Glitzacatz oder „Die Macht eines Pickels in einer Supernova“ / Work in Progress

Salvatore Delayo hatte es noch als zündenden Gedanken empfunden, doch schien ihm in seiner Schweizer Periode einiges an Hirnmasse verloren gegangen zu sein. Bei einigen Chemie/MediProduzenten hatte er Geld verdient, und war sich hinterher genau im Klaren, daß diese ihren miesen Ruf völlig verdient hatten. Über Monate konnte er damals nur den Kopf schütteln. Anhänger brachten ihn dann zu einem Arzt, der ihm half den Tremor zu überwinden. Doch nun stand er in diesem kleinen Dorf am südlichen Rand der Alpen, aus welchem er einst ausgezogen war, die Welt zu erobern, und erzählte dieser amerikanischen Filmbiene, wie sie ihre Drogensucht überwinden könnte, wenn sie sich seiner Bewegung, die als „Wandernde Sonne“ bekannt war, anschließen würde. SaLynn, die in den Vereinigten Staaten zunächst als Kinderstar, dann mit einer Personality-Serie und einigen musikalischen Hits bekannt geworden war, blickte ihn derweil müde und fahrig an. Es schien ihr relativ egal, auf welche Art und Weise sie wieder in eine Situation zurückgeholt würde, in welcher sie erneut ein Mindestmaß an Kontrolle über ihr Leben haben könnte. Kontrolle unterhielten in diesem Moment auch ganz andere Gestalten, die sich in der Umgebung versteckten.

Eine der Gestalten war Richard Wagner. Sein liebster Ausspruch: „Nein, nicht der Komponist“, untermalt mit einem möglichst grimmigen Gesichtsausdruck. War Wagner nicht zuletzt auch aus diesem Grund, Chef der regionalen Katerei geworden. Von seinen Kollegen ließ er sich lieber Rick oder Rikardo (mit hartem K) nennen. Er hatte immer wieder einen Blick auf die Taten Delayos geworfen, der ihm einfach zu suspekt war: Als Mensch aus dem südlichen Teil der Alpen war man bodenständig, traditionsbewußt und blieb unkriminell in seiner Heimat, bis zum letzten Zug an einer Ultrazig. Wagner war sauer, er hatte seine Ultrazig noch geraucht, bevor die Sonne über die Bergkuppen rollte. Dieser Delayo nervte ihn. Wie er da mit riesiger Sonnenbrille im Gesicht dieser Tussi vor deren Augen herumfuchtelte, nervte ihn. Die anderen Spinner von der „Wandernden Sonne“, die mit gut gebräuntem Teint über den kleinen Marktplatz schlenderten, nervten ihn. Sein Kollege Alessandro, der kaugummikauend neben ihn in diesem kleinen Zimmer mit Blick auf das Zentrum der „Wandernden Sonne“ hockte, nervte ihn noch mehr. Dieser hatte seine Ultrazig noch hinterm Ohr klemmen. Die „Wandernde Sonne“ selbst war für die beiden Herren der Katerei kein Thema, doch hatten sie vor Wochen den Tip von Interkat erhalten, daß man die Finanzierung dieser Sekte unbedingt durchleuchten müsse und das die „Wandernde Sonne“ das Zentrum ihrer Tätigkeiten wieder nach M., dem kleinen Ort am Fuße der südlichen Alpen, verlegen werde. Alessandro hatte diesen Unterschlupf aufgetan, hatte sich um das alte Mütterchen geschlängelt, so daß ihnen auch eine genügende Zufuhr an Espressi offenstand. Und heute war der Wanderzirkus der Delayo-Sekte eingetroffen und noch keine Illegalitäten zu sehen, nur diese junge Schauspielerin aus den Staaten, die von Delayo beschwatzt wurde.

Er hatte Delayo schon als jungen Strolch gekannt, da war er ein krawalliger Aufschneider gewesen. Jetzt zählte der 41 Jahre, und immer noch ein linker Geselle. Und er, Wagner, er haßte dieses ganze Gesindel, diese Verbrecher. Unruhestifter. Auswanderer. Ja, Delayo war wohl recht jung gewesen, als er in die Schweiz gegangen war und dann später über den großen Teich in die USA. Wagner schüttelte seinen Kopf und zog seine Lippen eng zusammen, während sein Blick weiter auf den Marktplatz geheftet war, auf welchem fortwährend leidliches Treiben herrschte.

