Trans und Depressiv, auweh!

Wie es kam, daß ich eine depressive Transfrau wurde?

Bevor diese Frage beantwortet werden kann, oder ich überhaupt in die Nähe einer Antwort komme, werde ich einige Worte vorab schreiben müssen, um einige Klarheiten zu schaffen:

Transsexuelle Menschen sind Individuen. Es gibt kein gemeinsames, transsexuelles Schicksal mit Ausnahme der Basis, das wir einem anderen Geschlecht zugehörig sind, als es bei Geburt zugewiesen wurde. Und deswegen mag mancher Teil des folgenden Textes von anderen Menschen anders aufgefaßt werden. Daher von meiner Seite: Ich möchte hier meine individuelle Situation darstellen und erhebe absolut keinen Anspruch darauf, hier einen irgendwie gearteten Standard zu setzen. Das ist mir generell zuwider.

Als nächsten Punkt spreche ich kurz die Macht der Worte an. Liebe Leser, stellen Sie sich vor: Sie haben ein Bedürfnis zu trinken. Sie sagen zu einem in der Nähe stehenden Menschen: „Ich möchte etwas trinken. Ich habe Durst.“ Dieser Mensch sieht Sie an und sagt: „Dann tun Sie es. Trinken Sie!“ Nun überdenken Sie die Ihnen zugeschriebene Formulierung: „Ich möchte….“. Diese Art der Formulierung wird von sehr vielen Menschen benutzt, anstatt – um im Beispiel zu bleiben – direkt auszudrücken: „Ich habe Durst. Ich werde etwas trinken.“ Ich beschreibe hier nur ein schwaches Phänomen einer sprachlichen Vermummung, einer Selbstschwächung, einer Verschleierung, der ich auch selber länger anhing, bevor mir dies klar wurde. Auch heute tappe ich manches Mal noch in diesen sprachlichen Hinterhalt. Schwieriger ist es mit Fällen, in welchen eine direkte Wortwahl getroffen wird, die von Grund auf problematisch ist. Besonders, wenn die problematische Wortwahl einem Einverständnis des heteronormativen Mainstreams unterliegt. Ein Beispiel ist das Wort „Homoehe“, das jeden Mensch, der auch nur annähernd der Zielgruppe dieses „Geschenks“ nahesteht, wie eine Ohrfeige trifft, liegt doch in diesen drei Silben die Basis einer Abgrenzung des erwähnten Mainstreams gegen die Betroffenen. Schlimmer jedoch wiegt die Fehlverwendung der „-Phobie“ begriffe, die auf Menschen gemünzt werden, welche sich gegenüber marginalisierten Gruppierungen diskriminierend verhalten. Der Grund dieses negativen Verhaltens ist jedoch keine „Phobie“! Sondern der Grund ist Diskriminierung. Eine Phobie ist die Bezeichnung einer Angststörung, welche der „Sammelbegriff für mit Angst verbundenen psychischen Störungen ist“. Eine Phobie ist demnach keine Entschuldigung für ein „Arschlochverhalten“. Diesen Absatz beende ich mit der Bitte, die Macht der Worte zu achten. Ich selber bin eine Lernende auf diesem Gebiet.

Wie zeigt sich meine transsexuelle Seite? Warum sehe ich mich als Frau, obwohl die Zuschreibung aufgrund der Geschlechtsorgane eben eine andere ist?

Es ist ein Mosaik, das sich aus vielen kleinen und auch dem ein oder anderen größeren Aspekt erstellt, welche in mir die innere Notwendigkeit erzeugten, eine Transition anzugehen, um auch in einer hoffentlich näheren Zukunft auch wirklich in einem durch und durch weiblichen Körper leben zu dürfen. Hier mögen Menschen einwerfen, daß das Frau-Sein unter anderem auch ein soziales Konstrukt ist. Und das Frau-Sein auch von innen kommt. Beide Punkte sind richtig. Dennoch muß ich für meinen Standpunkt darlegen, denn auch ich bin ein individuelles Schicksal, das sich nicht einfach in ein äußeres Konstrukt zwingen läßt.

Mag für viele Feministinnen das Aufbrechen der weiblich genannten Sozialisation wichtig sein, so ist für mich das Eintauchen in diese ein durchaus wichtiger Aspekt. Stop, bevor jemand zu weit denken mag: Nein, ich möchte jetzt nicht in die „Kinder, Küche, Kirche“-Welt abdriften. Es geht mir auch eher um das eigene Als-Frau-Gesehen-Werden. Ich möchte, daß meine Brust so groß wird, das ein Büstenhalter wichtig ist. Ich möchte breitere Hüften haben. Ich möchte einfach, ungefragt, lange Haare haben. Fragen Sie nicht, es ist nicht so simpel.

Teile des Mosaiks sind Enttäuschungen. Da war meine Teilnahme am Flötenunterricht in der Grundschule. Ich war der letzte „Junge“, der dabei war. Dann kam ein gebrochener Innenarm und wegen der Zwangspause wurde ich später von dem sogenannten „Lehrer“ nicht mehr weiter beachtet.

Dieses Mal, als ich der Mutter Monatsbinden entwendete, nicht wissend, welchen Zweck diese je erfüllen sollten, doch unglaublich angezogen von der Weiblichkeit dieser Produkte.

Die unzähligen Male, in denen mir das „Schimpfwort“ Weiberheld hinterhergerufen wurde. Ja, es war als Beleidung gedacht.

Der erstmalige Wunsch den Körper zu tauschen, als ich mit einer Bekannten einer Grundschulfreundin gemeinsam auf einer Schaukel stand.

In der kommenden Schule war ich Teil des Chores und nicht überraschend im Sopran, da auch noch sehr jung. Mit 13 Jahren sollte ich in den Tenor wechseln. Ich hätte zwar einen großen Stimmumfang, doch wäre ich im Tenor besser aufgehoben. Nach ein paar Wochen verließ ich den Chor. Denn es war hier der gleiche Fall, der auch an anderen Situationen meiner schülerischen Karriere durchbrach: Ich suchte Kontakt zu Mädchen. Klar, denkt man. Und ja, ich war auch ein ums andere Mal verliebt. Doch es war eher der Versuch in freundschaftliche Bande einzusteigen und den Genuß der weiblichen Freundschaft. Da ich in jener Zeit noch nicht ahnte, daß ich transsexuell war, kam ich mir dabei linkisch und gestört vor und war – im Laufe des 10. Schuljahres – fast glücklich, als hier eine Verbindung möglich wurde und ich mich von Pia, Manuela, Sonja und Irene während der Abschlußfahrt positiv aufgenommen wurde, als ich mich immer wieder ihnen angeschlossen hatte. Wenige Wochen später verließ ich die Schule, besuchte nun eine reine „Jungenklasse“ und litt zum ersten Mal in meinem Leben an einer massiven, Lebenssaft saugenden Depression. Dabei war es in dieser weiterführenden, kaufmännischen Schule, wie auch zuvor, nicht so, daß ich mit meinen „offensichtlichen“ Geschlechtsgenossen keine Freundschaften aufbauen konnte. Ganz im Gegenteil, einige halten bis zum heutigen Tag.

Doch war dieses Jahr ein unglaublicher und extremer Tiefpunkt in meinem Leben. Als Sieben-, Achtjährige hatte ich eine Zeitlang mit dem Todeswunsch gekämpft, was unter anderem an der grausigen Grundschule lag, in der Mobbing ein geduldetes Gesellschaftsspiel war. Und ich war nicht die, die es am schlimmsten traf. Aber auch die Beobachtungen, die ich machte, genügten, um später einordnen zu können, daß der Faschismus auch mehr als dreißig Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges noch seine Brutstätten besaß, in welchen grundsätzlich das Schwache mit Gewalt zu bekämpfen ist.

