“ Undenkbar? Naja. Ganz undenkbar sicherlich nicht, doch um wirklich den jungen Rock zu schleifen, bräuchte es auch ein Umdenken in anderen Aspekten des täglichen Lebens.

„young kids should definitely search for the interacting with others in making music, but not by evoking old clichés.“

Da findet sich dann auch der Ansatz, daß ein wesentlicher Punkt des Bandmusizierens wichtig ist: Das Miteinander. Und es ist kein Miteinander, das von einem unbestimmten Außen gefordert wird, denn oft ist der Funke, der eine Band begründet, die gemeinsame Sympathie. Oder? Für mich als Hörer wäre eher wichtig, das sich junge Menschen dem Aspekt stellen, das ihre Musik berührt. Und wie einst der weise Robert Fripp wußte: „In der Rockmusik kann es dir passieren, das du gefickt wirst.“ Was sich vielleicht abschreckend anhören kann, ist jedoch eine einfache Einladung dazu, offen zu sein für die Schwingungen der Musik. Und wer sich dazu hingibt, macht keine Musik mehr, die sich nur wie eine Klonung bestehender Sounds anhören wird.

Q-Tips #3 – on a sunday morning

Der neueste Mix aus der Q-Tips-Reihe – erstellt, um Ohren zu reinigen – huldigt einmal großflächig den Taten der Altvorderen. Doch zaget nicht, ihr Jüngsten, auch die moderne Musik wird einziehen, in dieser Reihe. Ich verwende keine Energie auf Grenzziehung und -erhalt.

Dieser Mix ist dem desperat sonnigen Sonntag Vormittag gewidmet. Und sollten Sie keinem depressiven Schub erliegen, könnte er auch eine Wirkung erzielen. Ich wünsche Glück hierfür.

Und so startet dieser Mix, nach dem inzwischen in den Ohren verankerten Laika-Intro, mit den ersten sechs Minuten des schönsten Radiohead-Stücks aller Zeiten. Kurioserweise nannten sie sich damals noch Pink Floyd und die Platte hieß „Meddle“. Waren die Radioköpfe eigentlich 1971 schon geboren? Sei’s drum, „Echoes“ ist ein Monument der leichten Köstlichkeit. Progressiv, aber noch lange, lange nicht exaltiert in Kopflastigkeit. Der richtige Dosenöffner für einen hinreißenden Tag.

Was „Echoes“ noch möglicherweise an Funk fehlt, da sich die Floyds gerne eher in die Wolken spielten, bringen Can, bei denen Drummer Jaki Liebezeit gerne mal einen dreckigen Beat spielte. Hier bleiben wir im Jahr 1971 und lauschen einem Auszug aus dem glorreichen „Halleluwah“ aus der sensationellen „Tago Mago“. Wenn der Sonntag mit dem Kitzeln der Floyds beginnt, so sind Can die feinen Wasserstrahlen der Dusche, im Laufe des Stückes mit Massagewirkung auf der Kopfhaut.

Es liegt nicht an der Musik, daß der folgende Song etwas ungelenk durch die Türe stakst, denn der Franzose an sich gilt ja gerne als elegant. And french he is, indeed. Jean-Jacques Perrey. Mit dem Stück „E.V.A.“, diesmal ausgesuchtes 1970er Material. Ein weiches Frotteehandtuch, das sich freundlich um den Körper des Hörers legt.

Und – schwupps – sitzet frau beschwingt am Küchentisch und nippt am Orangensaft. Am frisch „gerippten“ Orangensaft. Passenderweise hören wir den jungen Edwyn Collins mit seiner ersten Hitband, welche – huch – Orange Juice hieß. 1982 veröffentlichten sie das unglaublich begeisternd wippende „rip it up“.

Möchten wir nun noch ein modernes Küchengerät starten, so brauchen wir unbedingt „electricity“, flugs geliefert von den hereinschneienden Orchestral Manoeuvres in the Dark, kurz OMD, aus derem zweiten Album. Ja, das ist doch schon richtiger Punk, oder? Kraftwerk mit Verve nachmachen, und von jenen einen Songtitel von 1971 (schon wieder…) borgen, und das ganze 1980 total unquantisiert einherrocken, ohne Gitarre. Punk!

Jetzt mal schön zurücklegen mit dem Bill Evans Trio. Ach nein, die Platte heißt ja „Sunday at the Village Vanguard“. Überraschung! Und „my man’s gone now“ sollte für die Hörerin/den Hörer bitte nicht passen. Ansonsten schreiben Sie mir, ich bin ein guter Leser. Und vielleicht kann Bill Evans Sie ein wenig ablenken. Und wenn nicht, wird…

…Richard Strange, auch bekannt als Kid Strange von den Doctors of Madness, Sie mit seiner negativen Weltsicht anheimeln. „Kiss goodbye tomorrow“ nahm er 1980 neu auf, das Original stammt noch von seiner alten Band, den Doctors (LP „sons of survival“, 1978). Nice! Diese akustischen Gitarren, die so gerne rocken wollen.

So sitzt der Sonntag vormittag in einem Café, und wir senden dem Rest der Welt ein unsicheres Lächeln. Und wer konnte solche zwielichtigen Gefühlszustände besser vertonen, als der junge Matt Johnson, der sich gerne als der Der bezeichnete. (???) Ja, dummer Scherz, die Band nannte er The The. 1983 kam das erste richtige Bandalbum, welches „soul mining“ hieß, und dort fand sich dieses Kleinod „uncertain smile“, das neben Matt Johnson einen weiteren Star aufbot. Der hieß Jools Holland, und Sie dürfen nun raten, welches Instrument er spielte und damit gar nicht aufhören wollte…

Dieses Instrument findet sich definitiv nicht im folgenden Song. Dafür Krawall und Rückkopplung, ach! Wie ein sonntag morgendlicher Sonnenstrahl, auch dieser harmonische Gesang. Sie meinen den Song zu erkennen, aber nicht so? Nun, es war auch ein Welthit, dieses Mal jedoch von 1972. Und auch Neil Young selbst hätte es zu anderen Zeiten geschafft „heart of gold“ so klingen zu lassen. Hat er aber nicht, so blieb es den Nozems vorbehalten 1992 den Song unter Strom zu setzen. Und wenn der Song in einer rocktypischen Feedbackorgie endet, schält sich langsam….

…wieder der beste Radiohead-Song aller Zeiten aus dem Nebel und wir werden belohnt für all die Zeit des Harrens mit den letzten sieben Minuten von „Echoes“. Hach. Da schwingt ein kleines Maß an sonntäglichem Fernweh mit.

that’s it, Folks!

15.05.2016 – Was war das nochmal mit „OK Computer“?

Vor vielen, vielen Jahren schrieb ich bereits ein handvoll Zeilen (hier der Link für starke Nerven… Ihr müßt ein bisserl runterscrollen) über diese sogenannte beste Platte aller Zeiten hier: RateYourMusic, Stand 15.05.2016

Damals nannte ich das Album „die Arno-Schmitt-Platte 1997“. Stehe ich auch heute noch zu. Die größte Frage, die ich damit wohl aufwerfe ist: „Wer oder was ist Arno Schmitt?“ Eure Schuld, wenn ihr es nicht wißt! Bildet Euch, bei Zeus!