„Diese fürchterlichen Hippies“, zischte Wagner mit heftigster Verachtung hervor.

„Können die sich nicht mal wenigstens in ihre Behausung verziehen? Eh, Alessandro! Funktioniert die Technik?“

Der Angesprochene machte einen bejahenden Fingerzeig und setzte das Fernglas wieder an. Wagner schüttelte erneut seinen Kopf. Diese Bande waren nicht einmal richtige Verbrecher, er hätte sie am liebsten alle erschossen. Seit 22 Jahren war er bei der Katerei und seit einem Jahr endlich der oberste Chef aller regionaler Dienststellen, aber nie hatte er einen richtig großen Fall abbekommen in dieser von Gott und all seinen Spießgesellen verlassenen Gegend. Diese Delayo-Geschichte hatte wenigstens kurze Zeit interessant gerochen, aber wenn er jetzt aus dem Fenster sah auf diese mikrigen Gestalten, spürte er nur noch Abscheu. Derweil erschien Mütterchen Ennia mit zwei Espressi, als Wagner am Fenster hochfuhr:

„Wer ist dieser da? Alessandro! Wer ist das?“

Der zuckte nur die Schultern, doch Mütterchen Ennia erwiderte beiläufig:

„Das ist Paulo. Er ist aus Mailand. Lesen Sie keine Zeitung, Herr Inspektor?“

„Was? Mailand? Wieso soll ich so einen Idiot aus Mailand kennen, Mütterchen?“

„Na, das ist so ein Industrieller, glaube ich. Ich habe sein Bild schon öfters in den Zeitungen gesehen. Er hat was mit Kaffee zu tun.“

Da schlug sich Alessandro an die Stirn.

„Na, sicher! Das ist Paulo Schmitz, der Besitzer von Café Intravenös!“

„Was zum Teufel, ist denn jetzt Café Intravenös? Alessandro, drück dich etwas präziser aus!“

„Aber, Chef. Sie müssen diese Kette an Cafés kennen, in denen Sie ihre Getränke gespritzt bekommen? Besonders eben Kaffee!“

„Ach, das ist doch hirnverbrannt! Was ist das denn für eine dumme Idee, Getränke spritzen? Etwa per Injektion, oder was?“

Ja, genau. Da arbeiten inzwischen viele ehemalige Krankenschwestern, in diesen Cafés.“

Wagner konnte erneut nur den Kopf schütteln und seinen Kollegen so lange verzweifelt anstarren, bis dieser sich abwandte.

Es ist auch zu schwierig, liebe Leser. Paulo Schmitz sieht Sie mit einem meist hinterlistig, verkrampft wirkenden Gesicht an, die Lippen nahezu permanent gespitzt. Wenn er spricht, schiebt sich der gesamte Kiefer nach vorne und fördert so die optische Verschlagenheit, die diesen Charakter formte. Schmitz kann Bankmenschen rhetorisch bearbeiten, das jede noch so abstruse Idee mit Krediten gefördert wird. Sein beliebtestes Mittel ist das erschlaffte Sitzen in einem circa 70°-Winkel auf einem Stuhl, die Beine ausgestreckt, das Gesicht in Sprechpose gefahren, doch schweigend ins Leere blinkend. Dabei liebt es Schmitz eine unangezündete Ultrazig in der Hand zu halten, als sei es ein Speerchen, das jedoch einmal in Fahrt gebracht, geworfen, dem Gegenüber sofort die Brust zerreißt. So legte Paulo Schmitz bei einem Geschäftstermin mit fünf Vertretern der Banca Credito del Abstinentio diesen höchstpersönlich die ersten Injektionen zur Verarbreichung intravenösen Kaffees. Er plustert sein schwarzes Haar mit eingeflochtenen Drähten auf. Es könnte der Eindruck entstehen, dieser Paulo Schmitz sei ein einfaches Abbild des italienischen Mafiosis, doch stimmt dies nicht, denn Schmitz war an sich abhold jeder Gewalt, auch jedes Familiensinns. Er ist eher eine gerissene enddreißiger Schnecke, die ihren Weg bahnt, dabei den Salat nicht frisst, aber über ihn hinweggleitet.

