Q-Tips #2 (heyhey, Mixcloud, hey)

Die ersten Momente gehören dem etablierten Intro der Q-Tips-Reihe, die schon vor etlichen Jahren auf Radiowellen begann: Laikas „spider happy hour“.

Es folgen die in San Francisco beheimateten Longshoremen, die mit einem schönen Beatgedicht zu – sind das Küchengeräte? – und Fingerschnippsen einhergrooven. „what does it all mean“ heißt das Stück und im Song: „television personality’s out“. Zu finden ist dieses feine Stück auf dem Sampler „Club Foot“ aus dem Jahr 1981. Vor einigen Monaten neu aufgelegt.

„Dig it“, heißt es noch, dann starten Tuxedomoon mit „music for piano + guitar“, das 1986 auf „ship of fools“ veröffentlicht wurde. Ein erstes, beinahe leises Balsam für Seelen.

Coil veröffentlichten 1991 ihr Album „love’s secret domain“, und ein Jahr später liessen sie eine Platte mit dem Titel „stolen and contaminated songs“ folgen, auf welchem sich etliche Urversionen der „l…s…d“-Songs fanden. Unter anderem „original chaostrophy“, das in aller digitalen Heimeligkeit hier nun sein Wesen daherschleifen lassen darf.

Es folgt ein Stück, das wohl zu den mysteriösesten Veröffentlichungen zählt. Die Platte trägt den Titel „Lingva Pravorvm Peribit“ und ist um 2001 durch das belgische Label Firstcask veröffentlicht. Die Aufnahmen stammen aus dem lettristischen Umfeld, heißt es. Die Titel selbst bleiben unbenannt. Im Run-Out-Groove der Seite C, auf welcher das gespielte Stück erscheint, steht Videoconference. Klingt doch gut, oder? In jedem Fall ein sonderbares, hölzern groovendes Stück mit fürstlichen Melodien, wie ein Erschießungskommando. (Link zu weiterführender Information zu dieser Schallplatte)

Da paßt der Nachruf auf die letzte Nacht der RAF’s Ensslin, Raspe und – bäh – Baader, den Permanent Confusion mit dem Titel „18. Oktober“ präsentieren. Wackelig, nervös und beunruhigt schleicht dieses Stück dahin, um sich in beschwörendem Flüstern aufzulösen.

Mit Rip, Rig & Panic folgt eine leider sehr in Vergessenheit geratene Combo, die den wunderbarsten Songtitel hat: „beware (our leaders love the smell of napalm). Erschienen 1980 auf „god“. Auf dem Cover kratzt sich ein Tier am Hintern. Das jazzige Klavier im Titel unterstreicht die Würde jedes Agnostikers, danke!

Die Kinks haben ihn erfunden oder eher seinen Namen im kontinentalen Bereich bekannt gemacht. Jetzt darf hier der Ex-S.Y.P.H.-Sänger Harry Rag bei „russian puppet“ auch Klavier spielen, nicht jazzig, aber punktiert und langsam, aber nicht sentimental. Nee, nee! Erschienen 1992 auf „Trauerbauer“.

Und zack, tauchen schwebende Gitarren auf, gespielt von M.A.L., zu finden auf „insane music for insane people, vol. 1“, 1981. Und „insects in love“ heißt das süße Liedlein, das klingt, wie ein feuchter Fiebertraum jedes Pink-Floyd-Fanatikers.

Von Pink Floyd zu Simon & Garfunkel scheint im Overground des Mainstreams ein kurzer Schritt, doch obacht! Die beiden komischen New Yorker Käuze konnten auch nicht konsensselig, wie ihre brückenlastigen Hits nahelegen mögen. Hier hatte Paul mal in der U-Bahn die Augen auf, und schrieb dann „a poem on the underground wall“, 1966 auf „parsley, sage, rosemary and thyme“ veröffentlicht.

Auf der B-Seite der weltbekannten Ronettes-Single „be my baby“ versteckte 1964 der berüchtigte Produzent Phil Spector ein jazzig-loungiges Instrumental mit dem Titel „Tedesco and Pitman“. Was ist hier wirklich der größere Hit?

Und nun zur hier ätherisch klingenden Brigitte Fontaine mit einem Stück aus der vorzüglichen Zusammenarbeit mit dem Art Ensemble of Chicago, „comme à la radio“, das 1969 aufgenommen wurde.

Und plötzlich hält der unglaubliche Groove Einzug! Duke Ellington nahm 1963 mit Charles Mingus und Max Roach die hervorragende Scheibe „money jungle“ auf. Dort findet Ihr alle diesen Knaller, „caravan“! Ja, ich weiß, ist ein Ellington-Klassiker.

Und es wird wieder anschmiegsam mit Bill Rieflin und Chris Connelly, die uns „prayer“ aus dem Album „largo“ spielen, das 2000 veröffentlicht wurde. Vom munteren Klavier zum betulichen.

Und weiter zur kratzigen Gitarre von DNA! Da kann frau mal richtigen No-Wave hören mit Arto Lindsay. Der Song war die A-Seite der 1979er Single „you & you“

Ja, aber da wird die Gitarre doch wieder folky und akustisch! Und die Band heißt „Let’s have healthy Children“. Schon wieder aus der Reihe „Insane Music for Insane People“, diesmal Volumen #5. Das spricht mich doch total an. „fear no more“ ist der Titel. Sollte aber auch jeder so raushören können.

Lange kein Klavier mehr hier gehört. Auf zu Colourbox und aus ihrer ersten self-titled-85er Platte perlt „sleepwalker“. Oder taumelt. Schleicht.

Das Todesklavier könnte er spielen, doch läßt Karl Biscuit in „requiem“ lieber ein Todesrauschen oder -schwelgen erklingen. Zu finden auf dem schön becoverten „regrets eternels“ von 1984. So gehen Dandys dahin.

Und gar keine Dandys waren die Mothers of Invention, und so bekommen wir nun die klare Aussage über das schönere Sterben der Creeps. Pow Pow Pow! Oder Lagerhaltung der Freaks. Frank Zappa wußte schon immer, wie unsubtil und doch mehrdeutig und zeitlos gegen alles Krawall gemacht werden konnte. „concentration moon“ findet sich auf „we’re only in it for the money“ von 1969.

Schöner Schwelgen im Schmerz, das kann kaum einer, wie Scott Walker. Scott as in Scott only knows. Dieses Stück, „I threw it all away“ (Original Bob Dylan) nahm er 1996 für den Soundtrack zu „to have and to hold“ auf, der ansonsten von der Echte-Männer-Crew Cave, Harvey, Bargeld mit viel, viel Geigenschmelz erzeugt wurde. Damals hatte Scott schon „Tilt!“ gerufen und war noch einmal zurückgekehrt.

Und ganz plötzlich ist dann Schluß. That’s it, Folks!

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