Wer sich einmal Zeit seines Lebens mit entweder „Schwarze Spiegel“ oder „Abend mit Goldrand“ auseinandergesetzt hat, oder mit einem der anderen literarischen Höhepunkte des Herrn Schmitt, der weiß, der Mann hatte eine ziemlich unverdeckte Wut, meist auf seine direkte Gegenwart. In „Schwarze Spiegel“ begegnet der Leser einem Protagonisten, der alleine durch ein kriegsatomar verwüstetes Norddeutschland wandert. Er trifft irgendwann auf eine ebenfalls überlebende Frau. Dieses Aufeinandertreffen ist nebensächlich, die beiden gehen bald wieder ihre eigenen Wege. Die Kunst Schmitts in dieser Erzählung liegt daran, das totale, überwältigende Fehlen von jeglicher Handlung durch seine Sprachgewalt vom Tisch zu fegen, mit welcher er das in Worte webt, was sein Protagonist sieht, und was das Gesehene an Geschichte zeigt. Kaum eine andere Erzählung ist tieferer Menschenhass, der zweifelsohne noch durch die Zeitgeschichte Deutschlands von 1933 bis 1945, und die Ausläufer eines teilweise widerwärtigen, konservativen Denken bis weit in die 1950er geprägt ist.

Was hat dies mit Radiohead zu tun? Nun, es hilft nichts, daß bezüglich ihres Albums „ok computer“ gerne von der Musik geredet/geschrieben wird. Ahnungsloses Gestocher. Damals schrieb der deutsche Rolling Stone davon, daß diese Platte das „dark side of the moon“ der 1990 sei. Vielleicht. Die Wirkung eines Stückes, wie „us and them“ ist durchaus generationsübergreifend, und damit die Deutung des Rolling Stone widerlegt. Und so wird auch „lucky“ noch in jahrzehnten empathische Menschen ergreifen. Und es wird natürlich an der hochgetürmten Musik liegen, an den mellotronartigen Keyboardsounds, doch ich erzähle Euch Lesern nun genau, woher die kalte Hand kommt, die Euch ans Herz greift, und es nicht Schlagzeug, Bass, Gitarre, Tasten… nein, auch nicht der Gesang an sich. Klar, daß das Zusammenspiel dieser Elemente den Song trägt, doch es ist dieser kleine Moment, bevor Thom Yorke sich in den ersten Refrain geschwungen hat, zum ersten Mal die Worte „pull me out of the aircrash“ gesungen hat… da kommt dieser Moment, in welchem er etwas tiefer Luft holt, leicht nasal, und „pull me out of the lake“ hinterherruft (1:16). Und wenn Ihr ehrlich seit, so besitzt auch dieses Stück einen gefühlten Untertitel, der „Schwarze Spiegel“ heißt (ohne den Arno-Schmitt-Plot), alleine durch die Undurchdringlichkeit, die Radiohead hier in der Reflexion dieses Stückes dem Hörer anbieten. Hier gibt es keine Gefühle, die wir mitnehmen in unser Leben, weil da jemand ein Lied schreibt, daß uns in unserer Existenz weiterhilft. Oder das uns irgendwie bestätigt. Selbst „exit music (for a film)“, das letztlich von einer Romanze zu erzählen scheint und auch mit der damaligen Verfilmung von „Romeo and Juliet“ in Verbindung stand, ist ein schwarzer Monolith, welcher uns Rezipienten genauso harsch und ohne Erklärung vor die Tür setzt, wie das die Monolithen in „2001 – Odyssee im Weltall“ mit den armen Forschern taten. Radiohead senden uns nicht zum Jupiter, nein, sie sagen: „Geht kotzen und erstickt“. Das ist Punk, oder? Hätte ein etwas besser reflektierender John „Sid V.“ Richie auch gesagt und dementsprechend musiziert. Aber Radiohead sind keine Prolo-Punks mit zuviel Substanz in den Adern, sondern im Hirn. Und vermutlich auch zuviele Tritte ins Gesicht zur Schulzeit, wenn wir uns die Visagen der Herren so ansehen. Der Fuzzbass am Ende von „exit music“ ist wohl einer der verwegensten seit John Cale in „white light/white heat“ der Zunft der Viersaiter seine Definition eines irren Basslaufes aus der Hüfte entgegenschoß. Der Mann spielte ja lieber auch andere Instrumente.

Was preisen wir dann auch „no surprises“? Eine Aufforderung zum Amoklauf, vielleicht, mit unbedingter Selbsttötung am Ende? Ein Lied, das wie ein Kinderlied klingt. Einfach, harmonisch einwandfrei, und doch definitiv tötlich. Wird der Hörer hineingelassen? Will er da rein? Am schlimmsten ist, daß heute, neunzehn Jahre später, dieses Stück keine Sekunde langweilt, trotz oftmaligen Hörens. Was auch für die anderen Couplets gilt. Okay, „fitter happier“ ist vielleicht doch etwas plan gedacht und ausgedrückt, doch ist es ein klarer Teil des Konzepts, dem Radiohead hier folgen. Also doch, „dark side of the moon“? Nein, denn Pink Floyd waren auf ihre Art und Weise gesellschaftskritisch, und hatten vor Finger in Wunden zu legen, und genau dem verweigern sich Radiohead. Sie müßten eine Gesellschaft anerkennen, die sie kritisieren würden. Und genau hier ist der Unterschied. Radiohead tauchen in „karma police“ auf der Partie der jungen Frau mit der Hilterfrisur auf und sorgen für Unruhe. So ist auch der Sinn dieser ganzen Platte. „OK Computer“ ist nicht nur ein Party- sondern ein Lifecrasher. Ein vertonter Amoklauf, dessen Ziel nicht die Leben, sondern die Sicherheit dessen ist, was die Hörer bis zu dem Zeitpunkt seines Lebens als Realität ansehen mochte.

Ich verstehe von daher den andauernden Erfolg der Platte nicht. Da bin ich ehrlich. Ich vermutete bis dato, daß es auf diesem Planeten so viele ihrer selbst sicheren Menschen gäbe, die irgendwann sagte: „Liebe Radioheads, jetz‘ is‘ mal gut, nich‘.“ Oder sind da vielleicht zu viele Erinnerungen an z.B. Collegesex zu „the tourist“? Ich empfehle lieber „kind of blue“, bessere Tempogestaltung über die volle Länge der LP. Oder ist da doch vielleicht eine größere Menge an Menschen, die sich gerne der subtilen Beleidungsorgie anschließen, die sich in diesen Tönen versteckt? Oder zuviele, die auch „chickens“ in ihren Köpfen gackern hören? Die sich entsprechend als paranoide Androiden sehen? Nicht von der Hand zu weisen, einer schreibt hier gerade 😉

In jedem Falle gelang dieser Band hier der gerade Weg von „thought to expression“, für den es laut Lou Reed „a lifetime“ braucht. „Pablo Honey“ ist langweilig und schlecht geklaut (bis auf den einen Hit). „The Bends“ ist in den lauten Songs grausig, die Balladen weisen schon einen Weg. „Kid A“ hat einige gute Verbeugungen vor dem Vorgänger, der Rest ist zu bemüht, andere Geschichten zu erzählen. „Amnesiac“ hinterläßt an manchen Stellen weniger Kopfkratzen, als Wutschreie, ob der miesen Songqualitäten. „Hail to the Thief“ ist noch ein Versuch, der ein Versuch bleibt. Keine Ahnung, was danach kam. Meine Geduld war zu Ende, und eines wußte ich: „OK Computer“ gibt es schon.