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Ferien mit Gott Teil 3

Am nächsten Morgen erwachte der Wolf. Sein Bauch war nicht mehr riesig, wie am Abend zuvor. Stattdessen hatte er Hunger. Schlimmen Hunger. Die Unmenge an Tauben, die er gestern verzehrt hatte, weckten sein lange unterdrücktes Wolfswesen. Er blickte aus dem Fenster seines Hauses und es litt ihn der Anblick, der vielen Gemüse- und Kräuterarten, die er dort sehen mußte. Ihn hungerte es fürchterlich nach Fleisch. Es mußten noch nicht einmal die Tauben sein, die ein Feinkosthändler für die Schweine hergerichtet hatte. Alleine es mußte Fleisch sein. Da klopte es an seiner Tür. Das Geräusch konnte das Rinnen des Wassers in seinem Mund nicht aufhalten, zu kräftig und saftig hatte es geklungen. Das war kein Insekt, keine Blume, kein Gemüsestengel. Das mußte ein muskulöses Wesen sein, und mit einem Knick im Genick würde es in des Wolfes Magen landen. Er eilte zur Tür, riss sie auf und blickte einem Mann ins Gesicht. Hinter dem Mann winkten nun zwölf weitere Männer. Der vorderste streckte dem Wolf die Hand entgegen und sprach: „Hallo Wolf. Ich bin Gott, das sind meine Freunde.“ Der Wolf blickte entgeistert. „Wir haben gehört, du möchtest den Schweinen helfen, ihr Haus umblassicher zu gestalten. Wir halten das für eine sehr gute und uneigennützige Idee. Wir möchten dich dabei unterstützen, Wolf. Auch wenn wir hauptsächlich nur Fischer sind, aber ich habe eine Zeitlang für einen Zimmermannbetrieb gearbeitet. Können wir eintreten, um unsere Zusammenarbeit zu besprechen?“ Der Wolf trat, immer noch völlig entgeistert, mit glasigem Blick zur Seite und ließ den seltsamen Trupp an Männern in eher walduntypischenh Bekleidung eintreten in sein Haus.

Da sassen sie nun, ein jeder stellte sich mit Namen und Profession vor, sogar ein Zöllner war unter ihnen. Der Wolf konnte die Fassung einfach nicht wiedergewinnen. Immer wieder schüttelte er unmerklich seinen Kopf. Wie widerfuhr ihm hier? Er versuchte Zeit zu gewinnen und sprach den Anführer an: „Sie sagen, Sie seien Gott? Wie kommen Sie dazu?“ Der Angesprochene lächelte, kraulte seinen Bart: „Ja, ich bin Gott. Meine Freunde und ich sind seit ziemlich genau zweitausend Jahren immer wieder im Einsatz des Guten auf dieser Welt. So wie jetzt an dieser Stelle. Lieber Wolf, wir wissen von Ihrem Hunger. Und um ihnen zu helfen, Ihren guten Weg weiterzuführen, sind wir übereingekommen, hinabzufahren.“ Der Wolf schluckte. „Ja, ich glaube davon habe ich gehört.“ Der Anführer beugte sich dem Wolf entgegen: „Sie haben wovon gehört, lieber Wolf?“ „Na, Gedankenleser und so. Zauberer. Die Frösche haben davon erzählt.“ „Die Frösche? Aber nein, Wolf, wir sind keine Zauberer oder ähnliches. Wären wir das, würden wir ein wenig mit unseren Fingern schnakeln und das Haus der Schweine wäre renoviert und Ihr Magen wäre für immer gefüllt.“ „Sicher, das wäre schön.“ Der Wolf fasste sich kurz an den Kopf, dann begriff er, daß gerade sein Bauch den Verstand überflügelt und gesprochen hatte. Nein, nun sah er klar. Gott mochte in seinem Haus rumsitzen, doch würde ihm das keine Speise bringen. Wut wollte sich bilden, doch schob er diese schnell beiseite: „Wie soll denn unsere Zusammenarbeit nun ausschauen, mein lieber Gott, liebe Freunde von Gott?“ „Nun, ich denke, wir sollten es auf einen Vor-Ort-Termin ankommen lassen“, sprach jener, der sich Gott nannte, und kraulte erneut seinen Bart. Es folgten alle Dreizehn dem Wolf zur Tür heraus. Jener ging einige Schritte noch in Richtung der Frösche Teich und rief dort: „Hallo Frösche! Gott und seine Freunde sind bei mir zu Besuch!“ Die Frösche quakten wild durcheinander. „Halt deine Gedanken beisammen! Sie werden sie dir sonst stehlen!“ war die Summe der Informationen, welche die Frösche dem Wolf zuschrien. Sowie: „Bring sie bloß nicht her!“ Der Wolf reckte sich kurz, dann wies er seinen Gästen die Richtung und schon war man auf dem Weg zum Nachbarwald.

