Pegida – na und?

Liebe Welt,

genau diesen Titel trägt das heutige Textchen. Und es ist im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte so tituliert. Warum? Einfach lesen.

Pegida – na und?

In einem unbedeutenden Winkel einer vom Autor nicht beglaubigten Nebenhölle, sitzt Andreas Baader. Sein Höllennachbar, ein ehemaliger SS-Offizier, hat ihm von „Luschen, die sich Pegida nennen“ erzählt. „Nicht einmal eine vernünftige Abkürzung!“ Der Offizier verzieht die Mundwinkel. Und Baader nickt. Als er später wieder alleine ist, denkt er nach. Pegida Frigida! Baader stellt sich dazu eine schwedische Softporno-Darstellerin mit dominierendem Rollenverhalten vor. Er legt eine Platte auf, zündet eine Zigarette an, stellt sich die Standardfrage „Problem oder Lösung“ und beginnt, einen Gerhard-Richter-Druck mit dem Abbild seiner alten Flamme Gudrun in der Hand, zu masturbieren. Später schläft er ein.

Wäre dieses Szenario nicht erfunden, so könnte ich behaupten, Andreas Baader hätte das Wesen der Pegida erfaßt, als er einschlief. Um es anders zu sagen: Dieser Club wird überbewertet.

Ich weiß, das beide Seiten der Pegidischen Medaille aufschreien. Die einen werden sich sicherlich verkannt fühlen, in ihrem Bemühen islamistische Gefahrenmomente und andere Schimären zu bekämpfen. Die andere Seite droht mit allen verfügbaren Zeigefingern und warnt vor den dunklen Potentialen, die von diesem Pulk ausgehen kann.

Wovor fürchten sich die geknechteten Spaziergänger eigentlich? Da sind die bereits angesprochenen Islamisten. Menschen, die eine ausgedachte, verschärfte Koran-Version in ihren Händen, einen flammenden Islam über alle Mitbürger, bereits gläubig oder immer noch stur auf Anti gebürstet, bringen möchten. Haben Sie, liebe Leserin, den Fehler bemerkt? Der Islamist möchte nicht. Er macht. Der Islamist hat quasi immer was zu tun. Ich werfe dazu mal die Frage in den Raum: Das Pegida-Deutschland wird also gerade von diesen Schwerterschwingern heimgesucht? Lörrach soll schon gefallen sein! Oder wo mögen diese Bangheit in der Großpackung verteilenden Assassinen die Grenze überschreiten? Wo ist der Rubikon für Pegida Frigida?

Damit soll nicht gesagt werden, daß die neuzeitlichen Kalifen mit ihren bluttriefenden Idealvorstellungen eines männlichkeitsstrotzenden Gottesstaates nicht eine Gefahr darstellen! Jeder Vollidiot, der seinen Wahn auf andere Menschen übertragen möchte, ist eine Gefahr. Und wenn sich Vollidioten auch noch zusammenrotten und schlimmerweise Waffen benutzen, ist die Gefahr akut. Und was die Jungs und Mädels von „Iris, Isis, Penis“ (kleines Monty Python-Zitat, sorry) anbelangt, ist die Gefahr schon im roten Bereich. Eigentlich ein Fall für Bruce Willis oder andere Weltenretter. John Wayne. Die siebte Kavallerie. Wenn man diese Typen mal braucht, sind sie entweder tot, erfunden oder im Urlaub. Also eher Karl Martell 2.0. Zum Beispiel. Der Prototyp hatte mal in Südfrankreich sich den Eintritt in die neu zu errichtende Pegida-Ruhmeshalle erworben. Hier wäre dann noch zu klären, ob – auch wenn man wacker die üblen Islamkrieger schlägt – dieser Sieg auch qualifiziert, wenn er nicht auf deutschem Boden errungen wurde. Wie der schon genannte Bruce Willis in zahllosen Vorlesungen lehrte, schmeckt der Triumph am Besten, wenn er im aller-aller-allerletzten Moment und mit viel, viel Schmutz im Gesicht errungen wird. Und natürlich im schweißtriefenden Alleingang. Karl Martell soll hingegen eine Armee im Schlepptau gehabt haben. Stellen wir uns daher mal vor, es sei keine Armee, sondern bloße Schlachtenbummler gewesen, die ihren Hammer-Kalle (Das ist mal richtig feiste deutsch! Leider ist der Kerl Karl aber nur ein Franke gewesen. Nein, nicht die Leute, die immer Schäufele oder so essen, sondern die Franken genannten Germanen (Germans, ya know?!), die übel verirrt später Frankreich aus der Taufe heben sollten. Was vermutlich jeden eifrigen Nationalisten zu Stirnrunzeln bringt. Aber ach, die Nachwehen der Völkerwanderung, da hatten viele die Orientierung verloren) angefeuert haben. Wenn also schon die Schlacht in Frankreich disqualifizieren sollte, muß leider auch der tolle Prinz Eugen draussen bleiben. Auch er agierte im Ausland, gar im tiefsten Serbien, als er sich – ebenfalls von etlichen Schaulustigen begleitet – mit bewaffnetem Muselmanentum maß. Vielleicht können sich die Pegiden an einem der nächsten Montage mal über die Errichtung und die Einlasskriterien ihres eigenen Wallhalls unterhalten, und mal nebenbei etwas konkretes für die deutsche Bauwirtschaft tun. Ja! So muß das. Nicht immer nur nörgeln und nölen! Und dann noch drüber wundern, wenn man unbeliebt ist. Else Kling konnte auch kaum jemand leiden.

Was ist dann jedoch gegen die Kalifen zu tun? Bekämpfung vor Ort. So sehr ich auch ein Pazifist bin, gegen Gotteskrieger greife ich nicht zum Schwert wegen gleicher Waffen, sondern mindestens zur halbautomatischen Feuerwaffe. Wer in den selbst entfesselten Krieg zieht, und dabei einen Gott im Gepäck trägt, zählt zu den erwähnten hochgefährlichen Vollidioten. Wie schon Kreuzritter, Konquistadoren, Maoisten (Bibel? Ha!), Sarazenen. Wer dies tut, spielt willentlich mit dem Feuer, wie Paulinchen im Struwwelpeter. In meinen Augen ist Religion Privatsache. Und ich glaube höchstens an den Zweifel. Und im Zweifel ist kein Platz für die Gottesstreiterei. Daneben ist mir jedoch auch gleich, ob das Stadtbild von Köln irgendwann von einer Moschee bestimmt wird, oder weiterhin vom Dom. Oder einem Eichenhain. Das nenne ich dann auch nicht persönliche Weltoffenheit, sondern persönliche Ignoranz des Glaubens der Anderen. Und ich empfinde es durchaus als wichtig, Mitmenschen auch hin und wieder aktiv in Ruhe zu lassen. Die Worte „hin und wieder“ sind im letzten Satz betont. Es muß für Menschen im 21. Jahrhundert wieder möglich werden, einander in die Augen zu blicken, ohne allumfassende Wertungen vorzunehmen, die auf jedem jemals geäußerten Buchstaben in den sozialen Medien fußt. Die Forderung nach der Möglichkeit des Vergessens im Internet wird von mir begrüßt. Und so sollte jeder Pegidist auch wieder aufgenommen werden, wenn er erkennt, daß er falschen Forderungen, Hoffnungen nachgeeilt ist.