Es gibt bessere Platten, aus meiner Sicht. Eine wäre „Metal Box“ von P.I.L., die eine noch härtere Art des Weltekels bietet. Und ebenfalls von Bassläufen lebt.

Aber sind wir doch froh, das es diese Künstler gibt. Thom Yorke und seine Jungs. John Lydon, Keith Levene, Jah Wobble und der ein oder andere Drummer.

Q-Tips #2 (heyhey, Mixcloud, hey)

Die ersten Momente gehören dem etablierten Intro der Q-Tips-Reihe, die schon vor etlichen Jahren auf Radiowellen begann: Laikas „spider happy hour“.

Es folgen die in San Francisco beheimateten Longshoremen, die mit einem schönen Beatgedicht zu – sind das Küchengeräte? – und Fingerschnippsen einhergrooven. „what does it all mean“ heißt das Stück und im Song: „television personality’s out“. Zu finden ist dieses feine Stück auf dem Sampler „Club Foot“ aus dem Jahr 1981. Vor einigen Monaten neu aufgelegt.

„Dig it“, heißt es noch, dann starten Tuxedomoon mit „music for piano + guitar“, das 1986 auf „ship of fools“ veröffentlicht wurde. Ein erstes, beinahe leises Balsam für Seelen.

Coil veröffentlichten 1991 ihr Album „love’s secret domain“, und ein Jahr später liessen sie eine Platte mit dem Titel „stolen and contaminated songs“ folgen, auf welchem sich etliche Urversionen der „l…s…d“-Songs fanden. Unter anderem „original chaostrophy“, das in aller digitalen Heimeligkeit hier nun sein Wesen daherschleifen lassen darf.

Es folgt ein Stück, das wohl zu den mysteriösesten Veröffentlichungen zählt. Die Platte trägt den Titel „Lingva Pravorvm Peribit“ und ist um 2001 durch das belgische Label Firstcask veröffentlicht. Die Aufnahmen stammen aus dem lettristischen Umfeld, heißt es. Die Titel selbst bleiben unbenannt. Im Run-Out-Groove der Seite C, auf welcher das gespielte Stück erscheint, steht Videoconference. Klingt doch gut, oder? In jedem Fall ein sonderbares, hölzern groovendes Stück mit fürstlichen Melodien, wie ein Erschießungskommando. (Link zu weiterführender Information zu dieser Schallplatte)

Da paßt der Nachruf auf die letzte Nacht der RAF’s Ensslin, Raspe und – bäh – Baader, den Permanent Confusion mit dem Titel „18. Oktober“ präsentieren. Wackelig, nervös und beunruhigt schleicht dieses Stück dahin, um sich in beschwörendem Flüstern aufzulösen.

Mit Rip, Rig & Panic folgt eine leider sehr in Vergessenheit geratene Combo, die den wunderbarsten Songtitel hat: „beware (our leaders love the smell of napalm). Erschienen 1980 auf „god“. Auf dem Cover kratzt sich ein Tier am Hintern. Das jazzige Klavier im Titel unterstreicht die Würde jedes Agnostikers, danke!

Die Kinks haben ihn erfunden oder eher seinen Namen im kontinentalen Bereich bekannt gemacht. Jetzt darf hier der Ex-S.Y.P.H.-Sänger Harry Rag bei „russian puppet“ auch Klavier spielen, nicht jazzig, aber punktiert und langsam, aber nicht sentimental. Nee, nee! Erschienen 1992 auf „Trauerbauer“.

Und zack, tauchen schwebende Gitarren auf, gespielt von M.A.L., zu finden auf „insane music for insane people, vol. 1“, 1981. Und „insects in love“ heißt das süße Liedlein, das klingt, wie ein feuchter Fiebertraum jedes Pink-Floyd-Fanatikers.

Von Pink Floyd zu Simon & Garfunkel scheint im Overground des Mainstreams ein kurzer Schritt, doch obacht! Die beiden komischen New Yorker Käuze konnten auch nicht konsensselig, wie ihre brückenlastigen Hits nahelegen mögen. Hier hatte Paul mal in der U-Bahn die Augen auf, und schrieb dann „a poem on the underground wall“, 1966 auf „parsley, sage, rosemary and thyme“ veröffentlicht.

Auf der B-Seite der weltbekannten Ronettes-Single „be my baby“ versteckte 1964 der berüchtigte Produzent Phil Spector ein jazzig-loungiges Instrumental mit dem Titel „Tedesco and Pitman“. Was ist hier wirklich der größere Hit?

Und nun zur hier ätherisch klingenden Brigitte Fontaine mit einem Stück aus der vorzüglichen Zusammenarbeit mit dem Art Ensemble of Chicago, „comme à la radio“, das 1969 aufgenommen wurde.

Und plötzlich hält der unglaubliche Groove Einzug! Duke Ellington nahm 1963 mit Charles Mingus und Max Roach die hervorragende Scheibe „money jungle“ auf. Dort findet Ihr alle diesen Knaller, „caravan“! Ja, ich weiß, ist ein Ellington-Klassiker.

Und es wird wieder anschmiegsam mit Bill Rieflin und Chris Connelly, die uns „prayer“ aus dem Album „largo“ spielen, das 2000 veröffentlicht wurde. Vom munteren Klavier zum betulichen.

Und weiter zur kratzigen Gitarre von DNA! Da kann frau mal richtigen No-Wave hören mit Arto Lindsay. Der Song war die A-Seite der 1979er Single „you & you“

Ja, aber da wird die Gitarre doch wieder folky und akustisch! Und die Band heißt „Let’s have healthy Children“. Schon wieder aus der Reihe „Insane Music for Insane People“, diesmal Volumen #5. Das spricht mich doch total an. „fear no more“ ist der Titel. Sollte aber auch jeder so raushören können.

Lange kein Klavier mehr hier gehört. Auf zu Colourbox und aus ihrer ersten self-titled-85er Platte perlt „sleepwalker“. Oder taumelt. Schleicht.

Das Todesklavier könnte er spielen, doch läßt Karl Biscuit in „requiem“ lieber ein Todesrauschen oder -schwelgen erklingen. Zu finden auf dem schön becoverten „regrets eternels“ von 1984. So gehen Dandys dahin.

Und gar keine Dandys waren die Mothers of Invention, und so bekommen wir nun die klare Aussage über das schönere Sterben der Creeps. Pow Pow Pow! Oder Lagerhaltung der Freaks. Frank Zappa wußte schon immer, wie unsubtil und doch mehrdeutig und zeitlos gegen alles Krawall gemacht werden konnte. „concentration moon“ findet sich auf „we’re only in it for the money“ von 1969.

Schöner Schwelgen im Schmerz, das kann kaum einer, wie Scott Walker. Scott as in Scott only knows. Dieses Stück, „I threw it all away“ (Original Bob Dylan) nahm er 1996 für den Soundtrack zu „to have and to hold“ auf, der ansonsten von der Echte-Männer-Crew Cave, Harvey, Bargeld mit viel, viel Geigenschmelz erzeugt wurde. Damals hatte Scott schon „Tilt!“ gerufen und war noch einmal zurückgekehrt.

