Von den Teichfilterern

Liebe Welt,

 

heute folgt die erste komplette Folge der Saga rund um die inzwischen nahezu legendär gewordene, hinterhältig subtile Bande um den Bären James, sowie seine froschartigen Freunde Ping und Peng. Doch, nein, es ist falsch. Subtilität ist ihre Sache nicht. Oder?

 

Ist Arbeit eine Form des Wohlstands? Oder ein Recht?

 

Ping und Peng spazierten am Abend und trafen auf ihren Freund, James, den Bären. Ping erzählte von seiner Arbeit bei den Fliegenfängern. Er schwärmte in schönen Worten von diesem feinen Gewerbe, der erfüllenden Pirsch nach den leckeren Mücken. Peng, der zweifelnde Frosch, mochte an diese bunte Arbeitsfreude von Ping nicht so recht glauben. Nicht, daß er dem Freund dieses neidete, doch sah er nicht ein, weswegen Ping die gefangenen Fliegen abgab, anstatt sie zu verschlingen. Ping runzelte über solch weltfremden Zweifel seine grüne Stirne:

„Na, wenn ich nicht eine gewisse Zahl von Fliegen, beziehungsweise ein Gewicht an Fliegenkörpern abgebe, erhalte ich vom Oberfrosch kein Geld. Wenn ich kein Geld bekomme, dann kann ich mir das Geschmeide nicht leisten, das ich mir gerne umhänge.“

Peng sah trotz der klaren Antwort noch keine Lösung dieser Problemsituation, denn er mochte die Abgabe des Jagdguts nicht gutheißen und sprach von der typischen Entfremdung zwischen Jäger und Opfer, die er ebenso anprangerte, wie die Selbstverständlichkeit, mit welcher der Vorstand des Müggi Kreuchstudio den Fängern den Fang entriß.

„Natürlich, Peng! Der Oberfrosch vor Ort ist sehr, sehr aufmerksam. Eine falsche Schluckbewegung und er reist Dich am Schenkel und Du kannst Deiner Weg gehen.“

Peng wich bei dieser Vorstellung erschrocken zurück.

„Wie gut, daß ich alle Fliegen fressen kann, die ich erwische. All die feinen Käfer, das wohlschmeckende Summen, wenn sie in meinem Rachen hinabtauchen. Wie gut auch, daß ich frei bin von solchen üblen Kröten, die mich beim Fangen beobachten. Dafür verzichte ich gerne auf das unnütze Geschmeide. Ping, man verwechselt Dich trotz Deiner Ketten und des ganzen anderen Schmucks so oft mit mir!“

Ping lachte ätzend auf, als er diese befremdende Meinung hören mußte. Er schalt Peng einen armen Schlucker – unterstrich dies mit einem entsprechenden Laut – der nur seine mageren Fliegen von der Wiese hatte und sonst gar nichts. Auch würde sie doch jeder auseinander halten, wäre er, Ping, doch ein lustiger Gesell und Peng ein trauriger Frosch-Guck-In-Die-Luft, der nichts als leere Gedanken in seinem Kopf herumtrug.

 

Das enttäuschte Peng tief und er wandte sich hilfesuchend an den jungen Bären James. Dieser breitete seine Arme weit auseinander und wiegte den großen Kopf, wußte er doch auf Anhieb auch keine Lösung, wie er die verschiedenen Meinungen seiner Freunde wieder versöhnen könnte.

„Peng, lieber Froschfreund, lerne doch Pings Leben einmal kennen und bewerbe Dich für eine zeitlich befristete Stelle bei Müggi Kreuchstudio. Sieh Dir das ganze Werk rund um den See einmal näher an.“

Da warf sich Ping in Pose und rief:

„Wer braucht den diesen Tropf, der nichts kann? Müggi etwa? Braucht meine Firma etwa einen Werksdenker mit zwei linken Füßen? Wir haben schon genügend Quadratköpfe durchzubringen, da können wir auf den da verzichten!“

Die Enttäuschung stand dem geschundenen Peng tief ins Gesicht geschrieben und so legte der mitfühlende James ihm den Arm auf die Schulter.