Was ist falsch daran, Pegida zu folgen? Vergessen Sie, liebe Leserin, bitte die Pamphlete der weltoffenen, nicht rassistischen, nicht phobiegeplagten Menschen. Stellen Sie sich vor, Sie seien ein Bürger im heutigen Mexico. Man schriebe das Jahr 1520 unserer Zeitrechnung. Ihre Nationalität sei aztekisch. Sie marschieren innerhalb eines Pulks an Mitbürgern und protestieren gegen die kriegerischen Ambitionen von fremden Volk, das sich mit allerlei Schiffen aus dem fernen Osten zu Ihnen begeben hat und das scheinbar wenig Willens ist, mit leeren, nicht bluttriefenden Händen sich wieder hinfort zu heben. Liebe Leserin, mit Ihrem heutigen Wissensstand ist Ihnen klar, daß ich Sie in diesem Beispiel auf die Verliererseite der spanischen Eroberung Mesoamerikas stelle. Sie und ich wissen, daß kein Azteke je zu einem Plakat griff, um gegen die spanischen Eroberungspläne zu protestieren. Das hätte im Nachhinein ähnlich blümchenhaft gewirkt, wie ein Protestzug irgendwo in Polen im August 1939, der das Bild vom bösen, imperialistischen, kriegslüsternen Deutschen malt. Und niemand könnte heute sagen, eine Warnung vor diesen so beschriebenen Deutschen hätte keine Realität besessen. Haben die Pegidisten eine ähnliche Rechtfertigung anzubieten? Nein. Sie sehen zwar Gefahrenpotentiale, doch sind diese noch lange nicht am schon erwähnten Rubikon angelangt. Es gibt die Möglichkeit innerhalb aktueller deutscher Grenzen einem Akt des Terrors von islamistischer Seite

zum Opfer zu fallen. Ebenfalls gibt es die Möglichkeit innerhalb aktueller deutscher Grenzen einem Akt des Terrors von rechtsradikaler, nationalistischer Seite zum Opfer zu fallen. Beides kann deutschen Staatsangehörigen geschehen. Und wichtig ist, daß die Gefahrenpotentiale von rechtsradikaler Seite höher anzusetzen sind. Verwirrung könnte jedoch stiften, wenn sich rechtsradikale Täter auch noch als Christen outen! Das macht aus einem sogenannten Hassverbrechen, eine Tat mit religiösem Hintergrund. Der Ku-Klux-Clan arbeitet schon seit längerem an Studien zu dieser Umdeutung der verbrecherischen Motivation. Passend zum geistigen Niveau schuf der Clan jedoch nur eine Karnevalskostümierung, die weder kleidsam ist, noch in ihrer der Burka abgekupferten Vollkaschierung besonders christlich oder couragiert daherkommt. Doch eines verbirgt dieser Mummenschanz sehr gut und gültig: Die Angst, die sich unter der Maske verbirgt. Wer Plakate für Pegida trägt oder eine Zwei-Löcher-Augen-Kapuze zum Grillfest trägt, hat ein Angstproblem.

Wovor fürchten sich diese Leute? Vor dem Islam. Nein, nicht wirklich. Sie fürchten sich vor einer Änderung des Status Quo. Sie fürchten sich vor Änderungen, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Der Protestler fürchtet, daß sein großer oder auch gerne kleiner Wohlstand plötzlich gefährdet wird. Er fürchtet sich, daß seine gesellschaftlichen Aufstiegschancen gefährdet werden. Dahinter sieht er die Fremden am Werk. Hand in Hand mit einer fremdenfreundlichen Politik, flankiert von liberaler Lügenpresse. Dem ist jedoch nicht so. Es mag sein, daß Teile dieser Erklärung hin und wieder greifen können, doch im Großen und Ganzen ist es Humbug. Die Problematik liegt an anderer Stelle:

Wer wird uns – nicht nur in Deutschland, sondern quer über die sogenannte westliche Welt – retten, wenn wir weiterhin aktiv sämtliche mittelständischen Strukturen zerstören? Ich fürchte mich nicht vor einer Islamisierung, als vielmehr vor einer Amazonisierung. Frei nach dem alten Greenpeace-Spruch über den letzten gefällten Baum, sage ich: Wenn das letzte unabhängige Einzelhandelsgeschäft schließt, werden wir feststellen, daß alle Städte der Welt endlich gleich aussehen. Welch eine verlockende Vision! (Achtung: Sarkasmus) Wir werden nie wieder reisen müssen! Wir werden nie wieder Mißverständnisse mit fremden Menschen haben, denn wir alle haben den gleichen Hintergrund. Wir werden endlich die Möglichkeit haben, als Mitarbeiter eines der letzten fünf globalen Konzerne zu gleichen Hungerlöhnen zu arbeiten, wie jeder andere Menschen überall auf diesem Planeten. Hier hilft kein Protestmarsch oder Spaziergang. Hier hilft nur die Einsicht, daß jedes Produkt auf dieser Welt seinen Preis hat. Gilt sowohl für Elektroartikel, Kleidung, Hühnerei. Jedes Produkt hat seinen Preis. Die wichtige Erkenntnis ist die: Wer zahlt den Preis? Wenn wir, die Konsumenten weiterhin darauf beharren, mit der Hilfe überregional agierender Konzerne (nennen wir hier ruhig einmal Aldi als einen Vorreiter dieser Entwicklung), den Produzenten diesen Preis zahlen zu lassen, müssen wir uns über die Rechnungen, die von dieser Seite nicht mehr beglichen werden können, nicht wundern. Worin bestehen diese Rechnungen? Produktionsverlagerungen, Dumpinglöhne und Einfuhr billigster Arbeitskräfte, Kampf gegen ökologische Mindeststandards. Sicherlich habe ich noch manches Schlupfloch übersehen oder vergessen. Dennoch möchte ich anmerken, daß nicht jeder multinational agierende Warenproduzent von Grund auf verdorben ist und nur alleine auf Profitsteigerung aus ist. Der sogenannte Druck des Marktes entsteht nicht nur durch die produzierenden Marktteilnehmer, sondern wird auch durch den Abnehmer und Konsumenten erzeugt.

Eine Bekleidungsfabrik in Bangladesh, in der Näherinnen zu höchster Produktivität geprügelt werden, dabei diese nur Hungerlöhne erhalten, ist kein Entwicklungsprojekt. Es ist blanker Hohn! Hier ist klar, wer den Preis für unsere günstige Kleidung zahlt. Ein faires Projekt säe so aus, daß in einer solchen Fabrik Kleidung für den Markt in Bangladesh produziert wird, die Näherinnen einen für das Land gerechtfertigten Lohn erhalten, Arbeitszeitregelungen, sowie Regelungen rund um die Herstellung von Waren den Errungenschaften unserer Gesellschaft angepaßt würden. Wenn ein solches Unternehmen dann eine Ware herstellt, die global nachgefragt würde, wäre dies positiv zu sehen, jedoch müßte ein korrekter Preis dafür bezahlt werden. Sind wir dazu willens? Sind wir auch bereit dazu, die Art und Weise, wie Globalisierung bisher definiert wird, weiter zu tragen? Wäre es nicht wünschenswert, an Stelle einer aus dem fernen Osten importierten Bluse, an der vielfarbiges Blut klebt, diese nicht bei der lokalen Näherei zu kaufen? Global denken und lokal handeln! So heißt es seit Jahrzehnten. Doch dazu ist eigenes Handeln nötig und es läßt sich dazu schlecht über die Politik schimpfen.

Globalisierung sollte nicht heißen, daß ich als Konsument meine Wünsche von überall zu günstigstem Preis erfülle, sondern jedem Menschen offen begegnen kann. Wenn ich jedoch als Ausbeuter auftrete, muß ich mich nicht über Hass wundern, der mir entgegenschlägt. Wenn ich als Ausbeuter auftrete, werden die Ausgebeuteten irgendwann vor meiner Türe stehen, um sich das Raubgut zurückzuholen.

Pegida ist abzulehnen, doch eine Änderung unserer Kultur ist dringend von Nöten. Anpacken!

P.S. 1: Warum starte ich mit Andreas Baader? Er wäre als Opportunist, Nachplapperer, Egozentriker eine tolle Führungsfigur dieser Bewegung. Ich hoffe nur, daß die Pegidisten klug genug sind, nicht den Weg des bewaffneten Kampfes aufzunehmen und damit Baader wenigstens in dieser Hinsicht zu überragen.

P.S. 2: Am 07.01.2015, als ich mir erste Gedanken über diesen Text machte, mußten in Paris zwölf Menschen sterben. Ein widerliches Verbrechen, ein barbarischer Akt des Terrors. Ich wünsche den Tätern die Justiz, wie sie vor dem Attentat Bestand hatte, an den Hals. Nicht einen Gott, nicht einen Lynchmob oder eine tödliche Geschlechtskrankheit. Nein, die Justiz. Das ist die Stärke unserer demokratischen Gemeinwesen.

