Die Rückkehr des verrückten Diamanten erschafft drei Biester.

Liebe Welt,

Menschen gehen nicht immer nett miteinander um.  Das ist keine besondere Neuigkeit. Was würde auch sonst die Waffenindustrie aus der Situation machen? Einen Buchstaben ändern und zur Waffelindustrie mutieren. In der heutigen Geschichte ist Rede von Ungemach, das von Menschen untereinander produziert wird. Wie immer, an dieser Stelle ist alles erstunken und erlogen, an den Haaren herbeigezogen. Mit Bestimmtheit. Nun denn, pack deine Waffeln, Welt, und ab. Nebenher sollte man den vorab angezeigten Titel nicht zu ernst nehmen, denn auf die Schnelle fiel dem Schreiber nichts unsinnigeres mehr ein.

innocent when you dream

Es ist immer diese Rockmusik schuld daran. Er turnte in der Küche umher und plärrte vor sich hin.

it’s awfully considerate of you to think of me here

and I’m much obliged to you for making it clear that I’m not here

and I never knew we could be so thick

and I never knew we could be so blue

dazu legte er eine Geschwindigkeit an den Tag, welche die Worte, die er sich in dieser Form zurecht erinnerte, geradezu zerriß. Immerhin war dieses Lied, so glaubte er den Typen im Laden verstanden zu haben, von einem geschrieben worden, dessen Kopf von innen her zerfressen wurde. Dazu hatte der Kerl Hand- und Kopfbewegungen getan, die ihn an Drogenkonsum erinnern sollten. Na denn. Er hatte die Platte nicht gekauft (hatte eh kein Geld), aber dieses Lied war noch schnell durchs Ohr geschlüpft und hatte sich verankert.

and I’m wondering who could be writing this song

Das fand er nun nicht gut. Wenn diese Type nun einen Song schreibt und darin behauptet, nicht zu wissen wer, was, wie,warum – dann solle er doch die Finger davon lassen und dahinsichen. Immer diese Koketterie mit dem Wahn! Immer dieses Herantasten an das Genie aus der falschen Richtung. Er hüpfte weiter in seiner Küche herum. Er dachte an drei Frauen, die er vor Jahren gefickt hatte (oder hatten sie ihn?). Genug jetzt, schrie er. Immer immer immer genug. Die #1 hatte ein süßes Kichern. Ein richtiges Mädchenkichern, mit Hand vor dem Mund. Be- und verschwörerisch. Sie becircte mit kastanienbraunem, gelocktem Haar. Unter diesem Haar brütete sie Geschichten aus, die ihn innerhalb der Zeit, die er mit ihr zu verbringen und mit Gespräch zu füllen hatte, in Abhängigkeit und Verfall sinken ließen. Sie hatte die falsche Haarfarbe, denn sie war eine Hexe. Innerhalb der Wochen und Monate, die vergingen, sah man ihn öfter nackt in der Öffentlichkeit irren, als es seinem Ruf guttat. Endlich verstieß sie ihn. Doch nun begann das Elend erst ihr wahres Gesicht zu zeigen, wurde seine Sucht erst im Entzug zur Gefahr und sein Gesicht wurde zu einer leeren Leinwand. Hier begann das Ficken. Und Monate später wunderte er sich, wer diese Geschichte denn aufgezeichnet hatte. Als #1 endlich mit der Konsequenz herausgerückt war, lag er in Scherben, die sich über den Boden verteilten und nur noch liegen und vergehen wollten. Einige Kumpanen schleppten seine Einzelteile in Schenken und Schwemmen, tunkten ihn in träumerische Vergeßlichkeiten und über einigen Gläsern Tequila sah er #2 in die Augen.

