19. Mai 2015

Und hier folgt nun der verlorene Text vom 15.05.2015:

Heute ist der Geburtstag Mike Oldfields. Und jene, die jetzt fragen wollen: Wer? Diese genießen die Verachtung der lesenden Prominenz. Nein, wir wissen schließlich um die großen Taten des ab heute 62-jährigen Herrn. Er war einmal 19 Jahre alt, und hatte einige Zeit als Musiker in der Band des vormaligen Soft-Machine-Bassisten Kevin Ayers gespielt. Der lieh ihm dann auch ein Vierspur-Tonbandgerät, mit welchem der junge Oldfield die ersten Demos aufnahm, die zu seinem späteren Debüt führen sollten. Dieses trug bei Veröffentlichung 1973 den Titel Tubular Bells. Es folgten die Alben Hergest Ridge (1974), Ommadawn (1975) und Incantations (1978). Darauf folgte eine Therapie, eine große Tournee und noch ein paar sehr gute bis mittelmäßige Platten während der Folgejahre, die sogar den ein oder anderen Singlehit hervorbrachten. Ab 1992 ging es dann steil bergab mit der Qualität, denn sauberste Produktion ersetzt keine Inspiration. Aber das soll niemanden stören, die anfangs erwähnten Longplayer einer genaueren Inspektion zu unterziehen.

Für mich war die zwischen 1973 und 1978 entstandene Musik von Mike Oldfield immer etwas, wie ein Kuschelkissen nach der Zeit der Kuscheltiere. Insofern reagiere ich höchst allergisch, wenn diese Musik als sogenanntes New Age bezeichnet wird. Zwar stieß ich erst 1984 auf den Erstling Tubular Bells, doch war der Eindruck trotz des Alters der Platte ein mehr als nachhaltiger. Part One dieser Platte ist eine fast durchgängig frühlingshafte Energetisierung des Hörers. Auch nach mehr als dreißig Jahren überrascht mich die Frische dieser Musik immer wieder, ist ihre Entschlossenheit nichts nachzulassen für mich erhebend. Ein durchgängiger Genuss, dabei nicht nur das als Filmmusikschnippsel bekannt gewordene Eröffnungsthema, das jedoch zum Gelingen des Ganzen grandios beiträgt. Part Two ist ein anderer Schuh. Hier arbeitet sich Oldfield weniger an schnelleren Schnitten in der Musik ab, sondern läßt die Themen atmen und besonders im fast meditativen Abschluß wird die Musik bis an die Grenze zur Stille hin geführt. Eine zum Schluß noch leise, hintergründig spielende Orgel bricht fast verschämt ab. Nach kurzer Pause weckt der junge Oldfield uns mit einem bis zu furiosem Tempo durchgespielten Hornpipe, einem traditionellen englischen Tanz.

Was jedoch macht die frühlingshafte Faszination des Part One nun aus? Ein Teil dessen stammt aus der perfekt ausbalancierten Mischung aus schnellen Wechseln und ausgedehnten Passagen, in welchen sich ein Stimmungslage entwickeln kann. Dabei überwiegt hier grundsätzlich ein positiveres Gefühl, das letztlich auch sehr schön durch die Covergestaltung von Trevor Key eingefangen wird. Hierbei liegt der Fokus weniger auf der „Bell“ im Mittelpunkt, sondern in der umgebenden Szenerie aus schäumender Gicht und bewegtem Wolkenbild. Tubular Bells ist lebendig.

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