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Besuch beim Preussenkönig F.W. 3

Liebe Welt,

einst in tiefem Traume Numero Zwo: da sah ich diese Geschichte und was dazu geschah. Ich schrieb sie auf, änderte wenig bis nichts, denn das Drehbuch war so fein schon vorbereitet.

the black angel’s death song

Mein Name ist Gideon Hunziger. Ich zähle noch keine dreiunddreißig Jahre, lebte in Prillwitz, bis zu dem Tage als mich die Beiden ansprachen. Dort habe ich als Küster unserer Kirche gedient; auch als Totengräber, denn ich habe kein Handwerk gelernt. Im Süden war meine Heimat, bin in Roßla geboren und gut einige Jahre dort immer gern nach dem Kyffhäuser gewandert um den großen Kaiser zu sehen, wenn er kommt. Dann aber bin ich dem Korsen Auge in Auge gegenübergestanden! Damals, bei Leipzig, da hätte ich ihn tödlich streifen können! Doch hat mir ein Franzmann das Knie zerschmettert, und ich armer Knirps bin so grade mit meinem Leben davongekommen. Oh, wie ist das dann übel mir gegangen, denn mein Vater ist nicht aus der Schlacht heimgekehrt und meine Mutter war schon immer siech! Der Oheim Karl hat mich, kaum das ich dann fünfzehn Jahre zählte, mit einem Empfehlungsschreiben hier herunter zum alten Boll geschickt. Drei Monate war ich unterwegs, habe mich auch mal irreleiten lassen, und stieß nach einigen Tagen auf die Oder, so nannte ein Fuhrwerker mir den Fluß, der mich dann in den Norden mitnahm, bis ich wieder Fahrt auf Neubrandenburg fand. Der alte Boll hat mich nach Prillwitz verwiesen und so hab ich dann dort erst eine lange, harte Schulbank gedrückt. Ja, zwei Jahre hat mich der Alte mit den Knirpsen auf die Bank gezwungen, jeden Vormittag, damit mir der Schädel brummen sollte. Dann lag der Alte plötzlich selber in der engen Kiste, noch gar nicht einmal sehr alt. So nahmen mich die Bolls dann nach Neubrandenburg in ihr Hause auf, wo ich mir gerne die Zeit mit Franzel vertrieb oder auf den kleinen Ernst Obacht geben mußte. Einmal dann, nach Jahren ist der König in die Stadt gekommen, und ich bin mit Franzel und Ernst dorthin gegangen, ihn zu sehen. Naja, ich denke immer nur an den Korsen, der mir so nah war, ich hätte ihn wirklich beinahe gehabt, auch wenn ich dann dem Schlag von dem Anderen wohl nicht mehr hätte so ausweichen können.

Der Franz ließ mir eine Nachricht aus Halle kommen, worauf ich nach Greifswald hinging, damit ich dort eine Sendung für ihn übernähme, auf die er schon Monate wartete. Die Sammlung seines Vaters an Altertümern mochte er damit erweitern. Dort angekommen, sprachen mich die Zwei an. Ich kann nicht sagen, mit welchem Bedürfnis sie sich an mich wendeten, doch kam ich ihnen nicht aus dem Wege. Selbst auf der Heimreise stellten sie mir nach, ohne je gesagt zu haben, was ihr Begehr denn sei. Die kleine Truhe, die ich immer fest an mich preßte, bedachten sie mit keinem Blicke.

Endlich kam Prillwitz in Sicht. Ich saß noch auf dem Fuhrwerke, daß mich seit Stargard mitgenommen hatte. Dort hatte ich mich in trüber Abendstimmung aus der Beobachtung der Zwei herausgeschlichen. Franz empfing mich dort in meiner kleinen, alten Heimat, freute sich, wie ich es selten bei ihm gesehen hatte, über diese kleinen Utensilien, die er aus der Holzkiste herauszog. Eines war ein Kamm, ich erinnre‘ mich genau, den er strahlend vor seine Augen hielt: „Mindestens viele hundert Jahr‘ schon alt!“ Es war ein so schönes Bild. „Endlich in der Heimat wieder!“, rief er. Zwei Tage hernach, Franzel war wieder über Neubrandenburg gen Halle zum Studium, hatte ich mein nicht sehr üppig Tagwerk erledigt und wanderte am Tollensesee entlang, bis ich mich in den Osten verlor und plötzlich vor Stargards Toren stand. Kaum, daß ich einige Momente verloren durch die Strassen herumirrte, standen die Zwei vor einer Schenke, wiesen auf mich, riefen mir zu und ich konnte nicht mehr umhin, ihnen in das Innere des Krummen Dolches zu folgen. Dort saß ich schnell zwischen Ihnen und endlich ließen sie mich ihre Namen wissen. Der größere und fraglos ältere der Zwei hieß András Tokody. Er nannte sich einen ungarischen Edlen, den die verhaßten Habsburger von Grund und Boden vertrieben hatten, da er keine Gefolgschaft leisten wollte. Tiefer Schrecken durchfuhr mich, als er ihnen mit geballter Faust grollend drohte. In den folgenden Tagen hörte ich noch oft den Fluch auf den elenden Franz, den Totengräber! Der Andere war kleiner, aber dennoch von größerer Kraft, wie mir vom ersten Momente an schien, und so fürchtete ich mich vor diesem wesentlich mehr, zumal er einen groben Stoff nur nutzte, um seinen schmalen Körper zu bedecken. Seinen Namen ließ meine Zunge kaum ohne Fehl aussprechen. Er nannte sich Zsolt Sztáray. Er stammte aus einer Händlerfamilie, die in Buda wohl mehr als tausende Ellen Lager besaß, die unzählige Boten, Reisende und Rechner beschäftigte und die ihm nicht zu helfen vermochte in seinem Elend, wie ich von ihm auch später erfuhr. Siebzehn Jahre sei es nun her, seit er die Heimat verlassen habe, um der Welt gegen den Korsen beizustehen.

Den großen Kampf bei Leipzig hatte er in einem Regiment der Preußischen Armee bestanden, dem er folgte, bis zum Tage von Waterloo, als ihm der General Blücher selbst Dank sagte. Der Kampf nun gewonnen, hielt Sztáray die Hand auf, um den Lohn eines Jahres harten Dienstes für die freien Völker zu erhalten. Doch man trieb ihn mit Knüppeln davon. Es solle ihn doch sein eigen Volk auszahlen, oder die elenden Wiener, die im faulen Prunke ertranken.

So habe er sich umhergetrieben. Sieben Jahre lang habe er in allerlei Unternehmungen verdingt, bis endlich in Koblenz er dem Landsmann, dem verlorenen Tokody, begegnete. Man erkannte schnell des anderen Geist und geschwind war man nach ersten Streichen der Stadt verwiesen. Auf dem Weg nach Osten schworen sie dieser kleingeistigen Welt die höchste Rache, doch wollten sich die beiden Schadenslüsternen zunächst nicht auf einen generalen Gedanken einigen. Auch wollte immer der tägliche Hunger gestillt werden. So verwandt man eine üble Zeit, durch die Lande zu ziehen, ohne das der nächste Tag je wußte, welche Gestalt er denn tragen würde. Auch wurden die Pläne, die man schmiedete immer zerfahrener, wußte man heute nicht ob der Feind ein Habsburger, ein Preusse, Russe oder gar ein Landsmann sei. Zuoft träumte man wirr vor sich her, ertranken Tokody und Sztáray ihren Schmerz während trübem Abendglanz im Branntwein und versuchten sich nach Morgengrauen darin, Geld für den nächsten Umtrunk auf allerlei dunkle Art zu erwerben.