can I ride with you in your Be Em Double U

so hörte man ihn kreischen, wenn sie ihn in das genannte Gefährt lud, um ihn in seine windschiefe Laube zu fahren und ihn zwischen ihre Beine zu drängen. Sie fickten intensiv und lang. Er spürte danach nie einen einzelnen Knochen. Er lag zerschmettert, wie Scherben und wußte nicht, ob sich etwas seit #1 geändert hatte. #2 fiel einige Male in Ohnmacht und er fühlte sich schlecht dabei, konnte ihr nicht helfen und drehte erst einmal einen Joint, den er ihr zwischen die schiefen Zähne stopfte. Er dachte nur daran, daß #1 nie auf ihm gesessen hatte. Sie hatte immer nur auf seine Worte gewartet, doch da hatte er nichts. Er konnte nur Popsongs plärren, die Töne nicht halten und das Tempo variieren. Ein Lied handelte vom Ficken in einem Volvo und den hatte er nicht. Bei #2 war er gesprächiger, wie es ihm jetzt schien und so entstand sein Irrglaube, daß ihm #1 etwas beigebracht hatte. Immerhin wußte er, daß Frauen unter der Menstruation leiden und übellaunig sind. Da konnte er nicht helfen und schwieg. Was hätte er auch je sagen sollen? Ich will jetzt dies und das, oder jenes oder solches. Nichts würde der Welt helfen. Immerhin hatte er #1 einen Abend verdorben, als er von den Schrecken des Bosnienkriegs erzählte, nachdem er Bilder im TV gesehen hatte und das Elend der Existenz an ihm nagte. Wie konnte es denn weitergehen, hatten viele Menschen nicht erst nach Auschwitz gefragt. Die Frage hing noch immer unbeantwortet im Raum. Also schwieg er wieder. Sie hatte ihn zurechtgewiesen und die kleinen, gefühllosen Ohren zugehalten. Mit #2 saß er in seiner Wohnung und sprach. Er redete in ganzen Sätzen, doch wußte er später nie mehr, wovon er gesprochen hatte. Es war immer wieder Zeit zur Akrobatik, wenn sie nicht zusammen in einer Kneipe hingen und zuviel tranken. Und dann im BMW durch die Nacht heizten. Die Hasenscharte zitterte im Bassgewitter eines Technosenders. Wenn doch der Tod endlich käme, konnte man weit im Hintergrund verstehen. Er wurde dadurch nur noch geiler. Und #1 rief ihn an, die sein Glück gesehen hatte und endlich die Scherben einschmelzen wollte. Also bat sie ihn in ihr Zimmer. Nun sang sie ihm vor und er war von einem Glücksgefühl durchströmt, das er in dieser Konzentration noch nie erlebt hatte. Später fickten sie. Später ließ sie ihn fallen. In einer weiteren Kneipe seines strolchigen Lebens wurde es ihm von einem unangenehmen Zeitgenossen eröffnet. Angst überfiel ihn und er zog sich schnell zurück und brauste mit seinem Kleinwagen vom Tatort seines ersten Todes. Er sah schon seit Jahren nicht mehr in Spiegel, hatte er doch am letzten Ende einer Traumzeit seine Faust gegen das Widerbild gehämmert. Auch jetzt kam keine Reflektion, schmierte er nur schwarze Farbe über die Leere seiner Gesichtshaut.

Sah er #3 in seine Kneipe eintreten. Schwachsinnig wie er war, nickte er ihr, die ihn an eine Andere erinnerte, zu. Einen Monat und nur fünf gemeinsame Worte weiter, drang er in sie ein. Das einer Tat eine Überlegung zugrunde liegen sollte, übersah er und ließ sich konsequent am nächsten Tage wieder mit #2 ein. Diese führte nun eine Zeile in ihren Taten spazieren:

let’s have a black celebration

Und so wurde gefeiert, auf dem Fundament jeder Existenz. Tanz auf feurigem Grund. Barocke Frauen hatte er noch nicht kennengelernt, doch diese Lektion wurde ihm nun durch alle Körperöffnungen eingeführt. #2 hatte plötzlich sonderbare Ideen, die sie ihm mitteilte in Unterweisungen, Forderungen und Darstellungen. Sie drohte ihm mit körperlichem Ungemach, drohte mit Tötung. Ihre Peitsche lag andernorts, doch auch ihre Zunge hinterließ blutrotes, vor geistigem Schmerz schreiendes Fleisch. Er war diesem Sturm nicht gewachsen, betete zu allen verfügbaren Heiligen, die in dieser ewigen Nacht Seelenwache schoben. Diese jenseitige Hilfe ließ #2 gegen Morgen an Kraft verlieren, ließ sie zusammensinken und im Rausch des Gelingens genüßlich lächeln. Schnell ergriff er die Gelegenheit und fuhr sie davon, entlud sie. Im Schoße von #3 suchte er Tage später Trost. Sie verstanden sich nur schlecht, verkehrten daher nur oberflächig und im Dunkeln. Er mochte auch nicht mehr sprechen. Die Erfahrung der Zusammenkünfte hatte ihn in wenigen Wochen gezeichnet und Jahre seines Lebens gekostet. #1 ließ ihn nicht gehen und peinigte ihn, so oft es ihr Zeitplan nur zuließ, ihre kalten Augen brannten vor Lust. Er sann über Mord nach. Er suchte #3 auf und fuhr mit ihr ziellos über Land. Die Ruhe, die er auch in diesen Wolkenverfolgungsfahrten an den Tag legte, stammte aus der Mauerbildung, mit der sich sein Wesen von der Welt abkapselte. Er hatte diesen drei Menschen soviel gegeben, so viel Offenheit anvertraut.