Und ganz plötzlich ist dann Schluß. That’s it, Folks!

Erster Einsatz in der Mixcloud

Die Erkennungsmelodie der kommenden Q-Tips-Zusammenstellungen oder auch Mixe ist der Titel „spider happy hour“ von Laika, aus deren 1994er LP „silver apples of the moon“. Dieses Stück startete bereits 1998/1999 die Sendungen dieses Individuums auf einem kleinsten, luxemburgischen Radiosender, welche ebenfalls Q-Tips hieß. Der Untertitel damaliger Tage soll auch heute gelten: Schöne Musik für schöne Menschen.

Als ersten Song hört ihr deutschen Garagenrock von einer Band, die eigentlich nicht für diesen Sound bekannt wurde, ihn aber hier scharf aus dem Ärmel schüüttelt (hihihi): Amon Düül II mit „Archangels Thunderbird“ (LP: „Yeti“, 1970). Da könnte es dazu kommen, daß alte Meinungen über diese Band, sowie den hier verhandelten Krautrock plötzlich zusammenbrechen. Wer mehr mag, dem sei das „Wolf City“-Stück „surrounded by the stars“ dieser Band ans Ohr gelegt.

Weiter mit Neu!. Neu! machten in Motorik. Wer letztlich diesen Sound irgendwann so beschrieb, weiß ich jetzt nicht. Vielleicht war es Klaus Dinger selbst, der hier Schlagzeug spielt und den Neu!-Sound vielleicht zu etwas mehr als 50% erschuf (der Rest geht natürlich auf das Konto von Michael Rother, der anderen Neu!-Hälfte). Dieser Song heiß „Isi“, stammt von der Michael-Rother-Seite des Albums „Neu! 75“ aus ebenjenem Jahr. Ein exquisit rollendes Stück und ich möchte gerne in dem Klaviersound baden.

Folgend eine total unbekannte Kombo namens Camp Hansen. Leider unbekannt. Der Song trägt den Titel „Autorenmusik“ aus dem Album „keep music progressive“ von 2004. Der Titel soll auf den im Hintergrund hörbaren Ausschnitten aus sogenannten „Autorenkino“-Filmen beruhen. Ob die verwendeten Filmemacher so bezeichnet werden möchten, wissen nur jene selbst, doch tut das der schwebenden Atmosphäre keinen Abbruch.

Ein weiterer Neu!-Titel, „Neuschnee“ aus der LP „Neu! 2“ von 1973 folgt. Auch hier regieren federnder, wie fordernder Beat im Gleichklang mit einer schönen Melodieseligkeit. Das Neu! auch total anders konnten, mag jeder wissen, der sich einmal der hier mißachteten Debüt-LP aussetzte. Anspieltips hier: „Hallogallo“ und „Negativland“.

Und ab mit The Permanent Confusion, die in den 1990er eher für einen weniger krautigen, als dunklen Sound bekannt waren. Hier hören wir „9. November“ aus ihrem erst bald erscheinenden Album „Deutscher Herbst“. In zwei markante Teile zerschnitten, hört sich die erste Hälfte tatsächlich wie eine Fortsetzung des Neu!-Sounds an, doch der Bruch um die 3. Minute bietet ein fürchterlich schönes, anderes Bild. Wenn auch die Melodien gleich bleiben, sind die Parameter im Mix derart verschoben worden, daß ein anderer Song zu laufen scheint, der dann auch eine fast paranoid wirkende Beschreibung von historischen Geschehen an 9. November“n“ in Deutschland zum Bedenken gibt.

Der Sound hier mag ein wenig an die Einstürzenden Neubauten erinnern, von denen nun das Titelstück ihrer 1990er LP „Haus der Lüge“ folgt. Mit präzisem Beat, nicht nur in der Percussion, sondern auch im Gitarrenspiel, entsteht die Basis für die Wortarchitektur von Blixa Bargeld, der hier gekonnt ein Denkgebäude skizziert, das Siegmund Freud hätte grinsen lassen.

Wieder einen eher harmonischen Sound hören wir von Brian Eno, Dieter Moebius und Hans-Joachim Roedelius. Der Song „The Belldog“ erschien auf ihrem zweiten, gemeinsamen Sessionstück „after the heat“. Wer sich noch nicht mit Eno oder dem Duo Cluster (unter diesem Namen firmierten Moebius und Roedelius zwischen 1971 und 1981, sowie später noch manchesmal) auseinandergesetzt haben mag, dem mag hier nicht aufgehen, wie stark sich die beiden deutschen Teilnehmer auf den Sound ihres britischen Kollegen eingelassen hatten. Enos weicher Gesang, der zwar klar verständlich ist, und doch von der Konzeption her eher einem poetischen Genuschel gleicht. Auch wirkt das komplette musikalische Backing eher wie ein wonnevolles Schaumbad. So sollten Cluster nie geklungen haben.

Es folgt der Versuch von „Monza“, einem Titel der Formation Harmonia, die aus den inzwischen hier schon vorgestellten Herren Moebius, Roedelius und Rother (schau nach bei Neu!) bestand. Für das Album „Deluxe“, auf welchem „Monza“ zu finden ist, verstärkte noch der Guru-Guru-Drummer Mani Neumeier die Band. Leider leidet dieses Stück hier unter digitalem Gezische und Geholpere, weswegen es dann weit vor seinem Ende ausgeblendet wird. Ein starker Song bleibt es dennoch.

Wir begegnen nun den möglichen Königen des sogenannten Krautrocks.

Deswegen ein Absatz.

Michael Karoli, Gitarre und Geige.

Jaki Liebezeit, Schlagzeug.

Irmin Schmidt, Tasten.

Holger Czukay, Bass und Radio.

Damo Suzuki, Stimme.

= CAN

Der Song, „bring me coffee or tea“, beendete 1971 das Jahrhundertwerk „tago mago“, das in seiner irrwitzigen Labyrinthhaftigkeit von Jorge von Burgos, dem blinden, humorlosen Mönch aus Umberto Ecos „Der Name der Rose“ erdacht sein könnte. „Tago Mago“ hätte auch den Titel „Finis Africae“ tragen können, als Herberge des vermeintlichen Schatzes der absoluten, aber nicht konsumfähigen Erkenntnis. Und so bietet auch dieses einzelne Stück nur einen Hauch des Glanzes, den das ganze Album in Toto genossen, zu geben mag. Ich empfehle den Transfer auf eine unbeschriftete Musikkassette… irgendwann wirst Du, Hörer, nicht mehr wissen, an welchem Punkt in diesem Irrgarten Du Dich befindest. Du wirst spüren, mit welcher Macht, diese Musik geschaffen wurde. Sei bereit.

01. Mai 2016: Susie, Caroline and the Boys.

Popmusik ist immer ein schöner Spiegel der jeweiligen Zeit, in der sie entsteht. Interessant sind dadurch die Blicke auf sogenannte Evergreens, die auch nach Jahrzehnten noch gerne von vielen Menschen gehört werden.

Ich möchte in diesen Zeilen zwei Lieder vergleichen, die beide bereits etliche Jahre seit ihrer Entstehung auf dem Buckel haben. Das eine ist möglicherweise auch heute noch ein Radio-Evergreen, „wake up little Susie“ von den Everly Brothers. Doch unter Fachleuten findet vermutlich eher „Caroline no“ von den Beach Boys höchste Anerkennung.