Eines Nachts jedoch wurde Tokody von seinem jüngeren Freunde wütend aus dem Schlaf gerissen, darauf dieser ihm berichtete im Traume von Gesichtern bedrängt worden zu sein, und er, Sztáray, nun wisse, wohin es sie ziehe! Es ginge um das Leben Friedrich Wilhelms, des Preussenkönigs! Sie beide müßten dieses beenden. Es müsse nun geschieden werden, und alles, was sie noch bräuchten seien die tötlichen Worte und einen, der sie spräche. Dieses Geschehen vollzog sich in einer schlimmen Märznacht in Berlin und die Magyaren fühlten den Frevel mit solcher Stärke in ihrer Brust brennen, daß sie diese Stadt noch vor der Mittagszeit verließen und nicht mehr von der Strecke in den Norden abwichen. Hier trafen sie bald auf die Tore der altehrwürdigen Stadt Greifswald, und dort sahen sie mich und erkannten meinen Platz in ihrem Plangespinst. Wie ich schon berichtete, konnte ich dem bösen Ansinnen der Beiden noch bis zu meiner Rückkehr nach Stargard entgehen. Dort wurde ich ein Teil des Netzes, das den guten König einnehmen und zu Tode bringen sollte. Aus der Schenke nahmen sie mich auf die Straße, einen kurzen Stich in eine geringe Talsenke hinab, dort östlich von der Stargarder Burg. Im dichten Busch hatten sie sich einen Unterstand aus Gestrauch, Stein und Baum geschaffen; Sztáray lief auch immer flink den Stamm hinauf zum Ausguck. Ich saß auf lichten Grasbücheln, ich bekam nun Angst. Der gealterte Tokody, der graue Stich im Gesicht, die Augen, die sich in ihre Höhlen zurückgezogen hatten und dagegen dieser feurige Sztáray. Solche Unterschiede mochten sich nicht in meinem Geiste treffen und vereinigt Werke starten und zu Ende bringen. „Was denkst Du über den König?“, rief Sztáray aus dem Baume herab. Ich stierte in das Grün über meinem Schädel und mochte nicht sehr gescheit geschaut haben, es entgegte mir ein schallend Lachen, in das auch der müde Tokody nach einigem Schnaufen einfiel. Nie hatte ich mir darüber einen Gedanken gemacht, und so sprach ich es auch aus. „Aha! Dann kannst Du unser Mann sein, Gideon! Das haben wir uns genauso ausgemalt, als wir Dich zum ersten Male sahen.“ Immer noch kam keine Erleuchtung, als Tokody mir müde eine Schrift zusteckte. Ich besah mir die gestochen zu Papier gebrachten Zeichen und versuchte die Worte im Geist zu formen. Die Stirn in kraus gelegt, hatte ich die ersten zwei Zeilen entziffert, da sprang der fesche Sztáray aus dem Baum herab, riß mir das Blatt aus der Hand. „Na, das Augenrollen mußt Du noch sehr gut lernen, nicht wahr, András?“ Tokody nickte: „Er muß noch viel, viel lernen!“ „Was wollt ihr mit dem König?“, warf ich in die Runde. Sztáray hatte, das Blatt in der Hand, in einem Strauch gewühlt und dort eine braune Flasche gefunden und schnell entkorkt. Mit einem stechenden Blick hielt er sie mir entgegen, worauf ich sie griff und trank. „Wir wollen nichts mit Deinem König, Gideon.“ Sztáray hatte sich zu mir herabgesenkt, sprach raunend, beschwörend: „Alleine sein Leben wollen wir ihm abspenstig machen.“ Noch einen Schluck mußte ich trinken. Die Dämmerung setzte ein und so schwand des Lichtes Stärke von oberhalb der Burg. Der alte Tokody hatte sich mit einiger Mühe erhoben, legte mir die Hand auf die Schulter: „Wirst Du uns dabei helfen? Du brauchst kein Schwert gegen Deinen König zu erheben. Alleine begleiten mußt Du uns auf Hohenzieritz, dort wirst Du diesen Text vortragen,“ er hielt das Blatt wieder in die Höhe, das er Sztáray aus der Hand genommen hatte, „und alles weitere wird von unserer Hand geschehen.“ „Wieso?“ Sztáray wandte sich ab, um leise grollend den Baum zu besteigen. Tokody ließ sich nun neben mir nieder. „Was er hat er Euch getan, daß Ihr sein Leben nehmen wollt?“ „Was hat er für Dich getan, Gideon?“ Darauf wußte ich nichts zu sagen, doch nach einigem Sinnen sprach ich in Franzel’s Art: „Er wacht doch über uns.“ „Oh, ja“, rief András Tokody mit Wucht aus, „dieser König wacht über uns und er wacht gut. Nein, ich will Dich nicht mit einer hintergründigen Ironie in die Irre leiten, die Du nicht verstehen wirst, junger Mann. Verstehe, wir beide, Du und ich zählen für diesen Mann nichts. Wir sind gerade gut genug, als Untertanen zu gelten, mehr nicht. Hast Du in Deinem jungen Leben bereits in einer Schlacht gestanden?“ Die Erinnerung an mein Heldentum in der alten Heimat sprang mir in den Rücken: „Ja, ich hab dem Korsen bei Leipzig gegenübergestanden. Beinahe hätte ich ihm einen üblen Hieb gegeben.“ Zunächst strahlend und wie aus einem Füllhorn sprudelnd, erstarb dann meine Stimme und meine Schultern sanken zusammen. „Gut, Gideon. Gegen diesen Tyrann haben wir alle vereint gestanden. Ja, der Franzmann hat das ganze Abendland geeint in stummer Wut, die sich dort in Leipzig und in Belgien in einen furiosen Sturm der Befreiung gebündelt hat. Wir haben ihn jeder für sich, dennoch gemeinsam in die Hölle geschleudert. Ja, auch Zsolt war in Leipzig. Er ist mit einem preussischen Regiment bis nach Waterloo gezogen, um den Despoten zu stürzen. Er führt den Säbel sicher und gut, weißt Du? Davon versteht er etwas, das ist sein bestes Handwerk, und ich will nicht wissen, wieviele Franzmänner er aufgespießt hat. Das wäre ein feiner Turm, wenn wir sie alle hier in den Himmel türmen könnten. Ja, das wäre die einzige Chance für diese feigen Spitzel in die Nähe von unserem Herrgott zu kommen!“ Tokodys schon vergessener Haß auf den alten Gegner schüttelte ihn nun von Neuem. Ich reichte ihm die Flasche, aus der er einen tiefen Schluck nahm. Die Sterne in jener Nacht glühten rot vor Zorn. Der Trunk nahm mich derweil in wärmende Arme und bald lag ich schlafend im Gras. Fühlte mich sicher und angenommen, bereit. Träumte von meiner Begegnung mit dem König, den ich bisher gerade für einen kurzen Moment je gesehen hatte. Würde ich diese Prüfung bestehen können?