Er wußte nicht mehr, who could be writing this song. Er haßte es, diesen Zustand einer inneren Auflösung. Er versuchte so oft zu schreien. Es gelang ihm nicht. Er sah sich in einem emotionalen Klischee gefangen, doch diese Erkenntnis half ihm nicht die Fessel zu sprengen, die sich um seinen Hals legte. Er fickte #3 so lange, bis sie ihn verließ und wieder ihr Leben aufnahm. Zwei Jahre hielt sie ihn mit Floskeln auf Distanz, während er es jetzt schaffte in schriftlichen Ergüssen jede Formalität niederzureissen und die Nacktheit, die er ihr nicht mehr schenken konnte, auf Papier bannte. Sie wollte nur ein Kind von ihm empfangen, das hatte er in drei Monaten emsigen Verkehrs nicht bewirken können. Damit hatte sich ihr Interesse erschöpft und sie küßte wieder lieber Mädchen. Hatte sie ihn verraten? Nein. Sie hatten ihn geteilt. Eine nie gekannte Öffnung zu fremden Menschen und Mächten hatten eine Sperrung tief im Innern bewirkt.

Er betrat ein altes, erführchtig großes Kirchengebäude. Seine alten, angestaubten Kenntnisse der lateinischen Sprache halfen ihm Texte in Steinen und Fenstern zu verstehen. Eine fremde Luft, die er durch seine angespannten Nüstern sog. Ihm fiel zur Unzeit nun ein three beasts are at the door for you Ja. So war es. Ohne diese Worte, die sich unversehends in seinen Geist hineindrängten, zu hinterfragen, beschloß er, daß er seinen Job kündigen werde. Das würde morgen geschehen. Dann würde er sich eine Waffe besorgen. Er würde drei Adressen ausfindig machen. Das sollte ihm mal jemand beweisen, wenn plötzlich drei Personen einen roten Fleck auf der Stirn tragen und starr in das Universum blicken, bis ihnen ausgewiesene Spezialisten die Augen schließen. Für ihn wäre es Befreiung. Es wäre der Moment, in dem er den Stift nähme, einen Song schriebe und es wüßte. Er blickte lange Zeit auf das Altarkreuz. Er haßte diesen Spinner, den die Figur am Kreuz darstellte. Er haßte diese Großmäuligkeit, sich den Sohn Gottes zu nennen und im Wirthaus Welt nach der Rechnung zu fragen, eine große Lokalrunde zu schmeißen und alles zu zahlen, egal, wer was gefressen und gesoffen hatte. Das war eine Art von Arroganz, die er aggressiv verabscheute. Wenn er dieses langhaarige Arschloch noch länger anschauen müßte, würde er ihm vor die Hütte kotzen, so sehr rumorten Wutgefühle in seinem Innern. Mehr denn je wollte er Menschen töten. Dann wurde ihm schwarz vor Augen. Es konnten nur wenige Momente gewesen sein, in denen sein Sinn abseits stand. Er erwachte auf dem kalten Steinfußboden der Kathedrale, in der er eben noch wütende Flüche gegen Jesus gedacht hatte. Diese Dunkelheit hätte sein Tod sein können. Ja, schon in früheren, wütenden BMW-Fahrten hatte ihm eine Knochenhand auf der Schulter gelegen, doch nun spürte er eine Änderung, eine Reflexion über diesen Zustand, der sich einst einstellen würde. Diese Schwäche, nicht einmal einer Holzfigur standhalten zu können! Dann wollte er seine kleine, schmutzige Seele retten, indem er Menschen erschoß. Sich selbst nun weiter mißtrauend, floh er das kalte Gebäude. Ein paar Schritte zur linken Seite, keiner sah ihn, pinkelte er an die Mauer. Wartete auf den strafenden Blitzschlag. Nun durfte er weiterleben, aber das Glas war nun voller gefühltem Ungemach, dem er sich ausgesetzt hatte. Der Langhaarige war nun überall. Die drei Nummern lauerten ihm in allerlei fremden Gesichtern auf. Starrten ihn oft aus seinem Bier, aus seinem Schnaps entgegen. Ohne sein Zutun verlor er seinen Job, hatte er doch eh nur noch teilnahmslos vorbeigeschaut. Hatte die Lohnzahlungen nur noch leidlich bemerkt. Nun blieben sie aus, blieb die Bude kalt. Wurde der Blick des Wirts bald kalt. Sah er # 2 einmal wieder, die ihn warmherzig zu Getränken einlud. Die ihn stundenlang beherrschte, wie er es sich von Gummipuppen wünschen würde. Er besaß auch deren Emotionalität und fragte sich, ob # 2 nicht eine Schraube locker hätte. Hatte sie. Griff kurz in ihr Portemonnaie, bevor er sich verabschiedete. Zeigte ihr von der Straße aus mehrere Male voller Aggressivität den einen Finger, den keiner sehen will.

That’s it, Folks

 Solch einem Zeitgenossen gibt man doch gerne mal ein bis fünf Schnaps aus. Wenn er dann später zahlt, versteht sich. Es handelt sich mit höherer Sicherheit auch um einen Queen-Fan.

Sich leise aus dem Staub windend,

Ihr Herr Hansen.

 

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