Worum gehts? Beginne ich mit den Everly Brothers, die mit dem Song über die kleine Susie noch ganz am Start ihrer Karriere standen. Und der Chef ihres Labels Cadence, wollte diesen ersten gigantischen Welthit gar nicht erst veröffentlichen. Ist er doch auch ein Song mit einem gewissen Punkappeal. Das mag für die Menschen, die den Song, wie ich es lange, lange Zeit tat, nur als Radiohintergrundgeräusch wahrnahmen, erstaunlich sein. Doch, obacht! Nennen wir der Einfachheit halber, das lyrische Ich des Songs, Everly, als Summe der Interpreten. Everly also hat die „kleine“ Susie zum Kino eingeladen, und der Mutter versprochen, daß man um Zehne wieder daheim sei. Nun ist es jedoch vier Uhr morgens, und Everly wacht erschrocken in seinem PKW auf und neben ihm die noch schlafende Freundin. Die Beiden müssen durch ein erschreckendes Wurmloch im Raum-Zeit-Kontinuum den Film „Baader“ von Christopher Roth gesehen haben und sind dabei (un)selig eingeschlafen. Wie heißt es im Song: „and we’re in trouble deep“. Wie sieht die Situation nun aus: Susie ist von diesem Abend an die liederliche Schlampe und wir, die Hörer wissen, daß dies nach dem, was uns an Information aus Everlys Mund bekannt ist, nicht stimmt. Die Beiden hatten Pech. Einen unglaublich langweiligen Film zu schauen, bei welchem das Publikum einschläft, nun. Das nennt man Unglück. Auf jeden Fall finden wir hier schon eine Parallele zu der Beach Boys Lied „Caroline no“. Wie werden die weiblichen Protagonisten wahrgenommen? Wir haben schon erfahren, daß Susie unglaublich in der Klemme steckt, denn alle, Eltern und Freunde und Schaulustige, werden eine Meinung bilden, die zum einen nicht dem Geschehen entspricht, und zum anderen völlig konträr zu dem stehen wird, wie der zweite Handelnde (Schlafende), Everly, bewertet wird. Ihm gilt vermutlich das positiv-verbrüdernde „ooh la la“ der Freunde, aus dem Text. Doch Everly sieht sich selber nicht so, er nimmt im Song die Schuld für die verfahrene Situation auf sich, denn ER hatte der Mutter die zeitige Heimkehr versprochen. Nun werden wir natürlich nie erfahren, wie die Geschichte letztlich ausgeht, denn mit den Worten „we gotta go home“ verabschiedet sich der Song mit einigen Takten ausgepumptem Instrumental, nachdem die Musik doch vorher sehr engagiert und emotional aufgeputscht ihre Runden drehte.

Wir können zwar erahnen, daß der empathische Everly seine Susie nicht im folgenden Regen alleine stehen lassen wird. Und wir können hoffen, daß dieses Geschehen im Autokino keine großen Kreise ziehen wird, so daß Susie auch am folgenden Tag sich noch in der Kommune blicken lassen kann, ohne daß ihr Steine um die Ohren fliegen. Ich erinnere noch einmal daran, der Song wurde 1958 veröffentlicht.

Noch ein letztes Wort zu dem vorhin erwähnten „Punk-Appeal“ des Songs. Wenn das, was ich gerade als bestmögliches Ergebnis erzählt habe, so nicht geschieht, dann wird aus „wake up little Susie“ ein Song, der Aussenseiter und Ausgestoßene produziert. Und wenn nun die Leserin sich sehr sicher ist, daß diese Story von 1958 heute kaum mehr relevant ist, dann frage ich gerne nach, ob dem wirklich so ist? Vom grundsätzlichen Aspekt her, sehe ich hier wirklich die Geschichte einer glücklicherweise beendeten Ära, in welcher die unbedingte Reinheit der Frauen über allem zu wahren war, jeglicher Schatten eines Verdachts ein Unding! Hier wurde die Selbstbestimmung des weiblichen Geschlechts im Ideellen massiv beschnitten, wobei gerade auch Geschlechtsgenossinnen ihren Anteil hatten. Hieran rüttelten die Everly Brothers noch sicherlich nicht, doch war ihr Song immerhin gefährlich genug, um diese Geschichte zu erzählen, daß – wie schon erwähnt – der Chef ihres Labels den Song zunächst nicht veröffentlichen wollte und im Nachgang etliche Radiostationen das Stück boykottierten. Insofern hat dieses kleine Stück schon eine gewisse Progressivität in sich enthalten. Wollen wir nur hoffen, daß all die kleinen Susies, die auch heute noch unter den wachsamen Augen ihrer Familien keine Freiheiten spüren dürfen, irgendwann genau dieses Ziel erreichen können.

Und die Beach Boys?

Es ist wirklich bemerkenswert, daß seit Mitte der 1990er die große Bewunderung für deren Album „pet sounds“ aus dem Jahr 1966 ein Maß erreicht hat, daß jene Platte unter die größten Werke der zeitgenössischen Musik gespült hat. Ja, ich habe mich insofern davon anstecken lassen, diesen Tonträger vor wohl zwanzig Jahren erworben zu haben. Ich darf wohl sagen, daß ich das Titelstück, ein Instrumental, wirklich für sehr, sehr gelungen halte. Doch wollte Brian Wilson damals den beiden von ihm bewunderten Beatles-LPs „rubber soul“ und „revolver“ ein noch besseres Werk entgegensätzen. Das hat nicht funktioniert. Mindestens „revolver“ ist letztlich zwar – mit Ausnahme von „tomorrow never knows“ einfacher gestrickt, doch in Verbindung mit der einfallsreicheren Textarbeit tragen die Beatles den Sieg über „pet sounds“ davon, da sie eine bessere Balance schaffen und ihr Ideenreichtum Wilson und Helfer übertrifft. Nebenher halte ich „revolver“ auch für eine insgesamt bessere Platte, als der Nachfolger „Sergeant Pepper’s lonely hearts club band“, der gerade in seinem Mittelteil etliche Längen aufweist.

Doch was hat dies mit Caroline zu tun? Genau, zurück zum eigentlichen Thema. Zunächst ist mir natürlich auch bekannt, daß der Text des Stücks „Caroline no“ nicht unbedingt etwas mit einer so genannten Frau zu tun hat. Zwar gibt es mindestens zwei zu der Zeit lebende Damen, die jedoch beide Carol hießen, die in eine leichte Verbindung mit den Worten gebracht wurden, doch der Texter Tony Asher läßt uns wissen, daß er Brian Wilsons Sehnsucht nach einer vergangenen Zeit der Unschuld hier zwischen den Zeilen erkennt. Asher hatte Wilsons Vorlage in die letztlich verwendete Fassung gebracht. Und eine der beiden Frauen, die ich erwähnte, ist auch Tony Ashers vormalige Liebschaft gewesen.