In der Grundschule lernte ich viel über das eigene Fremdsein, das vielleicht in dem englischen Wort „awkward“ sehr viel besser illustriert ist. Ich lernte viel über die Vorzüge des Unscheinbarsein. Des Abtauchens in einer Masse.

Zum Ende der nächsten Schulzeit mit 16 Jahren, hatte ich eine gewisse Freude gefunden. Im Apollo Theatre in London hatten Manuela und Pia mich geschminkt. Das war ein Moment puren Glücksgefühls gewesen. Und weiterhin ahnte ich nicht, daß genau diese Emotion eben nicht von ungefähr kam. Klar, kann eins sagen: Auch Jungs dürfen sich jederzeit schminken. Das werden sich die beiden Freundinnen damals auch gedacht haben, denn auch ihnen wird verborgen gewesen sein, was ich vor mir selbst nach Jahrzehnten outen würde. Falls sie es doch bemerkten, wäre ich ihnen sehr dankbar gewesen, hätten sie mich darauf hingewiesen (denken Sie sich hier bitte einen bitter lächelnden Smiley).

Der Sommer 1987 wurde darauf zum tiefen Sturz. Im September war ich mit den Nerven am Ende. Und vergrub mich um die Jahreswende in „Die Nebel von Avalon“ von Marion Zimmer Bradley. Wie ich inzwischen lesen mußte, ist die Schriftstellerin beschuldigt oder verdächtigt mißbräuchlichen Verhaltens. Nichtsdestotrotz hatte mich der Roman selber in jenen Jahren äußerst nachhaltig beeindruckt. Diese Nacherzählung der Artus-Sage, in der jedoch nun die Frauengestalten aus dem Hintergrund treten und sich als die wahren Handelnden zeigen, zog mich tief in seinen Bann. Auch hier fehlte noch das Hinterfragen dieser Situation, in welcher ich kaum wußte, welche der Romanfiguren mir am meisten aus der Seele sprach, ich auch kaum wußte, wie ich die großartigen, aus meinem Leben gefallenen Frauen ersetzen könnte, oder besser den Kontakt aufrecht erhalten konnte. Die Depression lähmte mich, das fehlende Selbstbewußtsein lähmte mich, die fehlenden kommunikativen Möglichkeiten des Jahres 2018 hätten mir eventuell weiterhelfen können.

In den folgenden Jahren konnte ich aus der inneren Isolation, in die ich damals sackte, langsam herausfinden. Musik wurde ein Schlüssel und letztlich die Bandgründung von „Permanent Confusion“ half Schritt für Schritt auf ein Level zu kommen, in welchem zwar die Depressionen in Schach gehalten werden konnten, ich jedoch auch in meine Rolle als „junger Mann“ stärker hineinschlüpfte, diese jedoch immerhin auch leicht aufbrechen konnte: mit geliehener Bluse, mit mäßig guten, aber ehrlichen Texten über Trauer, Einsamkeit und Sex. Und spätestens 1997 sogar mit dem ersten Rollenwechsel, als ich für das Stück „La Habana“ das lyrische Ich eine Frau sein ließ. Doch zu diesem Zeitpunkt war die beste Zeit der Band schon vorüber, hatte sich die ursprüngliche, innere Verbundenheit etwas gelöst und ein zuvor existentes kleines, aber feines Publikum war weitergezogen. Und dennoch war und ist es unglaublich wichtig, sich in dieser Kunst auszudrücken. Und deswegen ist es auch am wichtigsten, Musik zu hören, die aus einer inneren Notwendigkeit geschaffen wird.

In dieser Zeit hatte ich erste Beziehungen zu Frauen gehabt, und ja, es gab bis zum heutigen Tage Sex in meinem Leben, denn es gibt zwei Kinder. Den Grund möchte ich hier nicht verheimlichen: Ich liebe Frauen. Und im Sex nutzte ich das Instrumentarium, das mir zur Verfügung stand.

Um die körperlich-mentale Diskrepanz zu erläutern, verweise ich noch einmal kurz auf die depressiven Episoden. Bevor ich im Oktober 2013 endlich die Erkenntnis meiner Transsexualität hatte, war ich in physotherapeutischer Behandlung. In einer – ich kann mich nicht mehr an die genaue Begrifflichkeit erinnern – „Versenkungsübung“ sollte ich mich in meinem Körper einfinden. Später, als ich Autogenes Training beginnen sollte, wurde dies zum Standard und durch die geänderten Situation meiner Selbstsicht, ist dies inzwischen kein Problem, doch in jener Übung mußte ich erkennen, daß mein Körper und mein „Geist“ nichts miteinander zu tun hatten. Dieses „sich-in-den-Körper-einfinden“ wurde zum schwierigsten Teil der Übung. Ich selbst war über diese Situation zunächst einfach nur erstaunt. Während der „Versenkung“ erschien es mir, als stünde ich komplett neben mir, als müsse ich erst „in mich hineinsteigen“. Die Entfremdung, die ich schon jahrelang gespürt hatte, bekam in dieser Situation ein Bild. Es kam nicht von ungefähr, daß Albert Camus‘ „Der Fremde“ seit jeher eines meiner liebsten, weil tief in meine Seele greifendes Buch war. Und ich damals heulte, als ich zum ersten Mal die letzten Zeilen las:

Damit sich alles erfüllt, damit ich mich weniger allein fühle, brauche ich nur noch eines zu wünschen: am Tag meiner Hinrichtung viele Zuschauer, die mich mit Schreien des Hasses empfangen.“

So lange habe ich jetzt darauf gewartet, den alten Körper sterben zu lassen. So viel Selbstverletzung ist darüber gezogen. Der Rest möchte bitte bald neu anfangen.

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25.05.2017

Revolte + Terror = Jugendkultur hahahahahaha

vorwort: Wem der Stil des Geschriebenen nicht paßt, wer den Wirrungen und Irrungen der Gedanken nicht folgen kann, wer was auch immer …. geht einfach weg. Okay?

this is the worst trip I’ve ever been on. Mann, ich steh voll in der Wüste. Auf einer Brücke, unter der die Sanddünen lachend hindurchziehen. Als ich vor einigen Tagen über Rockmusik nachdachte, fiel mir dieser Streifen „almost famous“ ein. Ist inzwischen fast volljährig, der Film. Und dann folgte der Gedanke über diese Szene darinnen, in welcher der Junge die Platten von seiner rebellischen Schwester unter dem Bett hervorzieht, und sein Leben gerettet werden soll. Zum Glück war kein Serge Gainsbourg dabei, sowas wie Histoire de Melody Nelson, kultivierter Schweinkram mit kleiner Körbchengröße und satten Arrangements.  Zu feingeistig für die kommende Stewardess und überhaupt zu kultiviert für irgendein Amerika. Ob nun das verfilmte 1969 oder auch der Donny-Age-Komplex, unter welchem wir zu schnaufen beginnen. Als wenn das nicht egal wäre…. kaum verflogen die Klänge… stand dieses kurze Intervall am Beginn eines Streichquartetts von Alban Berg in der Atmosphäre und… was ist mit Euch los? Fragen Alban und auch ich!