Als der neue Morgen uns drei merkwürdige Gestalten weckte, da speisten die beiden Ungarn mich mit hartem Brot und am vergangenen Tage entwendeten Würsten. Sztárays Appetit war ungeheuerlich, seine Energie von ähnlichem Feuer und so war er es, der den alten Tokody und mich Unsicheren auf den Weg trieb. Die Beiden hatten Kunde erfahren, daß der König sich in diesen Tagen in Großherzog Georgs Schloß zu Hohenzieritz aufhielt, und diese Gunst wollten sie nicht tatenlos verstreichen sehen. Auf dem zunächst beschwerlichen Weg hin zum Tollensesee ließen die Zwei mich noch meist geschützt vor ihren Beschwörungen, die erst wieder einsetzten, als wir das Nemerower Holz erreichten, da wir dort auch eine erste Rast begannen. Tokody griff erneut zu jenem Papier, das er in seinem Beutel aufbewahrte. „Gideon, erinnerst Du Dich an meine Frage, was Du über Deinen König denkst, und was wir Dir über unsere Pläne verrieten?“ Ich nickte, während Tokody zweifelnd meine krause Stirn betrachtete. Er griff meine Hand: „Dein König ist kein guter Mann, dessen kannst Du sicher sein. Wir beide wissen auch, daß es nicht rechtens ist, das Leben eines jedweden Menschen zu beenden. Wir wollen keine Mörder sein, sei dessen ebenfalls gewiß, Gideon!“ Immer noch traf mich der harte, prüfende Blick des alten Ungarn. „Aber wir alle standen bereits in unserem Leben in einem Krieg und wissen, daß nur Taten zählen. Die Herren, für die wir den Korsen in die Hölle gefegt haben, sie haben sich gegen uns gewendet. Sie packen uns am Genick und schütteln alle Freiheiten von uns ab. Wir aber irren durch unser Leben und finden keinen Wert mehr in unseren Taten wider. Unser Schicksal ist allein das Holz für die Öfen, das Wasser für die Mühlen zu sein, die für das Wohlergehen weniger und unsäglicher Tyrannen zu sorgen. Dein Herr, dieser Friedrich Wilhelm, ist ein gottloses Beispiel für die unsägliche Torheit des Schicksals, das ihn an diese Position hingeschleudert hat. Er ist ein lebendes Beispiel für den Hass des Herrn auf seine Schöpfung. Ein Verfechter der Versklavung des Volkes, das nicht seinen eigenen Sinn, ein lebendiges Leben, ein vernünftiges Trachten verfolgen darf,“ Tokody spürte, daß ich ihm nicht mehr folgen konnte, „wir leben nur noch in Ketten und dämmern hin zum Tode.“ Der feste Druck, mit dem er meine Hand hielt, lockerte sich. Er strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Umarme mich, Gideon.“ Ich wußte kaum noch, wie mir geschah, doch schlossen seine Arme sich um mich. Wilder hat mein Herz nicht mehr geschlagen, seit ich dem Korsen in die Augen sah. „Wir Menschen müssen in Liebe miteinander leben,“ flüsterte er mir zu. Drohend setzte er nach: „Die Herren selbst, sie sind keine Menschen mehr.“ Das Feuer wurde gelöscht, das Wasserkesselchen eingepackt, der Weg fortgesetzt. Sztáray lief voraus, wachsamer als ein Rudel Füchse. Tokody nahm sich nun meiner Belehrung an: „Der König hält sich also zur Zeit auf Hohenzieritz auf. Es soll ein Ort der Muße für ihn sein, damit er der kleingeistigen Berliner Bürokratie entfliehen kann, die ihn so sehr fordert. Dabei vergessen wir nicht, daß er selbst der größte Tor ist. Nicht einmal lesen soll er können.“ Angewidert spuckte er aus, bevor er fortfuhr: „Der Großherzog Georg hat seit einigen Jahren ein großes Herz für die Poesie, und damit hat er seinen Schwager nach einiger Diskutiererei infiziert. Der König besitzt zwar kein reales Verständnis für diese Wortkunst, doch liebt er es, wenn die Verehrung seiner untertänigen Poeten sich darin zeigt, das sie ihm alleine ihre Werke auf Hohenzieritz vorzutragen pflegen. Er läßt sich hinter eine spanische Wand nieder und schläft, während davor die Dichter ihre Lobeshymnen vortragen. Und ebendies werden wir tun, Gideon. Du bist der Dichter und wirst unsere Poesie vortragen. Wir werden uns derweil als deine Diener ausgeben, die während des Vortrages im Hintergrund verweilen. Im rechten Momente begeben Zsolt und ich uns hinter den königlichen Schutzschild um Friedrich Wilhelm einen Besuch abzustatten. Du aber darfst in Deinem Vortrage nie inne halten.“ Tokodys Stimme besaß einen drohenden Unterton, durch den sich eine dunkle Wolke des Verhängnisses bildete, unter deren Schutz wir unseren Weg fortsetzten. Ich begann mich zu fürchten, während wir unseren Weg fortsetzten. Ein Mensch würde sterben, wenn uns niemand stellen würde. Meine Zweifel standen mir wohl ins Gesicht geschrieben, denn Sztáray stieß Tokody an und raunte ihm mir unverständliche Worte ins Ohr. Sztárays stechende Augen ruhten nun unvermindert auf mir; selbst als in der folgenden Nacht ich endlich entschlief, tauchte er in meinem Traume auf, hier jedoch bewegungslos im hintergründigen Dunkel verharrend. Ein Wasserschwall weckte mich, es war noch dunkel. Wir waren nahe Wustrow und die Ungarn hatten vor, noch an diesem Tage ihre Tat gegen den König zu begehen. Tokody kroch mir ins Genick und hämmerte mir in den folgenden Stunden meine Worte auf das genaueste in den Schädel. Kein Stottern, kein Schleifen war gestattet. Am späten Vormittage erreichten wir den Anblick Hohenzieritz‘, und in meinem Innern nur ein Kreiseln, eine unerträgliche Angst, eine tiefe Übelkeit. Neue Kleider wurden mir gereicht.

Wie in einem schweren Traum zogen die nächsten Stunden vorüber. Wir erreichten das Schloß. Die Worte, die mir die Ungarn eingeschärft hatten, verließen fehlerfrei meinen Mund und die Dienerschaft des Großherzogs führte mich in einen Empfangsraum und bedeuteten mir zu warten. Meine Begleiter wies man vor die Türe. Ich verwahrte mich dagegen, forderte, daß sie an meiner Seite warteten und mir auch vor den König folgen sollten. Ein angedeutetes Kopfschütteln von Seiten des Pagen, bald unmerkliche Annerkennung in Tokodys Augen. Wir wurden nach einer ersten Wartezeit von Großherzog Georg empfangen, der nach Referenzen meines Werkes suchte, die ich, nach Auskunft der Ungarn gab, doch er schien nicht zufriedengestellt. Aber er wollte die Angelegenheit nicht vertiefen und überließ uns einer weiteren Zeit des Harrens. Mir schien, als sei die Dämmerung bereits angebrochen, da erschien der Page und es ward der Moment gekommen, auf den mich Sztáray und Tokody so fein vorbereitet hatten. Die Zeilen zogen unentwegt durch meinen Geist, das Reale schien mich kaum mehr zu berühren. Wie eine Marionette bewegte ich mich in das Kaminzimmer, sah die spanische Wand. Der Schatten, der sich darauf abbildete, flackerte mit der Bewegung der Flammen. Der Page betrachtete meine Begleiter, wandte sich dann um und schloß die Türe. Ich hörte die Stimme des Königs, der meinen Namen erfrug. Ohne Zögern gab ich Antwort, zählte auch die Stationen meines poetischen Weges auf. Ein beruhigtes Grunzen erscholl von jenseits des Schirms. „So trage denn Dein Werk mir vor.“
Ein leichtes Zittern überfiel mich. Ein Blick nach Tokody. Ich begann meinen Vortrag:
„So führen denn die Wege mich
aus einer üblen Finsternis hervor,
vor diesen Toren halte ich –
besinne und treibe meinen Geist empor
hinauf noch nie geahnte Höhen zu erklimmen,
die den Herren böse Träume werden.

So sehen Dich denn aus vier Augen
Deine Ängste blitzend an
allein Dir fehlt der wahre Glauben,
das Dir dieses widerfahren kann
so schnell, vom Blute rot die Ohren Dir erglimmen
sollen fallen sie, wie die Träume eines Kind.“
Meine Stimme erhob sich, wie ein Flehen gegen das Schicksal, dessen Hand ich führte. Die Ungarn hatten sich am Rande des Zimmers in die Höhe der spanischen Wand geschlichen und bewegten sich nun auf den König hin, der weder meinen Worten, noch den Gestalten, die nach ihm trachteten, Aufmerksamkeit zu schenken schien.
„So ist gelähmt und stumm Dein Sinn
feste im Griffe des großen Schrecken
hält der die kalte Klinge an deinen Halse hin,
so ist’s zu spät zu rufen nach der Hilfe Deiner fahlen Recken“
ich flüsterte die nächsten Worte, die mir nur schleichend aus dem Munde flohen.
„muß der König leiden“
ich sah erhobene Hand eines Gefährten, die über dem massigen Körper des Königs drohte und die nächste Zeile stand mir in den Augen geschrieben:
„muß der König sterben
und ist’s getan, dann ist’s zu spät“
doch blieb mir der Atem, floh mir der Mut, versagte die Stimme, die Hand blieb erhoben… mir fleuchten die Sinne.

That’s it, Folks!
Wer nach einem solchen Traumbilde, unverwirrt sein Tagwerk beginnt, muß einen großen Anteil mechanischer Apparaturen anstelle seines Herzen mit sich umhertragen. Ein solcher darf nie Tränen vergießen, da er zu rosten droht.
Wehe dem, ihr Herr Hansen!

Der geheime Wert der Mittagspause für die herrschenden Klassen

Liebe Welt,

auch heute heißt es wieder: Ab zu den Teichen. Wie wir feststellen werden, ist die Zeit vor der Mittagspause für die oberen Klassen die schlimmste. Später wechselt es sich dann flugs. Warum das so ist? Hmm. Ich sach jetz mal nix.