Die Schweine schauten verwirrt, als der Bauarbeitertrupp vor ihrem Haus anlangte. Die zwölf Handlanger postierten sich vor der Gartenpforte, während Wolf und Gott vorantraten, um sich einen Überblick über die notwendigen Arbeiten zu verschaffen. Es mag der sonderbarste aller Anblicke gewesen sein, als beim Blick zum Dach hin Gott dem Wolf seinen Arm auf die Schulter legte, doch wurde der Eindruck massivst verstärkt durch die drei Schweine, die um die beiden herumtänzelten. Von der Pforte her rief einer der Zwölf: „Abreissen, und ein neues Steinhaus bauen!“ Gott erwiderte ohne hinüberzublicken: „Ist okay, Petrus. Nur weil Du mein Fels bist, brauchst du nicht immer von Beton zu schwärmen.“ „Ja, Jeshua.“ Der Wolf schaute kurz irritiert, doch der Angerufene wies schon auf das Loch in der Wand: „Was, um meiner Heimat Willen, ist denn dort passiert?“ Der Wolf beugte sich zu dem Schaden herunter, und bemerkte dabei erstmals, wie dünn die Wand des Hauses war, und war plötzlich dem Vorschlag jenes Petrus sehr zugetan. „Gestern ist ein Wildschwein an dieser Stelle durch die Wand gegangen.“ „Huch!“ „Ich denke, wir sollten den Vorschlag Ihres Freundes ins Auge fassen. Hier ist doch nicht wirklich etwas anderes zu tun? Schauen Sie her, äh, Gott. Sehen Sie, wie dünn die Wand ist?“ „Mein lieber Wolf, natürlich sehe ich das. Ich habe schließlich nicht nur zwei Augen, ich habe noch mehr im Blick, als das, was Sie mit den Ihren sehen. Und wahrlich, ich sage Ihnen, mein lieber Wolf, daß wir hier keinen Beton anrühren werden. Sie werden zunächst einmal dieses Loch mit Holz abschließen, und wir werden uns um die endgültige Schließung kümmern. Wir werden uns niederlassen und beten. Kommt, meine Freunde!“ Die Zwölf betraten nun den Garten der Schweine und liessen sich nieder, wo sie Platz fanden. Alle senkten die Köpfe, auch jener, der wohl Jeshua hieß. Er hatte sich in der Mitte der Männergruppe niedergelassen. Der Wolf stand noch an der ungeplanten Öffnung und überlegte, wo er hier bloß Holz herbekäme. Unvermutet halfen ihm die Schweine selbst, denn sie hatten mit dem Haus einen ziemlichen Vorrat an Brennholz übernommen. Nun standen die Drei staunend ob des ganzen Geschehens wie verloren um ihr Häuschen umher. Die Frage des Wolfes, ob er sich ein paar Stücke ihres Holzvorrats holen könne, um das Loch zurechtzumachen, verstanden sie nicht.

