Musik

Erster Einsatz in der Mixcloud

Die Erkennungsmelodie der kommenden Q-Tips-Zusammenstellungen oder auch Mixe ist der Titel „spider happy hour“ von Laika, aus deren 1994er LP „silver apples of the moon“. Dieses Stück startete bereits 1998/1999 die Sendungen dieses Individuums auf einem kleinsten, luxemburgischen Radiosender, welche ebenfalls Q-Tips hieß. Der Untertitel damaliger Tage soll auch heute gelten: Schöne Musik für schöne Menschen.

Als ersten Song hört ihr deutschen Garagenrock von einer Band, die eigentlich nicht für diesen Sound bekannt wurde, ihn aber hier scharf aus dem Ärmel schüüttelt (hihihi): Amon Düül II mit „Archangels Thunderbird“ (LP: „Yeti“, 1970). Da könnte es dazu kommen, daß alte Meinungen über diese Band, sowie den hier verhandelten Krautrock plötzlich zusammenbrechen. Wer mehr mag, dem sei das „Wolf City“-Stück „surrounded by the stars“ dieser Band ans Ohr gelegt.

Weiter mit Neu!. Neu! machten in Motorik. Wer letztlich diesen Sound irgendwann so beschrieb, weiß ich jetzt nicht. Vielleicht war es Klaus Dinger selbst, der hier Schlagzeug spielt und den Neu!-Sound vielleicht zu etwas mehr als 50% erschuf (der Rest geht natürlich auf das Konto von Michael Rother, der anderen Neu!-Hälfte). Dieser Song heiß „Isi“, stammt von der Michael-Rother-Seite des Albums „Neu! 75“ aus ebenjenem Jahr. Ein exquisit rollendes Stück und ich möchte gerne in dem Klaviersound baden.

Folgend eine total unbekannte Kombo namens Camp Hansen. Leider unbekannt. Der Song trägt den Titel „Autorenmusik“ aus dem Album „keep music progressive“ von 2004. Der Titel soll auf den im Hintergrund hörbaren Ausschnitten aus sogenannten „Autorenkino“-Filmen beruhen. Ob die verwendeten Filmemacher so bezeichnet werden möchten, wissen nur jene selbst, doch tut das der schwebenden Atmosphäre keinen Abbruch.

Ein weiterer Neu!-Titel, „Neuschnee“ aus der LP „Neu! 2“ von 1973 folgt. Auch hier regieren federnder, wie fordernder Beat im Gleichklang mit einer schönen Melodieseligkeit. Das Neu! auch total anders konnten, mag jeder wissen, der sich einmal der hier mißachteten Debüt-LP aussetzte. Anspieltips hier: „Hallogallo“ und „Negativland“.

Und ab mit The Permanent Confusion, die in den 1990er eher für einen weniger krautigen, als dunklen Sound bekannt waren. Hier hören wir „9. November“ aus ihrem erst bald erscheinenden Album „Deutscher Herbst“. In zwei markante Teile zerschnitten, hört sich die erste Hälfte tatsächlich wie eine Fortsetzung des Neu!-Sounds an, doch der Bruch um die 3. Minute bietet ein fürchterlich schönes, anderes Bild. Wenn auch die Melodien gleich bleiben, sind die Parameter im Mix derart verschoben worden, daß ein anderer Song zu laufen scheint, der dann auch eine fast paranoid wirkende Beschreibung von historischen Geschehen an 9. November“n“ in Deutschland zum Bedenken gibt.

Der Sound hier mag ein wenig an die Einstürzenden Neubauten erinnern, von denen nun das Titelstück ihrer 1990er LP „Haus der Lüge“ folgt. Mit präzisem Beat, nicht nur in der Percussion, sondern auch im Gitarrenspiel, entsteht die Basis für die Wortarchitektur von Blixa Bargeld, der hier gekonnt ein Denkgebäude skizziert, das Siegmund Freud hätte grinsen lassen.

Wieder einen eher harmonischen Sound hören wir von Brian Eno, Dieter Moebius und Hans-Joachim Roedelius. Der Song „The Belldog“ erschien auf ihrem zweiten, gemeinsamen Sessionstück „after the heat“. Wer sich noch nicht mit Eno oder dem Duo Cluster (unter diesem Namen firmierten Moebius und Roedelius zwischen 1971 und 1981, sowie später noch manchesmal) auseinandergesetzt haben mag, dem mag hier nicht aufgehen, wie stark sich die beiden deutschen Teilnehmer auf den Sound ihres britischen Kollegen eingelassen hatten. Enos weicher Gesang, der zwar klar verständlich ist, und doch von der Konzeption her eher einem poetischen Genuschel gleicht. Auch wirkt das komplette musikalische Backing eher wie ein wonnevolles Schaumbad. So sollten Cluster nie geklungen haben.

Es folgt der Versuch von „Monza“, einem Titel der Formation Harmonia, die aus den inzwischen hier schon vorgestellten Herren Moebius, Roedelius und Rother (schau nach bei Neu!) bestand. Für das Album „Deluxe“, auf welchem „Monza“ zu finden ist, verstärkte noch der Guru-Guru-Drummer Mani Neumeier die Band. Leider leidet dieses Stück hier unter digitalem Gezische und Geholpere, weswegen es dann weit vor seinem Ende ausgeblendet wird. Ein starker Song bleibt es dennoch.

Wir begegnen nun den möglichen Königen des sogenannten Krautrocks.

Deswegen ein Absatz.

Michael Karoli, Gitarre und Geige.

Jaki Liebezeit, Schlagzeug.

Irmin Schmidt, Tasten.

Holger Czukay, Bass und Radio.

Damo Suzuki, Stimme.

= CAN

Der Song, „bring me coffee or tea“, beendete 1971 das Jahrhundertwerk „tago mago“, das in seiner irrwitzigen Labyrinthhaftigkeit von Jorge von Burgos, dem blinden, humorlosen Mönch aus Umberto Ecos „Der Name der Rose“ erdacht sein könnte. „Tago Mago“ hätte auch den Titel „Finis Africae“ tragen können, als Herberge des vermeintlichen Schatzes der absoluten, aber nicht konsumfähigen Erkenntnis. Und so bietet auch dieses einzelne Stück nur einen Hauch des Glanzes, den das ganze Album in Toto genossen, zu geben mag. Ich empfehle den Transfer auf eine unbeschriftete Musikkassette… irgendwann wirst Du, Hörer, nicht mehr wissen, an welchem Punkt in diesem Irrgarten Du Dich befindest. Du wirst spüren, mit welcher Macht, diese Musik geschaffen wurde. Sei bereit.

01. Mai 2016: Susie, Caroline and the Boys.

Popmusik ist immer ein schöner Spiegel der jeweiligen Zeit, in der sie entsteht. Interessant sind dadurch die Blicke auf sogenannte Evergreens, die auch nach Jahrzehnten noch gerne von vielen Menschen gehört werden.

Ich möchte in diesen Zeilen zwei Lieder vergleichen, die beide bereits etliche Jahre seit ihrer Entstehung auf dem Buckel haben. Das eine ist möglicherweise auch heute noch ein Radio-Evergreen, „wake up little Susie“ von den Everly Brothers. Doch unter Fachleuten findet vermutlich eher „Caroline no“ von den Beach Boys höchste Anerkennung.