Ist Freiheit nicht ein anderes Wort für völlige Besitz- und Rechtlosigkeit??

Der Morgen dämmerte, und mit ihm erwachte der Froschkönig aus einem sonderbaren Traum. Er blickte in seinem Gemach umher, doch sah er keine Antwort auf die Fragen, die noch an ihm hingen. Auch in den folgenden Stunden trat keine Besserung für die immer quälendere Ungewißheit ein, die den Froschkönig peinigte. Immer wieder sah er die nächtlichen Schemen vor seinen Augen, doch konkretisierte sich nichts. Er benötigte Hilfe und verließ daher seinen Palast, um in der frischen Luft zu wandeln. Nach kurzer Zeit traf er auf den Frosch Ping, der gerade seine mittägliche Pause genoß und am Teich saß.

„Wie kommst es, daß du hier so feist umherfläzt? Hast du keine Arbeit, Frosch?“ Ping, der Angesprochene, sah erschrocken um sich, ob ein anderer die Frage des Froschkönigs verursacht habe. Doch er war weit und breit der Einzige, welcher sich in des Königs Nähe befand und dementsprechend von dessen Auge erblickt wurde. Er verhielt sich untertänig und gab dennoch forsch genug zu bedenken, daß er wohl arbeite und wer arbeite, der habe eine Pause verdient, welche er sich nun genehmige. Der Froschkönig, von seinen nächtlichen Traumgesichtern noch umfangen und gleichwohl voller Unlust, wischte die Argumente mit einer Handbewegung von einem imaginären Tisch und herrschte Ping an: „Pausieren ist für Nichtsnutzige, für Parasiten. Wer arbeitet, der genießt sein Tun. Ich bin dein König, und werde des Regierens nie müde. Wenn ich pausieren täte, wer würde für dich und die Anderen gerade stehen, und sie vor unseren zahllosen Feinden schützen. Wenn der nächste Schwarm an Störchen unsere Ufer besucht, werde ich mich in meinem Bette flätzen und zu euren Hilferufen pausieren, kleiner Frosch.“ Verärgert drehte sich der Froschkönig ab. Ping, sprachlos und gelähmt, wollte noch Vernünftiges kundtun, doch schaffte es kein Wort seinen offenen Mund zu verlassen. Alleine eine aus Verletzung geborene Träne schlich sich aus Pingens Auge.

Er sei frei genug, zu tun, was er wolle, rief Ping Minuten später.

That’s it, Folks. Schlagfertigkeit gibt es leider nicht bei Obi, und wäre bei Praktiker sicherlich auch von 20%-Rabatt-Aktionen ausgenommen.

Heute ohne Gruß,
Herr Hansen.

Lachs zum Frühstück (Breakfast for Bears)

Liebe Welt,

heute tauchen wir erneut in die unglaubliche Sagenwelt um die Freunde James, Ping und Peng ein. Auch in dieser aktuellen Erzählung wird wieder der Realität das blanke Entsetzen beigebracht. Sollte man jedenfalls meinen, so arg wie es wieder zugeht.

Ist die Freiheit den eigenen Lebensweg zu bestimmen wünschens-, gar erstrebenswert?

Es war der alljährliche Zeitpunkt wiedergekehrt, daß sich die Bären dieses Teils des Waldes versammelten, um einen neuen Anführer zu bestimmen. Dieser würde dann, wie es Regel war, für ein neues Jahr der Gemeinde vorstehen. James der Bär verabschiedete sich demnach von seinen Freunden, Ping und Peng, denn er würde für einige Tage abwesend sein. Beide Seiten winkten noch lange, bevor James, ausser Sichtweite geraten, alleine durch den Wald zum Versammlungsort wanderte. Ihm war nicht ganz wohl dabei, die Verwandten und alten Bekannten zu sehen, denn er hatte sich ein sehr eigenes Leben zurechtgelegt und dafür schon sehr viel Kritik in den letzten Jahren über sich ergehen lassen müssen. Warum konnte er nicht einfach so sein, wie er wollte? Was ging gerade die anderen jungen Bären sein Lebensweg an? Wenn sich seine Eltern sorgten, so hatte James noch Verständnis hierfür, doch bezüglicher der Kritik von Außenstehenden fühlte er sich nicht angreifbar. Vögel flogen zwitschernd um ihn umher, und James verstand plötzlich ein wenig von der Welt, in der sein Freund Peng lebte. Die Gedanken sind schneller und luftiger unterwegs, als diese einen Bären störenden Gefiederbomben. James sah das Ufer eines Flußes näherrücken, hielt auf diesen zu, um sich einige Fische zu fangen und seinen Hunger zu stillen.

Er war ein geschickter Jäger und so war es um zwei Lachse und einen Barsch schnell geschehen. Sie hatten James‘ Tatze nicht entgehen können und zappelten noch ein wenig in der warmen Luft liegend. James ließ sich auf das grüne Ufer nieder und besah sich die todesgeängstigten Fische, die sich um ihr Leben verbiegend krampften und in James eine selten gespürte Mitleidlosigkeit erweckten. Er hielt sie für gerade gut genug, seinem Magen zu gefallen und ließ sie sich schmecken. Er lehnte sich zurück und fühlte sich unglaublich wohl. Er schlief kurz ein und träumte von den Freunden, die ihm, wie vor Stunden hinterherwinkten, und riefen, daß er sich nicht zu weit an die Klippe wagen solle. Er verstand die Warnung in diesen Worten, doch ließ er sich nicht beirren, denn wenn ein Bär denkt, daß er etwas zu erledigen hat, dann können ihn Frösche nicht daran hindern. So schritt James im Traume an diesen Abhang, blickte hinab und zog sich sein Fell vom restlichen Leib und warf es hinab in eine Dunkelheit, die von bedrohlichen Schreien erfüllt war. Diese packten ihn und ließen ängstlich zurücktreten, plötzlich von einer starren Kälte heimgesucht. James wußte, daß es eine Sonne gab, die ihn wärmte, doch war dies alles, was er an guten Gedanken finden konnte. Endlich erwachte James und er saß weiterhin an einen Baum gelehnt am warmen Flußufer. Er mußte schnell weiter.

Der Weg war nicht mehr sehr weit, als James plötzlich zwei anderen Bären gegenüberstand, die ihn zu sich her riefen. Je einer auf jeder Seite, postierten diese Zwei sich und sprachen mit barschem Ton. Wo er denn herkäme, wollte der eine wissen. Was er denn auf dem Weg zur großen Bärenversammlung wolle, fragte der Andere. James runzelte seine Stirne und wollte seinerseits wissen, was denn diese törichten Fragen darstellten. Sie sollten ihm doch ansehen, daß er ein Bär sei und ein natürliches Recht habe, zur Versammlung zu erscheinen. Seine Eltern, seine Brüder und Schwestern seien dort und diese erwarteten ihn. Die beiden Bären lachten. Sie sagten, er sei dort nicht erwünscht. Er sei der, den man in allen Wäldern nicht James, sondern Froggy nannte, da er es mit den Fröschen halte. Auch habe er bei der letzten Versammlung sich nicht verpflichten wollen, den Reinheitskodex der Bären abzulegen. Danach habe ihn seine Familie doch verstoßen, ob er das denn nicht mehr wisse?