Die Erinnerung an „almost famous“ hatte schon einen gewissen Sinn. Ein Film über das Ende jener Phase einer heiß gelaufenen Maschinerie. Das Vorglühen war der Rock’n’Roll, die Hüfte, Algerien, Wirtschaftsaufschwung und vor allem AUFSCHWUNG. Bis ins Weltall. Im ersten Akt wurde der Jazz dann heißer, drängender, freier, entstand eine mündige Schicht an Menschen, die Rechte forderten, flogen die Raketen im Orbit, wurden die Kriegsschauplätze exotischer und Einnahmen aus Schallplattenverkäufen galten noch ein wenig wie Wolkenkuckucksheim. Im zweiten Akt verfliegt die Exotik des Krieges, denn Er Will Dich, wird in flirrenden Paisleymustern [Das sind aber ganz schön konkrete Gedankengänge, mein lieber Schwan oder auch Scholly oder… äh] dieses Wollen verneint, mit grinsender Kopulationsakrobatik auf Rockbühnen die Macht zelebriert als Poesie der Wirtschaftsmuskelmasse, während der Rest langsam schnauft. Und wenn 1973 die Maschine eben heiß läuft? The Fall of Saigon steht vor der Tür. Die Ölkrise. Die RAF. Die PLO. Die ETA. Die IRA. Die nicht gut abzukürzende Brigate Rossi (Okay, die Abkürzung bringt Medienleute aus Bayern zum knurren) Dazu ist alleine in Europa noch so manches Ländchen unter einer Diktatur bemantelt. Spanien, Portugal, Griechenland, der Zypern-Konflikt. Dazu noch der ganze Warschauer Pakt, eine fantastische eigene Liga der Unterdrückung. Nicht zu vergessen, nicht?

Wozu das Ganze? Weil dies grelle Augenpaar manchmal ARTE schaut. Weil dort immer gerne des Sommers schöne, kreischend bunte Dokus über die Rebellen jener Zeit gezeigt werden, die uns heute mal so richtig schön zeigen können, wie der Unzustand unserer Zeit in eine total groovige … ach, klappt ja gar nicht, weil die Realität ja weder ARTE-konform, noch Netflix-bingemäßig zurecht geschustert werden kann, denn da ist der Mann mit dem Bombenkoffer. Und der macht das Licht aus. Das haben die schon immer gemacht. Die ganzen Hirnis, die nur drei Buchstaben behalten können, hatte ich schon aufgezählt. Und damit sind wir plötzlich am Brunnen Mimirs angelangt. Ganz ohne ein Auge zu verlieren. Nur eine volle Dröhnung an Alban Berg oder einen anderen geilen Macher aus der (Achtung) Neuen Wiener Schule. Nicht die Alte. Die Neue! Ist zwar älter als sowohl Frankfurt, als auch Hamburg. Nichtsdestotrotz! Oder halt mit John, bzw. Alice Coltrane hochfahren. Mimir sagt: Jungens, Mädels.

Da seht sie stehen! Dort stehen sie herum, die Konserven.

Die Konservativen.

Die Kompressionierten.

Die Konfektionierten.

Die Kompromittierten.

Die Kompostierten.

Alice, das ist nur scharf. Shiva Loka.

Die Kondolierten.

Die Gondolierten? Die Kronzeugierten!

„Das geht so nicht weiter, Mimir!“

Die Präservativen.

Die Präversativen.

Die Frittierten!!!

„Du kannst nicht so Recht sprechen, oder in den Quell der Weisheit blicken, Mimir!“

Das Kapital. Spielt und würfelt. Es rückt die Figuren. Das ist doch klar. Das ist Physik. Wölbt sich das weiße Yang oben aus, quellt das schwarze Yin nach unten weg. „Und natürlich“…. nee, ruft Mimir: meet the new boss, same as the old boss. Denn auch das ist Physik: die Luft am Gipfel ist immer dünner, als im Tal. Da können so viele Wortspiele und Versprechungen, Versprungungen, durch die Welten schwirren, das kann nicht gehen.

„Mimir! Warum schicken Leute Dick-Pics und dann seh ich nur Richard Nixon?“

Weil eben „Dicky’s such an Asshole.“ und heute singen wir „Donny’s such an Asshole“, und statt einem DickyPic, setzen wir ne blöde Orangenperücke auf. Annoying Orange for real.

Is everybody in?

Nein. Warum auch. Jedes so begrenzt, es kann. Kondoliert doch, wo ihr wollt. Zum Teufel. Ständig sterben Menschen, jederzeit, jeden Orts. Durch Krebs. Durch HIV-induzierte Erkrankungen. Durch Bombensplitter. Kein Tod ist schön. Nirgends. Nie. Und dennoch rafft es Menschen dahin. Der Schrecken ist immer die Lücke, die der Tod reißt. Die Unzeit, die er erschafft. Und dennoch sagen Mimir und auch ich: Kommt endlich klar damit, das Euer Abo mal irgendwann abläuft. Das Ticket wird Euch aus der Hand gerissen, da seht Ihr nur noch die Fetzen im Winde wehen. Und natürlich habt Ihr Angst davor, wenn der Schalter umgelegt wird. Und im Off steht nicht mal Wayne. Mimir lacht. Über die, die vor toxischen Menschen warnen. Mimir ROFLT. So ein nordisches Wesen sollte sich nicht so verstörend verhalten. Hey.

Jetzt ist die Bagatelle passiert. Der Schreiber lacht auch. Hat aber nur eine Sekunde zuvor das Wasser getrunken. Das Papier wellt. Heilig’s Blechle. Und warum das Ganze? Weil nasses Papier die Eigenheiten des Wassers übernimmt, natürlich! Das Farbband muß in der Nacht am Feuer verweilen, auf das trockenen Fußes der Text weiterwandert. Gleich einer akustischen Guitarrrrre. Chico legt noch ein paar Flöten mit ins Grab. I think it’s gonna rain today.

Zwischenwort:

Wer jetzt noch hier rum nölt, ey! Mein Freund Haarmann hat ein Hackebeilchen

„So, Mimir“ Was! Mit den Fingerchen fummelnd wie Mister Burns, nur Millionen an Dollars weniger „Also, sollen Menschen nicht Dinge und andere Menschen meiden, die schädlich sind?“ Watt is dat für ne scheiß Frage, du Eierkopf. Dann kannste dich inne Höhle einschließen. Datt ganze Leben is voll toxisch. Kaum biste auffe Welt, iss schon die Kakke am dampfen. Oder willste dem Finanzamt auch jetzt mal mit „Also, ich muß Sie bitten von Ihren Forderungen nach Steuerzahlungen Abstand zu nehmen, denn das erzeugt eine negative Schwingung in meinem Leben“ auffen zeiger gehen, watt? vollpfosten! Damals als noch über Nixon-Bilder sinniert wurde, ha. Ja, girl in trouble. Hat irgendwer mal drüber nachgedacht, was DickPicMusic ist? So was, wie … wir kommen nicht ausse zeit da raus. Almost famous und so. Led Zep I oder II. squeeze me lemon til the juice runs down me leg. Robert Plant aus Yorkshire, kreisch! Aber das ist dann der Sound der Revolte. Und natürlich der arme Hendrix, der doch niemandem was getan hatte*. Und immer wieder nur Satisfaction. Ich verlange auch nach genau dem und verlange dazu auch noch die Wahl der Waffen. Waffeln. Wenn immer auf die gleiche Stelle geschlagen wird, dann ist das Physik! Oder Biologie! Da entsteht ein Bluterguß. Und Schmerz. Und irgendwann bricht auch der Knochen. Habt Ihr sonst keine anderen Ideen? Seid doch nicht immer so eindimensional! Stellt Euch vor, Ihr stündet vor Kafkas Schloß, hört die Telefone und die Schreibmaschinen. Stellt Euch vor, Ihr seid ein Käfer. Was denn?! Ihr geht dann rein!

time takes no prisoners. time takes a cigarette.

Ein kurzer klarer Moment wie ein Pochen. Die Bürgerrechtsbewegung der 1960er hatte ein klares und einfaches Ziel: Gleiche Rechte für alle Rassen.

Was hat 2017 zu bieten? Mimir will wieder ROFLN. Können wir einfach den alten Faden wieder aufnehmen und noch „Gleiche Rechte für die Geschlechter“ hinzufügen? Okay? (this is the most worst trip I’ve ever been on) Ich bin doch der Käfer. Und das Wasser habe ich getrunken. Einst sprudelte es. -.-

* Jimi machte mal den Song little wing. Wer da irgendwas von Revolte raushört, sollte mal ein Wasser trinken. Jimi wollte doch auch nur wegfliegen.

Nach „Brüssel, 22.03.2016“

Vielleicht ist dieser Text der letzte, den ich schreiben werde. Ich bin frustriert, sehr tief. Warum? Die terroristischen Anschläge in Brüssel am 22.03.2016 sind der Auslöser. Ein weiteres Warum?

In den vergangenen Monaten hat sich das gesellschaftliche Klima in Europa gewandelt. Ein paneuropäischer Nationalismus greift um sich. Ein Klima, das vergiftet auf alles, was fremd ist, starrt und dessen Verschwinden verlangt. Die Art, wie dieses Verlangen artikuliert wird, ist von Hass und Wut getragen. Lange habe ich versucht, in Texten und Gesprächen, dieser Bewegung etwas entgegenzustellen. Sei es Empathie, Vernunft, eigene Fassungslosigkeit.

Am vorgestrigen Tag, dem genannten 22.03.2016, sind wieder einmal Menschen zu Tode gekommen, als Ergebnis einer Anschlagsserie. Sage ich es kurz: Es geht nicht an. Dieser Art von Menschenfeindlichkeit ist Einhalt zu gebieten.

Sowohl bei jenen, die sich als Islamisten bezeichen, als auch bei jenen, die von Tag zu Tag gegen alles Fremde wettern. Es ist erschütternd zu sehen, wie zwei extrem gegenpolige Ansichten miteinander wetteifern, wer die schärfste Klinge fährt. Frustierend ist jedoch, wie günstig die Attentate für den paneuropäischen Nationalismus sind. Doch letztlich können sich die konservativen, populistischen Kreise Europas nicht davon freisprechen, eine Mitverursacherschaft an den Terrorakten zu tragen. Sind sie es doch, die nun bereits seit Jahren keine Gelegenheit verstreichen lassen,

– eine europäische Leitkultur zu verfechten

– dem Islam eine Existenz auf europäischem Boden zu verwehren

– die permanente Gefährdung aller europäischen Nationen durch Überfremdung zu predigen

Können sich die Fürsprecher dieser Thesen vorstellen, daß gerade junge Menschen, die ständig diesem Feuer der Angst und Abgrenzung ausgesetzt sind, dieses letztlich aufnehmen und nach außen weitertragen? Dies äußerst sich zum einen darin, daß konservativ-nationalistische Kreise eine überdurchschnittliche Beliebtheit in Altersgruppen bis zu 29-jährigen erreichen. Die Kehrseite sind junge Selbstmordattentäter, die letztlich auch durch Perspektivlosigkeit und Ablehnung in den eurozentrisch gesinnten Gesellschaftspartien dahingehend vorgeschliffen werden.

Dieses permanente Wechselspiel sehen zu müssen, ist ernüchternd. Und bringt mich dazu, diese Form von Texterei in Frage zu stellen. Deswegen möchte ich ein letztes Mal meine Stimme erheben und den letzten Leserinnen ein paar Ideen mit auf den Weg geben.

Der ausländische Straftäter.

Jaja, das Todschlagargument. Doch gehe ich einfach davon aus, daß in der europäischen Justiz sicherlich kein Straftäter laufengelassen wird, wenn er „fremd“ genug ausschaut. Wobei ich hoffe, daß das Gegenteil auch nicht der Fall sei. Wundere ich mich doch mit Bauchschmerzen über die Tendenz der Justiz in den Vereinigten Staaten eine größere Härte gegen nicht-weiße Bürger anzuwenden. Ein Fall, wie der Mord an Alexandra Mezher in Schweden durch einen bereits abgewiesenen Asylantragssteller, muß mit der gleichen Härte betrieben werden, wie jeder andere, gleichgelagerte Mordfall unter Menschen mit gleicher Nationalität. Hier gibt es überhaupt kein Vertun. Und es soll auch nicht auf derlei kapitale Verbrechen beschränkt bleiben, sondern auch Vorfälle, wie die Sexualstraftaten in Köln zu Silvester 2015 müssen aufgeklärt und bestraft werden. Und ein inhaftierter Sträfling sollte auch in seine Heimat transferiert werden. Wenn hierzu die legislativen Voraussetzungen fehlen sollten, sind sie zu schaffen. Doch wenn die Realität das Wort kurz erheben darf: Die meisten Straftaten in Europa werden von den jeweiligen Einheimischen begangen, von Mord, über Vergewaltigung zu Steuerhinterziehung und Körperverletzung.

Europäische Leitkultur und Überfremdung:

Ich fasse mich zu Beginn einmal kurz: Die Idee einer europäischen, womöglich christlichen Leitkultur ist einer der größten, zynischsten Scherze, die je von Menschen ersonnen wurden.

Haben sich die Urheber dieser Ideen eigentlich mit der europäischen Geschichte seit Herodot auseinandergesetzt?

Wenn ja: ist ihnen aufgefallen, daß sich keine Konstante ergeben hat, die auch nur die zeitliche Grenze von eintausend Jahren überdauert hat, die als kulturelles Fundament angesehen werden kann? Vielleicht mag jetzt jemand den religiösen Aspekt der Christenheit erwähnen. Hierzu gebe ich folgendes zu bedenken, bevor ich mich der Frage der Religion als solches widme: Wie hoch ist die Zahl der Menschenleben, die von Vertretern dieser verschiedenen, christlich-orientierten Religionsgruppen getötet wurden?

Besonders in Zeiten, in welchen Teilgruppen untereinander verfehdet waren, womit nicht nur die Hochzeit zwischen 1618 und 1648 gemeint ist.

Ein Gottesglaube ist darüberhinaus, in meinen Augen, kaum für einen menschlichen Geist wahrhaft zu erfassen. Der Gottesbeweis des Thomas von Aquin wird von mir zwar befürwortet, doch, wo jener einen Gott als causa prima, als Erstursache, erkannt haben mochte, sehe ich ein physikalisches Phänomen. Wobei nicht gesagt sei, daß die Basis einer christlichen Morallehre, wie sie in den Evangelien zu beobachten ist, kein wunderbares Fundament für das Miteinanderleben von Menschen auf diesem Planeten sei, doch ist die Lehre jenes Jesus für uns einfache Leute grundsätzlich zu revolutionär und – um nur auf dieses eine Beispiel zu verweisen, daß jedoch auch auf andere große Religionen der Welt zutrifft – wurde nur kurz nach dem Tod des Religionsgründers die Rolle der Frauen neu definiert und diese in die zweite Reihe verbannt. Da liest sich das neue Testament durchaus anders. Und somit direkt an die Leitkultur gefragt: Aus der Historie ergibt sich hier, daß die Frau weiterhin gerade mal sich der 3 großen K’s widmen dürfte, doch das kann heute niemandens Ernst mehr sein. Geschieht hier der erste große Bruch und die Rückbesinnung auf die Machtverteilung in der Jungsteinzeit?

Der massiv größte Teil der letzten zweitausend Jahre in Europa, aus welchen sich vielleicht am Ehesten eine handvoll an regionalen Leitkulturen destillieren liesse, ist von Kriegen, mehr oder weniger freiwilligen Völkerbewegungen und Machtmissbrauch aus Egomanie gekennzeichnet. Die größte, europäische Leistung dieser Zeitspanne ist, ohne jedwede Diskussion, die Gründung der Europäischen Union. Wer hier widerspricht, sollte ein wirklich sehr gutes Argument zur Hand haben, warum die Schaffung eines möglichen, kontinentalen Miteinanders ohne Waffengewalt, nicht die allerhöchste, die mächtigste Leistung war und auch noch ist. Keine technische Revolution kommt dieser Errungenschaft gleich.

Die Erhaltung dieser Union ist noch wichtiger, als die Bekämpfung von terroristischen Umtrieben. Die Erhaltung der Freiheit in dieser Union ist ebenso von größter Bedeutung. Und dies gilt umso mehr, als der bereits erwähnte paneuropäische Nationalismus um sich greift, der auf die Wiedererrichtung von Grenzen setzt, sowie auf die Wiederbelebung von nationalen Gefühlen und das Fehlen dieser unter Strafe stellen möchte.

Hier frage ich: Welches Land – nicht nur im Bereich der Europäischen Union – ist ein reines Land? Es gibt sie nicht mehr, heißt die einzig korrekte Antwort. Spätestens mit Beginn des demokratisierten Individualverkehrs hat die Durchmischung der Völker und Ethnien einen höchst erfreulichen Grad an süßer Unreinheit erreicht. Jedes Individuum an jedwedem Ort dieses Planeten hat einen individuellen Hintergrund. Durch die Möglichkeiten der Vernetzung werden auch die inneren Erlebniswelten weiter von regionalen Leitkultürchen entfernt. Und in diesem Sinne ist eine Einnordung auf diese Leitbilder höchstens unter Ergreifung von Zwangsmaßnahmen möglich, sollte sie auch für die Eingeborenen gelten und nicht nur für die einreisenden Fremden. Letztlich werden im Bezug auf die Errichtung einer Leitkultur auch Erinnerungen an die Gleichschaltungen im dritten Reich wach.

Eine Leitkultur ist nicht mehr, als eine Normierung. Und diese ist das Ende der Individualität. Das diese Ideen derzeit auch in Ländern um sich greifen, die doch gerade unter den Deutschen des dritten Reichs gelitten haben, kann als sehr merkwürdig empfunden werden. Gibt es keine anderen Wege, um die innere Verbundenheit zu einer Region aufleben zu lassen? Und weshalb bezieht sich ein Stolz immer auf eine ganze Nation? Was hindert Menschen daran, stolze Menschen aus Cornwall, Lothringen, den Podlachien, Umbrien zu sein? Sind die regionalen Wurzeln nicht stark genug, um den faden Glanz des Nationalismus zu überstrahlen? Sind Nationen überhaupt noch zeitgemäß? Diese Frage ist nicht nur rhetorisch gesetzt, sondern ernsthaft zur Überlegung gestellt.

Diese Frage wird von der Welt verworfen und nie beantwortet. Dieser Text wird nie eine Anregung sein. Der Ansatz ist noch nicht zeitgemäß. In keiner Weise. Und Utopien braucht wohl niemand. Es ist der letzte Text, den ich geschrieben habe.

01. Juli 2015

Im Kopf, tief drinnen, sitzt ein roter Knopf. Diesen darf niemand drücken. Es ist der (Selbst-)zerstörungsmechanismus, der dadurch ausgelöst wird. Wenn ich unter Schmerzen bin, ist der Weg freigelegt. Passend zu diesen Gedanken lief gerade der wunderbar in Harmonien badende, sanfte Gesang theme aus dem heiteren Paris au printemps-Album von Public Image Limited. Wie singt der gnädige John Lydon dort: and I wish I could die. Der Hörer mag sich wundern, wie sich dieses wunde Röhren vor dieser unbarmherzig rotierenden Bass-Schlagzeug-Gitarrensplitter-Maschinerie überhaupt noch am Leben erhält? Das Schlagwerk (ja, so muß man es tatsächlich benennen) erinnert nirgends besser an den Rhythmusgeber einer Galeere. Das die Gitarre an sich, ob der aggressiven Schleifarbeit, Funken absprüht, erscheint mir sehr wahrscheinlich. Keith Levene, der hier für diese feinmechanische Zerstörungsarbeit an den Synapsen zuständig ist, belegt mit dieser Aufnahme seinen Doktorarbeit in neurologischer Infarkterzeugung. Jah Wobble am Bass geht in diesem Tumult leider etwas unter, doch vermute ich, sind seine Zähne schon als Anblick tragisch genug, um den Lydon’schen Ausruf auszulösen. Hehehe, Pennsatucky-Style. Ich vermute, die meisten Leser werden inzwischen das heftige gefühlsmäßige Pendeln in diesem Text bemerkt haben und ich möchte kurz anmerken, daß dies nicht damit zu tun hat, daß ich eventuell gerade mal ein Wort pro Vierteltag schreibe, wodurch verschiedenste Mentalzustände ihren Niederschlag fänden. Nein, so nicht. Ich kann innerhalb von Sekunden mein Empfinden brachial verändern. Und derweil heult John Lydon immer noch uns diametral ins Gesicht, daß and I wish I could die. Was ist so bemerkenswert an dieser Aussage? Liegt es an dem wirklich erkennbaren Überdruß, der da mitschwingt? Liegt es an Jah Wobbles Zähnen? Liegt es an Paris im Frühling? An den Pariser Bürgern, die dort John Lydon während eines Konzertes betrachteten? Okay, der Song ist ja schon älter, als diese Aufnahme und so fällt Paris als Stadt des tief empfundenen Todeswunsches leider aus. Derweil möchte ich dennoch anmerken, daß ich schon in Paris weilte und wirklich lieber tot gewesen wäre. Und es lag durchaus an Paris! Teilweise ausgelöst durch die mir mangelhaft bekannte, oder tatsächlich vor Ort mangelhaft ausgeprägte Infrastruktur an guten Plattenläden. Schämt Euch, ihr Pariser! Vinyl muß an der Champs Elysée verkauft werden! Da, wo ich herumgeschleppt wurde. Was interessieren mich irgendwelche französischen Prachtbauten, auf die man sich nebenher über ellenlängere Prachtstraßen hinbewegen muß, ohne je das Gefühl zu erlangen, daß man sich überhaupt vorwärtsbewegt. Nebendran fahren Franzosen auch noch Auto. Ich sollte lieber schreiben: Als mitgeliefertes Schauspiel führen Franzosen in Karosserien waghalsigere Manöver vor, als sie sich Transformers-Drehbuchautoren je ausdenken könnten. Und das zu 90% Haftpflicht unversichert. Könnten arglose Touristen nicht leihweise mit Scheuklappen bestückt werden, damit sie sich diese suizidal-fröhliche Treiben nicht noch mit ansehen müssen? Wer soll das aushalten? Stellen Sie sich diesen mackenbeladenen, amerikanischen Detektiv namens Monk vor, den schon ein paar Laserpointer zu springteufelhaften Tanzen bringen? Er würde sich sofort entleiben, müßte er dem Verkehr entlang französischer Prachtstraßen beiwohnen. Keith Levenes Gitarre, laut über Kopfhörer, hilft da schon einen Schritt weiter. Wie akustische Handgranatensplitter dringt sie durch die Szenerie, hinterläßt tiefe, bluttriefende Wunden. Die Bilder klaffen. Oder zerreissen sie die Augen der Schaulistigen. Genau. Zu lange gestarrt, der kleine Levene kommt und übernimmt die Kontrolle. And I wish I could die. Es sind die Hörer, die da singen, es ist nicht John Lydon. Er wird als Medium genutzt, um den anschwallenden Überdruß hörbar zu machen. Nein, mein Name ist nicht Greil Marcus. Aber ich weiß, daß Sie das denken. Ich weiß. Morgen höre ich mir lieber Cleaners from Venus an. Und das Paris der 1990er kann der Teufel holen, und durch Prachtboulevards voller unabhängiger Plattenläden ersetzen. Kilometer lang sollen sie sein. Man kann dort kaufen. Man kann jedoch auch eigene Ware mitführen, die dort gewienert und gewaschen wird. Die glänzenden Vinyls werden von Hand Dir übergeben. Mit Kennerblick wirst Du gemustert. „Sie besitzen diese Original-Seven-Inch von Bent Fabric?“ „Ja.“ „Oh! Auf Metronome, wie ich sehe.“ Der Übergebende zieht fast unbemerkt die Augenbraue in die Höhe. „Ja, ich habe sie mal irgendwo gekauft.“ „Ein glücklicher Kauf, wissen Sie?“ Für einige Momente darf man sich gut fühlen, dann wird Dir wieder klar, daß a) die Single trotzdem nichts wert ist und b) die Musik – das Eigentliche eines solchen Produkts – unerträglich fade. Der Traum sollte dennoch in einem Paris der Zukunft umgesetzt werden. Nick Hornby, bitte finanzieren oder Investoren klarmachen!