„Na, Kopf hoch, kleiner Frosch. Sei doch froh, daß Du immerhin frei bist und alles tun und lassen kannst, wie Du es willst!“

„Ich will aber nicht mehr frei sein, ich will endlich mal eigenes Geld verdienen. Und mir was Tolles leisten können, damit ich es dem Ping mal zeigen kann.“

Böswilliges Lachen kam nun vom lustigen Ping herüber, der sich ungerechtfertigt kritisiert fühlte.

„Peng! Warst Du wenigstens schon bei den Unken? Wenn Du Arbeit suchst, dann führt Dein erster Weg zu den Unken!“

James nickte bedrückt den Kopf. Er mochte keine Streitereien unter seinen Freunden, es rührte sein Herz, ließ ihn eine leichte Angst spüren und so wurden seine Augenränder ein wenig feucht.

„Ja, Peng. Dorthin wirst Du gehen müssen. Aber es wird kaum etwas nützen, denn die Unken können Dir ja keine Arbeit schnitzen, wenn Müggi Dich nicht gebrauchen kann. Aber, wer weiß. Du mußt es versuchen.“

Dann drehte sich der Bär zur Seite, und rieb sich die nassen Augen. Ping sah sich versucht, seinen Höhenflug weiter durchzuführen und legte nach:

„Aber sie werden Dir immerhin ein kleines Taschengeld geben, weil Du Deinen großen Kopf senkst und zugibst, keine Arbeit zu haben. Ja, nicht so wie ich. Ich habe in der Froschgemeinschaft immerhin Gewicht. Na, sie könnten Dich zu den Teichfilterern schicken, wenn es sonst nichts für Dich zutun gibt. Da kannst Du den ganzen Tag Dein vorlautes Mäulchen in das Wasser halten und es schön sauber machen. Dann wärst Du wenigstens vom Ufer weg.“

Nun weinte auch Peng, der die Überheblichkeit des Freundes nicht mehr ertragen konnte.

„Ich gehe zu den Unken! Ich werd’s Dir schon zeigen.“

 

James begleitete Peng zu den Unken. Diese hörten sich den Fall an. Die erste Unke verwies den traurigen Frosch an eine weitere Abteilung. Dort gab die nächste Unke zu bedenken, daß sich die erste Unke da wohl vertan haben mußte, es gäbe jedoch eine dritte Unke, die für Peng zuständig sei. Diese Unke mußte Peng vertrösten, da sie gerade jetzt eine Reise anträte und zur Zeit keine Gelegenheit mehr habe neue Fälle aufzunehmen, doch nebenan sei ihre Vertretung, die sich in dieser Zeit um Peng kümmern könnte. Diese Unke war jedoch eine alte Kröte, dabei sehr übellaunig, da die Reise der dritten Unke ihren Arbeitsplatz in ein Flutgebiet verwandelt hatte. Peng und James wurden als unerwünscht vor die Tür gesetzt. Man sei hier sowieso grundsätzlich nicht für Frösche, sondern nur, und man legte einen gewissen Nachdruck in diese Aussage, nur für andere Kröten zuständig. Frösche müßten sich schon selber helfen, wenn sie eine geregelte Arbeit finden wollten.

 

James und Peng sahen sich an und machten sich auf den Weg zum Froschkönig. Dieser sollte nun Rat halten, denn Peng, der Untertan, wußte keine Lösung mehr für dieses Problem. Schließlich habe der Froschkönig eine gewisse Verantwortung durch seine Machtposition für die Frösche seines Herrschaftsgebietes. James wirkte zwar etwas zögerlich auf Pengs Argumentation in diese Richtung, doch wußte er keine bessere Lösung.

 

Als der Froschkönig, nach Stunden des Wartens, Peng zu sich rief, sprach er:

„Nun, kleiner Untertan Peng, ich bin kein Unternehmer. Ich kann Dich höchstens zu den Teichfilterern schicken. Mehr ist zur Zeit nicht möglich.“

 

That’s it, folks. See ya!

 

Mit vorzüglicher Hochachtung. Ihr Herr Hansen.

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