James spürte einen brennenden Schmerz in seiner Brust. Er hatte von diesen Vorgängen wirklich nicht gewußt, hatte sich nach den wütenden Blicken, die auf ihn gehagelt waren, als er den Reinheitskodex ablehnte, von dannen gemacht. Er hatte kein Gespräch mehr mit seiner Familie

gesucht, wollte nur noch nach Hause zu seinen Freunden, denen er von den ungeheuerlichen Vorhaben seiner Rasse berichten wollte. Ping war entsetzt, wie es auch James gewesen war. Peng hingegen lächelte überlegen und behauptete, daß er solches Gedankengut den Bären schon immer zugetraut habe. Er hielt auch James für aus der Art geschlagen. Das schmeichelte dem jungen Bären einerseits, doch hatte er sich in einem verborgeneren Teil seiner Seele auch als Verräter gefühlt. Nun sah er sich in dieser Frage von den Bären aus bestätigt. Diese fragten James, ob er so nun seinen Weg fortsetzen wolle. Der Gefragte zögerte und tat einen Schritt zurück. Nach einer Antwort suchend, blickte er den beiden Wächtern in die Augen. Diese blickten ihn mit überlegener Ruhe an, und so verstand auch James die Antwort, die noch unausgesprochen in der Luft lag. Doch wollte er seine Familie sehen. Wie sollte das nun geschehen? James trat die Flucht nach vorne an, und warf mit geübten Schritten die Wächter noch zu Boden, bevor er in den Wald hineinlief, hinter sich zwei laut Fluchende. Über die sprichwörtlichen Stöcke und Steine hastete James in die Richtung, in der er seine Heimat vermutete, denn die Hetze, der er sich aussetzte, half seiner Orientierung nicht weiter. Und es war drei Jahre her, seit er die Eltern verlassen hatte und seither war er nur zu den Versammlungen erschienen. Es hatte sich immer wieder etwas verändert und die Zahl der Bäume sank zusehends. Gerade mußte sich James über eine Lichtung sputen, als er seinen Bruder Nikolaus am anderen Ende dieses sonnendurchfluteten Freiraums sah. Er rief ihn mit atemloser, zittriger Stimme an. Der Bruder drehte sich dem Rufenden entgegen, zögerte kurz, dann zeigte er Erkennen an. James, nur noch wenige Schritte vor Nikolaus, lief aus, fühlte sich froh. Dann sah er das Seil, das ihm Nikolaus überwarf, ihn fesselte und mit geübter Hand festzog. Beide standen einen Moment lang wortlos. Dann schon erschienen die beiden keuchenden Wächterbären, denen Nikolaus das Seil zum Abtransport übergab. Sie führten James bis zum Rand des Bärenwaldes zurück und gaben ihm eine handfeste Warnung mit auf den restlichen Heimweg, nie wiederzukehren.

James benötigte zwei Tage, bis er die Heimat erreichte. Dort mußten ihn Ping und Peng mit Hilfe der Eule gesundpflegen. Doch es blieben Wunden, die auch nach Wochen noch schmerzten. Es war eine Heimkehr, die James erst viel später verstand.

That’s it, Folks. Bleibt nett zueinander, Ihr Herr Hansen.

Von den Teichfilterern

Liebe Welt,

 

heute folgt die erste komplette Folge der Saga rund um die inzwischen nahezu legendär gewordene, hinterhältig subtile Bande um den Bären James, sowie seine froschartigen Freunde Ping und Peng. Doch, nein, es ist falsch. Subtilität ist ihre Sache nicht. Oder?

 

Ist Arbeit eine Form des Wohlstands? Oder ein Recht?

 

Ping und Peng spazierten am Abend und trafen auf ihren Freund, James, den Bären. Ping erzählte von seiner Arbeit bei den Fliegenfängern. Er schwärmte in schönen Worten von diesem feinen Gewerbe, der erfüllenden Pirsch nach den leckeren Mücken. Peng, der zweifelnde Frosch, mochte an diese bunte Arbeitsfreude von Ping nicht so recht glauben. Nicht, daß er dem Freund dieses neidete, doch sah er nicht ein, weswegen Ping die gefangenen Fliegen abgab, anstatt sie zu verschlingen. Ping runzelte über solch weltfremden Zweifel seine grüne Stirne:

„Na, wenn ich nicht eine gewisse Zahl von Fliegen, beziehungsweise ein Gewicht an Fliegenkörpern abgebe, erhalte ich vom Oberfrosch kein Geld. Wenn ich kein Geld bekomme, dann kann ich mir das Geschmeide nicht leisten, das ich mir gerne umhänge.“

Peng sah trotz der klaren Antwort noch keine Lösung dieser Problemsituation, denn er mochte die Abgabe des Jagdguts nicht gutheißen und sprach von der typischen Entfremdung zwischen Jäger und Opfer, die er ebenso anprangerte, wie die Selbstverständlichkeit, mit welcher der Vorstand des Müggi Kreuchstudio den Fängern den Fang entriß.

„Natürlich, Peng! Der Oberfrosch vor Ort ist sehr, sehr aufmerksam. Eine falsche Schluckbewegung und er reist Dich am Schenkel und Du kannst Deiner Weg gehen.“

Peng wich bei dieser Vorstellung erschrocken zurück.

„Wie gut, daß ich alle Fliegen fressen kann, die ich erwische. All die feinen Käfer, das wohlschmeckende Summen, wenn sie in meinem Rachen hinabtauchen. Wie gut auch, daß ich frei bin von solchen üblen Kröten, die mich beim Fangen beobachten. Dafür verzichte ich gerne auf das unnütze Geschmeide. Ping, man verwechselt Dich trotz Deiner Ketten und des ganzen anderen Schmucks so oft mit mir!“

Ping lachte ätzend auf, als er diese befremdende Meinung hören mußte. Er schalt Peng einen armen Schlucker – unterstrich dies mit einem entsprechenden Laut – der nur seine mageren Fliegen von der Wiese hatte und sonst gar nichts. Auch würde sie doch jeder auseinander halten, wäre er, Ping, doch ein lustiger Gesell und Peng ein trauriger Frosch-Guck-In-Die-Luft, der nichts als leere Gedanken in seinem Kopf herumtrug.

 

Das enttäuschte Peng tief und er wandte sich hilfesuchend an den jungen Bären James. Dieser breitete seine Arme weit auseinander und wiegte den großen Kopf, wußte er doch auf Anhieb auch keine Lösung, wie er die verschiedenen Meinungen seiner Freunde wieder versöhnen könnte.

„Peng, lieber Froschfreund, lerne doch Pings Leben einmal kennen und bewerbe Dich für eine zeitlich befristete Stelle bei Müggi Kreuchstudio. Sieh Dir das ganze Werk rund um den See einmal näher an.“

Da warf sich Ping in Pose und rief:

„Wer braucht den diesen Tropf, der nichts kann? Müggi etwa? Braucht meine Firma etwa einen Werksdenker mit zwei linken Füßen? Wir haben schon genügend Quadratköpfe durchzubringen, da können wir auf den da verzichten!“

Die Enttäuschung stand dem geschundenen Peng tief ins Gesicht geschrieben und so legte der mitfühlende James ihm den Arm auf die Schulter.

„Na, Kopf hoch, kleiner Frosch. Sei doch froh, daß Du immerhin frei bist und alles tun und lassen kannst, wie Du es willst!“

„Ich will aber nicht mehr frei sein, ich will endlich mal eigenes Geld verdienen. Und mir was Tolles leisten können, damit ich es dem Ping mal zeigen kann.“

Böswilliges Lachen kam nun vom lustigen Ping herüber, der sich ungerechtfertigt kritisiert fühlte.

„Peng! Warst Du wenigstens schon bei den Unken? Wenn Du Arbeit suchst, dann führt Dein erster Weg zu den Unken!“

James nickte bedrückt den Kopf. Er mochte keine Streitereien unter seinen Freunden, es rührte sein Herz, ließ ihn eine leichte Angst spüren und so wurden seine Augenränder ein wenig feucht.

„Ja, Peng. Dorthin wirst Du gehen müssen. Aber es wird kaum etwas nützen, denn die Unken können Dir ja keine Arbeit schnitzen, wenn Müggi Dich nicht gebrauchen kann. Aber, wer weiß. Du mußt es versuchen.“

Dann drehte sich der Bär zur Seite, und rieb sich die nassen Augen. Ping sah sich versucht, seinen Höhenflug weiter durchzuführen und legte nach:

„Aber sie werden Dir immerhin ein kleines Taschengeld geben, weil Du Deinen großen Kopf senkst und zugibst, keine Arbeit zu haben. Ja, nicht so wie ich. Ich habe in der Froschgemeinschaft immerhin Gewicht. Na, sie könnten Dich zu den Teichfilterern schicken, wenn es sonst nichts für Dich zutun gibt. Da kannst Du den ganzen Tag Dein vorlautes Mäulchen in das Wasser halten und es schön sauber machen. Dann wärst Du wenigstens vom Ufer weg.“

Nun weinte auch Peng, der die Überheblichkeit des Freundes nicht mehr ertragen konnte.

