too confuse to Titel.

TW Depression, Panikattaken, Trauma

Da bin ich wieder. Tief eingesunken in der zähen Masse der Depression.

Ich dachte, ich wäre inzwischen einigermassen safe.

Ich bin auf dem Weg zur Transition, ich habe eine gut eingestellte HRT.

Ich habe vor kurzem einen dämonischen und traumatisierenden Aspekt meiner Kindheit, den ich selber lange verschüttet hielt, erkannt und für mich benannt.

Und doch sitze ich hier und weiß kaum weiter. Wische die Tränen aus dem Gesicht, die einfach so fließen. Ist es die zweite Pubertät, die über mich kommt? Kommt die nächste Welle an Bewußtsein, die sich aus dem Unterbewussten herauskämpft?

Ich habe Dinge gelesen und diese haben mich getriggert. Ich wurde zurückgeworfen auf eine bis heute kaum aufgearbeitete Zeit. Meine Jugend. Im Körper eines Jungen, so von Außen wahrgenommen und genormt. Im Innern war ich schon das heranwachsende Mädchen, das sich noch nicht bemerkbar machen konnte.

Das große Thema jener Tage war fehlende Wertschätzung.

Ich hatte begonnen in einer Jugendfußballmannschaft zu spielen, das ohne sehr großes Talent, das sollte ich direkt erwähnen. Aber engagiert, denn ich hatte ja kein Talent und irgendwie sollte das Unternehmen schon Sinn machen.

Ich hielt es bis zur damals noch so bezeichneten A-Jugend aus (bis 18 Jahre). Inzwischen gehörte ich meistens zur Startelf einer Mannschaft, die durchaus gute Ergebnisse erzielte, wobei ich als talentlose Arbeiterin (Eigenbezeichnung) die linke Abwehrseite dicht machte. Doch je öfter ich spielte, desto mehr wuchs ich aus der Mannschaft raus. Warum? Es sollte doch eigentlich genau andersherum sein? Wertschätzung möchte ich nicht schon wieder als DAS WORT verwenden. Das Hineinwachsen scheiterte schon daran, daß ich kaum wahrgenommen wurde (wer braucht schon linke Verteidigerinnen?).

Zwei aus dem Kader waren keine Granaten. Ich war die eine davon. Wir waren immer da, wenn wir gebraucht wurden. Immer im Training. Doch endete jede zweite Übungseinheit damit, daß die Cracks sich unterhielten, wenn all die anderen Jocks, die inzwischen keinen Bock mehr auf sportliche Mühen, zum Team gehörten: was wären „wir“ Champions!

„Wir“ war in dem Fall natürlich ein feiner Euphemismus. Denn obwohl jedem Mensch klar ist, daß Fussball ein Teamsport ist, war es hier der Realität geschuldet, das wir zwei Nieten vor Ort waren, während die tollen Könner andere Wege der Freizeitgestaltung suchten und nicht widerkehren würden. Und die endlosen Wiederholungen dieser Träumereien machten den abwertenden Charakter erst so richtig handfest.

Etliche der Spiele fanden auf feinen, sogenannten Hartplätzen statt. Ein Pokalspiel stand an, und – was mir als Verteidigerin ja selten geschah – ich wurde heftig gefoult, schlitterte über den grobkörnigen Untergrund. Das rechte Knie troff nur so vor Blut, das unter dem Dreck hervorquoll. Super. Noch nicht einmal einen Freistoß gab es. Ich humpelte ein wenig auf dem Platz umher, niemand nahm Notiz von der Situation. Also verließ ich den Platz, ging in die Kabine und wusch in einem kleinen Handwaschbecken die Wunde aus. Als ich nach fünf Minuten fertig war, humpelte ich wieder auf den Platz und spielte im Rahmen der Möglichkeiten weiter. Nach Verlängerung kam das Elfmeterschießen, das ich dann mit einem gekonnten Schuß in die Wolken beendete. Es war mir egal. Ich war ja auch egal. Mein Knie ist seither gezeichnet von diesem Tag. Nichts zu danken.

Die zwei Jahre in der A-Jugend hatten immerhin den kleinen Vorteil, daß die sogenannten Heimspiele nicht auf jenem Waldspielplatz stattfanden, der in einem der Orte lag, die zu dieser Jugendspielgemeinschaft gehörten. Fanden die Spiele dort statt, war ich dankbar, wenn ich auf der Ersatzbank sitzen durfte. Oder höchstens eine Halbzeit spielen mußte, im besten Falle dann auf der dem sogenannten Publikum entfernten Spielfeldseite.

