Ferien mit Gott Teil 2

Am folgenden Tag begab sich der Wolf zum Teich, um den Fröschen bei der Reise zu dem Haus der Schweine behilflich zu sein. Sie baten ihn, ihr Geschenk zu befördern, da es für sie kaum zu bewegen sei. Es handelte sich um eine im Laufe einer arbeitsreichen Nacht geschaffenen und getrockneten Froschfigur aus Lehm. Mit aufgehaltener Hand. Dem Wolf gefiel, was er sah. Er befand für sich, daß die Frösche eine sehr klare Sprache an den Tag legten. Sie berieten untereinander, welche Meinung ihre Gemeinschaft nach außen tragen sollte, und wenn sie eine Einigung darüber erzielten, dann wurde der Welt Bescheid gestoßen. Der Wolf beneidete die Frösche. Gerne half er ihnen daher beim Transport der Figur, da dies für ihn keine große Herausforderung war. Den Teekessel, den er mit viel Hingabe gesäubert hatte, schwang er in seiner anderen Pfote.

Unterwegs kam die Gesellschaft an dem Haus der Mutter mit den sieben Geisslein vorbei. Der Wolf blickte hungrig zur Tür, als sich diese öffnete und die Geisslein allesamt herausstolperten und tänzelten. Einige winkten dem Wolf und den Fröschen. Darauf rief einer der Frösche dem Wolf zu, daß sich dieser keine Gedanken machen solle, diese Freundlichkeit auszunutzen. Sie seien im Wald alle froh, daß der Wolf so zahm und freundlich sei, er solle diesen guten Ruf nicht willentlich gefährden. Es sei schlimm genug, daß im Nachbarwald, dort wo nun die Schweine lebten, ein fürchterlicher Nussvernichter sein Unwesen treibe. Mäuse und Vögel hungerten dort bereits. Sie stritten sich dort mit anderen Kleintieren schon um das restliche essbare Programm. Der Wolf nickte und hörte nicht zu. Seine Gedanken tanzten mit den Geisslein zusammen. Die Reisegruppe verließ inzwischen ihren Wald und strebten über zwei Felder hinweg in die Richtung des Nachbarwaldes. Unweit des Randes stand der Schweine Haus. Als sie in Sichtweite kamen, erkannten sie schon, daß eine Menge Volk zusammengelaufen war. In diesem Wald wohnten auch einige Elfen und Einhörner, die auch gerade zur Feier eintrafen. Eine Horde Wildschweine lief gerade vor der Türe auf und ab. Der Wolf besah sich das Häuschen und dachte für sich, daß die Angst der Schweine vor einem stürmisch blasenden Drachen nicht groß sein konnte, so windschief dieses Anwesen wirkte. Er mußte schmunzeln bei dem Gedanken über diese Geschichten, welche die Runde machten. Kaum waren Frösche und Wolf eingetreten, hatten ihre Geschenke einem der Schweine gegeben, durften sie bei einem Tanz teilnehmen. Es war ein großes Hüpfen aller anwesenden Gäste. Die Wildschweine sahen zu komisch dabei aus. Die Elfen stießen sich die Köpfen, da sie immer zu hoch hüpften. Dann klatschten die gastgebenden Schweine in ihre Pfoten und damit war das Büffet eröffnet und alle durften zu essen beginnen. Der Wolf stürzte voran. Dabei stieß er versehentlich einige Mäuse zu Seite, die dann quieckend unter die Füsse der Wildschweine gerieten. Der Wolf selbst bekam davon nichts mit, denn sein Kopf verschwand schnell in einer Pfanne voller gebratener Tauben. Es war ein riesiges Schmatzen und Schlürfen, fast alle Gäste waren glücklich, sogar die Frösche, für die es einige Gläser voller Brummer gab. Alleine die Mäuse erlitten noch einen zusätzlichen Schrecken, als sie von den plapperhaften Libellen erfuhren, daß der fürchterliche Nussvernichter auch eingeladen sei. Mehr schlecht als recht nagten und würgten sie an ihren Grashüpfern. Es waren dann jedoch die ungeschickten Wildschweine, welche der allgemeinen guten Laune einen Dämpfer verpaßten. Sie hatten den Versuch unternommen, zu viert eine Pyramide zu bilden. Das dritte Schwein in der Höhe brachte jedoch alles zum Schwanken und sie krachten gegen die Hauswand, die nun ein schweinegroßes Loch hatte. Alle waren entsetzt, besonders die Hausschweine, die nun lautstark zu zetern begannen, daß nun der Drache, wenn er sie wiederfinden würde, ein leichtes Spiel habe, um auch ihr neues Haus umzublasen! Ein Schwein begann zu weinen. Der Wolf, dessen Kopf inzwischen wieder aus der Taubenpfanne aufgetaucht war, begann zu lachen und rief, daß es keinen Drachen brauche, um dieses windschiefe Ding umzublasen. Er könne das selber auch ganz gut. Es weinten nun alle Schweine. Das barmte den Wolf. Er kniete sich zu den Schweinen herab und versprach ihnen, ihr Haus wind-, sturm- und umblassicher zu machen. Dann hätte kein Drache der Welt eine Chance ihr Haus zu zerstören. Die Elfen jubelten, als sie dies hörten. Die Schweine waren unsicher, ob sie diesem Vorschlag trauen konnten. Die Frösche schüttelten ihre Köpfe, über diese ungeschickte Selbstlosigkeit, die ihrem Wesen völlig fremd war. Sie riefen dem Wolf im Chor zu, daß er besser vorher einen Preis nennen solle. Der Wolf entgegnete, daß er den Preis gerade verzehrt habe. Die Tauben seien so vorzüglich gewesen, er habe sich schon seit Monaten nicht mehr so satt gefühlt. In diesem Zustand würde er schnell große Versprechen abgeben, doch sei es ihm das wert.