„Ich gehe zu den Unken! Ich werd’s Dir schon zeigen.“

 

James begleitete Peng zu den Unken. Diese hörten sich den Fall an. Die erste Unke verwies den traurigen Frosch an eine weitere Abteilung. Dort gab die nächste Unke zu bedenken, daß sich die erste Unke da wohl vertan haben mußte, es gäbe jedoch eine dritte Unke, die für Peng zuständig sei. Diese Unke mußte Peng vertrösten, da sie gerade jetzt eine Reise anträte und zur Zeit keine Gelegenheit mehr habe neue Fälle aufzunehmen, doch nebenan sei ihre Vertretung, die sich in dieser Zeit um Peng kümmern könnte. Diese Unke war jedoch eine alte Kröte, dabei sehr übellaunig, da die Reise der dritten Unke ihren Arbeitsplatz in ein Flutgebiet verwandelt hatte. Peng und James wurden als unerwünscht vor die Tür gesetzt. Man sei hier sowieso grundsätzlich nicht für Frösche, sondern nur, und man legte einen gewissen Nachdruck in diese Aussage, nur für andere Kröten zuständig. Frösche müßten sich schon selber helfen, wenn sie eine geregelte Arbeit finden wollten.

 

James und Peng sahen sich an und machten sich auf den Weg zum Froschkönig. Dieser sollte nun Rat halten, denn Peng, der Untertan, wußte keine Lösung mehr für dieses Problem. Schließlich habe der Froschkönig eine gewisse Verantwortung durch seine Machtposition für die Frösche seines Herrschaftsgebietes. James wirkte zwar etwas zögerlich auf Pengs Argumentation in diese Richtung, doch wußte er keine bessere Lösung.

 

Als der Froschkönig, nach Stunden des Wartens, Peng zu sich rief, sprach er:

„Nun, kleiner Untertan Peng, ich bin kein Unternehmer. Ich kann Dich höchstens zu den Teichfilterern schicken. Mehr ist zur Zeit nicht möglich.“

 

That’s it, folks. See ya!

 

Mit vorzüglicher Hochachtung. Ihr Herr Hansen.

Zugeeignet der Welt

Liebe Welt,

im letzten Eintrag in dieser schönen Seite, erzählte ich dir von jenen Geschichten, die ich einst über die Helden James, Ping und Peng schrieb, von welchen einer ein Bär, die anderen Frösche sind.

Hierbei wurde ich mit dieser alten Mär konfrontiert, die schon vor unglaublich langer Zeit geschrieben, und sah die Schönheit jenes ersten Satzes:

„Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären.“

Ja. Er ist schön. Dieser Satz. Fürwahr.

Schön genug, um seither pausenlos neue Variationen zu erfinden. Hier sind die ersten Tausend:

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären, vor einer Diskothek.

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären, im Inneren eines Besucherbergwerks

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären, vor einem Besuch bei der Wanderhure.

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären, während einer Grippevirenepedemie

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären, und spielten dabei Mau-Mau.

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären, und spielten an ihren Ohren

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären, und kandidierten für mehrere politische Ämter.

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären, und waren sich nicht grün.

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären, der sich pausenlos am Ohr kratzte.

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären, und gähnten.

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären, und existierten nur als Blaupause.

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären, über Steuerpläne einer nichtexistenten Regierung.

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären, und gähnten über die Steuerpläne mehrerer konservativer Regierungen.

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären, und streiten sich über dessen Kopf hinweg mit Captain America.

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären, um ein Rendevous zwischen Captain America und der Wanderhure einzufädeln.

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären, und wippten im Takt der Hiphop-Musik, die aus Captain Americas Ghettoblaster dröhnte.

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären, und wippten im Takt der neoklassizistischen Musik, die aus Captain Americas Ghettoblaster dröhnte, den die Frösche jenem entwendet hatten.

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären, und wippten im Takt der neoklassizistischen Musik, die aus Captain Americas Ghettoblaster dröhnte, den die Frösche jenem entwendet hatten, als dieser ein unglückliches Rendevous mit der Wanderhure erleben mußte.

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären, während Äpfel vom Baum fielen.

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären, während Äpfel vom Baum fielen, da Captain America ein Fahrzeug dagegen gelenkt hatte.

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären, über Captain America, und warum dieser inzwischen so häufig Erwähnung in Blogs fände.

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären, über alles Andere als Captain America.

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären, über dessen Captain-America-Phobie.

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären, über Flagellanten.

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären, über Vigilanten.

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären, über Atlanten.

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären, über Flagellanten, die mit Atlanten Vigilanten nachstellten.

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären, über das Wetter.

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären, über Energieengpässe.

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären, über energetische Auswirkungen von Flagellantismus im Zeitalter der Wanderhurerei.

Wer sich nun befähigt fühlen mag, eine schöne weitere Variation zu erfinden, der sei eingeladen, dies kundzutun. Und hier anzuschreiben. Es gibt sicherlich etwas zu gewinnen! Ja. Erfahrung!

Herzlichst, Ihr Herr Hansen.

Einführung in die Art, wie einzelne Menschen das Treiben zu betrachten pflegen.

Liebe Welt,

es existiert eine Diskrepanz zwischen der Realität und jenem Raum der Fiktion. Es existiert fraglos schon ein Bruch innerhalb dessen, was Menschen die Realität nennen.

Ich schrieb dereinst eine handvoll Geschichten über die Erlebnisse eines Bären und seiner zwei Freunde, welche Frösche sind. Menschen kamen, lasen und teilten mir mit, daß diese Geschichten fiktiver Natur seien. Das mag noch angehen, da es in der Welt, die als real angesehen wird, in der Gegenwart und überschaubar näheren Zukunft eher keine Art des Dialogs zwischen diesen beiden betroffenen Tierarten geben wird. Sprich innerhalb der kommenden zwei Wochen, das wäre dann der 31. August 2011: Ab diesem Tag gebe ich keine Garantie mehr ab, daß dieser Teil des als fiktiv angesehenen Settings nicht doch plötzlich diese Haut abstreift und – auch in der Facebook-Gemeinde – Freundschaften zwischen Bären und Fröschen geschlossen werden.

Als andere ist jedoch wahr. Fast alles.

Hier folgt nun der Beginn jener Textreihe, welche ich damals schrieb:

Prolog

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären. Ping, der erste und lustige Frosch, war jeder Zeit gutgelaunt und lachte, wie immer es ihm gefiehl. Peng, der traurige und meist zweifelnde Frosch, war unter seinen Genossen nicht arg beliebt, da er oft nur nachdenklich unter Bäumen hockte und über allerlei Dinge nachgrübelte. Doch er und Ping waren die besten Freunde, die man sich vorstellen konnte. Natürlich zusammen mit James, dem jungen Bären, mit dem sie seit einiger Zeit allerhand unternahmen und redeten. Diese Drei gehörten zusammen, als seien sie aneinandergewachsen.

Zweifellos teilten James und Peng ein gleiches Schicksal, denn James besaß keinen Fürsprecher unter den anderen Bären dieses Teils des Waldes, nicht zuletzt weil er schnell zu Tränen neigte und auch sein Umgang mit Fröschen war nicht gerne gesehen. Er nahm daher sein Wesen in die eigene Hand und ging seinen Weg, den er mit Ping und Peng gerne teilte. Er bewunderte den strahlenden Optimisten Ping, der aus jeder Situation das Beste herauszuholen suchte. Auch für den Zweifler Peng schlug sein Bärenherz. Dieser besaß eine große Klarsicht und blickte gerne auf den Grund jedes Problems, das sich in dieser kleinen Welt auftun sollte. Was James selber denn darstellte? Das fragte er sich oft, doch fand er keine Antwort. Doch die offenen Arme, mit denen die beiden Frösche ihm gegenübertraten, stillten seinen Zweifel.

That’s it, Folks. Hieß es zu Zeiten bei alten Cartoons. Mehr folgt in Kürze. Bei Bedarf, versteht sich.

Ergebenst, Ihr Herr Hansen.