Worum gehts? Beginne ich mit den Everly Brothers, die mit dem Song über die kleine Susie noch ganz am Start ihrer Karriere standen. Und der Chef ihres Labels Cadence, wollte diesen ersten gigantischen Welthit gar nicht erst veröffentlichen. Ist er doch auch ein Song mit einem gewissen Punkappeal. Das mag für die Menschen, die den Song, wie ich es lange, lange Zeit tat, nur als Radiohintergrundgeräusch wahrnahmen, erstaunlich sein. Doch, obacht! Nennen wir der Einfachheit halber, das lyrische Ich des Songs, Everly, als Summe der Interpreten. Everly also hat die „kleine“ Susie zum Kino eingeladen, und der Mutter versprochen, daß man um Zehne wieder daheim sei. Nun ist es jedoch vier Uhr morgens, und Everly wacht erschrocken in seinem PKW auf und neben ihm die noch schlafende Freundin. Die Beiden müssen durch ein erschreckendes Wurmloch im Raum-Zeit-Kontinuum den Film „Baader“ von Christopher Roth gesehen haben und sind dabei (un)selig eingeschlafen. Wie heißt es im Song: „and we’re in trouble deep“. Wie sieht die Situation nun aus: Susie ist von diesem Abend an die liederliche Schlampe und wir, die Hörer wissen, daß dies nach dem, was uns an Information aus Everlys Mund bekannt ist, nicht stimmt. Die Beiden hatten Pech. Einen unglaublich langweiligen Film zu schauen, bei welchem das Publikum einschläft, nun. Das nennt man Unglück. Auf jeden Fall finden wir hier schon eine Parallele zu der Beach Boys Lied „Caroline no“. Wie werden die weiblichen Protagonisten wahrgenommen? Wir haben schon erfahren, daß Susie unglaublich in der Klemme steckt, denn alle, Eltern und Freunde und Schaulustige, werden eine Meinung bilden, die zum einen nicht dem Geschehen entspricht, und zum anderen völlig konträr zu dem stehen wird, wie der zweite Handelnde (Schlafende), Everly, bewertet wird. Ihm gilt vermutlich das positiv-verbrüdernde „ooh la la“ der Freunde, aus dem Text. Doch Everly sieht sich selber nicht so, er nimmt im Song die Schuld für die verfahrene Situation auf sich, denn ER hatte der Mutter die zeitige Heimkehr versprochen. Nun werden wir natürlich nie erfahren, wie die Geschichte letztlich ausgeht, denn mit den Worten „we gotta go home“ verabschiedet sich der Song mit einigen Takten ausgepumptem Instrumental, nachdem die Musik doch vorher sehr engagiert und emotional aufgeputscht ihre Runden drehte.

Wir können zwar erahnen, daß der empathische Everly seine Susie nicht im folgenden Regen alleine stehen lassen wird. Und wir können hoffen, daß dieses Geschehen im Autokino keine großen Kreise ziehen wird, so daß Susie auch am folgenden Tag sich noch in der Kommune blicken lassen kann, ohne daß ihr Steine um die Ohren fliegen. Ich erinnere noch einmal daran, der Song wurde 1958 veröffentlicht.

Noch ein letztes Wort zu dem vorhin erwähnten „Punk-Appeal“ des Songs. Wenn das, was ich gerade als bestmögliches Ergebnis erzählt habe, so nicht geschieht, dann wird aus „wake up little Susie“ ein Song, der Aussenseiter und Ausgestoßene produziert. Und wenn nun die Leserin sich sehr sicher ist, daß diese Story von 1958 heute kaum mehr relevant ist, dann frage ich gerne nach, ob dem wirklich so ist? Vom grundsätzlichen Aspekt her, sehe ich hier wirklich die Geschichte einer glücklicherweise beendeten Ära, in welcher die unbedingte Reinheit der Frauen über allem zu wahren war, jeglicher Schatten eines Verdachts ein Unding! Hier wurde die Selbstbestimmung des weiblichen Geschlechts im Ideellen massiv beschnitten, wobei gerade auch Geschlechtsgenossinnen ihren Anteil hatten. Hieran rüttelten die Everly Brothers noch sicherlich nicht, doch war ihr Song immerhin gefährlich genug, um diese Geschichte zu erzählen, daß – wie schon erwähnt – der Chef ihres Labels den Song zunächst nicht veröffentlichen wollte und im Nachgang etliche Radiostationen das Stück boykottierten. Insofern hat dieses kleine Stück schon eine gewisse Progressivität in sich enthalten. Wollen wir nur hoffen, daß all die kleinen Susies, die auch heute noch unter den wachsamen Augen ihrer Familien keine Freiheiten spüren dürfen, irgendwann genau dieses Ziel erreichen können.

Und die Beach Boys?

Es ist wirklich bemerkenswert, daß seit Mitte der 1990er die große Bewunderung für deren Album „pet sounds“ aus dem Jahr 1966 ein Maß erreicht hat, daß jene Platte unter die größten Werke der zeitgenössischen Musik gespült hat. Ja, ich habe mich insofern davon anstecken lassen, diesen Tonträger vor wohl zwanzig Jahren erworben zu haben. Ich darf wohl sagen, daß ich das Titelstück, ein Instrumental, wirklich für sehr, sehr gelungen halte. Doch wollte Brian Wilson damals den beiden von ihm bewunderten Beatles-LPs „rubber soul“ und „revolver“ ein noch besseres Werk entgegensätzen. Das hat nicht funktioniert. Mindestens „revolver“ ist letztlich zwar – mit Ausnahme von „tomorrow never knows“ einfacher gestrickt, doch in Verbindung mit der einfallsreicheren Textarbeit tragen die Beatles den Sieg über „pet sounds“ davon, da sie eine bessere Balance schaffen und ihr Ideenreichtum Wilson und Helfer übertrifft. Nebenher halte ich „revolver“ auch für eine insgesamt bessere Platte, als der Nachfolger „Sergeant Pepper’s lonely hearts club band“, der gerade in seinem Mittelteil etliche Längen aufweist.

Doch was hat dies mit Caroline zu tun? Genau, zurück zum eigentlichen Thema. Zunächst ist mir natürlich auch bekannt, daß der Text des Stücks „Caroline no“ nicht unbedingt etwas mit einer so genannten Frau zu tun hat. Zwar gibt es mindestens zwei zu der Zeit lebende Damen, die jedoch beide Carol hießen, die in eine leichte Verbindung mit den Worten gebracht wurden, doch der Texter Tony Asher läßt uns wissen, daß er Brian Wilsons Sehnsucht nach einer vergangenen Zeit der Unschuld hier zwischen den Zeilen erkennt. Asher hatte Wilsons Vorlage in die letztlich verwendete Fassung gebracht. Und eine der beiden Frauen, die ich erwähnte, ist auch Tony Ashers vormalige Liebschaft gewesen.

Wir treffen auf einen traurigen Mann in den Worten des Songs. Nennen wir ihn Brian. Er betrachtet jene Caroline: Sie hat ihre Haare geschnitten. Sie hat ihre glückliche Ausstrahlung verloren. Sie hat wohl einst versprochen, daß sie sich nie verändern werde. Nun ist es geschehen. Und damit stirbt eine süsse Sache, so hören wir es von Brian, der von diesem Verlust schwer getroffen ist. Die Musik, welche die Worte untermalt, ist formidabel gesetzt. Meisterlich! Wäre es ein Instrumental, würde ich auf die Knie gehen und dieses Stück preisen. Doch nein! Da sitzt Brian und muß sich nun folgendes anhören: Wie ich schon erwähnte, sieht der Mitverfasser Tony Asher hier eine Allegorie. Von Brian Wilson ist ähnliches zu lesen. Er sah sich inzwischen so stark mit dem Ernst des Lebens konfrontiert, daß ihm Angst wurde. Doch steht es so nicht in der Lyrik dieses Liedes. Nein, dort wird eine weibliche Person namens Caroline geziehen, sich verändert zu haben! Sie hat sich die Haare geschnitten! Sie hat ein anderes Auftreten! Diese Dirne! Vermutlich hat sie Drogen konsumiert und sich Haschisch gespritzt! Und eines meiner Sandförmchen versetzt!

Das mag jetzt etwas arg verletzend in Richtung unseres Song-Brians gemünzt sein, doch habe ich nur die oberflächliche Botschaft des Songs in krawallige Wörter paraphrasiert. Und hier haben wir mit Brian einen jener Vollidioten, die 1958 noch die arme Susie aus der Stadt gejagt hätten, denn die war oberflächlich auch nicht in ihrer Küche sitzen geblieben und hatte sich, während sie sich jungfräulich empfangene Kinder wünschte, die hochgeschlossenen Kleider für den nächsten Kirchgang bereit gelegt. (Siegmund Freud hätte seine Freude gehabt: Gerade wollte ich Kirchgang tippen, da verirrte sich einer meiner Finger zu „Kri…echgang“. Freud lacht noch immer) Selbstreflexion bietet der Song-Brian in keinem Buchstaben. Auch ist keine Bewegung, keine Empathie (im Gegensatz zu Herrn Everly aus dem vorigen Song) in den Worten nachzuweisen, nur die manisfestierte Enttäuschung in einen anderen Menschen, oder auch in eine Situation. Und dieser Song wird als Meisterwerk gepriesen? Bei Zeus! Würde der Großmeister des Ku-Klux-Clan ein barock komponiertes Werk voller textlicher Allegorien veröffentlichen, würden dann auch die ganzen Pet-Sounds-Nerds diesem Schund hinterhereiern?

Vermutlich. Charles Manson soll auch etliche Bewunderer haben.

Liebe Welt,

einst in tiefem Traume: da sah ich diese Geschichte und was dazu geschah. Ich schrieb sie auf, änderte hier, verformte dort und entfernte so die nächtliche Phantasie in ein ganz anderes Land. Vielleicht näherte ich mich dabei auch dem wirklichen Leben. Wahr ist auf jeden Fall, daß meine Großmutter nie ein Casino von innen gesehen haben soll…

Etwas von dort, wo ich herkomme

Meine Oma konnte nichts dafür. So ist sie eben. Muss an jedem Preisrätsel oder anderem Gewinnspiel teilnehmen. Natürlich gewinnt man dann auch mal. Besonders bei diesen Dingern, wo kein anderer teilnimmt, weil den Preis kein Mensch interessiert. Und sie konnte dann auch nichts damit anfangen. Kam dann an, nahm mich an der Hand und sagte so was von lächelnd, daß sie mir den Preis weiterreicht. Ich könne ja an ihrem Glück auch einmal teilhaben. Wenn ich das gewusst hätte! Ich hätte „Feuer!“ gerufen und wäre nur so gerannt. Na, und sie tat so geheimnisvoll. War auch wieder klar, denn sie wusste nicht, womit sie hantierte. Überreichte mir dann den Umschlag, und ich konnte lesen, daß irgendein drittklassiger Cola-Ersatztrunk mir im „Star Sommer ’96“ Mike Oldfield auf die Pelle schicken würde. Ich ließ das ganze auf mich wirken und verstand nicht so recht. Meine Oma strahlte mich an und ich dankte ihr drauf erstmal recht reserviert. Dann erkannte ich! Ich musste mir einen Tag Urlaub nehmen und nach Köln fahren, denn dort würde man sich treffen und dann Zeit totschlagen mit einem vergessenen Popstar.

Keuchend verließ ich meine Oma zwei Stunden später und es hatte nichts mit ihrem Kirschkuchen zutun. Zu Hause angelangt, flenzte ich mich vor meinem Stereo nieder. Sah die Kisten an und ließ den ganzen Kram erstmal schweigen. Mike Oldfield! Ich musste übel in meiner Erinnerung kramen und dann fiel mir ein: Das war dieser stoische Blicker, dieser komische Gitarrengott, der alles alleine und auf einmal spielen konnte. Genau: „moonlight shadow“ spielten sie noch heute im Radio. Mann, da war ich so sieben, acht Jahre alt, als dieser Käse in den Charts rumgeisterte. Später gab’s wohl immer mal noch Singles, die ganz gut liefen, aber nix wirklich Großes mehr. Und heute? Keine Ahnung, aber er lebte wohl noch, man würde mich ja bestimmt nicht mit einer Leiche einsperren! Ich rief meinen Kumpel Alex an, der kannte sich mit so altem Schrott besser aus als ich, vielleicht sollte ich den schicken! Der tat dann ganz groß, und sagte: toll, toll, mega, toll, mensch! Und so. Hätte auch lieber mal die Brüder Gallagher oder irgendeinen von Blur oder, geil, Justine Frischman getroffen. Das wär dann schon frischer Stoff aus dem UK gewesen. Aber da war jetzt nix zu machen. Sagt er: Da muss du jetzt durch, kann dir von meinem Bruder mal so ein paar Sachen leihen, der hat noch seine Stapel an Platten hier seit Jahren rumstehen. Mensch, da musste mir aber auch einen Plattenspieler mitgeben, du Knallknopf! Oder soll ich da mit meinen Fingernägeln drüber? Na klar, kriegst den von meinem Bruder gleich mit. Der braucht den sowieso nicht mehr, der kennt sich nur noch mit seinem Wertpapierscheiß aus. Sonst sieht der nichts mehr rechts und links. Irgendwie hätt‘ ich schon jetzt gern mit Thorsten, dem großen Bruder, getauscht. Wann treffen wir uns? Morgen Abend? Alles klar.

Am nächsten Tag wachte ich schon mit Grauen auf: In zwei Wochen! Nur noch zwei Wochen! Genau zwei Tage dann vor meinem Geburtstag. So’n Scheiß! Wenn das ganze wenigstens irgendwie besser zu organisieren wäre, dann käme der Typ bei mir vorbei und zwar eben zwei Tage später: Zu meiner Party, da könnt‘ er hier mal eine Zeitlang rumfiedeln und ich wäre der King, wenn ich so einen hier als Stargast rumhängen hätte. Aber nichts da. Stattdessen musste ich jetzt meinem Chef auf die Pelle rücken, daß ich noch einen Tag mehr Urlaub bräuchte. Ja, und das war dann echt die Schau! Der sagte: Mensch, den Oldfield! Wow! Der ist ja ein ganz Großer! Der hat so super Platten gemacht! Echt? Ich kenn da nix von. Wie? Das gibt’s doch nicht, ich bring dir morgen mal so ein bisschen was mit. Klar, kriegst du dann frei! Mensch, Mike Oldfield! Was bist du ein Spezi, so ein Glück! Nee, war meine Oma, aber die hat da ja wirklich nix von. Da hat sie mir dann den Preis vermacht. Ach so. Egal. Und dann wurde ich den ganzen Tag so von den Kollegen angesehen und gegrinst haben sie. Der hat jetzt beim Alten einen dicken Stein im Brett. Der Alte bringt dem jetzt Platten mit! Und der hängt jetzt mit so Musikern rum. Als ich endlich zu Hause war, musste ich mir erstmal schnell zwei Bier einführen, das ging alles so nicht mehr klar. Das war alles nicht mehr so locker. Und dann klingelte Alex schon und ich half ihm dann auch den Plattenspieler zu bewegen, das war echt ein ziemlicher Brocken von Apparat!

Als wir den Kasten angeschlossen hatten, wühlte ich kurz durch den Vinylhaufen, der sich auf meinem Boden gebildet hatte. Was willst du denn mit dem hier? Ich hielt Alex eine Klaus-Schulze-Scheibe vor die Nase. Der gehörte hier nicht hin, man musste jetzt nicht maßlos übertreiben, ich war schließlich nicht zum Hippie geworden. Na, dann schmeiß halt weg. Da lag dann sogar eine Picture-Single drunter. Sofort aufgelegt, rauschte das Teil wie ein Wintersturm. Und der Sound, wenn ich den Oldfield da im Raum gehabt hätte, wär der mal feist in meine Faust gelaufen, der hatte ja voll den Arsch auf, so einen Scheiß zu produzieren. Wir starrten beide völlig entgeistert auf diese Single, die rotierte und uns einen offenen Mund mit Spuckefaden zeigte. Hätte ein Spiegel sein können. Das nahm kein Ende, also machten wir das selbst. Von ’82 stand drauf. Hat der Kerl eigentlich Punk verpennt? Hat dem keiner gesagt, daß so ein Mist verboten ist? Alex zuckte auch nur die Schultern. Kein Wunder, daß mein Chef auf so einen Käse abfährt. Und der bringt mir morgen auch noch einen Stapel Platten mit. Das wird immer schlimmer. Und Thorsten, der große Bruder, hatte wohl eine Zeit jeden Dreck aus den Klauen dieses Typen gekauft. „pictures in the dark“, noch so ein Singleteil; als das lief, erinnerte ich mich dran das Video damals als Jungspund bei Formel Eins gesehen zu haben. Alex nickte: Der stand da mit seiner Klampfe, fidelte und hinten ging ein Feuerwerk hoch. Wir prusteten los und schon wieder kam der Song kaum zum Ende. Auch weg! Ne, halt. Mach noch mal von vorn, meinte jetzt Alex. Hör dir den Scheiß mal genau an. Wir steckten die Köpfe über den Plattenteller. Hier: drift away on sunlight beams. this night will be your friend. Mensch, pack dir den Clown mal und stell ihm mal ein paar gute Fragen. Klar, warte! Ich such mir mal was zum Schreiben. Genau, und dieses Crashbecken, pausenlos, das ist der pure Wahn, frag ihn, was für einen Stoff er raucht, wenn er so abfährt. Das muss ein scharfes Kraut sein, hör dir mal diesen Gitarrenwahn an. Der dreht voll am Rad. Die Runde # 2 war zu Ende. Mal kurz umdrehen. Da wurd’s dann wirklich krass. Irgendein Fledermaussound auf Mittelalter, könnte auch so ein dunkler Gothikspuk sein, und hinten „dicker Synthiewust“, wie Alex meinte. Der hat sie nicht alle, rief ich. Das muss so einer sein, wie Dustin Hoffman in Rain Man. Ja, Authist, ich glaube auch. Und irgendwie legte sich erst mal ein betroffenes Schweigen über uns, während die Scheibe weiter lief. Ich schrieb dann: „Mike, what drugs do you do, when you recorded pictures in the dark?“ Wir lachten wieder. Und hatten dann mal genug vom Singleschaffen dieser obskuren Person. Ich wühlte weiter. Tolles Cover, und Scheibe aus der Hülle gleiten lassen. Hey, guck mal, da ist nur ein Song auf der ersten Seite. Alex stierte wie gestochen auf die Platte: Taurus II, 24.47. Ist das krass! Das gibt’s ja nicht. Hör mal rein! Wir befanden: Hatte schon einen Hauch von Hand und Fuß im Gegensatz zu dem Schrott, den wir bisher hören mussten. Aber verstanden haben wir trotzdem nicht, warum das alles so aufgeblasen wurde. Wieso!

Alex stand dann auf. Schob Oasis in den Player: Mensch, nochmal Musik. Sicherheit. Das ist mir ein bisschen zu viel mit diesem Oldfield. Kannst dir die ganzen Scheiben mal anhören. Kannst sie wahrscheinlich sogar behalten. Nee! Lass mal. Was soll ich damit? Verticken, oder was? Warte, skip mal auf anger. Kein Problem. Ich notierte: „Mike, what did you want to say with songs longer than twenty minutes? Anything?“ So langsam fingen wir uns wieder von diesem Flug und konnten auf die Piste gehen.

Auf der Fahrt schob Alex die neue Cave-CD rein und mußte sich natürlich an „O’Malley’s Bar“ delektieren. Zwölf Minuten Massaker und ein Song in one go. Ganz ohne Gefummele und Kartoffelbreaks. Ich hatte meinen Block mit: „Mike, why don’t you simply tell stories?“

Irgendwann nachts wieder daheim. Über die Platten gestolpert, reingetreten. Irgendwas rausgepickt und aufgelegt. Auf der Couch eingepennt. Wüst geträumt. Vier Uhr wieder mit dicker Blase wachgeworden, Scheibe umgedreht. Wüst weitergeträumt. Kaum zum Weckerterror erwacht. Müde unter Dusche geschleppt. Platte wieder gewendet. Gekotzt. Die Augen sind immer noch kaum geöffnet, als ich aus dem Bus stolpere und das Firmentor fast verfehle. Suff in der Woche ist nicht gut. Der Chef wartet schon, warum gerade heute! Hält mir eine fette Tüte hin, ich bin ganz devot und in diesem Moment völlig klar im Kopf. Wenn du irgendwie noch was wissen willst, frag mich. Dann läßt er mich stehen. Ich kann mit der Arbeit anfangen. Die Kollegen grinsen immer noch, denen ist der Tee nicht bekommen. In der Mittagspause notiere ich: „Mike, why does your music make older people terrorize the youth?“ Ich glaub‘ so langsam, daß das ein Spaß wird. Wenn mir nicht immer noch so schlecht wäre!

Zu Hause dann der Hammer. In der Tüte vom Chef auch eine Single. Trotz schlechter Erfahrung aufgelegt; Portsmouth hieß das Teil, war von ’76. So was altes hatte ich noch nicht gehabt; oh doch: die Platte letzte Nacht: tubular bells, 1973. Hm. Kaum mehr eine Erinnerung. Aber jetzt dieses Teil war ja der Wahn! Folk nannten die das wohl, so Volkstanzgruppe mit Bodenklopfen. Hammerhart. Und die B-Seite! Speak, da sangen zwei Spinner völlig aneinander vorbei. Ich konnte das kaum aushalten. Und mein Boss hatte dafür mal Geld hingelegt! Der Block musste her: „Mike, are you mad? Do you like to fool other people?“ Na, jetzt mal Essen produzieren. Dazu legte ich die Nachtscheibe nochmal auf, ich hatte ja nichts mitbekommen. Da war ja wieder nix drauf, außer ein Stück pro Seite. Auch noch ohne eigene Titel. Der Block: „Mike, you are so, so mad! Why?“ Aber das ging gut, als dieses Klavier dann einsetzte. Das war schon frisch, und ich turnte in meiner Pseudoküche umher, als wäre ich der Frühling. Und das im Spätsommer. Nee, das war teilweise richtig super, was da lief und die Tortellini gingen mir super runter, wieder von vorne bitte. Der Chef hatte die Scheibe auch gehabt. Der hatte dann noch mehr so altes Zeugs: hergest ridge, ommadawn, incantations, platinium und qe2. Dann noch so ’nen Sampler: music wonderland. Scheiß Cover mit blöder Fantasielandschaft. Der Schmetterling von dieser platinium, der gefiel mir ganz gut. Aber top waren die Knochen auf der tubular bells-rückseite, die da am Strand rumlagen. Und diese lockeren Sprüche drumherum, von wegen irgendwelcher Blechbüxen, die man zur Polizei bringen soll. Hähä. Aber wie soll ich das jetzt alles rumkriegen und mir ins Hirn zwängen?

Freitag abend. Alex abgewehrt: Ich will heut‘ mal zu Hause bleiben. So jetzt wird mal aufgestellt, um zur Nachtwache zu schreiten. Die langen Scheiben, da hätten wir: tubular bells, die ist ja schon mal auf der ersten Seite ziemlich gut. Fünf Platten vom Chef, alle noch gar nicht angehört, ausser music wonderland. Die ist auch zweimal im Stall und so ein leidliches Ding mit viel Käse. Na, ein bißchen macht’s auch auf Spannung. Dann von Thorsten noch neun Scheiben und ein Haufen mit zwölf Singles, dazu noch zwei vom Chef. Mensch, das ist gigantisch und so viel Kohle, die da verbraten wurde. Ich fange dann klein an, und hake die 45er der Reihe nach ab. Der Früh-80’er-Anfang ist noch relativ nett, doch dann schleicht sich da ein Schema ein und ich kann die Reihe kaum abschließen. Es wird halt auch immer mieser und ausgelaugter, je jünger die Teile werden. Den Block muß ich echt suchen: „Mike, why are your singles so bad? Why did you never change?“

Immerhin konnte ich damit auch schon brachiale Teile der 80’er Platten als gehört und widerlich abhaken. Und mal ein Bier aufreißen. Es wurde wirklich Zeit, trotzdem: Immer wieder kopfschütteln. Wie konnte so ein Mist überhaupt veröffentlicht werden, immerhin hat dieser Mann doch kaum mal einen Hit gelandet, und dann alles bei Virgin raus, das ist doch kein Pisserlabel? Na, o.k., über’s Ziel hinausgeschossen, wie ich inzwischen weiß, denn irgendwer hatte auch diesen Stapel aus Läden entfernt. Schnell ein weiteres Bier. Ich brauch den Dusel, den Rausch um diese Nacht durchzustehen. „Mike, you suck!“ „Mike, are you the boss of virgin, or what?“ „Mike!“

Als ich endlich durch die 45er bin: „Mike, your b-sides are the worst things I ever heard. Mike, you owe me lifetime. So what will you pay me?“ Dieser Mann hatte wirklich einen schweren Schaden. Anders kann ich mir dieses Authistengetue nicht mehr erklären, oder er muß entweder a) einen massiven Drogenschaden haben oder b) Chef von einer echten Teufelssekte sein. Na, eins weiß ich: Alles ab 1985 ist schon mal grundsätzlich unhörbar!

Es klingelt, ich renn mit Flasche Drei in der Hand zur Tür. Alex ist da. Nichts los auf der Piste, ich dachte, ich schau mal vorbei wie’s dir und Mike so geht. Ich winke ab. Der größte Scheiß ist da nur dabei. Haue meinen Fuß durch die Singles. Dem werd‘ ich schön was unter die Nase reiben, diesem Arsch! Der kommt daher und reißt mir hier mein Leben auseinander, diese Sau. Komm, setz dich, ich hol‘ dir ein Bier. Danke, Mann. Es ist jetzt schon zehn Uhr, und die langen Scheiben liegen alle noch vor mir. Alex legt mir die Hand auf die Schulter. Bleib mal cool, du must dir den Käse doch jetzt nicht so reinzerren, du hast noch über eine Woche Zeit und was ist denn, wenn du jetzt nichts kennst von der Kacke? Da ist doch keine Prüfung! Was würden die denn gucken, wenn wirklich deine Oma da auftauchen würde? Denk doch mal. Auch wahr. Aber als wenn er gar nicht da wäre: Ich lege Platte um Platte auf, mal übel, mal spottend langweilig, mal überdrüssig und vielleicht sogar mal nicht ganz so scheiße, z. B. die blöde five miles out, wo wir nicht vor Wut rumschreien müssen. Und es wird immer später und das Bier wird mehr und mehr. Wir wundern uns mit weit aufgerissenen Augen, wie dieser Spinner mit dieser fiesen Mucke so durchkommen konnte! Auf dem Teppichboden, pausenlos Zigaretten ausdrücken, tranken wir inzwischen wie gehetzt und gnadenlos, wußten wir auch nicht mehr wirklich was tun, was hören…

Noch vier Scheiben vor uns; dabei immerhin eine halbe gute, wie ich schon wußte. Was heißt eigentlich incantations? Weiß nicht, hast kein Wörterbuch? Gesucht: Beschwörung. In der Luft lag Musik, wie von Geisterhand. Da war nichts mehr konkret, da sangen Frauen oder vielleicht auch Elfen, da taten sich Grenzen auf und ich löschte das Licht, das letzte Bier in der Hand, im Hals. Ein Flöten in der Nacht und es nahm kein Ende mehr, irrlichterte und bog und krümmte und türmte und geigte und zerstob in Spiralen und Explosionen und plötzlich eine Stille und Alex atmete so laut, daß mir eine Angst die Kehle packte. Schnell am Schalter, seine Augen weit aufgerissen, den Mund sperrangelweit – ey, was ist mit dir? Siehst du Gespenster? Fuck! Mann! Fuck! Nee, nee, ich glaub’s nicht. Hey, was ist los? Hast du das gehört? Das ist so heiß und scharf, mann, das reißt dir die Eier ab. So einen Stoff hab‘ ich in meinem Leben noch nicht gehört. Dreh um, schnell und Licht aus. FUCK!

Die Hand nur noch am Volume, immer höher und weiter drehen bis die Sterne sich nicht mehr aufhalten lassen. So eine pechschwarze Dunkelheit haben meine Hände nie gefühlt. Ein Monolith. Schwere erleben. Geankert sein. Unter Wasser sinken und in neunzehn Minuten ertrinken, von Meerjungfrauen besungen und beschworen. Ich hatte nur zuviel Bier intus, doch meine Ohren waren offen. Ich weiß nicht, wie mir geschah. In spätem Schweigen wog mich das Wellenspiel der Imagination in einen sanften Schlaf, bis zur Morgenröte.

Hier waren wir in Fänge geraten, die größer waren als unsere Schnabelbreite. beyond belief…

Morgens saß ich im Zug. Mein Gesicht hatte einen grauen Touch erhalten. Einige Tage hatte ich kaum mehr einen Moment Schlaf abbekommen. Die Beschwörungen saßen mir fest im Genick, hielten mich im Griff, bemächtigten sich meines Lebens. Das Unaussprechliche trat in mein Leben, das progressive Element erschien am Horizont. Nie wieder lungern. Jetzt standen sie in der Tür: David Bedford, Kevin Ayers, Henry Cow, Gong, Robert Wyatt, möglichst noch Faust, Can und Tangerine Dream. Möglichst noch Hatfield and the North und Caravan, Soft Machine und die Hasenzähne Hugh Hoppers! Alles durch die Großen Arbeiten Mike Oldfields. Ein Wirbelsturm der mentalen Reinigung. Und immer wieder fand ich mich im Banne von ommadawn und incantations, konnte nicht davon lassen; zwei Kunstfälle, für die ich inzwischen morden würde. Alles Kunst wußte ich. Alles ausgedacht, erfunden und zusammengefügt. Doch die Urmaterie, aus der diese Glocken gegossen wurden, waren eines Geistes, dem ich mich kaum verwandt fühlte, der jedoch in meinem Inneren ein heftiges Rumoren verursachte. Mag im ersten Falle noch ein heftiger Bierregen mit einhergegangen sein, so waren die nachfolgenden Sitzungen rein und offen. Wieviel mehr kann ein Mensch in einem Kunstwerk zusammenfassen und weitergeben? Diese Frage beschäftigte mich, während der Zug gen Köln raste.

Angekommen überraschte mich eine nicht mehr ganz so junge Dame, die mit einem Schild, Aufschrift „Mike Oldfield“, herumwedelte und es mir frech vor die Nase hielt. Du bist wohl schon aufgeregt, heischte sie mich an. Ich schätzte einundvierzig. Im Hotel warten bereits die beiden anderen Gewinner unseres Preisausschreibens. Wir werden uns in der Hotellobby mit ihnen treffen und Mike wird um elf Uhr dreißig erwartet. Immerhin hatte meine Oma diesen Pappnasen mitgeteilt, daß sie selbst generös den Preis einen Wunderschaffenden zu treffen abtrete. Regina Gschwebel war übrigens der Name dieser Person, die es sich nicht nehmen ließ einen ziemlich kurzgeschnittenen Rock zu tragen, den ich mir genau besah, während ich sie über ihre eigenen musikalischen Vorlieben aushorchte. Seit sie – ich fragte nach, es waren zwei Jahre – für die WEA arbeitete, habe sie sich eigentlich überhaupt erst mit Musik auseinandergesetzt. Nein, von Mike kenne sie nur das neue Werk, ja, es sei erhaben und von weitem Horizont getragen. Neue Platte? Davon wußte ich nichts, nicht einmal mein Chef hatte davon berichtet. Mike Oldfield ist noch aktiv? Natürlich, voyager ist die dritte Platte, die er für WEA veröffentlicht! Jetzt hatte ich wirklich Sonne, Mond und Sterne vom Himmel geklaubt um mir dieses Treffen mit eigenem Engagement zu versüssen und nicht wie der letzte Dorfdepp dazustehen und dann das: Der Mann macht weiter und nun fiel mir auch selbständig ein: Vor Jahren ein Tosen um tubular bells 2 ! Ich ließ mich von Frau Gschwebel bequatschen, sie genoß mehr die kühnen Strukturen der Kölner Altstadt, jaha, so ein Dom. Meine Herren, sieben Jahrhunderte und wir trudeln hier einem mittelmäßigen Popstar in die Arme. Es wurde Zeit, daß wir am Treffpunkt einträfen, die verlorene, die böse verlorene Zeit. Und die Hand Gschwebels wies auf die Pforte, drauf wir endlich eintraten. Sie stellte mir Herrn Karl-Heinz Offermann vor. Sie stellte mir Herrn Edgar Steinbrunn vor. Zwei Herren, die auf dieses Preisausschreiben wohl ihr Leben lang gewartet hatten. Beide sahen nach gut abgehangenen und wohlgenährten Mittvierziger aus; Offermann mit Schnäuzer, der andere mit Vollbart. Frau Gschwebel deutete mit ihrem Zeigefinger in die stickige Luft: Wischlwischlschnarr. Ich verstand: Das Fahrstuhlgeseusel, welches unser wohlfeiles Zusammentreffen untermalte, war neuer Klangkleister aus der Hexenküche des Mannes, der nun gerade zu unserer Gruppe geführt wurde. Gefährlich lange Haare, dachte ich mir. Und schüttelte eine Hand mit Fingern, deren Aktionismus mir in den letzten Wochen das Leben zerrieben hatte. Mein Lächeln hatte ich eingefroren. Man wies uns Plätze, ein drohender Jubelsturm setzte über uns zum Angriff an. Offermann leuchteten die Augen, ich wußte nicht zwischen wagnerschem Walkürengeschwabbel und vergeistigter irischer Luftwaffe zu unterscheiden. Oldfield nickte bedächtig und sprach seine ersten Worte: „flowers of the forest“. Die beiden Bärte, allen voran der vermutliche Justiziarstarrat Offermann, legten leichte Fragen in die Luft, wie tätschelnde Fingerchen unter Gschwebels Röckelchen und Mikky tänzelte Antwörtelleins durch das Atmosphärchen, so lieb, so nett und die langen Härleins und fuchtelte mit dem Compact Diskchen umher, wodrauf ein halbnackter Ir(r)enschreck, der mit mir diesen Raum teilte und mir fiel der Block ein, den ich glücklicherweise eingesteckt hatte und Bart Offermann fragte nach Schwester Sally, nach Frau Sally (Mikky ließ doch da die Äugelein rotieren), Simon Philipps, Pekka Pohjola, den Oldfield erst nach in Falten legen des Stirnchens dem Vergesselchen entrisselte unter oh,oh,yeah,pekkathebassplayerwho traveledwithmearoundeuropein1979, aHHHja, ich hatte gelernt, die große Tour des Herren mit 50 oder so Musikern. Aber leider nichts von belang. Ich beugte mich vor und wies den vorlauten Offermann zurecht: no matter, mike, you worked partly on that record of pekka, which would be released under the title consequences of indecision or mathematical air display, partly as your record, or pekka’s, but the music is mostly pooey jazz rock without any consequences, as the title already suggests. may I ask you some questions? Mikky schüttelte sich nahezu übersehbar nach dieser Beschimpfung und zwischen Stocken und dem Versuch eines Schnaubens, nickte er. Bart Steinbrunn, der zuvor kaum mehr von sich hatte sehen lassen, als die Blicktreppe aufwärts an Gschwebels Beinen, stand der Mund offen. Ich sah mir den Block an, überflog die geißelnden Fragen, die ich meist im Suff kompiliert hatte, ließ den Hintergrundmusikenirrsinn für einen Moment auf mich einwirken, erhob mich, schritt auf den Weltstar zu, schüttelte ihm die Hand: thank you, Mike, for your first four records, which could possibly be the best music that will ever have crossed my way in this life, because it’s so fucking crazy and out of this world and inspiring and everlasting fresh, but the rest just absolutely sucks! Der drittklassige Cola-Ersatztrunk hatte das Rückfahrticket nicht vergessen. Auf die Straße gestolpert, lachte ich schallend, füllte meine Lungen mit bester Kölner Luft und irrte zurück meiner verduzten, lehrreichen Oma zu danken.

Guten Morgen. Aufstehen! Die Geschichte ist für heute zu Ende. Oder, wie es sonst immer heißt: That’s it, Folks! Tschüss dann, bis zum nächsten Mal, der ergebenste Hansen der Welt.

Erste Torte für die Königin

Liebe Welt,

eine Frage bedrängte mich in den letzten Tagen, wie auch Stunden. Und die großflächigen Werbeanzeigen, welche unter anderem das vierzigjährige Bestehen dieser sog. Institution beschreiben, tun ihr übriges. Was, um alles in der Welt, bedeutet – oder auch bedeutete – jemals diese Gruppe, die sich Queen nannte. Selbst der heilige Rolling Stone (jener in deutscher Zunge) läßt in der aktuellen Ausgabe ein Gesicht bekennen, daß seine Pubertät nie endete: Er hört auch heute noch gerne je „Rock“gruppe, von denen am ehesten die Beißzähne (noch ein kleiner, böser Scherz: streiche B, setze R) eines der vier Mitglieder in Erinnerung blieben.

Doch sind es ja nicht die vier Scherzkekse von der Bühne, die den wahren Schrecken auslösen, sondern eben jene Gesichter, von denen ich mir nun eines aus der genannten Publikation ausschneiden darf, aufhängen, Dart-Pfeile, hohe! Die alten Labelkollegen von Pink Floyd lassen ja nun auch die gefühlte fünfhundertste Neuauflage der alten Klassiker betreiben, doch sie besitzen in diesem aktuellen Falle den Charm, dem ganzen die folgende Frage als Leitmotiv mit auf den Weg zu geben: Why Pink Floyd?

Das ist ja mal ein Ansatz. Nun gut, der Frederik kann ja nicht mehr zurückziehen. Doch der Rest könnte, wenn er denn wollte. Doch das gute Leben, das schmeckt und tut so gut. Da läßt man die ganze Marketingmaschinerie dann laufen und zeigt, daß am meisten Geld verdient wird, wenn der eigentliche Macher ruht. Und sich aus der Schußlinie bewegt.

Dort stehen nun die Milliarden an Fans. Zwei von ihnen gründeten einen sogenannten Fanclub, den sie die Stormtroopers of Stiletto nannten. Ja, man glaubt es kaum, aber dies ist der Teil eines frühen Songtitels aus dem Hause Queen, sowie einer Ausstellung über die Band und ihre ausufernde Zeit.

Die beiden Fans, Juan und Hans-Günter, treffen sich in ihrer Stammkneipe. Beide tragen Jeans. Der Wirt, Zeljko und ein gut abgehangener Stammgast, Werner, bemustern die beiden.

Werner: Die Tucken sind wieder da.

Zeljko: … (spült Gläser aus). Zwei Bier? (zu den Neuankömmlingen gerufen)

Juan nickt.

Hans-Günter: Sicher. Werner, halt’s Maul,nicht?

Werner dreht ab. Die Tür öffnet sich erneut. Der ZWEIFLER tritt ein.

Der ZWEIFLER: Guten Tag. Ein Pils, bitte. Treffen sich die Stormtroopers? Ich meine, dieser komische Queen-Fanclub? Ja? Ah, dort, danke.

Der ZWEIFLER tritt an den Tisch der beiden Stilettos.

Der ZWEIFLER: Guten Tag. Sie sind dann wohl Juan und Hans-Günter?

Die beiden Angesprochenen nicken, blicken jeweils in entgegengesetzte Richtungen.

Der ZWEIFLER: Ja, ich habe dann wohl mit Ihnen, Herr Juan, telefoniert. Ich bin der ZWEIFLER. Ich zweifle an vielen Dingen, doch vor allem an den Freunden der Band Queen. Also an Ihnen. Darf ich mich setzen, um Ihnen meine Zweifel, sowie meine abgrundtiefe Abneigung zu erklären. Um die ganze Angelegenheit für Sie etwas einfacher zu machen habe ich auch schon mal zwei Erklärungen mitgebracht, die müssen Sie einfach nur später unterzeichnen, bevor Sie sich in einer letzten Attacke des Selbsteckels das Leben nehmen werden. Sind Sie bereit?

Die beiden Angesprochenen nicken. Blicken weiterhin in entgegengesetzte Richtungen.

Der ZWEIFLER: So, Sie mögen also beide die Musik der Gruppe Queen. Fangen wir doch mal mit Ihnen an, Herr Hans-Günter. Sie scheinen ja mindestens schon 50 Jahre zu zählen. Ganz schön fransiges Haar, das Sie da mit sich herumtragen. Hätten Sie auch mal in Ordnung bringen lassen können. Ich meine, jetzt ist das zu spät.

Zeljko bringt drei Gläser frischgezapftes an den Tisch. Der ZWEIFLER steckt ihm einen Zwanziger zu.

Der ZWEIFLER: Stimmt so. Danke. (Trinkt einen kräftigen Schluck) So ist das doch super! Prost, sorry. Kleiner Formfehler. Na, Hans-Günter. Jetzt trink doch mal! Dann sieht das ganze nicht mehr so scheiße aus, wie Du, nicht wahr. (Klopft dem Angesprochenen auf den Rücken)

Hans-Günter: Hmm. Wat is denn getzt so scheiße an mir? Dat kann doch nich alles nur mit der Mucke zu tun habn?

Der ZWEIFLER: Doch, doch! Das liegt alles alleine an der Musik. Weißt Du, Queen sind einfach nur superscheiße. Ich brauch Dir ja nicht zu sagen: Hör Dir mal die Platten an. Nee, die kennst Du ja alle aus dem EffEff, gell? Und dann kuck Dir Dich und Deine ganzen bekloppten Freunde mal an, die da in Eurem Scheißclub drin sind! Ihr seit doch noch schlimmer als die Mucke! Stormtroopers? Ihr kriegt höchstens ein laues Lüftchen losgetreten. Wenn Ihr alle in einer Reihe steht und mal kräftig nen Furz rauslasst. (Der ZWEIFLER lacht laut und schlägt sich mit der Rechten auf den Schenkel).

Juan: Nu, lass mal, ey. Dat kannst Du so nich sagen, weiste? Ich mein, wenn wir nich wüssten, dat draussen deine Meute wartet, dann hätts Du schon lange eine aufer Klatsche.

Der ZWEIFLER: Siehts Du, sag ich doch! Ihr seid so scheiße. Und ich sag nur: Flash! Tadam. AHA. Sefja of de Juniwörs! Tadam. Gell?

Juan: Du brauchs gar nich so zu tönen, Freund. Du hörs doch selber den ollen Ian Hunter-Scheiss. Da muss du gar nich so abheben hier!

DER ZWEIFLER: Nanana, bitte nicht so vorlaut. Denk mal schön nach, hast Du den guten Ian Hunter mal auf einem Foto gesehen, wie sich seine Arschbacken rund um seine Fersen fressen. Nichts gegen Eures alten Freddies Sexgeschmack, denn wer hat schon was gegen einen guten, schweren Schwanz im Mund, nicht wahr. Aber selbst wenn man sich so auf der Bühne zeigt, kann ich nicht akzeptieren, wie der alte Sack jahrelang mit diesem Bild und Image hausieren gehen kann, und vor allem, könnt Ihr da nicht so auf die Knie sinken und schreien: Meister, Meister, können wir dir auch mal mit der Hand schwer an den Hintern fahren. Nein, dabei bleibt Ihr ja auch nicht. Ihr zieht dann Eure Schweinslederjacken an und schreit: Freddie, wir fahren dir mit unserer Hand an den Arsch und finden deine Rockmusik so richtig spitze und töfte und was Euch noch so an verwesten Liebesbeweisen einfällt. Schneid Dir mal die Haare, Hans-Günter, Mensch! Ihr macht Euch doch selber lächerlich.

Hans-Günter: Nunu, ich schneid mir mein Haar nich, dat bleibt dran.

DER ZWEIFLER: (trinkt einen kräftigen Schluck) Ist auch egal, Freundchen. Aber in einem müßt Ihr mir doch Recht geben. Eure Supergruppe ist nach 1981 richtig heftig eingeknickt und hat nichts wirklich mehr an guter Musik auf die Reihe gekriegt. Oder sehe ich das falsch? Außerdem kann ich bis heute nicht ertragen, daß sie bei dieser miserablen Metropolis-Kacke von diesem Moroder mitgemacht haben und ihre knackigen Lederjoppen dazugetragen haben. Verdammte Scheißer!

Juan (zu Hans-Günter): Von wat schwätzt der Typ da überhaupt? Da komm ich nich mit.

Hans-Günter: Ach, der meint dat Radiogaga-Video. Dat ist auch echt nich viel gewesen, aber noch besser als der Tuckentanz danach, weißte?

Juan: Ach genau, der Taylor war da auch gut scharf (grinst über beide Ohren, fast verliebt)

DER ZWEIFLER: Und da kommt der bisexuelle Queenfan zur Türe hereingestürmt (Hans-Günter dreht sich fragend zur Türe). Super. Alter Kumpel, nimm das nicht so schwer.Du hast ja zwei Hände, eine für den Mercury, die andere für den Taylor. Na, immerhin haben die Herren das nach 1981 noch hinbekommen. Seht Ihr, ich hab mich gut informiert. Ich hör nicht nur Ian Hunter, aber natürlich viel lieber als den Schmock, dem Ihr so hinterher rennt in Euren Stilettos. Wie kamt Ihr eigentlich auf diese tolle Idee? (trinkt noch einen kräftigen Schluck) Hey Zeljko, mach mal noch ein Pils, bitte. Werner, und alles klar? Was macht die Alte?

Werner (dreht sich mühsam um): Is‘ ok. Wat machen die Tucken da? Haste die im Griff?

DER ZWEIFLER: Alles im Griff, Werner. Die Tucken sind heute schön zahm. Die fangen nicht plötzlich an zu singen. Aber pass auf deinen Arsch auf, wenn sie zum Klo gehn. Der Kleine hat mir grade schon wieder schöne Augen gemacht.Kommst Du am Samstag mit zu AC/DC? Mal richtig was rocken?

Werner: Nee, keine Kohle. Sons macht der mir hier die Hölle heiss (nickt in Richtung Zeljkos).

Juan (trinkt kleine Schlückchen und sieht sich in der Kneipe um. Will gelangweilt wirken).

DER ZWEIFLER: Was ist jetzt mit dem Namen von Eurem Scheißverein?

Hans-Günter: War nich meine Idee. Aber ich find dat Stück schon ziemlich spitze. Dat war noch früh, auf der Sheer Heart Attack. Da ham die aber echt noch gerockt, weißte, dat war nicht weniger als bei den AC/DC, die sin ja auch in den letzten Jahren gut scheiße gewordn, nich? Ich find ja auch den May nur richtig gut, der rockt immer! Dat is schon heftig. Da han ich noch die Platte mit dem Ace Frehley drauf, dat is super geil, geht gut ab, nich?

DER ZWEIFLER: Hans-Günter, das ist doch luftleeres Gegniedel. Ich kenn das doch alles. Weißt Du, was da alles fehlt? Irgendjemand mit Charisma, so einer wie Ian Hunter oder, wo wir gerade davon geredet haben, der alte Bon Scott hätte da alles gerettet, und der hätte den Fizzelfingern mal gut in den Arsch getreten, dann hätten die wieder klar gesehen. (Zeljko bringt des ZWEIFLERS Pils) Danke, Zeljko, mach mal bitte einen Strich, ich kann jetzt nicht. Muß den zwei Tucken mal den Kopf gerade rücken.

Zeljko: Geht klar. Aber nicht so viel Blut, gell? Ich möchte da nicht wieder so viel zu wischen haben, wie letztens.

Hans-Günter (schaut erschrocken auf): Wat is? Wat war da los?

Zeljko: Ein Schnaps? Mmmm? (Hans-Günter nickt, wie erstarrt)

DER ZWEIFLER (legt eine Hand auf Hans-Günters Rücken): Ach, da war nichts. Ich hatte nur letztens mit zwei Mädels was gehabt, Jungfrauen. War ein wenig ausgeartet. Der Zeljko hat da auch dann gut abkassiert. War auch ziemlich eklig. Das kommt aber auch nicht mit Queen hören. Hähähä. Was macht eigentlich Deine Pornosammlung?

Hans-Günter (zur Theke): Was is mit dem Kurzn?

Juan: Wie Pornosammlung?

DER ZWEIFLER: Ah, da wird der Kleine wieder wach. (Greift Juan zwischen die Beine) Und stehen kann er auch.

Juan (springt wie gestochen auf): Freundchen! Ich sach dir! Dat kannst du mal gleich sein lassen, du Wixer! Mach dat noch mal un du bis so was von tot, da kenn ich nix.

DER ZWEIFLER: Nanana, jetzt komm mal runter. War nur Spaß. Du hast auch kilometerweit danach geschrien. Hmm? Wie Pornosammlung (kichert).

Zeljko bringt Hans-Günters Schnaps. Zum ZWEIFLER gewendet: Ich schreib das bei dir an, nicht wahr? Übrigens, draußen fangen sie wohl an zu zappeln.

DER ZWEIFLER schaut auf sein Mobile: Nee, schon so spät. Scheiße. Wenn man mit Euch Tucken schwatzt! Ich muß jetzt los. War schön, bleibt mal gut steif (grinst zu Juan).

 

 

Eine Moral besitzt diese gesammte Geschichte natürlich nicht. Auch sind die genannten Figuren allesamt erfunden. Sogar erlogen. Das Private ist jedoch auch immer von politischer Relevanz. Falls diese Aussage hilfreich sein sollte.

 

Mit erfreutem Gruße, Ihr Herr Hansen. 


 

Kurzmeldung/Verstimmt

Liebe Welt,

warum hast du es zugelassen, daß Herr Kravitz wieder eine neue Schallplatte unter die geplagten Völker lassen darf? Wieder einmal heischt der Herr Kravitz um nie zu erhaltende Relevanz. Auch hat er sicherlich wieder Filmchen zu seinen dünnen Liedern gedreht, bei welchen sich ausgelassenes Volk zeigt und ein wenig zu sehr erfreut ist, über das verzichtbare Liedgut, das im Hintergrund vermutet wird und für den späteren Seher – das sind wir, die Völker, die geplagten – in den plautzigen Vordergrund gepflockt wird. Mehr zu plaudern wäre Ressourcenverschwendung. Doch weine ich ein wenig mehr über den Tod des Gil Scott-Heron.

Hochachtungsvoll.

Der verstimmte Herr Hansen.

Oops!

Liebe Welt,

sei mir nicht böse, wenn ich solche Worte als Apéritif verwende, denn – jajaja – ich bin da selber auch nicht so für. Nicht wahr.

Doch, als ich mich der Gedanke traf, daß ich in diesem Forum des Lassen-wir-den-Gedanken-in-Wortform-fließen ein paar ebenjener Denkwölkchen über eine junge Frau namens Katy Perry loswerden könnte, blieb nur diese Überschrift übrig.

Denn dies ist, was es zu sagen gibt. Gibt es mehr? … – … – ääh. Nein. Einfach „Oops!“ Sieht das Gesicht der Dame nicht immer nach diesem Ausruf aus? – – – Auswurf anyone?  Na, das ist jetzt vielleicht ein wenig heftig. Nun denn. Natürlich kann ich mich auch damit herauswinden, daß ich mir nie zuvor überhaupt Gedanken über das Thema gemacht hätte, geschweige denn eigenständig Notiz davon nahm. Außer mit jenem – ACHTUNG – Schrott, mit welchem der Mainstream jeden, der sich nicht schnell genug duckt, zu bewerfen gedenkt.

Eine Frage werfe ich jedoch noch auf: Aus welcher möglichen Intention betreibt die junge Frau ihr…, ja – wie nennt man es? Darstellerisches Wesen.

Und wieder Oops! Dabei sind es gar nicht mal die Lautäußerungen an sich, die mein Desinteresse beflügeln, als die sogenannten Messages, welche innerhalb jener Schalalalas einhergehen.

Da hätten wir so zackige Songtitel: Ur so gay. I kissed a girl. E.T. (Kiss me, kiss me, infect me, autotune me). Hot’n Cold. Korrektes Schockpotential. Sarah Palin wird errötet sein. Anne Lister wird sich hingegen kaum ein Schmunzeln erlaubt haben. Teenage Dream heißt eine Platte. One of the Boys eine andere. Dazu ein Schmollmund. Mit großen Augen unschuldig geschaut. Auch mal von Träumen geredet. Die Brüste wackeln gelassen. Mit diesen Geräten hat sie immerhin die Sesamstraße aufgemischt. Cool. Superreligiöse Kindheit überstanden. Von Freddie Mercury geträumt. Wie hieß noch mal die eine Platte: One of the boys. Wäre sie wohl dann gerne gewesen. Queen hören doch die nur die richtigen Rocktypen. Supernörglerisches Grinsen meinerseits. Queen. Ha! Superha!

Womit wir noch keine Antwort auf die Motivation haben. Ruhm. Geld. Mehr Ruhm. Mehr Geld. Nummer-Eins-Hits. O.K. Sich dafür zu verkaufen, ist soweit in Ordnung, als man den Preis dafür als korrekt erachtet und ihn zahlt. Da wären unter anderem niederträchtiges Genörgel zu ertragen, wie das meinige. Das darin gipfeln könnte: Ist diese junge Frau eigentlich in irgend einer gearteten Form wenigstens attraktiv? Hmmm. Im Vergleich zu der Körperlosigkeit einer Lady Gaga könnte es noch zum Sieg reichen. Also mit Lolly im Mund, wenn schon. Aber bereits „the late and great“ Amy Winehouse zeigte, daß Schönheit und Anziehungskraft auch aus Charakter entstehen. Und mit der geschaffenen Kunst eine möglichst positive Symbiose eingehen. Es sollte natürlich nicht so enden, wie es in jenem Falle geschah. Doch wo siedeln wir da unsere Frau Perry an? Keuch. Autotune! Geträller.

Aber was soll das schon, liebe Welt. Die Dame ist ja nicht die erste verbogene Stimmgabel, welche den Äther infiziert. Da gab es schon eine Namenscousine, Linda Perry, die mal als Nicht-Blonde reüssierte und nervte. Später eine Pinke dabei unterstützte, ebenfalls global geballt zu nerven. Und alle werden sie reich. Und gerühmt. Und noch reicher. Ruhmbeladener. Benörgelt. Der Gang der Welt, oder?

Aber wer dachte, ich hätte keinen Pfeil mehr im Köcher? Jetzt:

„Katy Perry. Als hätte es Immanuel Kant nie gegeben.“

Liebe Welt, darfst du ruhig zitieren.

Herzlichst, Herr Hansen

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