Wir treffen auf einen traurigen Mann in den Worten des Songs. Nennen wir ihn Brian. Er betrachtet jene Caroline: Sie hat ihre Haare geschnitten. Sie hat ihre glückliche Ausstrahlung verloren. Sie hat wohl einst versprochen, daß sie sich nie verändern werde. Nun ist es geschehen. Und damit stirbt eine süsse Sache, so hören wir es von Brian, der von diesem Verlust schwer getroffen ist. Die Musik, welche die Worte untermalt, ist formidabel gesetzt. Meisterlich! Wäre es ein Instrumental, würde ich auf die Knie gehen und dieses Stück preisen. Doch nein! Da sitzt Brian und muß sich nun folgendes anhören: Wie ich schon erwähnte, sieht der Mitverfasser Tony Asher hier eine Allegorie. Von Brian Wilson ist ähnliches zu lesen. Er sah sich inzwischen so stark mit dem Ernst des Lebens konfrontiert, daß ihm Angst wurde. Doch steht es so nicht in der Lyrik dieses Liedes. Nein, dort wird eine weibliche Person namens Caroline geziehen, sich verändert zu haben! Sie hat sich die Haare geschnitten! Sie hat ein anderes Auftreten! Diese Dirne! Vermutlich hat sie Drogen konsumiert und sich Haschisch gespritzt! Und eines meiner Sandförmchen versetzt!

Das mag jetzt etwas arg verletzend in Richtung unseres Song-Brians gemünzt sein, doch habe ich nur die oberflächliche Botschaft des Songs in krawallige Wörter paraphrasiert. Und hier haben wir mit Brian einen jener Vollidioten, die 1958 noch die arme Susie aus der Stadt gejagt hätten, denn die war oberflächlich auch nicht in ihrer Küche sitzen geblieben und hatte sich, während sie sich jungfräulich empfangene Kinder wünschte, die hochgeschlossenen Kleider für den nächsten Kirchgang bereit gelegt. (Siegmund Freud hätte seine Freude gehabt: Gerade wollte ich Kirchgang tippen, da verirrte sich einer meiner Finger zu „Kri…echgang“. Freud lacht noch immer) Selbstreflexion bietet der Song-Brian in keinem Buchstaben. Auch ist keine Bewegung, keine Empathie (im Gegensatz zu Herrn Everly aus dem vorigen Song) in den Worten nachzuweisen, nur die manisfestierte Enttäuschung in einen anderen Menschen, oder auch in eine Situation. Und dieser Song wird als Meisterwerk gepriesen? Bei Zeus! Würde der Großmeister des Ku-Klux-Clan ein barock komponiertes Werk voller textlicher Allegorien veröffentlichen, würden dann auch die ganzen Pet-Sounds-Nerds diesem Schund hinterhereiern?

Vermutlich. Charles Manson soll auch etliche Bewunderer haben.

Nach „Brüssel, 22.03.2016“

Vielleicht ist dieser Text der letzte, den ich schreiben werde. Ich bin frustriert, sehr tief. Warum? Die terroristischen Anschläge in Brüssel am 22.03.2016 sind der Auslöser. Ein weiteres Warum?

In den vergangenen Monaten hat sich das gesellschaftliche Klima in Europa gewandelt. Ein paneuropäischer Nationalismus greift um sich. Ein Klima, das vergiftet auf alles, was fremd ist, starrt und dessen Verschwinden verlangt. Die Art, wie dieses Verlangen artikuliert wird, ist von Hass und Wut getragen. Lange habe ich versucht, in Texten und Gesprächen, dieser Bewegung etwas entgegenzustellen. Sei es Empathie, Vernunft, eigene Fassungslosigkeit.

Am vorgestrigen Tag, dem genannten 22.03.2016, sind wieder einmal Menschen zu Tode gekommen, als Ergebnis einer Anschlagsserie. Sage ich es kurz: Es geht nicht an. Dieser Art von Menschenfeindlichkeit ist Einhalt zu gebieten.

Sowohl bei jenen, die sich als Islamisten bezeichen, als auch bei jenen, die von Tag zu Tag gegen alles Fremde wettern. Es ist erschütternd zu sehen, wie zwei extrem gegenpolige Ansichten miteinander wetteifern, wer die schärfste Klinge fährt. Frustierend ist jedoch, wie günstig die Attentate für den paneuropäischen Nationalismus sind. Doch letztlich können sich die konservativen, populistischen Kreise Europas nicht davon freisprechen, eine Mitverursacherschaft an den Terrorakten zu tragen. Sind sie es doch, die nun bereits seit Jahren keine Gelegenheit verstreichen lassen,

– eine europäische Leitkultur zu verfechten

– dem Islam eine Existenz auf europäischem Boden zu verwehren

– die permanente Gefährdung aller europäischen Nationen durch Überfremdung zu predigen

Können sich die Fürsprecher dieser Thesen vorstellen, daß gerade junge Menschen, die ständig diesem Feuer der Angst und Abgrenzung ausgesetzt sind, dieses letztlich aufnehmen und nach außen weitertragen? Dies äußerst sich zum einen darin, daß konservativ-nationalistische Kreise eine überdurchschnittliche Beliebtheit in Altersgruppen bis zu 29-jährigen erreichen. Die Kehrseite sind junge Selbstmordattentäter, die letztlich auch durch Perspektivlosigkeit und Ablehnung in den eurozentrisch gesinnten Gesellschaftspartien dahingehend vorgeschliffen werden.

Dieses permanente Wechselspiel sehen zu müssen, ist ernüchternd. Und bringt mich dazu, diese Form von Texterei in Frage zu stellen. Deswegen möchte ich ein letztes Mal meine Stimme erheben und den letzten Leserinnen ein paar Ideen mit auf den Weg geben.

Der ausländische Straftäter.

Jaja, das Todschlagargument. Doch gehe ich einfach davon aus, daß in der europäischen Justiz sicherlich kein Straftäter laufengelassen wird, wenn er „fremd“ genug ausschaut. Wobei ich hoffe, daß das Gegenteil auch nicht der Fall sei. Wundere ich mich doch mit Bauchschmerzen über die Tendenz der Justiz in den Vereinigten Staaten eine größere Härte gegen nicht-weiße Bürger anzuwenden. Ein Fall, wie der Mord an Alexandra Mezher in Schweden durch einen bereits abgewiesenen Asylantragssteller, muß mit der gleichen Härte betrieben werden, wie jeder andere, gleichgelagerte Mordfall unter Menschen mit gleicher Nationalität. Hier gibt es überhaupt kein Vertun. Und es soll auch nicht auf derlei kapitale Verbrechen beschränkt bleiben, sondern auch Vorfälle, wie die Sexualstraftaten in Köln zu Silvester 2015 müssen aufgeklärt und bestraft werden. Und ein inhaftierter Sträfling sollte auch in seine Heimat transferiert werden. Wenn hierzu die legislativen Voraussetzungen fehlen sollten, sind sie zu schaffen. Doch wenn die Realität das Wort kurz erheben darf: Die meisten Straftaten in Europa werden von den jeweiligen Einheimischen begangen, von Mord, über Vergewaltigung zu Steuerhinterziehung und Körperverletzung.

Europäische Leitkultur und Überfremdung:

Ich fasse mich zu Beginn einmal kurz: Die Idee einer europäischen, womöglich christlichen Leitkultur ist einer der größten, zynischsten Scherze, die je von Menschen ersonnen wurden.

Haben sich die Urheber dieser Ideen eigentlich mit der europäischen Geschichte seit Herodot auseinandergesetzt?