16. Juni 2015

Heute ist mir das Wesen der Kopfschmerzen klargeworden. Es ist ein klarer Fall von Stromfluß, übermäßige Elektrizität auf Nervenbasis in der rechten Körperhälfte. Die linke Hälfte ist davon jedoch nicht abgenabelt, sondern bemerke ich dort ein eher statisches, dumpfes Gefühl noch unter Schmerzlevel. Der linke Arm tendiert zu leichtem Zittern, ebenso die linke Kinnhälfte. Das rechte Auge, über welchem der Schmerz trohnt, halte ich am liebsten geschlossen. Leichte Übelkeit ist mit im Paket.

Singen Sie zur Melodie von „es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann“:

Es spielt der FC Jerusalem und Jesus steht im Tor.

Die Jünger steh’n im Abeseits, das kommt mir spanisch vor.“

Mit den Kopfschmerzen stehen auch fast permanent Tränen in den Augen. Und trotz Tablette, wird es nicht wirklich besser. Das Medikament ist inzwischen eher verantwortlich für das beginnende Sodbrennen. Hervorragend. Und Elvis Costello sang vor einigen Minuten davon, daß Alison sich von diesem kleinen Typen das Partykleid ausziehen ließ. In meinem Zustand kann ich solche Sex-Andeutungen nicht ertragen. Nebenher mußte ich darüber nachdenken, warum eigentlich nur Frauen gegönnt ist, sexy Kleidung zu tragen. Okay, der Gedanke erübrigt sich, wenn ich mir erotische Männerbekleidung vorstelle. Da sind selbst Elvis Costellos Andeutungen gar nicht mehr so schlimm. Eines Tages kann ich auch über Lou Reed weiterschreiben.

11. Juni 2015

Da ich den letzten Text mit dem schönen Schlagwort Nationalsozialisten beendete, und dieses Hämmerchen einen feinen Einstieg bietet: Es soll ja Menschen in Deutschland geben, die gerne die Behandlung der Thematik rund um die nationalsozialistischen Untaten zwischen 1933 und 1945 beendet, ja, abgeschlossen sähen. Diese Menschen in Deutschland sagen zum Beispiel:

„Ich bin nach 1945 geboren und kann daher nichts für die Geschehnisse dieser Zeit.“

oder

„Was der Staat Israel mit den Palästinänsern macht, ist fast genauso schlimm, wie der Holocaust.“

oder

„Aber die Juden haben doch immer schon dieses und jenes getan, und die Sache mit Jesus. Und andere haben auch schon immer die Juden gejagt und die haben die Pest ausgelöst und so weiter und so fort.“

Okay, der letzte Ausflug war von mir erfunden, doch wurden diese Argumente in gleicher oder ähnlicher Form in den letzten Jahrhunderten gerne mal verwendet, um Antipathien gegen diese Religionsgemeinschaft anzustacheln.

Warum ist aber all dieses falsch?

Und wie begegne ich Menschen, die solche Äußerungen von sich geben?

Zum einen, ist es in meinen Augen nicht statthaft, beide Konfliktsituationen (Nazi-Deutschland vs. Juden / Israel vs. Palästina) zu vergleichen. Darüberhinaus gibt es einen interessanten Aspekt, den ich beleuchten möchte:

Es gibt so viele Deutsche, die wie auch ich, nach 1945 geboren sind, doch in der Familie existieren Personen, die zwischen 1918 und 1945 alt genug waren oder wurden, um ein staatsbürgerlisches Bewußtsein zu haben. Ich weiß, daß es nicht leicht ist, nachzufragen, was diese Personen innerhalb dieser Zeitspanne taten, nicht taten, glaubten, an Überzeugungen lebten. Ich weiß es, weil ich die Fragen selber nicht gestellt habe. Und dies ist Angst? Angst davor, etwas zu erfahren, was das Zusammenleben mit diesen Personen belasten kann. So ist ganz menschlich das Hemd näher als die Hose. Aber das Hemd ist zu eng, es zwickt an allen Enden. Und es nimmt die Luft. Einer meiner Großväter war in Frankreich im Krieg. Mehr weiß ich nicht. Ist das eventuell, neben der Angst, fehlende Empathie? Was treibt dann viele Deutsche dazu, der israelischen Politik Vorhaltungen zu machen, und dabei ein enormes Herz für die Leiden der palästinensischen Bevölkerung zu beweisen? Dieser Teil ist definitiv nicht beanstanden, doch sind mir die Motive dubios. Warum dort der Abstand zur Vergangenheit von nahestehenden Menschen, hier das große Mitleiden? Es erscheint mir als eine kuriose Ersatzhandlung. Oder einfach gesprochen: weiterhin schwelender Judenfeindlichkeit? Vielleicht. Es gibt genauso viele Gründe, wie es Meinungsträger gibt. Letztlich steckt in den heute lebenden Deutschen, wenn sie sich erst einmal mit den Geschehnissen jener Zeit auseinandergesetzt haben, ein Gefühl der Mitschuld alleine schon auf der Basis der verwandschaftlichen Verbundenheit mit den damaligen Tätern. Oder Zuschauern. Und auch dies drängt gerne in der Gegenwart dazu, jetzt das Richtige zu tun. Das ist ebenfalls wiederum nicht falsch, doch wird damit der Bezug von Damals zu Heute gezogen, denn das heutige Tun wird durch die Gräuel der Vergangenheit befeuert. Möglicherweise ginge uns Israel heute an den vier Buchstaben vorbei, wenn unsere Vorfahren nicht die indirekten Gründerväter dieses Staates geworden wären und damit im Anschluß noch das Elend der dort lebenden Araber mitverursachten.

Warum tut sich der Mehrheitsdeutsche dann mit einer Aktion, wie den Stolpersteinen, die vor Ort an ehemalige jüdische Mitmenschen erinnern sollen, so schwer? Ist es die Nähe zur Gegenwart, dieser zeitliche Brückenschlag, der Ängste heraufbeschwört, daß diesen Stolpersteinen auch eine Mahnung innewohnt? Ein „Nie Wieder!“? Hat der deutsche Bürger möglicherweise ganz für sich erkannt, daß dieses „Nie Wieder!“ harte Arbeit bedeutet? Oder liegt im Argwohn gegen die Stolpersteine die schon angesprochene Nähe zu den eigenen Vorfahren, die vielleicht Menschen zum Stolpern brachten? Oder sind dem Bürger die Mahnmale am liebsten, die von Gemeinde- oder Staatswesen errichtet, angebracht werden? Der Mensch, nicht nur in Deutschland, läßt sich ungern von den negativen Seiten der Vergangenheit berühren. Doch das ist falsch. Die Lehren der Vergangenheit wären verloren. Es entstünde die gleiche Situation, wenn die Menschheit jedwedes Lesen einstellen würde. Es ist zwar, wie ich oben schrieb, meines Erachtens falsch einen aktuellen Konflikt, wie jener in Israel, in Palästina, mit einem vergangenen Konflikt zu vergleichen, gar aufzurechnen, doch sind Lehren und Erfahrungen aus vergangenen Konflikten unabdingbar und anwendbar.

Da ich gerade die Erstellung und Übernahme von Mahnmalen durch Gemeinwesen ansprach… ist das komplette Überlassen dieses Aspekts vom Individuum an die Allgemeinheit nicht in gewissem Maße der letzte Sieg der totalitären Regime? Die Frage lasse ich mal stehen.

23. Mai 2015

Okay, Angst. Am heutigen Morgen ist mir Moriarty begegnet, der Erzfeind. Schon war mir klar, daß die Aussage, daß ich mich freuen würde, über das Thema Angst zu schreiben… äh… ein wenig das berüchtigte Pfeifen im Walde war. Wer mag Angst? Sicherlich kann sich etwas daraus entwickeln, wenn ein Mensch sich der Angst stellt und sie überwindet. Doch das ist leider der eher seltene Fall, zumal ich auch heute morgen, als ich Moriarty in seinem schwarzen BMW davonfahren sah, spürte, daß Angst letztlich dadurch am gefährlichsten ist, das sie völlig irrational ist. Kenne ich meine Furcht? Eine gute Frage. Sie ist kaum zu beantworten, da die Ängste in immer neuen Verkleidungen, immer neuen Masken auftreten. Jede Situation, in welcher die innere Unsicherheit um sich greift, ist anders. Um einen kleinen Seitensprung zu den von mir behaderten Ängsten anderer Menschen zu wagen: Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, daß sich Menschen wirklich vor konkreten Triggerbanden fürchten, sprich als Beispiel die Angst vor den fremden Menschen, die in „meinem“ Land nichts zu suchen haben, nur eine Reflektion ist, die vor allem die eigene(n) Schwäche(n) kaschieren soll. Dazu sollte ich ausführen, daß der Begriff der Triggerbande von mir gerade erfunden wurde. Der Trigger existiert und er trägt manchesmal die Gestalt eines Menschen, der Angst auslöst. Manchesmal ist es auch eine Gruppe von Menschen, doch nie die Triggerbande, die sich als Exempel „der Ausländer/Homosexuelle/Zigeuner“ nennt. Angst ist auch nicht so einfach zu entlarven. Sie wohnt in der Tiefe ihres Wirtes. Sie reagiert auf Eindrücke ihres Wirtes, doch auch auf äußere Impulse, auf die der Wirt keinen Einfluß nimmt. Sie ist insofern bespielbar für einen Dritten, denn sie lebt von der Bestätigung, die sie zum Aufplustern bringt. Ist der Trigger bedient, trägt die Angst ihr schönstes Kleid, schillert sie in den leuchtendsten Farben. Sie betritt ihre Bühne und tanzt dort. Sie setzt sich unter dem Namen Moriarty in ihren BMW und kreuzt meinen Weg, grinst mir frech ins Gesicht und zeigt eine Faust, die mir sagt: „Wenn es mir plaisiert, werde ich dich zerquetschen. Und niemand wird dir zur Hilfe eilen, denn du bist die Schwäche, die ich, Moriarty, ausmerzen werde. Alle Götter sind mit mir, dem Starken.“ Es erzeugt diese Enge im Hals. Der Griff der kalten Hand um mein Herz, welches sich zusammenzieht. Das Pochen im Bauch. Der Fröstel auf den Armen, im Nacken. Da ist sie und wuchert.

Vor einigen Wochen schrieb ich folgende Worte: „Eine Frage, die sich ein Opfer immer stellen sollte ist: Was brauche ich? Abstand? Konfrontation?“ Dieser Textpartikel ist so auch zur Angstbewältigung zu schreiben. Es hat keinen Sinn grundsätzlichen Abstand oder Konfrontation zu fordern, denn die Art der Angst ist, daß sie auch individuell gemeistert werden will. Doch es gibt immer den einen Weg, den der Wirt versuchen sollte: Der Blick in die eigene Tiefe, an den Platz, an welchem die Angst wurzelt. Doch bitte auf diesen Weg nur mit Hilfe eines geschulten Therapeuten gehen. Dinge, die man dort sieht, können zu irrationalem Verhalten anhalten. Ich weiß, wovon ich schreibe.

21. Mai 2015

Wenn ich hier schreibe, stellt sich zu Anfang die Frage: Was ist das Thema? Gestern noch hatte ich mich dagegen entschieden, den Oldfield’schen Reigen mit dem Album Incantations weiterzuführen. Ich werde mich in naher Zukunft darum kümmern, doch nicht in diesem Text. Es folgte der Impuls über den Sommer 1982 zu schreiben. Das tat ich dann, bog jedoch ab, um die arme Band Supertramp und ihren damaligen Hit it’s raining again zu beschimpfen. Dann löschte ich das Ganze. Und nun?

Was kann das Thema sein? Jeder Mensch, der schreibt, muß diese Frage ständig beantworten. Wobei selbstverständlich auch jeder Mensch seine Eckpunkte besitzt, die immer wiederkehrend behandelt werden. Ich bin ein Musikfanatiker, seit Jahrzehnten. Damit ist klar, daß hier immer wieder Musik behandelt wird. Darüberhinaus bin ich ein politisch bewußter Mensch, der sich jedoch schon seit Jahrzehnten (schon wieder!) im links-liberalen Feld angesiedelt sieht, was vermutlich ein Erbe der dunklen Kohl-Ära sein könnte. Ebenfalls bin ich ein religiöser Zweifler. Dieses Thema habe ich erst vor kurzem so intensiv, wie mir möglich, behandelt. Und damit komme ich in die Nähe des Kerns dieses Textes. Jeder Mensch sollte zunächst über Themen schreiben, mit welchen er sich auskennt, auseinander gesetzt hat, erlebt hat. Dahinter darf keine Grenze errichtet werden, denn die Fantasie wäre ansonsten sinnlos und ohne die kann niemand überleben. Fantasie ist eine Facette der Hoffnung. Dennoch möchte ich hier das Thema der Angst behandeln. Schließlich hatte ich in meinem Beitrag zum 17.05.2015 vollmundig die Befürchtungen Dritter pöbelnd und spöttisch angesprochen. Ja, ich kenne mich auch aus damit. Diesen Satz schrieb ich gerade mit dem spitzen Lächeln des Profis. Damit ich das ganze etwas auswalzen kann, werde ich denn hiermit ankündigen, daß es an diesem Platz in den nächsten Tagen um Musik und Angst gehen wird. Bei Zeus, ick freu mir!

16. Mai 2015

Nun lasset uns also das Frühwerk von Mike Oldfield weiter beobachten. Im Januar 1975 starb seine Mutter, Maureen Oldfield. Die Vorgeschichte zu diesem Todesfall, die sich über traurige vierzehn Jahre zieht, ist am besten in Oldfields eigener Autobiographie Changeling nachzulesen. Sie hinterläßt auf dem im Herbst 1975 veröffentlichten Album Ommadawn ihre Spuren. War Tubular Bells eine frühlingshafte Verheißung, so war Hergest Ridge ein Album, in welchem sich eine nachdenkliche Melancholie manifestierte, so wurde Ommadawn zu dem bis dato düstersten Werk des immer noch sehr jungen Briten. Vor vielen, vielen Jahren las ich in einer Kurzbeschreibung die charaktersierenden Worte „paranoid suizidträchtig“. Nun, verglichen mit Platten wie Joy Divisions Closer oder dem ebenfalls recht wenig partytauglichen Pornography von The Cure, hat Ommadawn immer noch aufhellende, folklastige Momente, doch eines stimmt: Es herrscht gravierende Kopfhängerei über die komplette LP. Und diese Einstellung äußert sich auch gerne darin, daß Ommadawn die bis dahin kratzbürstigste und sperrigste Platte Oldfields wurde. Ja, gar aggressiv aufgeladen tobt sich Oldfield durch einige Gitarrenläufe während des Part One, die teils sehr schön von der afrikanischen Perkussionstruppe Jabula untermalt werden. Wenn nach zwölf Minuten der spektakuläre und berühmteste Einzelteil des gesamten Albums startet, erwartet den Hörer ein bis zum äußersten gespanntes, fast zerreissendes Gefühlspanoptikum. Ein gälischer Kanon, gesungen von Sally Oldfield, Bridget St. John und Clodagh Simmonds, die für den Titel des Albums verantwortlich sein soll, untermalt von Jabulas Trommeln, die eine punktgenaue Taktung der Achterbahn vornehmen (besonders in dem Moment, in welchem sie hörbar den Startknopf umlegen) und on top der Star mit einer Vielzahl an verschiedenen Gitarren, mit welchen er die Intensität des Stückes immer stärker aufbaut und so eine götterdämmernde Stimmung aufbaut, die mich schon damals vom ersten Moment an, kräftig gepackt hat. Wie es Mike Oldfield hier schafft den Sturm bis an die Spitze zu treiben, ohne es wie einen Sack voller Platitüden klingen zu lassen, sollte jeder Mensch individuell erleben und auch erfahren. Es ist jedoch eine glänzende Idee gewesen, den Jabula-Trommlern am Ende des Stückes noch mehr als eine halbe Minute zu geben, bevor es zum finalen Fade-Out kommt.

Mit dem Beginn von Part Two wird die erwähnte Kopfhängerei für fast fünf Minuten zum Höhepunkt gebracht. Läge hier noch ein stumpf, rumpelnder Rhythmus darunter, könnte von erstem Shoegazing gesprochen werden. Doch hernach wird es lange elegisch bleiben, tränengetränkte Melancholie herrscht vor in den Melodien, die Oldfield hauptsächlich auf einer akustischen Gitarre vorträgt. Mag der Himmel, den die Klänge beschreiben, auch klar und wolkenlos sein, doch liegt noch der vergangene Regen spürbar in der Luft, sind die Wiesen weiterhin nass und es weht ein wenig wärmender Wind. Gerade hier zieht eine Abschiedsahnung durch die Musik, die eher von innen herausdrängt, als daß sie auf Gefühle, die durch das Außen angeregt sind, reagieren. Erst mit dem Abschluß des Part Two läßt Mike Oldfield ein letztes Mal seine elektrischen Gitarrenläufe heraus, die in ihren teilweise herrlischen Windungen wie irr geworden tanzen. Den Schluß gibt dann ein gesungenes Stück, das später als Single-B-Seite den Titel On Horseback erhielt. Es geht, wie man sich vielleicht schon denken könnte, um den Spaß, den das Reiten gibt. Das Stück wirkt idyllisch, besonders wenn zum Ende der Refrain noch durch eine Kinderschar verstärkt wird. Doch in all der Herrlichkeit schleicht sich immer zum Ende des Refrains ein langgezogener Ton, von Frauen gesungen, ein, der davon berichtet, wieviel Kraft die Freude kosten kann. Wie wertvoll die Flucht von den Menschen ist. Es verwundert wenig, daß Mike Oldfield bis zu seiner nächsten kompletten LP über zwei Jahre Zeit benötigte.

Der Ruf nach Veränderung…. hüstel

Liebe Welt,

wie schon Heinz Erhardt einst zu sagen pflegte: Einen habe ich noch. So gebe ich noch ein Gedichtlein preis, das auch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel trägt. Es gibt einen Hinweis auf das Alter. Und wer die angesprochene, prominente Figur errät, der gewinnt Aufmerksamkeit. Wie schon im Falle der „20 goldenen Probleme“ ist der Tonfall recht rüde, gar ruppig. So mag ich es aber auch. Ist der Autor doch damals in die Arno-Schmitt-Schule gegangen, ein lustiges Liedchen pfeifend.

werden uns alle ändern müssen Wir…

Pack den elenden Zimmermann den Lügner den Geschichtenerzähler den Sandmann

Sagt: die Zeiten ändern sich die Zeiten ändern sich ändern sich die Zeiten nicht werden uns alle ändern müssen wir…

Lüge : Bobby! Lüge Bobby was vor Lüge – Bobby Liebe Ich: Liebe: Dich: und mach Dir nichts vor Bobby Energieverschwender Luftverschwender Lüge Bobby Was vor Lüge Bobby Wird sich ändern müssen Bobby Ja Bobby JaJaJa

SAG DIE ZEITEN ÄNDERN SICH NICHT NIE NIEMALS NIE ÄNDERN SICH DIE ZEITEN JEMALS ÄNDERN SICH DIE ZEITEN NIE WERDEN UNS ALLE ÄNDERN MÜSSEN WIR…

WIR BOBBY wir bobby wir auf der andern seit von bobby betrüger werden dir alle die nase langziehen müssen wir…elender zimmermann gerichtsvollstrecker generationsvollstrecker wirst uns alle müssen du elender liebt dich dein herz wird sich verhärmen bei anblick deiner energieverschwendung durch atemluftbeschaffung wirst du einstellen müssen bald

pack den elenden zimmermann dich hinfort zu den Packern in Gemeinschaft von elenden Schwindlern, edlen Schwindlern Schwindsüchtige erzählen von an den Händen packen, Händen abhacken,

SAG SAG SAG DIE ZEITEN ÄNDERN SICH NICHT WERDEN UNS ALLE ÄNDERN MÜSSEN WIR

Ich glaube an den Zweifel

Ich glaube an das Nicht-Wissen-Können

Ich glaube an den Kosmos

Ich glaube an das Nicht-Müssen

Ich glaube an sechs Milliarden Einzelzellen

Ich glaube an mehr als die Wiederholung, die Wiederholung, die Wiederholung

Werden uns alle ändern müssen wir werden die Zeiten nicht ändern können/müssen/wollen/werden