Ferien mit Gott Teil 1

Es war einmal ein Wolf, der in einem Waldstück lebte, in welchem auch eine Familie an Ziegen ein Haus bewohnte. Der Wolf wußte hiervon, doch sah er sich ungern der Möglichkeit einer schrecklichen Rufschädigung ausgesetzt, wenn er an plötzlichen Todesfällen im Kreise dieser Ziegenfamilie Schuld träge. Er hatte aus diesem Grunde einen Garten angelegt, in welchem er unter anderem Kartoffeln und Rüben anbaute. Zum zweiten betrieb er eine kleine Hühnerzucht, die ihm Eier und auch manches Mal ein Küken auf den Tisch brachte. Der Wolf war recht mager. Einige Schritte von seiner Behausung befand sich ein Teich, in welchem eine Handvoll Frösche lebte, mit denen der Wolf eine gute Bekanntschaft pflegte. So lebte der Wolf und es war ein ärmliches Leben, doch war der Wolf nicht unzufrieden.

Dies sollte sich ändern, als im Nachbarwald eine dreiköpfige Schar an Schweinen in ein Häuschen zog. Es hieß, sie hätten das kleine Häuschen umgebaut, an allen Ecken und Kanten verstärkt, denn sie waren zwar vorlaut, wie man sich erzählte, doch schienen sie auch eine große Angst zu haben, daß einst ihr Häuschen umgeblasen würde. In ihrer vorherigen Heimat solle genau dies passiert sein. So hörte es der Wolf von den Fröschen, die es von den Libellen erfahren hatten und alle kratzten sich an ihren Köpfen. Ein Haus umblasen? Das müsse entweder ein wildes Geschöpf gewesen sein, oder ein sehr mäßig errichtetes Häuschen. Die Libellen vermuteten sofort das erstere und nahmen einen Drachen an. Die Frösche schlossen sich dieser Meinung an, doch der Wolf wollte davon nichts wissen und erklärte den Libellen und Fröschen, daß ihm noch nicht bekannt sei, daß Schweine gute Häuserbauer seien. Er wolle von der Idee eines Drachens nichts wissen. Das sei ein ausgemachter Unfug, ein Humbug. Der Wolf zog sich in seine Behausung zurück und aß Spiegelei auf Bratkartoffel.

Am nächsten Morgen fand der Wolf einen Brief vor seiner Tür. Er rief zu den Fröschen im Teich: „Holla, ich habe einen Brief bekommen. Der erste Brief in meinem Leben.“ Die Frösche waren nicht beeindruckt, denn auch sie hatten einen Brief erhalten, jeder von ihnen. Der Brief sei von den neuen Schweinen. Der Wolf, der den Brief selber noch hoch in seiner Hand hielt, besah sich das Schreiben und ja, es war von den Schweinen. Es handelte sich um eine Einladung für den kommenden Tag, an welchem sich die Schweine in diesem Wald vorstellen wollten. Nichtsdestotrotz fühlte der Wolf sich fröhlich über diese Botschaft. Er überlegte, ob er ein Gastgeschenk machen solle. Er setzte sich an den Teich, um sich mit den Fröschen zu besprechen. Diese hielten zunächst nichts von der Idee, schließlich seien die Schweine neu hier und müßten Geschenke machen, wobei der Wolf sie überzeugen konnte, daß die Einladung zu einer Vorstellungsfeier bereits ein Geschenk sei. Die Frösche murrten noch ein wenig, berieten sich nun noch lauter mit viel Gequake, um abschließend mitzuteilen, daß sie sich mehrheitlich für ein kleines Gastgeschenk entschieden hätten. Nun müsse man noch darüber Rat halten, welches Geschenk denn gegeben werden könne, und welches Geschenk für drei Schweine geziemend sei. Schließlich sei man weiterhin davon überzeugt, daß die Schweine Opfer eines Drachens seien, bevor sie in diesen Wald gezogen seien. Der Wolf hörte sich dieses Ergebnis ungerührt an, dann wünschte er den Fröschen viel Erfolg bei ihrer Suche nach einem Ergebnis und lief in seine Behausung zurück. Er hatte schließlich den Ball des Gastgeschenkes ins Rollen gebracht, nun mußte er auch liefern. Er überlegte sich, daß es am besten sei, wenn er sich das Haus der Schweine einmal ansähe, aus sicherer Distanz, um vielleicht etwas zu entdecken, was diesen neuen, entfernten Nachbarn noch fehlen mochte. Möglicherweise würde er auch unterwegs noch einige Kräuter und Insekten entdecken, die seinen Hunger stillen konnten. Möglicherweise war der Hunger auch ein großer Anteil seiner Freude über die Einladung. Er hoffte insgeheim, daß die Schweine sich nicht lumpen ließen und eine reiche Tafel aufdeckten. Dafür wolle er sich dann bei seinem Geschenk auch nicht zurückhalten, dachte der Wolf, während ihm das Wasser schon aus dem Mäulchen lief. In der Nähe des Hauses der Schweine fand der Wolf einen rostigen Teekessel, den er aufhob und als Präsent für genügend befand.

01. August 2015

Guten Tag, liebe Leserin. Es ist einige Zeit vergangen, seit ich zuletzt an dieser Stelle ausholte, um meine Gefühle zu äußern oder einfache abstruse Geschichten in die Welt hinauszulassen. