Nach „Brüssel, 22.03.2016“

Vielleicht ist dieser Text der letzte, den ich schreiben werde. Ich bin frustriert, sehr tief. Warum? Die terroristischen Anschläge in Brüssel am 22.03.2016 sind der Auslöser. Ein weiteres Warum?

In den vergangenen Monaten hat sich das gesellschaftliche Klima in Europa gewandelt. Ein paneuropäischer Nationalismus greift um sich. Ein Klima, das vergiftet auf alles, was fremd ist, starrt und dessen Verschwinden verlangt. Die Art, wie dieses Verlangen artikuliert wird, ist von Hass und Wut getragen. Lange habe ich versucht, in Texten und Gesprächen, dieser Bewegung etwas entgegenzustellen. Sei es Empathie, Vernunft, eigene Fassungslosigkeit.

Am vorgestrigen Tag, dem genannten 22.03.2016, sind wieder einmal Menschen zu Tode gekommen, als Ergebnis einer Anschlagsserie. Sage ich es kurz: Es geht nicht an. Dieser Art von Menschenfeindlichkeit ist Einhalt zu gebieten.

Sowohl bei jenen, die sich als Islamisten bezeichen, als auch bei jenen, die von Tag zu Tag gegen alles Fremde wettern. Es ist erschütternd zu sehen, wie zwei extrem gegenpolige Ansichten miteinander wetteifern, wer die schärfste Klinge fährt. Frustierend ist jedoch, wie günstig die Attentate für den paneuropäischen Nationalismus sind. Doch letztlich können sich die konservativen, populistischen Kreise Europas nicht davon freisprechen, eine Mitverursacherschaft an den Terrorakten zu tragen. Sind sie es doch, die nun bereits seit Jahren keine Gelegenheit verstreichen lassen,

– eine europäische Leitkultur zu verfechten

– dem Islam eine Existenz auf europäischem Boden zu verwehren

– die permanente Gefährdung aller europäischen Nationen durch Überfremdung zu predigen

Können sich die Fürsprecher dieser Thesen vorstellen, daß gerade junge Menschen, die ständig diesem Feuer der Angst und Abgrenzung ausgesetzt sind, dieses letztlich aufnehmen und nach außen weitertragen? Dies äußerst sich zum einen darin, daß konservativ-nationalistische Kreise eine überdurchschnittliche Beliebtheit in Altersgruppen bis zu 29-jährigen erreichen. Die Kehrseite sind junge Selbstmordattentäter, die letztlich auch durch Perspektivlosigkeit und Ablehnung in den eurozentrisch gesinnten Gesellschaftspartien dahingehend vorgeschliffen werden.

Dieses permanente Wechselspiel sehen zu müssen, ist ernüchternd. Und bringt mich dazu, diese Form von Texterei in Frage zu stellen. Deswegen möchte ich ein letztes Mal meine Stimme erheben und den letzten Leserinnen ein paar Ideen mit auf den Weg geben.

Der ausländische Straftäter.

Jaja, das Todschlagargument. Doch gehe ich einfach davon aus, daß in der europäischen Justiz sicherlich kein Straftäter laufengelassen wird, wenn er „fremd“ genug ausschaut. Wobei ich hoffe, daß das Gegenteil auch nicht der Fall sei. Wundere ich mich doch mit Bauchschmerzen über die Tendenz der Justiz in den Vereinigten Staaten eine größere Härte gegen nicht-weiße Bürger anzuwenden. Ein Fall, wie der Mord an Alexandra Mezher in Schweden durch einen bereits abgewiesenen Asylantragssteller, muß mit der gleichen Härte betrieben werden, wie jeder andere, gleichgelagerte Mordfall unter Menschen mit gleicher Nationalität. Hier gibt es überhaupt kein Vertun. Und es soll auch nicht auf derlei kapitale Verbrechen beschränkt bleiben, sondern auch Vorfälle, wie die Sexualstraftaten in Köln zu Silvester 2015 müssen aufgeklärt und bestraft werden. Und ein inhaftierter Sträfling sollte auch in seine Heimat transferiert werden. Wenn hierzu die legislativen Voraussetzungen fehlen sollten, sind sie zu schaffen. Doch wenn die Realität das Wort kurz erheben darf: Die meisten Straftaten in Europa werden von den jeweiligen Einheimischen begangen, von Mord, über Vergewaltigung zu Steuerhinterziehung und Körperverletzung.

Europäische Leitkultur und Überfremdung:

Ich fasse mich zu Beginn einmal kurz: Die Idee einer europäischen, womöglich christlichen Leitkultur ist einer der größten, zynischsten Scherze, die je von Menschen ersonnen wurden.

Haben sich die Urheber dieser Ideen eigentlich mit der europäischen Geschichte seit Herodot auseinandergesetzt?

Wenn ja: ist ihnen aufgefallen, daß sich keine Konstante ergeben hat, die auch nur die zeitliche Grenze von eintausend Jahren überdauert hat, die als kulturelles Fundament angesehen werden kann? Vielleicht mag jetzt jemand den religiösen Aspekt der Christenheit erwähnen. Hierzu gebe ich folgendes zu bedenken, bevor ich mich der Frage der Religion als solches widme: Wie hoch ist die Zahl der Menschenleben, die von Vertretern dieser verschiedenen, christlich-orientierten Religionsgruppen getötet wurden?

Besonders in Zeiten, in welchen Teilgruppen untereinander verfehdet waren, womit nicht nur die Hochzeit zwischen 1618 und 1648 gemeint ist.

Ein Gottesglaube ist darüberhinaus, in meinen Augen, kaum für einen menschlichen Geist wahrhaft zu erfassen. Der Gottesbeweis des Thomas von Aquin wird von mir zwar befürwortet, doch, wo jener einen Gott als causa prima, als Erstursache, erkannt haben mochte, sehe ich ein physikalisches Phänomen. Wobei nicht gesagt sei, daß die Basis einer christlichen Morallehre, wie sie in den Evangelien zu beobachten ist, kein wunderbares Fundament für das Miteinanderleben von Menschen auf diesem Planeten sei, doch ist die Lehre jenes Jesus für uns einfache Leute grundsätzlich zu revolutionär und – um nur auf dieses eine Beispiel zu verweisen, daß jedoch auch auf andere große Religionen der Welt zutrifft – wurde nur kurz nach dem Tod des Religionsgründers die Rolle der Frauen neu definiert und diese in die zweite Reihe verbannt. Da liest sich das neue Testament durchaus anders. Und somit direkt an die Leitkultur gefragt: Aus der Historie ergibt sich hier, daß die Frau weiterhin gerade mal sich der 3 großen K’s widmen dürfte, doch das kann heute niemandens Ernst mehr sein. Geschieht hier der erste große Bruch und die Rückbesinnung auf die Machtverteilung in der Jungsteinzeit?

Der massiv größte Teil der letzten zweitausend Jahre in Europa, aus welchen sich vielleicht am Ehesten eine handvoll an regionalen Leitkulturen destillieren liesse, ist von Kriegen, mehr oder weniger freiwilligen Völkerbewegungen und Machtmissbrauch aus Egomanie gekennzeichnet. Die größte, europäische Leistung dieser Zeitspanne ist, ohne jedwede Diskussion, die Gründung der Europäischen Union. Wer hier widerspricht, sollte ein wirklich sehr gutes Argument zur Hand haben, warum die Schaffung eines möglichen, kontinentalen Miteinanders ohne Waffengewalt, nicht die allerhöchste, die mächtigste Leistung war und auch noch ist. Keine technische Revolution kommt dieser Errungenschaft gleich.

Die Erhaltung dieser Union ist noch wichtiger, als die Bekämpfung von terroristischen Umtrieben. Die Erhaltung der Freiheit in dieser Union ist ebenso von größter Bedeutung. Und dies gilt umso mehr, als der bereits erwähnte paneuropäische Nationalismus um sich greift, der auf die Wiedererrichtung von Grenzen setzt, sowie auf die Wiederbelebung von nationalen Gefühlen und das Fehlen dieser unter Strafe stellen möchte.

Hier frage ich: Welches Land – nicht nur im Bereich der Europäischen Union – ist ein reines Land? Es gibt sie nicht mehr, heißt die einzig korrekte Antwort. Spätestens mit Beginn des demokratisierten Individualverkehrs hat die Durchmischung der Völker und Ethnien einen höchst erfreulichen Grad an süßer Unreinheit erreicht. Jedes Individuum an jedwedem Ort dieses Planeten hat einen individuellen Hintergrund. Durch die Möglichkeiten der Vernetzung werden auch die inneren Erlebniswelten weiter von regionalen Leitkultürchen entfernt. Und in diesem Sinne ist eine Einnordung auf diese Leitbilder höchstens unter Ergreifung von Zwangsmaßnahmen möglich, sollte sie auch für die Eingeborenen gelten und nicht nur für die einreisenden Fremden. Letztlich werden im Bezug auf die Errichtung einer Leitkultur auch Erinnerungen an die Gleichschaltungen im dritten Reich wach.

Eine Leitkultur ist nicht mehr, als eine Normierung. Und diese ist das Ende der Individualität. Das diese Ideen derzeit auch in Ländern um sich greifen, die doch gerade unter den Deutschen des dritten Reichs gelitten haben, kann als sehr merkwürdig empfunden werden. Gibt es keine anderen Wege, um die innere Verbundenheit zu einer Region aufleben zu lassen? Und weshalb bezieht sich ein Stolz immer auf eine ganze Nation? Was hindert Menschen daran, stolze Menschen aus Cornwall, Lothringen, den Podlachien, Umbrien zu sein? Sind die regionalen Wurzeln nicht stark genug, um den faden Glanz des Nationalismus zu überstrahlen? Sind Nationen überhaupt noch zeitgemäß? Diese Frage ist nicht nur rhetorisch gesetzt, sondern ernsthaft zur Überlegung gestellt.

Diese Frage wird von der Welt verworfen und nie beantwortet. Dieser Text wird nie eine Anregung sein. Der Ansatz ist noch nicht zeitgemäß. In keiner Weise. Und Utopien braucht wohl niemand. Es ist der letzte Text, den ich geschrieben habe.

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03. Juli 2015

Oha, wie gerne erinnere ich mich an den späten Winter 2005. Damals war es knackig kalt, und ich befand mich in Trier zu Dreharbeiten, welche die Krönung meiner bisherigen darstellerischen Tätigkeit wurde. So niedrig sind die Maßstäbe der kleinen Amateurschauspieler, hehehe. Und ich war sicherlich der Amateurhafteste unter ihnen. Der Kostümbeauftragte schimpfte mit mir, wenn auch zärtlich, doch war er sichtlich erbost, daß er nicht etwas mehr Zeit zur Verfügung gehabt habe, ein wirklich passendes Kostüm zu beschaffen, schließlich solle ich doch als Papst auftreten, nicht als Bischof. Er hätte es mir gegenüber nicht zu erwähnen brauchen, denn als religiöser Mega-Ignorant wäre mir niemals der Unterschied aufgefallen. Ja, Sie haben richtig gelesen! HI Hansen, Filmstar, hat den Papst gespielt. Und das in Trier, auf dem recht großen, sogenannten Domfreihof. Und gab es einen Wohnwagen, im welchem ich mich hätte ankleiden können, in dieser für den Ort doch recht freveligen Kleidung, denn in Trier gibt es einen hauptamtlichen Bischof, dem ich Amateurschauspieler nun Konkurrenz machte. Dazu war ich jünger und überraschenderweise auch schlanker und mit mehr Haupthaar ausgestattet. Ein Bild von einem Bischof, so die Kleidung, der sich als Papst ausgab. Vor einigen hundert Jahren hätten etliche Trierer Bürger nach nur einem Blick mit dem Holzsammeln begonnen, um einen bischöflich ehrwürdigen Scheiterhaufen zu errichten. Und sie hätten gesagt: „Egal, ob Bischof oder Papst oder stattlich und gut gewachsen, der Schauspieler wird sicher gut brennen. Kann noch einen schnell nach Luxemburg Sprit holen gehen?“ Unweit des Trierer Domes, in welchem sich dieses ganze Geschehen abspielte, gibt es eine kleine Gasse mit dem Namen „Sieh-um-Dich“. Mehr will ich dazu gar nicht sagen. Es gab keinen Wohnwagen, wie man sie ansonsten von anderen Low-Budget-Produktionen kennt, nein, ich legte mein Gewand in der örtlichen Dom-Informationsstelle an. Dort gibt es eine Toilette. Herein als stattlicher, bischöflich gesehen schlanker Zeitgenosse, heraus als Papst im Bischofsgewand. Sie können sich denken, daß – trotz meiner vorherigen Kontaktaufnahme, ob mein Tun genehm sei – die Blicke der vermutlich erzkatholisch gesinnten Angestellten Gefühle in mir weckten, von denen ich bis heute nicht weiß, ob sie nicht doch vielleicht Ursache für den ein oder anderen Alptraum waren. Immerhin wollte man in Trier kaum mehr als fünfzig Jahre zuvor den großen Arno Schmitt wegen Pornographie in seiner Erzählung Seelandschaft mit Pocahontas belangen, worauf er kurzerhand nach Darmstadt umzog, da dort weniger verbissen mit Gott geurteilt wurde. Die Anklage wurde abgewiesen. Und wer bin ich schon gegenüber dem großen Arno Schmitt! Was mich beruhigte, war das Wissen, daß die nächstgelegenen Bäume eine ziemliche Fußstrecke entfernt waren. Und so konnte ich endlich im vollen Ornat in die Öffentlichkeit treten und Ausschau halten nach dem Drehteam. Wie ich möglicherweise schon angedeutet hatte, handelte es sich um eine partielle No-Budget-Produktion. Teuer war höchstens das Fahrzeug, in welches ich einsteigen sollte. Ich bin mir da nicht mehr ganz sicher, doch vermute ich, daß es sich um einen Porsche gehandelt hat. Ja, wenn ich tiefer steige, erinnere ich mich daran, daß ich in diesen Klamotten ganz schöne Probleme hatte, mich so tief hinab zu bewegen, ohne eine vermutete päpstliche Eleganz völlig aufzugeben. Auf jeden Fall habe ich damals nicht gefroren. Und war eigentlich relativ erleichtert, als mein Part im Kasten war. Ja, was war mein Part? In Ornat in ein Auto einsteigen? Ja. Das war es. Und dabei versuchsweise einen Hauch an Würde aufrecht erhalten. Leider mußte ich vor einigen Monaten feststellen, daß keiner der Menschen, die damals an diesem Produkt beteiligt waren, noch eine Kopie besitzen. Ein nachträglicher Fluch mag darauf gelegen haben. Wie gerne würde ich diese Klamotte, ohne die Rechte zu besitzen, auf YouTube veröffentlichen, alleine, um eventuell als neuer Dieter Hallervorden zu reüssieren. Hinter dem Verschwinden aller Kopien kann nur Bono stecken. Ja, der Sänger von U2. Ich wollte diese Band heute beschimpfen, das sei hiermit erledigt.

„Glaube“ /5

Liebe Welt,

ein kurzer Ausflug heute, dafür trägt jedoch jedes Wort sein Gewicht. Muß mal sein, oder? Okay.

Den letzten Atheisten in der Glaubensserie wollten wir gemeinsam mimen an einem Tag, an welchem jener von seinem Arzt erfährt, daß er zum Beispiel einen nicht operablen, bösartigen Hirntumor im Endstadium habe. Doch ist dies kein wirklich faszinierendes oder beispielhaftes Szenario. Wir alle leben vor dem Tag X, an welchem uns entweder mitgeteilt wird, daß es uns bald erwischen wird oder der Tod kommt und nimmt uns mit. Insofern ist nicht unbedingt wichtig, einen solchen Umstand in die Untersuchung einzuflechten, ob der uns sicherlich erwartende Tod uns zum gläubigen Menschen macht. Im ersten Beispiel blickten wir dem Tod ins Auge im Nachgang eines schweren Unfalls. Im zweiten Beispiel ersehnten wir den Tod durch eigenes Zutun. In beiden Folgen stand der Tod wartend an den Türrahmen gelehnt. Nun sitzt er vielleicht noch irgendwo in einem Café und schaut hin und wieder auf seine Uhr, die ihm sagt, daß wir noch mehr oder weniger Zeit haben, bevor er sich zu uns aufmacht. Was machen wir mit der Zeit?

Das ist wahrhaftig die Kernfrage. Noch einmal für alle: Die Frage lautet nicht -> Was mache ich mit Gott in meinem Leben? Die Frage lautet -> Was mache ich mit der Zeit, die mir bleibt?

Hier tut ein weiterer Absatz Not, um die Importanz des gerade Geschriebenen massiv zu unterstreichen. Ich hätte es auch in Fettdruck setzen können, das spare ich mir aber in diesem Moment, da ich darüber schreibe.

Ich habe gerade zum letzten Male Gott vor die Tür geschickt. Dort bleibt er. Er kann die Religionen mitnehmen. Sie sind nicht von Belang. Warum?

Im ersten Beispieltext habe ich folgendes geschrieben, was ich auch jetzt noch als so wichtig empfinde, das ich es zitiere: „Wenn Gott in diesem Zimmer sitzt, dann ist er die unbestimmte Ruhe des Raumes. Dann ist er der kosmische Atem, der sendet und empfängt.“ Das bedeutet, daß – sofern es in dem uns umgebenden Kosmos ein göttliches Prinzip walten mag – dieses weder mehr noch weniger ist, als eben jener kosmische Atem, der den Anfängen innewohnt. Das heißt, wenn wir das Bild des Zimmers weiternutzen möchten, daß Gott dort nicht anwesend ist. Eine Ahnung seiner mag dort vorherrschen. Eher noch liegt auf dem dort auch imaginierten Tisch eine Notiz, die besagt, daß das göttliche Prinzip existiert. Der Mensch mag dies aufnehmen. Er mag es ignorieren. Ich tendiere eher dazu, ein solches göttliches Prinzip als möglich anzusehen, zumal ein Beweis für oder gegen diese Theorie von einem menschlichen Verstand nicht zu erbringen ist. Doch was heißt das für die Frage, die ich zuvor stellte, nach der Zeit, die bleibt?

Eine Antwort hierzu lautet: Nehmen wir alle die Bibel (beide Testamente), den Koran, die Torah, das Buch Mormon, alle Ausgaben des Wachturm und erklären diese Schriften zu Literatur. Nennen wir sie historisch oder fiktiv. Gehen wir davon aus, daß darin moralische Aspekte verhandelt werden könnten, die mehr oder weniger nützlich für uns sind.

Welchen Wert haben die Religionen, die Glaubensarten an einen Gott, der auch weitläufig mit Persönlichkeitsbild ausgestattet wird? Sie bieten dem Gläubigen einen Rückhalt, einen Orientierungspunkt, sind Wegweiser und Stabilisator. So sollte es sein, im Falle eines Glaubens, der eine gewisse Festigkeit erreicht. Wäre dem so, wäre ich als Person weiterhin ungläubig und zweifelnd, doch glücklich. Doch ist eine Natur der Religion, daß sie Symbole braucht und Richtstätten. Sie benötigt periodische Selbstvergewisserung. Darin berührt sie die Wege der Ungläubigen. Wir, die anderen, sehen die Kirchen und Moscheen. Das stört mich nicht. Gerade was architektonische Anmut anbelangt, haben gerade die Opulenz der katholischen Kirche, sowie der Islam bis in das 16. Jahrhundert Wegweisendes vollbracht. Insofern ist mein Ausblick hierzu gar positiv. Was aber ist mit den Menschen, die ausgreifen auf die Welt der Zweifler? Hier steht es anders. Und dazu werde ich den Teil Nummer Sechs verfassen, welcher sich – als Ausblick – auch weniger mit dem Christentum der Gegenwart beschäftigt, als mit einem anderen Phänomen unserer Zeit.

„Glaube“/4

Liebe Welt,

du wirst nun mit dem 4. (3.) Teil meiner zerfleddernden Gedanken über das Thema Glauben/Religion im Angesichts der endlosen Weiten des Todes konfrontiert. Auch wenn die Sonne scheinen mag, lege bitte einen Mantel an.

Teil 4:

Wir haben gerade den Zaun überquert. Wir bewegen uns vorsichtig trippelnd an der Absperrung entlang, in die Mitte der Brücke. Dort ist diese circa 80 Meter hoch, was für einen todsicheren Fall reichen wird. Insofern ist die Vorsicht, die wir walten lassen, um dorthin zu gelangen, verquer. Wir sind der Atheist, der seinen Suizid geplant hat, und der nun am Ort seiner Todeswahl angekommen ist. Wird hier im Wind der Höhe ein Gott zu ihm, dem Todeswünschenden kommen? Werden wir wieder vorsichtig trippelnd zurückkehren und das Leben unter neuen Perspektiven weiterführen?

Die Gründe, warum ein Mensch willentlich und unwiderruflich sein Leben beenden will, sind vielfältig. Hier kann sich jedoch auch die Frage auftun, ob ein sogenannter fester und gelebter Glaube an eine Religion die Selbsttötung verhindern mag, oder vielleicht ein religiöser Hintergrund überhaupt erst der Auslöser eines solchen Wunsches ist. Hier steht natürlich die Individualität im Vordergrund.

Da in dem begonnenen Beispiel der Handelnde sich als Atheist fühlt, und Zeit seines Lebens in Ferien von Gott weilt, möchte ich dem im Wind am Brückenrand Weilenden die folgenden Worte zurufen: „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst“. In diesem Satz wird kein Gott, keine Religion erwähnt. Er stammt, als Bibelzitat, aus dem Munde jenes Jeshua, den die Welt als Jesus Christus kennt und manchesmal verehrt. Es ist dort auch als alttestamentarisch belegt, dennoch erhält der reine Satz keinen direkten religiösen Hintergrund. Vielmehr ist es eine Aufforderung, nachzudenken und in sich zu gehen. Damit sieht sich auch der Schreiber dieser Zeilen konfrontiert, der zwar noch nie selbst auf einem Brückenrand balancierte, doch die Gefühlsebenen kennt, die an diese Orte führen. Was bedeutet der Satz der sogenannten Nächstenliebe? Auch wenn der Satzteil des „wie dich selbst“ erst an zweiter Stelle erklingt, ist hier doch die Basis gelegt, da die Eigenliebe als messender Faktor beschrieben wird. Dennoch wird der atheistische Brückenläufer nicht darauf hören, denn zu beladen mit der in Jahrhunderten gewachsenen christlichen Pathina, ist dieser Satz beladen, gar beschmiert. Daher ist, bevor wir uns wieder in die windige Höhe hinauswagen, Übersetzungshilfe gefragt.

„Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst“

heißt auch

„Achte den Nächsten, wie dich selbst“

„Verletze niemanden, auch nicht dich selbst“

„Töte niemanden, auch nicht dich selbst“

„Betrüge niemanden, auch nicht dich selbst“

Versuche nett zu jedermann zu sein, auch zu dir selbst“

Ich verstehe diese Auflistung als Vorschläge. Jedoch als bedenkenswerte Vorschläge, die in ihrer Umsetzung jedoch enorme Anstrengungen verlangen. Wenn wir dort oben auf der Brücke stehen, den Blick in die Tiefe richten, liegt doch unsere Selbstachtung in einem gewissen Maße bereits dort unten mit gebrochenem Genick. Nebendran, ebenfalls zerschellt, liegen die Reste eines möglichen, aber unbenutzten Glaubens. Und dieser Glaube meint noch nicht einmal unbedingt den, dem ich hier nachforsche. Sondern jenen an die Mitmenschen, an Bedingungen, Umstände. Wenn wir dort oben auf der Brücke zitternd noch uns am Geländer festhalten, tun wir das nicht unbedingt, weil uns kurz zuvor ein Teller aus der Hand rutschte und im nächsten Moment nur noch ein Haufen Scherben auf dem Boden lag. Wenn wir an der Autobahnbrücke ankommen, sind viele, viele Stunden des Denkens, des Haderns, des Zweifelns an uns vorbeigezogen. Der Kraftstoff, der uns auf die Brücke treibt, ist die Enttäuschung. Gegen mich, gegen dich, gegen die Dinge, die Materie, gegen die Absurdität der Existenz. Gegen Gott und das Bild, das Menschen von ihm zeichneten.

Ja, es richtig. Sie haben es korrekt gelesen. Ich schrieb „Gott“, nicht die „Götter“. Alleine der monotheistische Glaube bringt Menschen zur Revolte. Wer sein Leben willentlich beendet und dabei dem Himmel zürnt, der meint die monotheistischen Religionen und ihre Lehren, ihre Symbole. Weder Zeus, noch Tzius, noch Odin schafften dies. Sprechen wir von einer Qualität, oder von einer überdenkenswerten Situation? Wir sprechen in keinem Fall von einer göttlichen Intervention. Wir sprechen von der falschen Handhabung der obigen Vorschläge eines Miteinanders von Menschen. Wenn wir auf der schwindelerregend hohen Brücke stehen, in die Tiefe blicken, ist dies der Endpunkt eines Prozesses, in welchem jener Satz der sogenannten Nächstenliebe verletzt wurde. Von uns, die wir uns zitternd hinauswagen, um dem Tod zu begegnen. Von denen, die nicht anwesend sind, während wir uns zitternd hinauswagen, um dem Tod zu begegnen.

Ist nunmehr jener Jeshua der Verursacher dieses Dilemmas, als er den Satz zur Prominenz brachte? Wäre der Satz nicht bekannt, wüßte niemand, um die Fehlbehandlung jenes Sachverhaltes. Doch ist das natürlich Humbug, denn auch wenn nie die Nächstenliebe oder die gegenseitige Achtsamkeit auf diesem Planeten angesprochen wäre, gäbe es diesen Zustand. Die Atemluft existierte, bevor Physiker ihre Zusammensetzung erkannten. Genauso verhält es sich mit dem positiven Miteinander. Wo ist nun eine mögliche Tür, durch welche im steifen Wind der Höhe, ein religiöser Glaube eintreten könnte?

Ich erkenne keine Tür. Ein Sprung ist das Nein gegen die Existenz. Eine Rückkehr zur Sicherheit ist eine Vertagung des Todes, was ich nicht verurteile, auch wenn es sich so lesen mag. Doch sicherlich ist ein Zurückklettern kein reines und unbeschädigtes Ja zur Existenz. Und es ist niemals ein Ja zu einer Religion, wie wir sie kennen. Wer zurückkehrt, weiß, das eine Schlacht zu schlagen ist, die letztlich verloren wird. Doch ein Sieg ist errungen: Der Sieg über die letzte Enttäuschung. Und dieser Sieg wird von einem Menschen letztlich alleine errungen, ohne jedwede göttliche Intervention.

Wer denn unbeschadet vom Schemel herabsteigt und den Strick zusammenfaltet und ablegt, der mag in diesem Moment der Wiederauferstehung weder ein Gefühl des Triumphs, als auch der moralischen Vernichtung empfinden. Doch in jenem Moment sollte es zu einer verstärkten Autarkisierung des Menschen kommen.

Wer seinen Freitod absagt, hat jedoch einen entscheidenden Schritt nach vorne getan, denn das Leben bleibt dennoch endlich, nur hat der ehemalige Suizidant bei seiner Rückkehr diesem schwarzen Abgrund feste in die Augen geschaut. Des Todes Stachel ist gezogen, ohne das eine religiöse Einsicht eingesetzt worden ist. Das jedoch ist eine Triumph. Er sollte nur auch als ein solcher empfunden werden.

Wenn ein Mensch sich über das Ja oder Nein zu seinem Leben selbst definiert, ist der Religion die Tür gewiesen. Wenn der Gang auf die Brücke dadurch geebnet wurde, daß Menschen dem Gebot der Nächstenliebe entsagten, ist darauf hin zu arbeiten, daß Menschen einsichtig werden und stärker diesem Vorschlag entsprechen. In diesem Szenario wird klar, wie klein der Einfluß eines Gottesbildes sein kann, wenn es nicht willentlich von Menschen im Einfluß oder dem Individuum selbst implantiert wird.

P.S. Keine Kinderbilder! Keine Kinderbilder von Diktatoren!

„Glaube“/3

Liebe Welt, sei gewiss, daß der zweite Teil der Glaubensserie nicht vergessen wurde. Nein, er wurde von mir verfaßt, für zweifelhaft erklärt und dann entschwand er in der Archivierung. Dort mag er verweilen.

Vielmehr gehe ich nun der Frage nach, wie ein Mensch zu diesem Phänomen kommen mag, zu glauben. Es ist nicht unbekannt, daß der Glaube oft im Angesicht des Todes zur Entfaltung kommt. Daher möchte ich nun drei Beispiele konstruieren, um nachzuvollziehen, was hier geschehen mag.

Wir begegnen unserem ersten Atheisten, der gerade von seinem Arzt die Nachricht erhalten hat, daß eine unheilbare Erkrankung terminal enden wird. In absehbarer Zeit. Der zweite Atheist steigt gerade über eine Absperrung, und steht im nächsten Moment am Rande einer Autobahnbrücke. Er blickt in die Tiefe. Die dritte Testperson, der wir uns widmen, ist gerade aufgrund eines schweren Autounfalls aus seinem Fahrzeug geschleudert. Er liegt auf der nassen Fahrbahn, kann sich nicht mehr bewegen, seine Augen sind offen und in den grauen, wolkenverhangenen Himmel gerichtet. Wichtige Knochen sind gebrochen, es kann nur noch Momente dauern, bis der Tod eintritt. Was mag dieser Person durch den Kopf gehen? Hier ist natürlich zu beachten, daß ein Unfall zunächst einen massiven Schock auslöst. Es ist beobachtet worden, daß in einer solchen Situation das Schmerzempfinden eines Verunfallten durch den Schrecken geschwächt, beziehungsweise gar unterbrochen wird. Ist der Beginn des Glaubens eine Sekundenentscheidung? Während der Sterbende möglicherweise noch einmal mit Stationen seines Lebens im Schnelldurchlauf konfrontiert wird? Geschieht das mit dem Sterbenden? Laut Menschen, die an diesem Punkt des Geschehens letztlich wieder zurück in ihr Leben geholt wurden, soll solches passieren. Auch wird von weißem Licht berichtet. Ich gehe davon aus, daß eine gewisse körperliche Reaktion teilnimmt, der schmerzdämmenden Wirkung eines Schocks gleich. Doch ist es letztlich eine Sache der Neurobiologen hier auf Dauer für Klarheit über die Prozesse zu sorgen, die vom Moment, in dem das Sterben beginnt, bis zum letzten Atemzug und zum Stillstand der Hirnfunktion ablaufen. Und ich bin mir sicher, daß diese Erkenntnisse noch auf sich warten lassen werden. Sie sind auch möglicherweise für die hier gestellte Frage nicht sehr wesentlich. Denn es geht um eine Wahl, die ein Mensch trifft. Dies wird er vermutlich nicht erst im Angesicht des eventuellen weissen Lichtes erledigen, es sei denn, dieses ist so strahlend, daß unter den letzten Worten „mein Gott!“ der vormalige Atheist noch auf das Ja-Feld hüpft und dahinscheidet.

Wir liegen derzeit jedoch auf kaltem Asphalt und starren in den grauen Himmel. Schmerzen empfinden wir keine mehr. Es breitet sich eine fast angenehme Wärme in den noch funktionierenden Teilen unseres Körpers aus, der immerhin gerade noch mit unermesslicher Wucht durch die Luft geschleudert wurde. Beim Aufprall, den wir gar nicht wirklich wahr nahmen, hätten Umstehende widerliche Knackgeräusche hören können. Wir nehmen nur noch vage wahr, was um uns herum geschieht. Es ist still. Beängstigend still. Keine Motorengeräusche, keine Vögel, nichts. Wir spüren keinen Luftzug. Die Sinne sind abgeschaltet. Alleine die Signale der Augen dringen noch vor in unser Hirn. Ist dieser Moment der vielleicht größtmöglichen Einsamkeit, die ein Mensch erleben kann, der Zeitpunkt, in dem Gott in das Leben auch eines Atheisten eintritt, und das ohne die listige Hilfe eines Blaise Pascal? Noch finde ich keine Antwort in diesem Szenario. Daher blicken wir etwas näher hinein in diesen langen Augenblick.

Gesetzt dem Fall, daß der Sterbende tatsächlich mit Eckpunkten seines Lebens konfrontiert wird, und auch eine gewisse Klarheit und Einsicht herrscht, daß es sich nun um einen Schlußstrich handelt, daß die Summe gezogen wird, und somit auch ein möglicher Sinn im bis zu diesem Zeitpunkt getätigten Handel erkannt wird, so kann ich mir vorstellen, daß ein Gefühl des Loslassen könnens einsetzt. Das ein Gefühl der Rückkehr einsetzt. Natürlich befinde ich mich im Raum der Hypothese.

Hier betrete ich in diesem angenommenen Raum auch ein Zimmer, in welchem Gott sitzen könnte. Ich schließe die Tür hinter mir. Die Akten meines Lebens habe ich in der Hand, sie sind in den Jahren angelegt worden. Ich habe darin geschrieben, andere haben daran mitgewirkt. Es ist ein Tisch in diesem Zimmer, auf welchem ich die Papiere ablege. Gegenüber des Tisches hängt ein Spiegel, in welchem ich ein Licht erblicke. Doch ist es nicht ein Licht, sondern leuchtender Staub, dessen hellende Wirkung langsam nachläßt.

In dessen werden die Akten, welche auf dem Tisch lagen, von einer Substanz aufgelöst. Das Licht im Spiegel läßt weiter nach, schon wird dahinter die Finsternis sichtbarer. Der Tisch ist leer. Der Raum ist leer. Die Materie hat sich in einen neuen Zustand gewandelt. Sie wird sich an anderen Stellen des Weltenraumes neu zusammensetzen in ihren molekularen Strukturen. Es wird eine Form von Reinkarnation möglich sein, die für den Menschen, der sich Vorstellungen darüber macht, nicht fassbar sind. Wenn Gott in diesem Zimmer sitzt, dann ist er die unbestimmte Ruhe des Raumes. Dann ist er der kosmische Atem, der sendet und empfängt.

So erlischt denn unser Blick, auf dem Asphalt liegend.

Serie „Glaube“/1

Liebe Welt,

der Beginn einer kleinen Serie über das Thema „Glaube“.

Glaube? Glaube. Glaube?

Das Thema Glaube ist ein dankbares, denn hierzu kann sich jeder Mensch äußern, denn ob pro oder contra eingestellt, eine Meinung dazu kann jeder entwickeln.

Doch das ist weniger das Thema, der Gedanken, die ich mir darüber mache. Ich frage mich, was Glaube bedeutet? Welche Auswirkungen kann er haben? Welche Basis hat der Glaube? Und ein letztes wichtiges Feld ist die Frage, ob Glaube ein theoretisches Ideengebäude bewohnen muß? In diesem Satz kann das Wort „theoretisch“ auch gerne gegen „theologisch“ ausgetauscht werden, denn die Frage läßt sich auch genau so stellen.

Eines persönliche vorweg: Ich glaube. Ich glaube an die Möglichkeit eines inneren Sicherheitsbedürfnisses. Doch gleichermaßen zweifle ich daran, sowie ich an allen religiösen Glaubensbekenntnissen zweifele. Und dennoch stelle ich mir die Frage, aus welchen Beweggründen ein Mensch glauben kann. Ich stamme aus einem katholischen Elternhaus und habe ein entsprechendes Gymnasium besucht, bin dementsprechend früh und lange mit Glaubensinhalten, wie auch Kirchenbesuchen in Berührung gekommen. Doch in dem Moment, wo ein persönlicher Glaube hätte flügge werden sollen, kam alleine der Zweifel. Die Einsicht, in die persönliche Unfähigkeit zu glauben. Warum? Oder – unter dem Aspekt, das die Fähigkeit zu Glauben ein evolutionärer Teil des Menschseins ist – ist meine Art zu Glauben vielleicht nur von religiösen Inhalten zu anderen Gesichtspunkten des Lebens weitergewandert? Ist der Zweifel eine Form des Glaubens? Wie dem auch sei, stelle ich mir nun als erstes die Frage: Woran kann ein Mensch glauben?

Dazu bewege ich mich zunächst weg von den handelsüblichen Glaubenshäusern. Und hinein in ein Fußballstadion, in welchem zwei verschiedene Glaubensrichtungen aufeinandertreffen und sich miteinander messen, begleitet von abertausenden Anhängern ihrer jeweiligen Religion. Hier werden sich bei der Betrachtung einige Erkenntnisse offenbaren. Fangen wir an:

1. In dem Moment, wo wir die Formate „Glaube“ und „Fußballstadion“ in einen gemeinsamen Kontext packen, werden Menschen aufschreien und mich, den Schreiber und Betrachter, zeihen, ungehörige Vergleiche anzustellen. Die Worte „Ersatzreligion“ und „Götzendienst“ werden vermutlich fallen. Hier stellt sich mir dann die Frage: Was macht eine Religion zu einer nicht-götzenanbetenden, wertbeständigen, ausgereiften Heilslehre? Was fehlt dem handelsüblichen Fußballverein, um diesen Status zu erreichen? Ist es der jenseitige Aspekt? Ist es das zuvor schon in den Raum gestellte theologische Grundgerüst? Ja, ist es vielleicht der Punkt, der die Theologie zu dem macht, was sie ist: Gott? Wenn es um diese Facetten geht, können gewiefte Clubs sicherlich viele Punkte als erfüllt ansehen, denn massive Anbetung des Vereins, seiner Historie, Erhebung einzelner Menschen zu Fußballgöttern, Benennung des Stadions als Tempel ist in so manchem Fall bereits gegeben. Dabei möchte ich die Abschweifung zu diesem Ballsport nur als ein Beispiel ansehen, in welchem ein religionsartiges Wesen inzwischen tief verwurzelt ist. Und von daher wäre eine Bezeichnung als „Ersatzreligion“ von vielen Anhängern dieser beispielhaften Sportart oder daran teilnehmender Vereine als pure Blasphemie angesehen. Womit wir zu Punkt 2 kämen:

2. Der meist männliche Anhänger einer Glaubensrichtung, sei es eine theologisch fundierte Bewegung, oder eine Ballsportart, neigt im öffentlichen Raum zu einer hemdsärmeligen Zur-Schau-Stellung seiner Ansichten, seines Glaubens. Dies zeigt sich entweder in aggressiver Behandlung Andersdenkender, bzw. -gläubiger oder in bestens dokumentiertem Martyrium. Wem hierbei zufällig die Namen de Sade und Sacher-Masoch in den Sinn kommen, der wird sicherlich auch noch Siegmund Freud mitdenken. Und ich möchte auch jetzt schnell von diesem Steckenpferd absteigen und mich unter Tränen schmunzelnd abwenden. Doch gebe ich Lesern, die möglicherweise gerne beklagen, welche Mengen an wertvollen Steuergeldern verschwendet werden, wenn Ballsportveranstaltungen unter massivem polizeilichen Aufgebot abgehalten werden, einen Gedanken mit auf den Weg: Stellen Sie sich vor, der große Religionskrieg auf heutigem deutschen Boden, jener dreißigjährige Irrsinn zwischen 1618 und 1648 wäre nicht das große Morden, Schlachten, Plündern gewesen, das es leider war, eine Entvölkerung sondergleichen, sondern einfach eine Ansammlung von schönen, gut besuchten Massenschlägereien von Ultras der beiden damals führenden Fußballclubs FC Papsttum Rom und SpVgg Lutherstadt Wittenberg. Nicht Leichen, sondern nur gebrochene Knochen und blaue Augen. Als Zutat vielleicht einmal ein kleiner Fenstersturz. Wie freundlich kann das Hooligantum sein! Der Satz „Immer feste glauben“ bekommt einen ganz neuen, euphorisiernden Klang. Und nebenher können auch Frauen mit Wucht beten! Doch verzichten diese meist auf die einhergehende Dramatik. Siehe die showtreppenhaften Abgänge der Herren Sankti Sebastian und Laurentius. Schlagen Sie das ruhig nach!

3. In Punkt Drei möchte ich noch einmal auf die Grundfrage, die hier schon mitgeklungen hat, zurückkehren: Was macht eine kirchensteuereinnahmefähige Religion aus? Was unterscheidet sie von dem gerade einmal jährlich mitgliedbeitragsheischenden Ballsportverein? Nun, Sie sehen, es schreibt kein Gläubiger, sondern ein Zweifler. Ich sehe keinen Unterschied. Doch vermute ich, daß Kirchgängern das Wort „Hoffnung“ durch den Kopf gehen könnte. Doch das ist nur eine Vermutung. Ginge mir „Hoffnung“ durch den Kopf? Nein. Warum? Ich nenne eine wichtige Grundlage jedes Glaubens, ob an den Kirchensteuernehmer oder den Ballspielverein: Diejenigen, die glauben, sind Menschen. Und was ist der Mensch? Ein perfektes Lebewesen? Mit der Fähigkeit, kosmische Umstände verstandesmäßig konkret und umfänglich zu erfassen?

Was bewegt Menschen dazu, Religionen, die auf einen Glauben der Anderen aufbauen, zu gründen? Ich stelle die Frage um: Was bewegt Menschen dazu, Musikgruppen, die auf Tonträgerkäufe der Anderen aufbaut, zu gründen? Steht in Falle Zwei möglicherweise die Selbstdarstellung, Selbstverwirklichung, die Verwirklichung eines Traumes im Vordergrund, so scheint mir dies in Fall Eins zunächst zu versagen. Oder etwa nicht? Religion bedeutet, neben der Schaffung eines theokratischen Konstrukts, immer auch die Abgrenzung von den Anderen. Gründe ich eine Musikgruppe, die Punkrock spielt, grenze ich mich von den Naziskins ab. Und von vielen anderen auch. Und so stehen auch neue Religionen erst einmal an einem Punkt, wo ihre Gründer sagen: Okay, die frühen The Who und die Stooges waren schon ganz gut, aber ansonsten ist alles total scheiße, was vor uns war. Jetzt kommen wir, die Punkgötter namens Sex Pistols und schmeissen erst einmal alles um. Und schon werden zum Beispiel Zeitrechnungen neu konzipiert. Und wer will es da den Pharisäern und Hohepriestern, die im Neuen Testament so maulig und nölend dargestellt werden, verdenken, daß sie sich anhören, als sagten sie: „Mein lieber Jeshua, solange Du Deine Füsse unter unseren Landes- und Glaubenstisch stellst…!“ Wozu haben die Religionsgründer und/oder -propheten denn etwas Neues ins Leben zu rufen, als daß ihnen das Althergebrachte nicht so behagte, wie sie es sich wünschten? Womit wir doch wieder bei Selbstverwirklichung, bzw. der Verwirklichung eines Traumes, eines Bedürfnisses ankommen. Natürlich kann jeder gläubige Christ nun entgegnen, daß es nicht der junge Jeshua war, der hier ein persönliches Bedürfnis umsetzte, sondern es sich um den schon lange gehegten und von Propheten vorhergesagten Plan des Gottvaters handelte. Ja? Und unbefleckte Empfängnis gehört noch mit dazu?

Ich weiß nicht, was Immanuel Kant über diese Partien des sogenannten neuen Testamentes dachte. Doch ist er einer jener Menschen gewesen, die ein erwachsenes Glauben an diese Geschehnisse eigentlich unmöglich macht. Wie lautet die Zahl der Menschen, die heute noch an die Weltesche Yggdrasil glaubt? Weltweit? Eher einstellig, oder? Jungfräuliche Empfängnis? Ich ahne, daß vermutlich viele Frauen in den letzten zweitausend Jahren durchaus versucht haben mögen, gewisse Umstände mit diesem Argument zu erklären. Es bestünde damit die Möglichkeit in einer Unzahl von Religionsgemeinschaften zu ertrinken. Und doch sehe ich im Weltenbaum der alten Nordmänner und -frauen eher eine heute noch ansprechende Basis einer Theologie, denn die genannte Esche kann als Symbol verstanden werden, welches das Menschengeschlecht mit der umgebenden Natur vereint, ohne das mir alte Wikinger oder Neuheiden mit Äxten drohen. Die christlichen Kirchen hingegen tun sich sehr schwer damit, groben Unfug und Märchentum als Symbol, als Bildnis zu verkaufen. Und dazu gehört die Zeugung Jeshuas als Akt eines Erzengels ohne sexuellen Hintergrund. Ganz Walhalla erzittert durch das Lachen der Kämpen und Walküren.

(…Teil 2 folgt)

Pegida – na und?

Liebe Welt,

genau diesen Titel trägt das heutige Textchen. Und es ist im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte so tituliert. Warum? Einfach lesen.

Pegida – na und?

In einem unbedeutenden Winkel einer vom Autor nicht beglaubigten Nebenhölle, sitzt Andreas Baader. Sein Höllennachbar, ein ehemaliger SS-Offizier, hat ihm von „Luschen, die sich Pegida nennen“ erzählt. „Nicht einmal eine vernünftige Abkürzung!“ Der Offizier verzieht die Mundwinkel. Und Baader nickt. Als er später wieder alleine ist, denkt er nach. Pegida Frigida! Baader stellt sich dazu eine schwedische Softporno-Darstellerin mit dominierendem Rollenverhalten vor. Er legt eine Platte auf, zündet eine Zigarette an, stellt sich die Standardfrage „Problem oder Lösung“ und beginnt, einen Gerhard-Richter-Druck mit dem Abbild seiner alten Flamme Gudrun in der Hand, zu masturbieren. Später schläft er ein.

Wäre dieses Szenario nicht erfunden, so könnte ich behaupten, Andreas Baader hätte das Wesen der Pegida erfaßt, als er einschlief. Um es anders zu sagen: Dieser Club wird überbewertet.

Ich weiß, das beide Seiten der Pegidischen Medaille aufschreien. Die einen werden sich sicherlich verkannt fühlen, in ihrem Bemühen islamistische Gefahrenmomente und andere Schimären zu bekämpfen. Die andere Seite droht mit allen verfügbaren Zeigefingern und warnt vor den dunklen Potentialen, die von diesem Pulk ausgehen kann.

Wovor fürchten sich die geknechteten Spaziergänger eigentlich? Da sind die bereits angesprochenen Islamisten. Menschen, die eine ausgedachte, verschärfte Koran-Version in ihren Händen, einen flammenden Islam über alle Mitbürger, bereits gläubig oder immer noch stur auf Anti gebürstet, bringen möchten. Haben Sie, liebe Leserin, den Fehler bemerkt? Der Islamist möchte nicht. Er macht. Der Islamist hat quasi immer was zu tun. Ich werfe dazu mal die Frage in den Raum: Das Pegida-Deutschland wird also gerade von diesen Schwerterschwingern heimgesucht? Lörrach soll schon gefallen sein! Oder wo mögen diese Bangheit in der Großpackung verteilenden Assassinen die Grenze überschreiten? Wo ist der Rubikon für Pegida Frigida?

Damit soll nicht gesagt werden, daß die neuzeitlichen Kalifen mit ihren bluttriefenden Idealvorstellungen eines männlichkeitsstrotzenden Gottesstaates nicht eine Gefahr darstellen! Jeder Vollidiot, der seinen Wahn auf andere Menschen übertragen möchte, ist eine Gefahr. Und wenn sich Vollidioten auch noch zusammenrotten und schlimmerweise Waffen benutzen, ist die Gefahr akut. Und was die Jungs und Mädels von „Iris, Isis, Penis“ (kleines Monty Python-Zitat, sorry) anbelangt, ist die Gefahr schon im roten Bereich. Eigentlich ein Fall für Bruce Willis oder andere Weltenretter. John Wayne. Die siebte Kavallerie. Wenn man diese Typen mal braucht, sind sie entweder tot, erfunden oder im Urlaub. Also eher Karl Martell 2.0. Zum Beispiel. Der Prototyp hatte mal in Südfrankreich sich den Eintritt in die neu zu errichtende Pegida-Ruhmeshalle erworben. Hier wäre dann noch zu klären, ob – auch wenn man wacker die üblen Islamkrieger schlägt – dieser Sieg auch qualifiziert, wenn er nicht auf deutschem Boden errungen wurde. Wie der schon genannte Bruce Willis in zahllosen Vorlesungen lehrte, schmeckt der Triumph am Besten, wenn er im aller-aller-allerletzten Moment und mit viel, viel Schmutz im Gesicht errungen wird. Und natürlich im schweißtriefenden Alleingang. Karl Martell soll hingegen eine Armee im Schlepptau gehabt haben. Stellen wir uns daher mal vor, es sei keine Armee, sondern bloße Schlachtenbummler gewesen, die ihren Hammer-Kalle (Das ist mal richtig feiste deutsch! Leider ist der Kerl Karl aber nur ein Franke gewesen. Nein, nicht die Leute, die immer Schäufele oder so essen, sondern die Franken genannten Germanen (Germans, ya know?!), die übel verirrt später Frankreich aus der Taufe heben sollten. Was vermutlich jeden eifrigen Nationalisten zu Stirnrunzeln bringt. Aber ach, die Nachwehen der Völkerwanderung, da hatten viele die Orientierung verloren) angefeuert haben. Wenn also schon die Schlacht in Frankreich disqualifizieren sollte, muß leider auch der tolle Prinz Eugen draussen bleiben. Auch er agierte im Ausland, gar im tiefsten Serbien, als er sich – ebenfalls von etlichen Schaulustigen begleitet – mit bewaffnetem Muselmanentum maß. Vielleicht können sich die Pegiden an einem der nächsten Montage mal über die Errichtung und die Einlasskriterien ihres eigenen Wallhalls unterhalten, und mal nebenbei etwas konkretes für die deutsche Bauwirtschaft tun. Ja! So muß das. Nicht immer nur nörgeln und nölen! Und dann noch drüber wundern, wenn man unbeliebt ist. Else Kling konnte auch kaum jemand leiden.

Was ist dann jedoch gegen die Kalifen zu tun? Bekämpfung vor Ort. So sehr ich auch ein Pazifist bin, gegen Gotteskrieger greife ich nicht zum Schwert wegen gleicher Waffen, sondern mindestens zur halbautomatischen Feuerwaffe. Wer in den selbst entfesselten Krieg zieht, und dabei einen Gott im Gepäck trägt, zählt zu den erwähnten hochgefährlichen Vollidioten. Wie schon Kreuzritter, Konquistadoren, Maoisten (Bibel? Ha!), Sarazenen. Wer dies tut, spielt willentlich mit dem Feuer, wie Paulinchen im Struwwelpeter. In meinen Augen ist Religion Privatsache. Und ich glaube höchstens an den Zweifel. Und im Zweifel ist kein Platz für die Gottesstreiterei. Daneben ist mir jedoch auch gleich, ob das Stadtbild von Köln irgendwann von einer Moschee bestimmt wird, oder weiterhin vom Dom. Oder einem Eichenhain. Das nenne ich dann auch nicht persönliche Weltoffenheit, sondern persönliche Ignoranz des Glaubens der Anderen. Und ich empfinde es durchaus als wichtig, Mitmenschen auch hin und wieder aktiv in Ruhe zu lassen. Die Worte „hin und wieder“ sind im letzten Satz betont. Es muß für Menschen im 21. Jahrhundert wieder möglich werden, einander in die Augen zu blicken, ohne allumfassende Wertungen vorzunehmen, die auf jedem jemals geäußerten Buchstaben in den sozialen Medien fußt. Die Forderung nach der Möglichkeit des Vergessens im Internet wird von mir begrüßt. Und so sollte jeder Pegidist auch wieder aufgenommen werden, wenn er erkennt, daß er falschen Forderungen, Hoffnungen nachgeeilt ist.

Was ist falsch daran, Pegida zu folgen? Vergessen Sie, liebe Leserin, bitte die Pamphlete der weltoffenen, nicht rassistischen, nicht phobiegeplagten Menschen. Stellen Sie sich vor, Sie seien ein Bürger im heutigen Mexico. Man schriebe das Jahr 1520 unserer Zeitrechnung. Ihre Nationalität sei aztekisch. Sie marschieren innerhalb eines Pulks an Mitbürgern und protestieren gegen die kriegerischen Ambitionen von fremden Volk, das sich mit allerlei Schiffen aus dem fernen Osten zu Ihnen begeben hat und das scheinbar wenig Willens ist, mit leeren, nicht bluttriefenden Händen sich wieder hinfort zu heben. Liebe Leserin, mit Ihrem heutigen Wissensstand ist Ihnen klar, daß ich Sie in diesem Beispiel auf die Verliererseite der spanischen Eroberung Mesoamerikas stelle. Sie und ich wissen, daß kein Azteke je zu einem Plakat griff, um gegen die spanischen Eroberungspläne zu protestieren. Das hätte im Nachhinein ähnlich blümchenhaft gewirkt, wie ein Protestzug irgendwo in Polen im August 1939, der das Bild vom bösen, imperialistischen, kriegslüsternen Deutschen malt. Und niemand könnte heute sagen, eine Warnung vor diesen so beschriebenen Deutschen hätte keine Realität besessen. Haben die Pegidisten eine ähnliche Rechtfertigung anzubieten? Nein. Sie sehen zwar Gefahrenpotentiale, doch sind diese noch lange nicht am schon erwähnten Rubikon angelangt. Es gibt die Möglichkeit innerhalb aktueller deutscher Grenzen einem Akt des Terrors von islamistischer Seite

zum Opfer zu fallen. Ebenfalls gibt es die Möglichkeit innerhalb aktueller deutscher Grenzen einem Akt des Terrors von rechtsradikaler, nationalistischer Seite zum Opfer zu fallen. Beides kann deutschen Staatsangehörigen geschehen. Und wichtig ist, daß die Gefahrenpotentiale von rechtsradikaler Seite höher anzusetzen sind. Verwirrung könnte jedoch stiften, wenn sich rechtsradikale Täter auch noch als Christen outen! Das macht aus einem sogenannten Hassverbrechen, eine Tat mit religiösem Hintergrund. Der Ku-Klux-Clan arbeitet schon seit längerem an Studien zu dieser Umdeutung der verbrecherischen Motivation. Passend zum geistigen Niveau schuf der Clan jedoch nur eine Karnevalskostümierung, die weder kleidsam ist, noch in ihrer der Burka abgekupferten Vollkaschierung besonders christlich oder couragiert daherkommt. Doch eines verbirgt dieser Mummenschanz sehr gut und gültig: Die Angst, die sich unter der Maske verbirgt. Wer Plakate für Pegida trägt oder eine Zwei-Löcher-Augen-Kapuze zum Grillfest trägt, hat ein Angstproblem.

Wovor fürchten sich diese Leute? Vor dem Islam. Nein, nicht wirklich. Sie fürchten sich vor einer Änderung des Status Quo. Sie fürchten sich vor Änderungen, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Der Protestler fürchtet, daß sein großer oder auch gerne kleiner Wohlstand plötzlich gefährdet wird. Er fürchtet sich, daß seine gesellschaftlichen Aufstiegschancen gefährdet werden. Dahinter sieht er die Fremden am Werk. Hand in Hand mit einer fremdenfreundlichen Politik, flankiert von liberaler Lügenpresse. Dem ist jedoch nicht so. Es mag sein, daß Teile dieser Erklärung hin und wieder greifen können, doch im Großen und Ganzen ist es Humbug. Die Problematik liegt an anderer Stelle:

Wer wird uns – nicht nur in Deutschland, sondern quer über die sogenannte westliche Welt – retten, wenn wir weiterhin aktiv sämtliche mittelständischen Strukturen zerstören? Ich fürchte mich nicht vor einer Islamisierung, als vielmehr vor einer Amazonisierung. Frei nach dem alten Greenpeace-Spruch über den letzten gefällten Baum, sage ich: Wenn das letzte unabhängige Einzelhandelsgeschäft schließt, werden wir feststellen, daß alle Städte der Welt endlich gleich aussehen. Welch eine verlockende Vision! (Achtung: Sarkasmus) Wir werden nie wieder reisen müssen! Wir werden nie wieder Mißverständnisse mit fremden Menschen haben, denn wir alle haben den gleichen Hintergrund. Wir werden endlich die Möglichkeit haben, als Mitarbeiter eines der letzten fünf globalen Konzerne zu gleichen Hungerlöhnen zu arbeiten, wie jeder andere Menschen überall auf diesem Planeten. Hier hilft kein Protestmarsch oder Spaziergang. Hier hilft nur die Einsicht, daß jedes Produkt auf dieser Welt seinen Preis hat. Gilt sowohl für Elektroartikel, Kleidung, Hühnerei. Jedes Produkt hat seinen Preis. Die wichtige Erkenntnis ist die: Wer zahlt den Preis? Wenn wir, die Konsumenten weiterhin darauf beharren, mit der Hilfe überregional agierender Konzerne (nennen wir hier ruhig einmal Aldi als einen Vorreiter dieser Entwicklung), den Produzenten diesen Preis zahlen zu lassen, müssen wir uns über die Rechnungen, die von dieser Seite nicht mehr beglichen werden können, nicht wundern. Worin bestehen diese Rechnungen? Produktionsverlagerungen, Dumpinglöhne und Einfuhr billigster Arbeitskräfte, Kampf gegen ökologische Mindeststandards. Sicherlich habe ich noch manches Schlupfloch übersehen oder vergessen. Dennoch möchte ich anmerken, daß nicht jeder multinational agierende Warenproduzent von Grund auf verdorben ist und nur alleine auf Profitsteigerung aus ist. Der sogenannte Druck des Marktes entsteht nicht nur durch die produzierenden Marktteilnehmer, sondern wird auch durch den Abnehmer und Konsumenten erzeugt.

Eine Bekleidungsfabrik in Bangladesh, in der Näherinnen zu höchster Produktivität geprügelt werden, dabei diese nur Hungerlöhne erhalten, ist kein Entwicklungsprojekt. Es ist blanker Hohn! Hier ist klar, wer den Preis für unsere günstige Kleidung zahlt. Ein faires Projekt säe so aus, daß in einer solchen Fabrik Kleidung für den Markt in Bangladesh produziert wird, die Näherinnen einen für das Land gerechtfertigten Lohn erhalten, Arbeitszeitregelungen, sowie Regelungen rund um die Herstellung von Waren den Errungenschaften unserer Gesellschaft angepaßt würden. Wenn ein solches Unternehmen dann eine Ware herstellt, die global nachgefragt würde, wäre dies positiv zu sehen, jedoch müßte ein korrekter Preis dafür bezahlt werden. Sind wir dazu willens? Sind wir auch bereit dazu, die Art und Weise, wie Globalisierung bisher definiert wird, weiter zu tragen? Wäre es nicht wünschenswert, an Stelle einer aus dem fernen Osten importierten Bluse, an der vielfarbiges Blut klebt, diese nicht bei der lokalen Näherei zu kaufen? Global denken und lokal handeln! So heißt es seit Jahrzehnten. Doch dazu ist eigenes Handeln nötig und es läßt sich dazu schlecht über die Politik schimpfen.

Globalisierung sollte nicht heißen, daß ich als Konsument meine Wünsche von überall zu günstigstem Preis erfülle, sondern jedem Menschen offen begegnen kann. Wenn ich jedoch als Ausbeuter auftrete, muß ich mich nicht über Hass wundern, der mir entgegenschlägt. Wenn ich als Ausbeuter auftrete, werden die Ausgebeuteten irgendwann vor meiner Türe stehen, um sich das Raubgut zurückzuholen.

Pegida ist abzulehnen, doch eine Änderung unserer Kultur ist dringend von Nöten. Anpacken!

P.S. 1: Warum starte ich mit Andreas Baader? Er wäre als Opportunist, Nachplapperer, Egozentriker eine tolle Führungsfigur dieser Bewegung. Ich hoffe nur, daß die Pegidisten klug genug sind, nicht den Weg des bewaffneten Kampfes aufzunehmen und damit Baader wenigstens in dieser Hinsicht zu überragen.

P.S. 2: Am 07.01.2015, als ich mir erste Gedanken über diesen Text machte, mußten in Paris zwölf Menschen sterben. Ein widerliches Verbrechen, ein barbarischer Akt des Terrors. Ich wünsche den Tätern die Justiz, wie sie vor dem Attentat Bestand hatte, an den Hals. Nicht einen Gott, nicht einen Lynchmob oder eine tödliche Geschlechtskrankheit. Nein, die Justiz. Das ist die Stärke unserer demokratischen Gemeinwesen.

Mehr Häresie! Mehr Folter! Mehr Geschwätz!

Liebe Welt,

als ich meine Archive auf den Boden leerte, fiel unter anderem der folgende Text auf den Boden. Ich hob ihn auf, überprüfte ihn. Er kam mir sofort mit einer gleißenden Komplexität daher, daß ich mir sagte: „Nee Du! Nee! Das ist mir jetzt direkt zu viel.“ Nun, liebe Welt, ich gebe ihn unbesehen weiter, magst Du damit machen, was Du für richtig hälst. Nur, bitte bringe mich dafür nicht auf den Scheiterhaufen. Oder ähnliche Folterpraktiken, denn ein gewisses Maß an Hochmut und Häresie stecken in diesen Worten, daß schimmerte heftig durch. Der Text bekam, aufgrund direkten Kontaktes in jenen Tagen Antworten. Diese sind auch zu lesen, sowie die folgenden Worte meines alten Ich. Ich habe persönliche Angaben entfernt, doch wenn einer der Schreiber seinen Namen lesen möchte, so werde ich dies auf Zuruf gerne einstellen. Solange wahre ich Anonymität.

Die Zeit soll nicht dein Feind werden…

Der Sinn des Lebens?

Die Antwort:

Sie lautet letztendlich zweiundvierzig. Die Frage nach dieser Antwort lautet: Was erhält man, wenn man sechs und neun miteinander multipliziert. Douglas Adams hat Frage und Antwort bereits vor Jahren verraten.

Ich möchte dennoch eine neue Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens geben. Es ist letztlich so einfach, daß man aufpassen muß, nicht über die Antwort zu stolpern, so offen präsentiert sie sich. Die Grundvoraussetzungen sind ebenfalls recht einfach: Die Rasse Mensch ist groß. Sie stellt einen Teil des Kosmos dar. Sie stellt in sich ebenfalls einen eigenen Kosmos dar. Jeder einzelne Mensch stellt einen Kosmos dar. Mein Finger, den ich gerade von der Tastatur heruntergenommen habe, stellt einen Kosmos dar. Ich sehe viele kleine Linien, die sich darüber ziehen. Innerhalb meines Fingers befindet sich eine kosmisch perfekte Anordnung von Fleisch, Knochen, Blut- und Nervenbahnen, aufgebaut auf einer kosmischen Atomstruktur. Sind wir nun unten angekommen? Genau. O.K., mir wird jetzt ein bißchen schwarz vor Augen, wenn ich bedenken muß, daß ich nur eine Ansammlung von Atomen bin, die gleichermaßen wieder aufgesplittet werden können auf die Ebene von Neutronen und Elektronen. Jetzt ruhig weiteratmen. Schließlich sollte mich keine Erkenntnis umbringen. Es war ja schon immer so. Dumm ist nur, daß aufgrund einer solchen Erkenntnis, die Frage ausbricht, wie ich ab gleich meine einzigartige Individualität nun hinausposaunen soll? Verflixt! Dazu will ich aber erst später meinen Kommentar abgeben (**). Ich will nun zurück zum Kosmos. Ich sage es jetzt einfach mal so: Ich bin ein Teil des Kosmos, ein kleiner, unwesentlicher Teil des Ganzen. Das ist in Ordnung, mehr will ich auch nicht sein. Dennoch empfinde ich es als wichtig zu sagen, daß dieser gesamte Kosmos ebenfalls in mir ist. Ich fühle ihn in meinem Körper, in meiner Persönlichkeit. Die Person bezeichnet eine Ganzheit, die nicht unteilbar ist. Vernachlässigung eines Teils führt zu Krankheit durch Störung des Gleichgewichts(*). Kann ich das so stehen lassen? Es erscheint mir schlüssig. Doch soll dies nicht der Punkt sein, den ich zu klären suche. „Gesunder Geist in gesundem Körper“, wer sich auf eine solche Bündelung einläßt, läuft Gefahr schreckliche Spuren zu hinterlassen. Schließlich läßt sich ein Spruch wie „Kraft durch Freude“ nicht direkt widerlegen, doch wissen wir, wie hoch die Leichenberge sich türmten, die sich als Ergebnis jener freudigen Kraftentfaltung zeigten. Wichtig ist von daher immer die Erkenntnis, daß der einzelne Mensch nur ein Bruchteil des Kosmos darstellt. Es ist dies das eine Ende der Waagschale, die einzelne Persönlichkeit, das Ich, stellt die andere Seite dar. Ein Ziel sollte sein, hier ein Gleichgewicht zu schaffen. Es ist dies ein Sinn des Lebens.

Die Waage, die ich ansprach, ist ein Zeichen, das Beachtung finden muß. Es ist unerläßlich, die Dualität des Lebens zu erkennen, zu beachten und in das Leben einfließen zu lassen. Ich beziehe mich hier auf alte Weisheiten: Yin und Yang ist nur ein Name für diese Dualität, die Zweiheit. Der Mensch strebt in den meisten seiner Taten nach der Einheit, doch sehe ich dies als falsch an, wenn ich mein Leben nur auf die Suche nach dieser Einheit beschränke. Womit will ich diese Einheit vollziehen? Die Einheit mit Gott? Mit mir selbst? Mit einer Frau? Mit einem Mann? Es ist dies alles in mir: „Ich und Du“ sind Teile meiner Person, man sehe nur in den Spiegel. Gott ist in mir, sofern ich dem Kosmos, dessen Teil ich bin, diesen Namen gebe. Mann und Frau sind Teil meiner Person, wobei es zweitrangig ist, welches Geschlecht ich nach außen hin besitze. Insofern besitzt für mich das Streben nach der Einheit keinen direkten Sinn, wenn ich Teil einer Ganzheit bin und selber eine Ganzheit darstelle. Der Sinn ist eher, die Dualität – Zweiheit – anzuerkennen, und sie in meinem Leben zur Entfaltung zu bringen.

Was bringen mir diese beiden Punkte, die ich nun zur Sprache gebracht habe, im täglichen Leben?

  1. und einfach: Ein Mann, der sich seiner inneren Dualität bewußt ist und damit einhergehend seiner eigenen Weiblichkeit, wird (… nicht würde!) nie (… niemals!) Gewalt gegen eine Frau anbringen, in den Formen, die man täglich aus den Medien entnehmen kann. Dabei gilt zu beachten, daß eben alleine das Wissen um diese beiden Punkte, die ich oben als sinngebend nannte, einen Brunnen der inneren Kraft darstellt, der nicht zu unterschätzen ist.

  2. Sie helfen mir unsinniges Gebaren zu erkennen, wenn ich es verstehe, auch innerhalb meiner Beobachtung die Dualität (sei es meist der „kleine“ und der „große“ Kosmos) einzusetzen. Beispiele? Lese die „Bild“-Zeitung!

  3. Was ist im Streitfall? Wenn ich einer der Beteiligten bin? Wenn ich um Rat gebeten werde? Ich als Teil eines Konflikts bin letztlich der Herr meines Kosmos, insofern liegt es an mir, gleichermaßen dessen Rechte zu verteidigen. Doch blicke ich auf das äußere Ganze, muß ich mir die Frage stellen, ob mein Streit nun noch eine Rechtfertigung hat? Ich muß bereit sein auch einen Schritt zurück zu machen, wenn dies gefordert ist. Als Ratgeber habe ich jedoch nur das Ganze vor Augen, dabei jedoch zwei „kleine“ Kosmen, die auf ihrem Recht beharren. Es ist in jedem Fall Ruhe und eine genaue Beobachtung geboten. Dies sollte für jeden Konflikt gelten, daher fordere man das Recht auf Ruhe in jedem Falle ein!

Dies sind nur drei grobe, weitläufige Beispiele gewesen. Letztlich finden sich meine „Weisheiten“, die ich oben aufführte, in allen großen Religionen der Welt wieder. Nichts ist von daher neu, was ich mir auch nie anmaßen würde. Dennoch möchte ich gewissen religiösen „Praktiken“ an dieser Stelle widersprechen. Da ich noch zu wenig über andere Religionen als das „Christentum“ (in Anführungszeichen, da sich schließlich mehrere verschiedene Kirchen darunter vereinigen) kenne, möchte ich mich auf dieses alleine beziehen. Gott? Dann noch der Sohn Gottes? Entschuldigung, aber hier muß ich mich etwas beiseite bewegen und fragen: „Was soll das? Ist euch nichts besseres eingefallen?“ Um es anders zu sagen: Im 17. Jh. hat ein irischer Bischof, Dr. James Ussher, aus den Angaben der Bibel errechnet, daß Gott die Erde am 22. Oktober 4004 v. Chr., 20 Uhr, erschaffen habe. Also, wir wissen heute, daß dieser Planet, sowie unser Universum, bereits etwas älter sind. Von daher möchte ich nun die vorherigen Generationen nicht schelten, doch möchte vor diesem Hintergrund eine Frage geklärt wissen: Wenn es Gott gibt, wieso sieht er sich drei Millionen Jahre Menschheitsgeschichte „unbeteiligt“ an, obwohl ihn unsere Religion als Schöpfer oder Urheber ansieht und preist, bevor er sich überhaupt zu erkennen gibt? Warum vertraut er sich einzelnen, bestimmten Personen an, läßt andere, ganze Völker in völliger Unkenntnis? Warum entsendet er „seinen Sohn“ zu eben jener Zeit, die wir als solche („anno Domini“) kennzeichnen? Warum muß die Erde demnach seit nahezu siebzehnhundert Jahren eine von Menschen über Menschen ausgeübte Herrschaft einer sogenannten Glaubensgemeinschaft über sich ergehen lassen, die sich zumeist darin gefiel das Schwert zu schwingen? Wer erlöst wen? Wovon? Die Religionsgeschichte der Menschheit ist, soweit sie sich darin ergeht als höchstes Wesen des Kosmos einen Gott zu sehen, ein wuchernder Tumor der Selbstgerechtigkeit. Ich halte hier inne und verabschiede mich aus diesem Konflikt, den ich nicht mehr anerkennen kann. Wenn Gott die Summe alles Guten der Welt ist, dann glaube ich an Gott. Wenn Gott nur ein Argument in einem religiösen Streit ist, dann sehe ich ihn gerne auf dem Scheiterhaufen, den seine Kirchen anzünden werden.

Letzte Worte: Alles, was ich hier gesagt habe, hat irgendwo ein ziemlich schweres Gewicht. Anders: Ich rauche gerade, obwohl ich weiß, das es ein gesundheitliches Unding ist. Der Lebensweg ist nicht leicht, doch glaube ich daran, daß die Erkenntnis des Mikro-, wie des Makrokosmos und die wieder verstärkte Bewußtwerdung der Dualität des Menschen, des Lebens, mir eine Hilfe darstellen wird, mein Leben wertvoll zu gestalten, denn das ist mein Sinn. Das ganze Universum ist unser Zuhause, richten wir es uns ein.

In diesem Sinne: Ich finde es o.k. zu weinen.

(*) Noch eine kleine Anmerkung zum Thema Krankheit: Ich will nicht sagen, daß jeder einzelne Mensch für seine Krankheiten eigene Verantwortung trägt. Auch eine Krankheit verstehe ich als einen Kosmos, eine Ganzheit, die sich innerlich aus verschiedenen Quellen tränkt. Von daher sehe ich es jedoch als falsch an, sich sofort in die Hände eines Fremden zu begeben, damit dieser aus einer meist höchst fragmentarischen Aufzählung von sogenannten Symptomen mit einem Handstreich die Lösung meiner Krankheit herbeizaubert (Ich erinnere mich hierbei an meine persönlichen Krankheitsschilderungen im Angesicht eines „Halbgottes in Weiß“. Das mir in solchen Fällen geholfen werden konnte, erstaunt mich noch heute zutiefst). Vielmehr sollte man selbst im tiefsten Schmerz- und Krankheitsrausch versuchen, sich in den Körper zu versenken, um nach den Quellen der Symptome zu forschen. Es gibt mit Sicherheit (!) genügend Fälle, in denen die Gründe einer Krankheit, die sich in meinem Körper zeigt, außerhalb desselben zu suchen sind. Die Welt, wie wir sie vorfinden, erscheint mir oft als eine einzige Ansammlung von Krankheitserregern mit vielfältigsten Gesichtern. Eines dieser Gesichter schaltete ich gerade nach den Nachrichten aus. (Anmerkung zum kursiv gesetzten Teil aus dem Jahr 2013: so einen Käse habe ich seit Jahren nicht mehr gelesen. Selbst die Bild-Zeitung hat höheres Niveau…)

(**) Die Individualität eines jeden Menschen ergibt sich aus sich selbst.

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Hallo Holger.

Zu Deiner Mail folgendes:

Geil.

Ich werde circa 2 Millionen Jahre brauchen, um auf jeden Punkt einzeln einzugehen.

Fleisch zu Fleisch.

Staub zu Staub.

Die interstellaren Räume,

die intergalaktischen:

Leere? – Nein, Staub. Unmengen Staub! Der Staub ist allgegenwärtig. Der Staub ist das Wahre. Das Wirkliche.

Der Staub ist, womit wir arbeiten müssen. Unbeherrschbar, chaotisch umherwirbelnd, allergie-auslösend.

Mikroskopisch winzige Teilchen von astronomischer Relevanz.

Vergiß das Yin, vergiß das Yang; die Welt ist so einfach nicht einzuteilen.

Bescheuerter christlicher Schöpfungsmythos. Er vergißt den über-geschlechtlichen Staub!

Bescheuertes Tao-Denken. Wo bleibt der Staub?!

Der Staub ist die Ablagerung aller Geschichten.

Der Staub IST DIE GESCHICHTE. Die Ablagerung eben.

Gut, Du magst jetzt denken: Schade. – Wäre mir lieber gewesen, einen nüchternen Fxxx am anderen Ende der Leitung zu haben. Einen, der nicht „vun Hëttges op Heetges“ kommt und was ‚rumlallt von intergalaktischem Staub… (weil er nur gerade eben mal wieder die Erfahrung gemacht hat, von einem Typen ein bißchen ausgenommen, benutzt und betrogen worden zu sein).

Tjaaa…

Lassen wir den „Staub“ beiseite. Sagen wir: Es ist ein „Hintergrund-Rauschen“. Hören wir auf die „wirklichen“ Klänge der Welt.

Und? – Schon was vernommen?

Eine Anregung:

Angenommen, es ging immer schon um nichts anderes, als um die BEGEGNUNG. Ich, Fxxx, höchstselbst, behaupte das sogar:

Es ging nie um etwas anderes. Es ging immer nur um Begegnung.

Es ging seit Anbeginn des Fühlens um nichts als darum,

das Eigene zu verbinden (untrennbar, unentzweibar, unhinterfragbar)

mit dem Anderen, der fremden Wirklichkeit.

Die Organe tiefst möglich hinein zu versenken.

Tiefst möglich von fremden Organen erschüttert zu werden.—

Es war der Wurm-Engel im Kopf, der es uns diktierte.

Und er hört nicht auf, es uns zu diktieren.

Und es geht nicht. Es ist unmöglich. Es ist menschen-unmöglich; – und

deshalb:

nur deshalb sind wir Mensch. Weil wir es wollen.

Wollen müssen… Tjaaa…

Und so stellen wir Dinge an…

Tun so Dinge…

Und denken Dinge…

Ciao. Auf ein Nächstes.

(Ich muß mich jetzt zur Ruhe begeben!)

Yours,

Kuss,

Fxxxx

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Hi Fxxxx,

Danke schon mal für deine Antwort! Ich hatte in meiner begleitenden Mail schon bemerkt, daß mein Text recht fragmentarisch daherkommt, ich hatte ihn auch mit heißer Nadel gestrickt. Daher fehlten auch der Staub und die Begegnungen. Was den Staub anbelangt: Kannst du dich daran erinnern, daß dir einmal in unseren Vorgängergenerationen ein großes Streben nach Individualismus begegnet ist? Wenn große Geister auftauchten, waren sie aus sich selbst oder durch entsprechende Förderung oder auch durch gutgepolsterten Ellenbogen groß. Der Rest der Menschheit jedoch blieb im großen und ganzen grau. Erst mit dem Auftauchen von Jugendbewegungen erwuchs die Forderung nach dem Individuellen. Natürlich eine Antwort auch auf die vorher herrschenden -Ismen (Fasch- und Kommu-, holen wir den Katho- auch noch dazu). Die Richtung möchte ich nicht als schlecht darstellen, doch aus dem Streben nach Individualität erhebt sich der Staub. Den Staub können wir nie besiegen, er ist unser Start und Ziel. Ignorieren können wir ihn auch nicht, denn er ist um uns jederzeit. Wir sind aus ihm geformt, egal was die Genforschung uns erzählen will. Der Staub ist vielleicht unsere Seele? Ich werde den Staub in mein Leben aufnehmen und ihn zu meinem Handwerkszeug machen.

Schließen wir den Staub aus unserem Leben aus …

Machen wir uns unsterblich …

Ist das ein Ziel???

Staub ist Leben und Tod.

Staub ist unsere Droge.

Staub macht uns Beine, Dinge in die Hand zu nehmen.

Staub ist unser Elixier.

Neben Staub zählt nur …

… die Begegnung. Ich war in meinem Text noch in der eigenen Hülle verblieben, um dort einmal für mich Klarheit zu schaffen. Begegnung ist das nächste Thema.

Also, bis bald und alles Liebe

Holger

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Lieber Holger

Ich habe deinen kleinen Diskurs gelesen und werde dir nun hiermit meine Stellungnahme dazu liefern. Du hast die Dualität der Dinge angesprochen. Aber genau diese ist doch die ganze Philosophie der Physik: Materie-Antimaterie, Mikro-Makro-Kosmos, alles ist darauf aufgebaut. Wir streben danach, in unserer Wißbegier. Aber es ist auch nichts anderes als diese Dualität, oder besser die Symmetrie zwischen den Dingen, welche die Einheit unserer Welt repräsentiert. Einheit ist das, das durch diese erlangt wird. Würden diese Widersprüche nicht herrschen, so hätten wir keine Möglichkeit zur wahren Erkenntnis. Ohne den Haß wüßten wir nicht was Liebe ist, ohne den Krieg wüßten wir nicht was Frieden ist. Es ist der Sinn der Sache Relationen herzustellen um uns über manche Dinge bewußt zu werden. Wir können nicht sagen etwas sei groß, wenn wir nichts kleines kennen. Aber im Grunde liegt dort auch eine Begrenzung unseres Geistes, der die meisten Dinge nur in Bezug auf andere erkennen kann.

Und doch denke ich das in dieser wunderbaren Symmetrie der Dinge Gottes Plan liegt. Ich kann mir Gott nicht vorstellen als komischer Kauz, der auf uns herunterguckt und versucht alles zu lenken. Nein ich denke, daß das Ganze auch so ganz gut läuft. Auch bringe ich ihn nicht in Verbindung mit irgendeiner Religion. Nein eher Setze ich den Begriff Gott gleich mit Sinn und Plan von allen Dingen. Ich sehe ihn als logische Konsequenz meines Denkens. Wissenschaft ohne Gott ist nicht möglich. Er liegt in allem. Wissenschaft ist Gottes Plan zu erkennen um unserer Existenz einen Sinn zu geben.

Soviel dazu

Dxxx

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Hallo Dxxx,

die Soziologen harren schon meiner, um meine Beweisführungen in der Luft zu zerreißen. Sie werden mich ins Angesicht des Todes zerren, um dort meine Worte zu überprüfen. Kleiner Scherz, Nxxx! Dennoch verfolge ich mein Ziel. Schön, daß du mir im weitesten Sinne recht gibst, aber ich möchte nicht dort stehen bleiben, wo ich die Dinge im Recht sehe. Was ich angesprochen habe, ist nicht nur die Bewußtwerdung, sondern der Sinn. Es ist der Sinn des Menschen in Demut nicht den Kopf zu senken, sondern im Angesicht seiner Selbst in Zweiheit, sowie als Teil des Makro- und Ganzes seines eigenen körperlichen Kosmos, die Dinge selbst zu bestimmen. Ich beharre hier auf der Demut. Wie gesagt, nicht als Rückzug vor der eigenen Position, sondern als aufrechte Haltung, die einen gemessen Schritt mit sich bringt. Weg mit „Ich will alles, und ich will es jetzt!“ Weg damit! Weg mit dem verzweifelten Postmodernismus, der nur eine Flucht vor der eigenen Person darstellt. Weg mit der Narrenkappe! Weg mit der Ironie, die sich selbst ins Fleisch schneidet! Weg mit den Vorstellungen, der Mensch des 21. Jahrhunderts sei in sich selbst während der letzten zwei Jahrhunderte gewachsen! Mumpitz! Seit Beginn der industriellen Revolution, die ich als Markstein setze, werden Menschen immer noch als eine Null geboren. Das Wissen, welches im Unterbewußtsein als Gabe der vorangegangen Generationen mitgeführt wird, wird von jedem Neugeborenen erst nach einer gewissen Zeit erkannt, entfaltet, ins Leben gebracht. Und dieses Wissen muß ebenfalls mit Demut berührt werden. Punkt. Wo wird diese Tugend in unseren Tagen gezeigt? Wo sie sich zeigt, wird sie mit Knüppeln niedergeschlagen. Die Politik der Härte ist das tränengetränkte Brot, an dem wir kauen. Nichts wird besser werden, wenn … Ich beginne zu schwafeln.

Es gibt in dieser Welt viel mythischen Müll, der entsorgt werden muß. Die wahren Mythen kosmischer Einheit sind verschüttet. Welches Ziel wurde damit verfolgt? Jeder Mensch kommt. Jeder Mensch geht. Innerhalb dieser Zeitspanne gilt es Zeichen zu setzen. Welche Zeichen sind es, die ich, du, er, sie, es setzen mag? Ich möchte ein Zeichen gegen die Kurzsichtigkeit setzen. Dazu werde ich gleich noch ein Beispiel bringen. Doch nebenbei noch zwei andere Themen.

Die Einheit. Ich habe die Einheit nicht gut wegkommen lassen. Ich glaube nicht mehr an die Einheit. Es wird für Menschen nie eine Einheit geben, außer derjenigen, die wir nach dem Tod erlangen werden. Diese Einheit trägt den einen Namen „Staub“. Eine andere Einheit, die menschliches erreichen kann, ist das Wort. Wenn ich mit einem Menschen spreche, erreicht diesen mein Wort. Es kommt zur Vereinigung. Wenn ich Worte eines Menschen lese, vereinige ich mich mit dem Wort. Natürlich strebt der Mensch nach der Einheit, das ist nie abzustreiten. Weswegen gäbe es sonst den Sex? Doch jede Vereinigung endet… Wir können nur den kurzen Schein der göttlichen Vereinigung streifen, manchmal mehr, manchmal weniger. Diese Suche nach der Einheit ist der Fluch des Menschengeschlecht. Zurück bleibt der Traum, vor allen Dingen nachdem man die Ahnung erfahren hat. Man spürt die Möglichkeit, man weiß um ihre Existenz und plopp! Weg! Wahre Einheit ist nur außerhalb des Körpers möglich. Oder: Die molekulare Struktur des menschlichen Körpers verhindert jede dauerhafte Vereinigung. Nun zum nächsten Thema und zum Aufbau eines Dilemmas.

Die Begegnung. Ich glaube nicht an die Einheit, aber an die Begegnung. Ich glaube auch an Sex. Doch möchte ich mich nicht mehr von Trugbildern täuschen lassen. Ich glaube auch an die Musik, als Transportmittel zu einer Form von Begegnung, die in den Sternen stattfindet. Musik, die eine Ahnung verbreitet, wie es der Sex tut. Eine Ahnung der Unendlichen Einheit Des Kosmos. Ist das alles nicht wunderschön? Ist darin nicht die Hoffnung verborgen, die wir viel zu selten zu Gesicht bekommen? Liegt nicht in DER BEGEGNUNG der leichte Hauch eines immerwährenden Frühlings versteckt? Höre noch einmal „pink moon“ von Nick Drake. Denk an den Golf-Werbespot, der davon begleitet wurde. Die Schönheit dieses Spots liegt in der Zusammenkunft der Zutaten. Es sind die Mienen der Beteiligten, die Ruhe und Ausgeglichenheit verraten. In ihrer Haltung liegt keine verzweifelte Suche. Sie tauchen ein in die Nacht, sie beschenken einander mit Nähe. Es geschieht hier vor unseren Augen eine BEGEGNUNG. Darüber liegt die Musik, die dieser Geschichte das Gesicht gibt. Nick sagte alles und sagte nichts. „pink moon’s gonna get ya all“. Hier fangen die grundsätzlichen Träume der Menschen an. Gut, daß all das, was hier zu sehen ist, nichts mit dem Produkt zu schaffen hat. Hier können wir sehen, das die jenseitigen Träume von Einheit, die auch hier eine kurze Ahnung erfahren, nicht mit der Materie des Diesseits vereinigt werden können. Also: Dilemma. Ausweg: Demut, Gleichmut, Ausnutzen der schönen Momente, welche das Leben bietet. Doch, HALT: Keine Hast. Das Schöne kommt seltenst auf Zuruf. Unversehens sitzt man in einem Auto mit einem wertvollen Menschen, und fährt irgendwo herum. Erinnerst du dich? Es ist noch nicht lange her.

Zu dem angekündigten Beispiel fehlt mir jetzt die Lust. Ich wünsche dir viel, viel Glück für die nächsten Wochen. Wir werden uns ja bestimmt auch noch sehen. Und dann: Wenn dein Streß vorbei ist, wird es wirklich Zeit, daß du dir „before sunrise“ ansiehst! Man sollte schließlich manchmal in der Bibel lesen, kleiner Scherz. Ein Schwafelfilm, schlimmer als ich, wenn ich zu schreiben anfange…

Alles Liebe, Holger

Und bald geht’s in die nächste Runde

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Dxxx philosophische Ansichten heute

08.05.2001

Unser Leben und Denken wird durch mehrere Dinge bestimmt

Als erstes kommt Gott, als die erste Idee, der Plan.

Dann kommt die Philosophie, als die grundsätzlichen Fragen, die wir beantworten möchten.

Dann kommt die Mathematik, die die sprachliche Ebene darstellt zwischen unserem Geist und dem Kosmos

Dann kommt die Wissenschaft, die uns das Werkzeug zur Erkenntnis in die Hände legt

Dann kommt die Kunst(und damit auch Musik), die den Ausgleich schafft und uns erst auf die Schönheit der Welt aufmerksam macht.

Jeder Punkt ist gleichwertig!!!!

Nichts kann ohne das andere existieren. Alles ist alles zugleich. Wenn wir uns auf einen Punkt konzentrieren, müssen wir alle anderen in Betracht ziehen. Wissenschaft ist genauso Asthetik und künstlerisches Gestalten, wie Kunst auch Mathematik ist.

Und genau darin liegt meiner Meinung nach der Schlüssel. Der Mensch lebt weiterhin nur mit Ahnungen, da er das umfassende Werk nicht erkennen kann. Wir können uns nicht nur auf unseren Kopf konzentrieren

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Hallo Holger,

tja, ich habe dein kleine Abhandlung schon gelesen, aber im Moment komme ich noch die Zeit, eine ausführliche Rezension zu schreiben.

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Allerdings gibst du dich mit einem wie diesem auf rutschiges Parkett, aber ich finde es gut, dass sich heute noch einige Leute Gedanken darüber machen. Natürlich kann man die philosophischste Frage aller philosophischen Fragen, nämlich die nach dem Sinn des Lebens, auf verschiedene Arten und Weisen diskutieren, auch, wenn man ihr die nonchalante Widersinnigkeit 42 zuordnet. Schön ist auch, seine Identität in einer „Dualität“ zu finden, eine sehr alte Anschauung glaube ich. Neben Ying und Yang fällt mir da auch Seneca mit seinem „mediocrates“ ein. Sich über Religion auszulassen, insbesondere über die christliche, scheint jedoch ein getragener Hut zu sein, denn wir wissen heute, das Mythen stets als gedankliches Konstrukt zur Erklärung einer scheinbar übermächtigen Welt dienten und dienen. Der Übergang zur industriellen Wissensgesellschaft macht den Menschen selbständiger, der Bildungsgrad steigt, vielleicht stehen wir bald vor einer wissenschaftlichen Beantwortung der Frage, wie die Welt entstanden ist ! Jedoch ist fraglich, ob uns diese eine Antwort einen Sinn gibt. Manchmal sehe ich das Kreuz Christi, dass das Sinnbild unserer Sinnsuche sein könnte. Jeder trägt sein eigenes, und jeder könnte es vonsich werfen, würde man seinem Leben einen Sinn und Selbstbestimmung geben …! Eine Frage des Wollens?

Was will ich ?

OK, es wird spät, das nächste mal mehr,

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That’s it, Folks.

Also, für den Fall, daß nicht Mutige dort in der Welt diesen Faden wieder aufgreifen möchten. Der Steinbruch scheint mir noch sehr frisch und unangetastet zu sein.

Ich freue mich auf Alle, die anpacken.

Ihr Herr Hansen

Frei nach dem besten Song der Doors…

Liebe Welt,

du ahnst es vermutlich schon. Natürlich, du kennst dich aus, und weißt daher, daß nur „the End“ gemeint sein kann, wenn vom besten Song der ansonsten eher mittelmässigen Doors die Rede ist. Nichtsdestotrotz, kommt nun die Geschichte hierzu. Es wird denn auch nun still im Märchenwald, wo Frösche und Bären miteinander verkehren.

Der Tod

Peng fühlte sich am Morgen schlecht und ließ sich mit schwerem Herzen wieder in das Kissen sinken. Er konnte es sich nicht erklären, weshalb es ihn so herab zog und die aufsteigende Sonne ihm keine Energie brachte. Ping schaute vorbei und fand den Freund in einer depressiven Grübelei versunken. Kaum, daß sich dieser rührte und ihn bemerkte. Es machte ihn traurig, so verschob er den nötigen Aufbruch zur Arbeit bei der Mückenjagd und machte dem Freund eine Tasse Tee, die ihm wieder auf den Damm helfen sollte. Ping machte sich später auf den Weg zur Arbeit, traf dabei den Freund James, dem er vom kranken Peng erzählte. James ließ sich seine Sorge nicht anmerken, denn er wußte, daß Peng seit einiger Zeit gesundheitlich schwächelte. Der kleine Frosch war zu oft traurig, zweifelnd und in Gedanken versunken, daß er oft vergaß, daß das Leben nicht nur im Kopf stattfand.

Am Abend kehrte Ping von der Arbeit des Tages zurück und fand Peng weiterhin im Bette liegend vor. Peng schlief, das Bettlaken von Schweiß durchnäßt, die Augen eingefallen. Ping war nun vom Schrecken durchdrungen und lief zu James, denn er benötigte des Freundes dringende Hilfe. Er hatte Peng noch nie in einem solchen Zustand gesehen, so lange er sich erinnern konnte. Ihn überfiel ein Gefühl von tiefer Angst, daß sein Kumpan schwer erkrankt sein könnte. Als James Ping und dessen betroffenes Gesicht sah, hatte er das Gefühl, er habe Ping so erwartet. Schnell warf er sich einen Umhang um, denn der Abend war kühl und feucht. Eilend liefen die beiden zu der Frösche Behausung, wo sie Peng vorfanden, der nun von einem schlimmen Fieber geschüttelt wurde. James gab Ping schnell ein paar Anweisungen, dann lief er weiter, um von der Eule ärztlichen Rat zu erbitten. Die Eule war jetzt schon eine letzte Chance.

Ping hatte alle Mühe seine Arbeit zu koordinieren, denn wenn er Peng ansah, von dessen Augen nur noch das Weiße zu sehen war, packte ihn die pure Angst, wurde er nervöser und zappeliger, wußte nicht mehr in welche Richtung er nun laufen solle, um dem Freund zu helfen. Wenn doch James endlich mit der Eule käme, damit die wahre Hilfe beginnen könne. Wäre er doch heute morgen nicht zur unnützen Arbeit gegangen, hätte er lieber an Pengs Bett gewacht und hätte er ihm durch den Tag geholfen. Anstatt war er der falschen Pflicht nachgegangen und hatte sein Herz verraten. So krank und angegriffen Peng aussah, so schuldig fühlte sich Ping, dem schwere Tränen in die Augen traten. Immer wieder tupfte er mit einem kühlen Lappen über den heißen Kopf des Freundes. Endlich schien Peng etwas zu sich zu kommen. Er öffnete die Augen einen Spalt weit, blickte lang in des tief besorgten Pings Gesicht. Dann schloß er seine Augen erneut, zeigte er eine größte Erschöpfung. Die Zeit verging, und sie verging nicht. Ping litt mit jedem Atemzug ein wenig mehr. Wenn doch James endlich käme!

Dieser war unterwegs und eilte, so schnell seine Beine ihn trugen, doch hatte er die Eule erst spät aufgefunden. Diese flog neben ihm, und hatte große Mühe James zu folgen, der die Luft mit größter Energie zerschnitt, wußte er doch um die Dringlichkeit seiner Mission. Dann sehen sie der Frösche Haus, traten schnell ein, sahen Ping, tränenüberströmt, Pengs Stirne abtupfend. Die Eule überblickte schnell Pengs Zustand. Sie sah die Freunde an:
„Es tut mir leid, ich kann nichts mehr tun. Eine schwere Vergiftung, die bereits zu lange fortgeschritten ist, als das noch etwas zu helfen möglich wäre. Es sind bereits die Beine gelähmt. Das Gift wird weiter durch den Körper ziehen und alles…“
Ping brach zusammen. James Gesicht verlore jede Farbe. Die Eule senkte ihr Haupt und blickte traurig zu Boden.
„Es scheinen mir die Gifte des Teiches zu sein. Er war wohl bei den Filterern?“
James nickte. Die Eule klagte über dieses schlimme Los, das durch die Verantwortungslosigkeit der Menschen zu einer Arbeitstelle wurde, die schon viele Opfer nach sich gezogen hatte. Sie blickte in ihre Kräutertasche und gab einige getrocknete Pflanzen an James weiter:
„Machen Sie sich bitte einen Tee damit. Es beruhigt und tröstet über das größte Leid.“
Die Eule verließ die beiden, die sich nun an das Bett begaben und auf den armen Peng blickten, der mit geschlossenen Augen schwach atmete. Ping zitterte und James nahm seine Hand.
„Wir lassen Peng nicht alleine, Ping! Wir sind bei ihm. Komm, wir halten auch seine Hand. Er braucht uns jetzt. Wir sind seine Freunde.“
Ping schluckte und sie griffen Pengs schwache Rechte. Er schien nun langsam wieder ein wenig zu Bewußtsein zu kommen. Ja, seine Augen öffneten sich wieder eine spaltweit. Er sah die Beiden an. Sein Mund zeigte fast ein Lächeln.
„Danke,“ flüsterte Peng. „Ich liebe Euch.“
Seine Augen schlossen sich wieder. James strich Ping über den Kopf und begab sich in die Küche, um einen Tee aus der Eule Kräuter zu brauen. Ping hielt wie versteinert Pengs Hand. Von Zeit zu Zeit tupfte er wie mechanisch Schweiß von Pengs Stirn. James kam und reichte Ping einen Becher. Beide tranken schweigend. Peng bäumte sich kurz auf und schnappte nach Luft. Pings Becher fiel zu Boden, als er panisch nach Pengs Hand packte. Der Kranke sank wieder zurück in sein Kissen, wand seinen Kopf langsam nach Ping:
„Ping… ich ziehe… nach Westen… dem Sonnenuntergang… entgegen.“
„Verlass mich nicht, Peng. Ich brauche dich, ich kann nicht ohne dich leben. Ich war noch nie in meinem Leben ohne dich. Wie soll ich denn klarkommen, ohne das du mir zur Seite stehst!“
Pings Magen hob sich, alles zog sich aus seinem Körper heraus, wollte sich um den Freund schließen, um diesen mit Energie ins Leben zurückzuschaffen. Feste preßte er Pengs Hand. James Hände lagen auf seiner Schulter. Der Bär weinte. Die Tränen tropften auf Pings Kopf. Auch diesem stand das Wasser im Hals, doch noch wollte er nicht aufgeben und den Freund hergeben. Er umarmte Peng so fest er konnte, schüttelte diesen immer wieder und wieder und wieder. Er rief seinen Namen, er schrie und fluchte und zeterte. Da spürte er, daß Peng mit letzter Kraft seinen linken Arm um ihn legte. Nun wurde Ping ruhig, sah Peng in die offenen Augen. Und diese schlossen sich dann. Pengs Atem erlosch.

„Wenn die Musik verstummt, lösche das Licht“, sprach James unter Tränen.

That’s it, Folks.

Ohne Worte, Ihr Herr Hansen

Die Welt nach Nietzsche

Liebe Welt,

die Zeit verging in den vergangenen Wochen, wie sie es bereits von jeher tat: Pro Minute verstrich eine Minute Zeit. Und dennoch blieben Fragen offen, die ich eigentlich bereits als beantwortet angesehen haben wollte. Da dem nicht so war, werfe ich nun die folgenden Worte Dir, liebe Welt, entgegen. Die großspurige Überschrift, mit der Erwähnung eines lange verblichenen Denkers, war alleine Pose, beziehungsweise Promotion, Blickfang.

Die Gottesfrage – die nächste Stufe

Peng verließ den Froschkönig mit einer gewissen Zufriedenheit. Er hatte sein Anliegen über das Fehlen einer wahren, göttlichen Existenz vortragen dürfen, hatte alle ihm in den Sinn gekommenen Beweise genannt. Hatten ihn die Freunde Ping und James noch in ihrer Schroffheit enttäuscht, so hatte der Froschkönig nicht nur interessiert gewirkt, sondern letztlich sogar überzeugt. Er hatte genickt und Peng freundlich entlassen.

Einige Tage später konnte Peng seine Freunde tuscheln hören, daß der Froschkönig eine extrem wichtige Bekanntmachung vorbereite. Als sie seine Aufmerksamkeit bemerkten, blickten sie verschämt in eine andere Richtung. Und es kam so, wie es von Ping und James unter der Hand besprochen wurde, daß der Froschkönig bekannt gab, daß ab diesem Tag der Rede kein Gott mehr existiere und alle Religion abgeschafft sei. Ping und James sahen Peng seines Weges kommen. Sie packten ihn an den Armen und stellten ihn zur Rede.
„War das Verbot von Gott Deine Idee, Peng?“
Peng schaute verdutzt, da Ping und James ihn seit jenem Gespräch kaum beachtet hatten und ihm gar aus dem Wege zu gehen schienen. Er nickte kurz, dann erzählte er von seinem Besuch beim Froschkönig, wobei er von seinen Gedanken zur Gottesfrage berichtet hatte. James der Bär schien aufbrausen zu wollen, dann jedoch sank er ratlos in sich zusammen.
„Was soll ich Dich denn jetzt schlagen? Für wen soll ich das tun?“
Die Beiden liessen Peng nun los, der sich die Arme rieb und zweifelnd wirkte. Er wußte nicht, wie er sich den alten Freunden gegenüber verhalten sollte. Sie wirkten wie Fremde auf ihn, da sie ihren Glauben an etwas Irrationales zwischen ihn und sich stellten. Ihm war doch völlig klar, daß es diese Gottesgestalt nicht geben konnte. Hatten seine Argumente nicht ausgereicht, oder hatten die Freunde ihren Verstand ausgeschaltet gegenüber dem, was er zu dieser Frage zu sagen hatte? Ping stieß James an:
„Du kannst ihn doch einfach schlagen! Vor wem willst du dich denn verantworten? Der Froschkönig hat Dir doch nichts zu sagen.“
James nickte und so bekam Peng ein zweites Mal die Tatze des Bären zu spüren und fand sich im Gras liegend wieder. Sie wollten ihn einfach nicht verstehen, und lehnten nicht nur seine Argumente, sondern auch seine Person ab. Peng war tief enttäuscht. Traurig blickte er denn Ping und James nach, die sich entfernten.

Ping war ebenfalls von Trauer erfüllt.
„Wie kommt er bloß auf solche Gedanken? Warum meint er denn, daß er alles einfach so erklären kann? Er sagt doch, daß das Weltall zu groß sei, als daß ein kleiner Frosch es so erklären könnte! Also! Warum will er dann Gott spielen, der doch gar nicht existiert?“
„Peng versteht nur einen Teil des Ganzen, kleiner Ping. Er versteht nicht, daß sich Gott nicht an jedem Tag an jedem Ort an- und abmelden muß, um allen Kleingeistern zu beweisen, daß es ihn gibt. Aber nun ist er ja vom Froschkönig als verboten erklärt. Das bedeutet, wenn Peng und der König recht haben, daß wir nun alleine sind im weiten All. Das wird eine traurige Zeit. Wir leben dann ohne die Hölle, was ja gut ist, aber auch ohne den Himmel, auf den ich mich doch so gefreut hatte, weil ich dort meine Eltern wiederfinden wollte. Nun ist das alles vorbei, alle Hoffnung dahin.“
James setzte sich und begann zu weinen. Ping versuchte ihn zu trösten, doch auch ihm war sehr schwer ums Herz, denn er fühlte einen immensen Verlust.

Peng hatte gehofft, durch seinen Vorstoß die Frösche zu einer Diskussion anzuregen, um den Weg zu einer neuen Blickweise zu öffnen, und, an seiner Meinung nach berechtigten Stellen, Zweifel zu säen. Daher hatte es ihn zum Froschkönig gezogen, der jedoch keine halben Sachen tat, sondern direkt allen Glauben begrub. Die Befreiung, die Peng wollte, war nun einer neuen Geißelung gewichen, denn wo zuvor ein religiöses Gefühl in den Fröschen weilte, war nun ein staatlich verordnetes Vakuum. In Pengs Vorstellung sollten die Frösche nicht blind für ihre Realität umherirren, in dem Glauben, daß es eine reine, selige Fortsetzung nach dem Tode gäbe. Peng hielt dies für eine Irreführung, die seine Kameraden zu willfährigen Opfern machte. Er sah die Religionen als nicht Besseres, als eine irdische Ideengemeinschaft, die nur nach diesseitiger Macht strebte. Gedankenlose Gläubige waren hierfür eine willkommene Herde, die man für sämtliche Zwecke mißbrauchen könne. Nun hatte Peng jedoch versucht diesen Schwindel zu beenden und der Wind hatte sich gedreht. Leider genau in die entgegengesetzte Richtung. Nun zog der Froschkönig tatsächlich an allen Fäden. Er war nun nicht mehr nur der Herr über den Leib, sondern auch über die Seele geworden. Peng fühlte sich sehr schlecht. Doch nicht schuldig. Er sah den Kosmos weiterhin als groß und unerklärlich an, doch sah er darin keinen Gott als Urheber. Höchstens einen kleinen Unfall mit unermäßlichen Ausmaßen auf physikalischer Ebene. Wer den Unfall verursacht hatte, wußte Peng jedoch nicht. So weit es ging, runzelte er seine Stirn.

Der Froschkönig war auch am zweiten Tag nach der Bekanntgabe des Gottesverbots noch überglücklich. Dies war ein Streich, der überraus gelungen war. Dieser kleine, träumerische Denker hatte ihm das größte Geschenk gemacht, das er bislang erhalten hatte. Er selbst hatte in diesem Gott nie etwas von Substanz gespürt, doch hatten ihn die Gottesfrösche immer verärgert. Allein durch ihre Anwesenheit hatten sie seine Tage verdorben, hatten sie doch seine Allmacht in Zweifel gezogen und ihm vorgehalten, nur ein Frosch zu sein. Er sah sich als größer, immerhin war er der Froschkönig und das alleine. Nun hatte er sie mit einem Handschlag entmachtet, ihnen die Berechtigung des Großen Wortes unter den Füssen entzogen. Es war ein wunderbares Gefühl, es sollte nimmer enden, wenn denn sein Wille geschehe. Er trat vor auf seinem Königshügel und ließ seinen Blick über ein ruhiges Land streifen.

Ein Gottesfrosch hatte Peng in einen Hinterhalt gelockt und festgesetzt. Er sah den traurigen und zweifelnden Frosch mit grimmigen Blicke an. Dann unterbreitete er die Anklage, daß er, Peng, Schuld daran trüge, daß der Froschkönig ihren Gott, den Glauben und die Religion verboten habe. Dadurch sei nun jede Hoffnung für die verzweifelten unter ihresgleichen unterdrückt. Der Gottesfrosch war von großem Zorn bewegt. Peng schwieg zu den Anschuldigungen, denn er sah keine Gelegenheit an dieser Stelle ein verständiges Ohr zu finden. Auch er fühlte sich verzweifelt, unterdrückt und sehr hoffnungslos. Doch sah er weder den Froschkönig, noch die Illusion einer Gottesexistenz als den Verursacher, sondern einen entmachteten und daher frustrierten Frosch. Diesen Gedanken behielt er für sich, denn ihm war bewußt, daß er den Gottesfrosch nicht reizen solle. Doch wußte er auch keine Worte der Beruhigung für diesen. So ließ er jenen zetern, dann schreien und später wüten. Immer wieder mußte Peng auch Schläge auf den Kopf hinnehmen. Als der Gottesfrosch sich beruhigte, wurde Peng auch eine Möglichkeit bewußt, sich mit einer List aus dieser schrecklichen Lage zu entwinden. Er versprach dem Gottesfrosch, daß er erneut das Gespräch mit dem Froschkönig suchen würde und diesen bitte, seine Anweisungen zu lockern und eine Freiheit der Religionsausübung zu gewähren. Dies stimmte den Gottesfrosch nicht froh, doch erkannte dieser, daß die Zeit noch kein größeres Ziel zuliesse. Er ließ Peng gehen, nicht ohne ihn jedoch scharf zu warnen, daß es auch keine Zeit der Tücke gäbe. Er habe ein wachsames Auge auf Peng.

Die erste Woche ohne Gott neigte sich ihrem Ende zu. Ping und James verbrachten die meiste Zeit zusammen und versuchten die Trauer über den Verlust des Paradieses aufrecht zu erhalten. Doch fehlte ihnen inzwischen am meisten der verlorene Freund, Peng. Sie hatten ihn nun seit jener fruchtlosen Diskussion nicht mehr gesehen, wähnten ihn jedoch in der Nähe des Froschkönigs, dessen Berater er ja nun sein mußte. Dem war aber nicht so.

Peng hatte Wort gehalten und den Froschkönig aufgesucht. Er hatte diesen gebeten eine gewisse Erleichterung für die Gläubigen zu erlauben, denn es herrsche nun viel Verzweiflung unter den Fröschen. Der König verneinte sich dem Antrag. Weshalb denn nun Verweiflung herrsche? Wo doch die Frösche nur an das Nichts glaubten, so hätte er, Peng, es doch bewiesen! Solle er doch die Frösche lehren gehen, was dieses Königsgebot bedeute, was der Hintergrund sei, welche Chancen nun für die klugen Frösche bestünden! Wenn der König selbst nun einen Schritt zurück mache, würde er wieder von seiner neuen Machtfülle abgeben, würde er die Trennung von Leib des Untergebenen und dessen Seele auf immer zustimmen. Er könne auch seinem Volk dieses nicht zumuten, daß sie zwei Herren dienten. Er habe auch diesen Gott nie gesehen, habe immer nur den Druck durch die aufsässigen Gottesfrösche verspürt und sei nun auch froh, daß diese sich nun in einer neuen Demut vor ihm zeigten. Mit Pengs Hilfe habe er der Froschheit ein neues Kapitel ihrer Geschichte aufschlagen können. Peng solle doch nun ein wenig Freude darüber zeigen. Nein, dieser wirkte zerknirscht, doch gewann er schnell wieder die Fassung und erkannte, daß er hier nichts gewinnen könne. Der Froschkönig war von seiner Meinung durchdrungen und würde nie davon abrücken. Auch war es Peng gleichgültig, womit sich die Gläubigen, wie auch die Gottlosen die Zeit vertrieben, wenn ihre Gedanken von Angst und Hoffnungslosigkeit geplagt wurden. Er wußte nur, was ihn selbst bewegte. Er verabschiedete sich vom Froschkönig und dankte diesem für seine Aufmerksamkeit. Dann machte er sich auf schnellstem Wege auf zu seinen Freunden, die er so sehr vermißte.

Ping und Peng und James, der Bär fielen sich in die Arme und feierten mit oder ohne Gott bis weit in den nächsten Morgen.

That’s it, Folks. Dankt nicht mir, sondern der Lust, die Euch zum lesen verführte. Und… hütet Euch nicht nur vor den Gottesfröschen. Auch andere planen gekonnte Hinterhalte.

Mit ergebenster Paranoia,
Ihr Herr Hansen