Wenn ja: ist ihnen aufgefallen, daß sich keine Konstante ergeben hat, die auch nur die zeitliche Grenze von eintausend Jahren überdauert hat, die als kulturelles Fundament angesehen werden kann? Vielleicht mag jetzt jemand den religiösen Aspekt der Christenheit erwähnen. Hierzu gebe ich folgendes zu bedenken, bevor ich mich der Frage der Religion als solches widme: Wie hoch ist die Zahl der Menschenleben, die von Vertretern dieser verschiedenen, christlich-orientierten Religionsgruppen getötet wurden?

Besonders in Zeiten, in welchen Teilgruppen untereinander verfehdet waren, womit nicht nur die Hochzeit zwischen 1618 und 1648 gemeint ist.

Ein Gottesglaube ist darüberhinaus, in meinen Augen, kaum für einen menschlichen Geist wahrhaft zu erfassen. Der Gottesbeweis des Thomas von Aquin wird von mir zwar befürwortet, doch, wo jener einen Gott als causa prima, als Erstursache, erkannt haben mochte, sehe ich ein physikalisches Phänomen. Wobei nicht gesagt sei, daß die Basis einer christlichen Morallehre, wie sie in den Evangelien zu beobachten ist, kein wunderbares Fundament für das Miteinanderleben von Menschen auf diesem Planeten sei, doch ist die Lehre jenes Jesus für uns einfache Leute grundsätzlich zu revolutionär und – um nur auf dieses eine Beispiel zu verweisen, daß jedoch auch auf andere große Religionen der Welt zutrifft – wurde nur kurz nach dem Tod des Religionsgründers die Rolle der Frauen neu definiert und diese in die zweite Reihe verbannt. Da liest sich das neue Testament durchaus anders. Und somit direkt an die Leitkultur gefragt: Aus der Historie ergibt sich hier, daß die Frau weiterhin gerade mal sich der 3 großen K’s widmen dürfte, doch das kann heute niemandens Ernst mehr sein. Geschieht hier der erste große Bruch und die Rückbesinnung auf die Machtverteilung in der Jungsteinzeit?

Der massiv größte Teil der letzten zweitausend Jahre in Europa, aus welchen sich vielleicht am Ehesten eine handvoll an regionalen Leitkulturen destillieren liesse, ist von Kriegen, mehr oder weniger freiwilligen Völkerbewegungen und Machtmissbrauch aus Egomanie gekennzeichnet. Die größte, europäische Leistung dieser Zeitspanne ist, ohne jedwede Diskussion, die Gründung der Europäischen Union. Wer hier widerspricht, sollte ein wirklich sehr gutes Argument zur Hand haben, warum die Schaffung eines möglichen, kontinentalen Miteinanders ohne Waffengewalt, nicht die allerhöchste, die mächtigste Leistung war und auch noch ist. Keine technische Revolution kommt dieser Errungenschaft gleich.

Die Erhaltung dieser Union ist noch wichtiger, als die Bekämpfung von terroristischen Umtrieben. Die Erhaltung der Freiheit in dieser Union ist ebenso von größter Bedeutung. Und dies gilt umso mehr, als der bereits erwähnte paneuropäische Nationalismus um sich greift, der auf die Wiedererrichtung von Grenzen setzt, sowie auf die Wiederbelebung von nationalen Gefühlen und das Fehlen dieser unter Strafe stellen möchte.

Hier frage ich: Welches Land – nicht nur im Bereich der Europäischen Union – ist ein reines Land? Es gibt sie nicht mehr, heißt die einzig korrekte Antwort. Spätestens mit Beginn des demokratisierten Individualverkehrs hat die Durchmischung der Völker und Ethnien einen höchst erfreulichen Grad an süßer Unreinheit erreicht. Jedes Individuum an jedwedem Ort dieses Planeten hat einen individuellen Hintergrund. Durch die Möglichkeiten der Vernetzung werden auch die inneren Erlebniswelten weiter von regionalen Leitkultürchen entfernt. Und in diesem Sinne ist eine Einnordung auf diese Leitbilder höchstens unter Ergreifung von Zwangsmaßnahmen möglich, sollte sie auch für die Eingeborenen gelten und nicht nur für die einreisenden Fremden. Letztlich werden im Bezug auf die Errichtung einer Leitkultur auch Erinnerungen an die Gleichschaltungen im dritten Reich wach.

Eine Leitkultur ist nicht mehr, als eine Normierung. Und diese ist das Ende der Individualität. Das diese Ideen derzeit auch in Ländern um sich greifen, die doch gerade unter den Deutschen des dritten Reichs gelitten haben, kann als sehr merkwürdig empfunden werden. Gibt es keine anderen Wege, um die innere Verbundenheit zu einer Region aufleben zu lassen? Und weshalb bezieht sich ein Stolz immer auf eine ganze Nation? Was hindert Menschen daran, stolze Menschen aus Cornwall, Lothringen, den Podlachien, Umbrien zu sein? Sind die regionalen Wurzeln nicht stark genug, um den faden Glanz des Nationalismus zu überstrahlen? Sind Nationen überhaupt noch zeitgemäß? Diese Frage ist nicht nur rhetorisch gesetzt, sondern ernsthaft zur Überlegung gestellt.

Diese Frage wird von der Welt verworfen und nie beantwortet. Dieser Text wird nie eine Anregung sein. Der Ansatz ist noch nicht zeitgemäß. In keiner Weise. Und Utopien braucht wohl niemand. Es ist der letzte Text, den ich geschrieben habe.

Ferien mit Gott Teil 3

Am nächsten Morgen erwachte der Wolf. Sein Bauch war nicht mehr riesig, wie am Abend zuvor. Stattdessen hatte er Hunger. Schlimmen Hunger. Die Unmenge an Tauben, die er gestern verzehrt hatte, weckten sein lange unterdrücktes Wolfswesen. Er blickte aus dem Fenster seines Hauses und es litt ihn der Anblick, der vielen Gemüse- und Kräuterarten, die er dort sehen mußte. Ihn hungerte es fürchterlich nach Fleisch. Es mußten noch nicht einmal die Tauben sein, die ein Feinkosthändler für die Schweine hergerichtet hatte. Alleine es mußte Fleisch sein. Da klopte es an seiner Tür. Das Geräusch konnte das Rinnen des Wassers in seinem Mund nicht aufhalten, zu kräftig und saftig hatte es geklungen. Das war kein Insekt, keine Blume, kein Gemüsestengel. Das mußte ein muskulöses Wesen sein, und mit einem Knick im Genick würde es in des Wolfes Magen landen. Er eilte zur Tür, riss sie auf und blickte einem Mann ins Gesicht. Hinter dem Mann winkten nun zwölf weitere Männer. Der vorderste streckte dem Wolf die Hand entgegen und sprach: „Hallo Wolf. Ich bin Gott, das sind meine Freunde.“ Der Wolf blickte entgeistert. „Wir haben gehört, du möchtest den Schweinen helfen, ihr Haus umblassicher zu gestalten. Wir halten das für eine sehr gute und uneigennützige Idee. Wir möchten dich dabei unterstützen, Wolf. Auch wenn wir hauptsächlich nur Fischer sind, aber ich habe eine Zeitlang für einen Zimmermannbetrieb gearbeitet. Können wir eintreten, um unsere Zusammenarbeit zu besprechen?“ Der Wolf trat, immer noch völlig entgeistert, mit glasigem Blick zur Seite und ließ den seltsamen Trupp an Männern in eher walduntypischenh Bekleidung eintreten in sein Haus.