Innerhalb der folgenden Stunde war das Haus der Schweine geradezu umzingelt von heimlichen Beobachtern, besonders die Elfen hatten ein hohes Interesse an Allem, was hier vor sich ging. Sie konnten den Wolf sehen, der versuchte ohne Werkzeug Holz zu zerkleinern, um damit das Wildschweinloch zu schließen. Sie konnten die dreizehn Männer sehen, welche unter Anleitung eines Jeshua hin und her wackelnd vor sich her leierten. Die Schweine, welchen all dies Treiben galt, lagen auf der angrenzenden Wiese und grunzten laut im Schlaf. Es wollte nicht werden. Der Wolf begann zu verzweifeln. Er griff nach dem nächstliegenden Schwein, welches Jonathan hieß. Diesen wies er laut an, er solle ihm gefälligst endlich Werkzeug besorgen, mit dem sich hier etwas erreichen ließe. Sie hätten doch sicherlich noch irgendwo Hämmer, Zangen, Sägen und alles andere liegen, womit sie hier schon die Arbeit begonnen hätten. Jonathan sah den Wolf zunächst betroffen, ängstlich und schließlich fragend an. Nein, sie hätten hier noch nichts gebaut. Der Vorbesitzer hätte alles nach ihren Wünschen hergerichtet und sei dann nach Erhalt der Schweinszahlung fortgezogen. Der Wolf griff sich an den Kopf und fühlte das große Bedürfnis, zu weinen. Ihm am nächsten saß ein Jakobus, den er anstieß und beauftragte, endlich vernünftiges Werkzeug für diesen Saustall zu besorgen. Die Schweine begannen zu weinen, als sie dies Schimpfen hören mußten.

Ferien mit Gott Teil 2

Am folgenden Tag begab sich der Wolf zum Teich, um den Fröschen bei der Reise zu dem Haus der Schweine behilflich zu sein. Sie baten ihn, ihr Geschenk zu befördern, da es für sie kaum zu bewegen sei. Es handelte sich um eine im Laufe einer arbeitsreichen Nacht geschaffenen und getrockneten Froschfigur aus Lehm. Mit aufgehaltener Hand. Dem Wolf gefiel, was er sah. Er befand für sich, daß die Frösche eine sehr klare Sprache an den Tag legten. Sie berieten untereinander, welche Meinung ihre Gemeinschaft nach außen tragen sollte, und wenn sie eine Einigung darüber erzielten, dann wurde der Welt Bescheid gestoßen. Der Wolf beneidete die Frösche. Gerne half er ihnen daher beim Transport der Figur, da dies für ihn keine große Herausforderung war. Den Teekessel, den er mit viel Hingabe gesäubert hatte, schwang er in seiner anderen Pfote.