Das Publikum waren Männer mit Bierbäuchen, Bierflaschen in der Hand, und die sportlichen Erfahrungen von mindestens fünf Jahrzehnten, vermutlich inclusive Hitlerjugend. War es ihr Selbsthass oder der Abscheu vor den Nachkommen, die sie zu einer kaum zweistelligen, aber tobenden Masse an rotem, verdorbenen Fleisch mutieren ließ? Ich weiß bis heute nicht, warum ich mir diese Veranstaltungen überhaupt antat, wenn ich bedenke, wieviel Angst und Panik ich dort schlucken mußte. Der Weg aus dem Wald heraus brachte dann immer nur eine zeitlich begrenzte Linderung von diesem beklemmenden Gefühl in meiner mikrigen Brust.

PeerGroupPressure…? Diese ganzen fünf Jahre aktive Erfahrung als Fußballerin haben mich damals nichts gelehrt. Nur der Punkt, als ich wußte, es ist wirklich an der Zeit die Schuhe wegzuschmeißen, weil die Superkönner eine 3:0-Pausenführung mit Klimbim und fehlendem Teambewußtsein zu einer gefühlten 3:3-Niederlage vergeigten, aber tausend andere Faktoren diesen Einbruch verursacht hatten. Ich fühlte mich endgültig verarscht. Und kam nicht mehr zurück. Ich gehörte auch nie annähernd in die Peergroup.

Heute habe ich endlich gelernt, daß mich gerade die fehlende Wahrnehmung nachhaltig beschädigt hat. Verständlicherweise in feiner Zusammenarbeit mit den permanenten Provinzerniedrigungen, welche die Autorin schon als Kind erleben mußte, weil sie einfach kein Fleisch essen wollte. In Wahrheit konnte sie kein Fleisch essen. Runtergeputzt und nicht beachtet… wo soll da irgendein Selbstwertgefühl wachsen, wenn schon das Kind seine Geschlechterrolle nicht wirklich findet? Wenn permanent die innere Balance im Off hängt. Wenn die Dosis das Gift macht, so brauchte die Welt bei mir nicht wirklich viel auszulegen, um mich zu töten.

Was aus heutiger Sicht fast am schlimmsten ist: Ich war über Jahrzehnte innerlich so blockiert und ohne jedes Selbstwertgefühl, daß ich diese Verletzung nicht einmal für valide hielt, sie gegenüber meiner langjährigen Therapeutin zu äußern.

Die toxische Art und Weise, wie Männlichkeit in der Provinz gelebt wurde (und vielfach auch noch wird), hatte mir früh die Beine gebrochen. Und ich verkroch mich mit 13, 14, 15 Jahren zum größten Teil der Zeit in mein Zimmer. Neben Schule und dem erwähnten Fußballverein war ich im öffentlichen Leben unsichtbar. Wenn heute in sozialen Medien von Kindheit und Jugend in den 1970/80ern geschwärmt wird, bin ich außen vor. Ich liebte die Katzen, die bei meiner Oma wohnten. Und das war es dann auch schon, was mich begeisterte. Ich klaubte mir die weite Welt aus den Buchstaben von Zeitungen und Büchern. Wenige Bücher, leider. Die örtliche Bücherei bot die Rassismushilfe „Fünf Freunde“. Nicht zu spät immerhin entdeckte ich die Verbrechenswelt von Agatha Christie, die mich vor allem mit „Die Morde des Herrn ABC“ (The ABC murders) nachhaltig beeindruckt hat, denn die Figur des mordverdächtigen Alexander Bonaparte Cust war die erste Figur von der ich las, die unter psychischen Problemen litt (zusätzlich zur Epilepsie). Custs Beschreibung brachte in meinem jungen, verunsicherten Ich eine Saite zum klingen, vor allem auch die massive Einsamkeit, die seine Person umflorte. Er war das schwarze Loch, dem ich mich so nah fühlte. Ich hatte keinen wirklichen Platz. Keinen, der nicht auch von Panikattacken heimgesucht werden konnte.

Dieser Text hat keinerlei konsistenten Fluß. Wie sollte er auch? Wenn ich an früher denke, an die dunkleren Passagen, dann ist das verbunden mit Gesichtern alter Männer und Frauen, die mich schelten, hochmütig zu sein, daß ich ihr Fleisch nicht essen will/kann. Dieses Gefühl ist auch heute noch präsent und stark, daß ich mich wegdrehen muss. Von was auch immer. Mein Magen rebelliert. Es zieht sich alles zusammen. Der Anblick von Fleisch ist mit einer Angst verbunden, deren Grund ich nicht nachvollziehen kann. Und die Qual, der ich jahrelang schutzlos ausgeliefert war, weil ich der Mensch war, der verachtend von oben herab blickte auf die armen Leute, die sich endlich wieder ihr Stück Kotelett leisten konnten, und ich lehnte einfach ab, wollte nicht kosten.

Ob irgendwann der Grund zu Tage tritt? Ich habe das starke Bedürfnis, es nicht wissen zu wollen.

Ich habe auch keine Lust, diesem Text den Fluß zu geben, der Leser*Innen helfen mag. Die Angst lebt noch immer tief in mir und so lange, habe ich genug damit zu tun, zu mir zu stehen.

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