Da sassen sie nun, ein jeder stellte sich mit Namen und Profession vor, sogar ein Zöllner war unter ihnen. Der Wolf konnte die Fassung einfach nicht wiedergewinnen. Immer wieder schüttelte er unmerklich seinen Kopf. Wie widerfuhr ihm hier? Er versuchte Zeit zu gewinnen und sprach den Anführer an: „Sie sagen, Sie seien Gott? Wie kommen Sie dazu?“ Der Angesprochene lächelte, kraulte seinen Bart: „Ja, ich bin Gott. Meine Freunde und ich sind seit ziemlich genau zweitausend Jahren immer wieder im Einsatz des Guten auf dieser Welt. So wie jetzt an dieser Stelle. Lieber Wolf, wir wissen von Ihrem Hunger. Und um ihnen zu helfen, Ihren guten Weg weiterzuführen, sind wir übereingekommen, hinabzufahren.“ Der Wolf schluckte. „Ja, ich glaube davon habe ich gehört.“ Der Anführer beugte sich dem Wolf entgegen: „Sie haben wovon gehört, lieber Wolf?“ „Na, Gedankenleser und so. Zauberer. Die Frösche haben davon erzählt.“ „Die Frösche? Aber nein, Wolf, wir sind keine Zauberer oder ähnliches. Wären wir das, würden wir ein wenig mit unseren Fingern schnakeln und das Haus der Schweine wäre renoviert und Ihr Magen wäre für immer gefüllt.“ „Sicher, das wäre schön.“ Der Wolf fasste sich kurz an den Kopf, dann begriff er, daß gerade sein Bauch den Verstand überflügelt und gesprochen hatte. Nein, nun sah er klar. Gott mochte in seinem Haus rumsitzen, doch würde ihm das keine Speise bringen. Wut wollte sich bilden, doch schob er diese schnell beiseite: „Wie soll denn unsere Zusammenarbeit nun ausschauen, mein lieber Gott, liebe Freunde von Gott?“ „Nun, ich denke, wir sollten es auf einen Vor-Ort-Termin ankommen lassen“, sprach jener, der sich Gott nannte, und kraulte erneut seinen Bart. Es folgten alle Dreizehn dem Wolf zur Tür heraus. Jener ging einige Schritte noch in Richtung der Frösche Teich und rief dort: „Hallo Frösche! Gott und seine Freunde sind bei mir zu Besuch!“ Die Frösche quakten wild durcheinander. „Halt deine Gedanken beisammen! Sie werden sie dir sonst stehlen!“ war die Summe der Informationen, welche die Frösche dem Wolf zuschrien. Sowie: „Bring sie bloß nicht her!“ Der Wolf reckte sich kurz, dann wies er seinen Gästen die Richtung und schon war man auf dem Weg zum Nachbarwald.

Die Schweine schauten verwirrt, als der Bauarbeitertrupp vor ihrem Haus anlangte. Die zwölf Handlanger postierten sich vor der Gartenpforte, während Wolf und Gott vorantraten, um sich einen Überblick über die notwendigen Arbeiten zu verschaffen. Es mag der sonderbarste aller Anblicke gewesen sein, als beim Blick zum Dach hin Gott dem Wolf seinen Arm auf die Schulter legte, doch wurde der Eindruck massivst verstärkt durch die drei Schweine, die um die beiden herumtänzelten. Von der Pforte her rief einer der Zwölf: „Abreissen, und ein neues Steinhaus bauen!“ Gott erwiderte ohne hinüberzublicken: „Ist okay, Petrus. Nur weil Du mein Fels bist, brauchst du nicht immer von Beton zu schwärmen.“ „Ja, Jeshua.“ Der Wolf schaute kurz irritiert, doch der Angerufene wies schon auf das Loch in der Wand: „Was, um meiner Heimat Willen, ist denn dort passiert?“ Der Wolf beugte sich zu dem Schaden herunter, und bemerkte dabei erstmals, wie dünn die Wand des Hauses war, und war plötzlich dem Vorschlag jenes Petrus sehr zugetan. „Gestern ist ein Wildschwein an dieser Stelle durch die Wand gegangen.“ „Huch!“ „Ich denke, wir sollten den Vorschlag Ihres Freundes ins Auge fassen. Hier ist doch nicht wirklich etwas anderes zu tun? Schauen Sie her, äh, Gott. Sehen Sie, wie dünn die Wand ist?“ „Mein lieber Wolf, natürlich sehe ich das. Ich habe schließlich nicht nur zwei Augen, ich habe noch mehr im Blick, als das, was Sie mit den Ihren sehen. Und wahrlich, ich sage Ihnen, mein lieber Wolf, daß wir hier keinen Beton anrühren werden. Sie werden zunächst einmal dieses Loch mit Holz abschließen, und wir werden uns um die endgültige Schließung kümmern. Wir werden uns niederlassen und beten. Kommt, meine Freunde!“ Die Zwölf betraten nun den Garten der Schweine und liessen sich nieder, wo sie Platz fanden. Alle senkten die Köpfe, auch jener, der wohl Jeshua hieß. Er hatte sich in der Mitte der Männergruppe niedergelassen. Der Wolf stand noch an der ungeplanten Öffnung und überlegte, wo er hier bloß Holz herbekäme. Unvermutet halfen ihm die Schweine selbst, denn sie hatten mit dem Haus einen ziemlichen Vorrat an Brennholz übernommen. Nun standen die Drei staunend ob des ganzen Geschehens wie verloren um ihr Häuschen umher. Die Frage des Wolfes, ob er sich ein paar Stücke ihres Holzvorrats holen könne, um das Loch zurechtzumachen, verstanden sie nicht.

Innerhalb der folgenden Stunde war das Haus der Schweine geradezu umzingelt von heimlichen Beobachtern, besonders die Elfen hatten ein hohes Interesse an Allem, was hier vor sich ging. Sie konnten den Wolf sehen, der versuchte ohne Werkzeug Holz zu zerkleinern, um damit das Wildschweinloch zu schließen. Sie konnten die dreizehn Männer sehen, welche unter Anleitung eines Jeshua hin und her wackelnd vor sich her leierten. Die Schweine, welchen all dies Treiben galt, lagen auf der angrenzenden Wiese und grunzten laut im Schlaf. Es wollte nicht werden. Der Wolf begann zu verzweifeln. Er griff nach dem nächstliegenden Schwein, welches Jonathan hieß. Diesen wies er laut an, er solle ihm gefälligst endlich Werkzeug besorgen, mit dem sich hier etwas erreichen ließe. Sie hätten doch sicherlich noch irgendwo Hämmer, Zangen, Sägen und alles andere liegen, womit sie hier schon die Arbeit begonnen hätten. Jonathan sah den Wolf zunächst betroffen, ängstlich und schließlich fragend an. Nein, sie hätten hier noch nichts gebaut. Der Vorbesitzer hätte alles nach ihren Wünschen hergerichtet und sei dann nach Erhalt der Schweinszahlung fortgezogen. Der Wolf griff sich an den Kopf und fühlte das große Bedürfnis, zu weinen. Ihm am nächsten saß ein Jakobus, den er anstieß und beauftragte, endlich vernünftiges Werkzeug für diesen Saustall zu besorgen. Die Schweine begannen zu weinen, als sie dies Schimpfen hören mußten.