Unterwegs kam die Gesellschaft an dem Haus der Mutter mit den sieben Geisslein vorbei. Der Wolf blickte hungrig zur Tür, als sich diese öffnete und die Geisslein allesamt herausstolperten und tänzelten. Einige winkten dem Wolf und den Fröschen. Darauf rief einer der Frösche dem Wolf zu, daß sich dieser keine Gedanken machen solle, diese Freundlichkeit auszunutzen. Sie seien im Wald alle froh, daß der Wolf so zahm und freundlich sei, er solle diesen guten Ruf nicht willentlich gefährden. Es sei schlimm genug, daß im Nachbarwald, dort wo nun die Schweine lebten, ein fürchterlicher Nussvernichter sein Unwesen treibe. Mäuse und Vögel hungerten dort bereits. Sie stritten sich dort mit anderen Kleintieren schon um das restliche essbare Programm. Der Wolf nickte und hörte nicht zu. Seine Gedanken tanzten mit den Geisslein zusammen. Die Reisegruppe verließ inzwischen ihren Wald und strebten über zwei Felder hinweg in die Richtung des Nachbarwaldes. Unweit des Randes stand der Schweine Haus. Als sie in Sichtweite kamen, erkannten sie schon, daß eine Menge Volk zusammengelaufen war. In diesem Wald wohnten auch einige Elfen und Einhörner, die auch gerade zur Feier eintrafen. Eine Horde Wildschweine lief gerade vor der Türe auf und ab. Der Wolf besah sich das Häuschen und dachte für sich, daß die Angst der Schweine vor einem stürmisch blasenden Drachen nicht groß sein konnte, so windschief dieses Anwesen wirkte. Er mußte schmunzeln bei dem Gedanken über diese Geschichten, welche die Runde machten. Kaum waren Frösche und Wolf eingetreten, hatten ihre Geschenke einem der Schweine gegeben, durften sie bei einem Tanz teilnehmen. Es war ein großes Hüpfen aller anwesenden Gäste. Die Wildschweine sahen zu komisch dabei aus. Die Elfen stießen sich die Köpfen, da sie immer zu hoch hüpften. Dann klatschten die gastgebenden Schweine in ihre Pfoten und damit war das Büffet eröffnet und alle durften zu essen beginnen. Der Wolf stürzte voran. Dabei stieß er versehentlich einige Mäuse zu Seite, die dann quieckend unter die Füsse der Wildschweine gerieten. Der Wolf selbst bekam davon nichts mit, denn sein Kopf verschwand schnell in einer Pfanne voller gebratener Tauben. Es war ein riesiges Schmatzen und Schlürfen, fast alle Gäste waren glücklich, sogar die Frösche, für die es einige Gläser voller Brummer gab. Alleine die Mäuse erlitten noch einen zusätzlichen Schrecken, als sie von den plapperhaften Libellen erfuhren, daß der fürchterliche Nussvernichter auch eingeladen sei. Mehr schlecht als recht nagten und würgten sie an ihren Grashüpfern. Es waren dann jedoch die ungeschickten Wildschweine, welche der allgemeinen guten Laune einen Dämpfer verpaßten. Sie hatten den Versuch unternommen, zu viert eine Pyramide zu bilden. Das dritte Schwein in der Höhe brachte jedoch alles zum Schwanken und sie krachten gegen die Hauswand, die nun ein schweinegroßes Loch hatte. Alle waren entsetzt, besonders die Hausschweine, die nun lautstark zu zetern begannen, daß nun der Drache, wenn er sie wiederfinden würde, ein leichtes Spiel habe, um auch ihr neues Haus umzublasen! Ein Schwein begann zu weinen. Der Wolf, dessen Kopf inzwischen wieder aus der Taubenpfanne aufgetaucht war, begann zu lachen und rief, daß es keinen Drachen brauche, um dieses windschiefe Ding umzublasen. Er könne das selber auch ganz gut. Es weinten nun alle Schweine. Das barmte den Wolf. Er kniete sich zu den Schweinen herab und versprach ihnen, ihr Haus wind-, sturm- und umblassicher zu machen. Dann hätte kein Drache der Welt eine Chance ihr Haus zu zerstören. Die Elfen jubelten, als sie dies hörten. Die Schweine waren unsicher, ob sie diesem Vorschlag trauen konnten. Die Frösche schüttelten ihre Köpfe, über diese ungeschickte Selbstlosigkeit, die ihrem Wesen völlig fremd war. Sie riefen dem Wolf im Chor zu, daß er besser vorher einen Preis nennen solle. Der Wolf entgegnete, daß er den Preis gerade verzehrt habe. Die Tauben seien so vorzüglich gewesen, er habe sich schon seit Monaten nicht mehr so satt gefühlt. In diesem Zustand würde er schnell große Versprechen abgeben, doch sei es ihm das wert.

Ferien mit Gott Teil 1

Es war einmal ein Wolf, der in einem Waldstück lebte, in welchem auch eine Familie an Ziegen ein Haus bewohnte. Der Wolf wußte hiervon, doch sah er sich ungern der Möglichkeit einer schrecklichen Rufschädigung ausgesetzt, wenn er an plötzlichen Todesfällen im Kreise dieser Ziegenfamilie Schuld träge. Er hatte aus diesem Grunde einen Garten angelegt, in welchem er unter anderem Kartoffeln und Rüben anbaute. Zum zweiten betrieb er eine kleine Hühnerzucht, die ihm Eier und auch manches Mal ein Küken auf den Tisch brachte. Der Wolf war recht mager. Einige Schritte von seiner Behausung befand sich ein Teich, in welchem eine Handvoll Frösche lebte, mit denen der Wolf eine gute Bekanntschaft pflegte. So lebte der Wolf und es war ein ärmliches Leben, doch war der Wolf nicht unzufrieden.

Dies sollte sich ändern, als im Nachbarwald eine dreiköpfige Schar an Schweinen in ein Häuschen zog. Es hieß, sie hätten das kleine Häuschen umgebaut, an allen Ecken und Kanten verstärkt, denn sie waren zwar vorlaut, wie man sich erzählte, doch schienen sie auch eine große Angst zu haben, daß einst ihr Häuschen umgeblasen würde. In ihrer vorherigen Heimat solle genau dies passiert sein. So hörte es der Wolf von den Fröschen, die es von den Libellen erfahren hatten und alle kratzten sich an ihren Köpfen. Ein Haus umblasen? Das müsse entweder ein wildes Geschöpf gewesen sein, oder ein sehr mäßig errichtetes Häuschen. Die Libellen vermuteten sofort das erstere und nahmen einen Drachen an. Die Frösche schlossen sich dieser Meinung an, doch der Wolf wollte davon nichts wissen und erklärte den Libellen und Fröschen, daß ihm noch nicht bekannt sei, daß Schweine gute Häuserbauer seien. Er wolle von der Idee eines Drachens nichts wissen. Das sei ein ausgemachter Unfug, ein Humbug. Der Wolf zog sich in seine Behausung zurück und aß Spiegelei auf Bratkartoffel.

Am nächsten Morgen fand der Wolf einen Brief vor seiner Tür. Er rief zu den Fröschen im Teich: „Holla, ich habe einen Brief bekommen. Der erste Brief in meinem Leben.“ Die Frösche waren nicht beeindruckt, denn auch sie hatten einen Brief erhalten, jeder von ihnen. Der Brief sei von den neuen Schweinen. Der Wolf, der den Brief selber noch hoch in seiner Hand hielt, besah sich das Schreiben und ja, es war von den Schweinen. Es handelte sich um eine Einladung für den kommenden Tag, an welchem sich die Schweine in diesem Wald vorstellen wollten. Nichtsdestotrotz fühlte der Wolf sich fröhlich über diese Botschaft. Er überlegte, ob er ein Gastgeschenk machen solle. Er setzte sich an den Teich, um sich mit den Fröschen zu besprechen. Diese hielten zunächst nichts von der Idee, schließlich seien die Schweine neu hier und müßten Geschenke machen, wobei der Wolf sie überzeugen konnte, daß die Einladung zu einer Vorstellungsfeier bereits ein Geschenk sei. Die Frösche murrten noch ein wenig, berieten sich nun noch lauter mit viel Gequake, um abschließend mitzuteilen, daß sie sich mehrheitlich für ein kleines Gastgeschenk entschieden hätten. Nun müsse man noch darüber Rat halten, welches Geschenk denn gegeben werden könne, und welches Geschenk für drei Schweine geziemend sei. Schließlich sei man weiterhin davon überzeugt, daß die Schweine Opfer eines Drachens seien, bevor sie in diesen Wald gezogen seien. Der Wolf hörte sich dieses Ergebnis ungerührt an, dann wünschte er den Fröschen viel Erfolg bei ihrer Suche nach einem Ergebnis und lief in seine Behausung zurück. Er hatte schließlich den Ball des Gastgeschenkes ins Rollen gebracht, nun mußte er auch liefern. Er überlegte sich, daß es am besten sei, wenn er sich das Haus der Schweine einmal ansähe, aus sicherer Distanz, um vielleicht etwas zu entdecken, was diesen neuen, entfernten Nachbarn noch fehlen mochte. Möglicherweise würde er auch unterwegs noch einige Kräuter und Insekten entdecken, die seinen Hunger stillen konnten. Möglicherweise war der Hunger auch ein großer Anteil seiner Freude über die Einladung. Er hoffte insgeheim, daß die Schweine sich nicht lumpen ließen und eine reiche Tafel aufdeckten. Dafür wolle er sich dann bei seinem Geschenk auch nicht zurückhalten, dachte der Wolf, während ihm das Wasser schon aus dem Mäulchen lief. In der Nähe des Hauses der Schweine fand der Wolf einen rostigen Teekessel, den er aufhob und als Präsent für genügend befand.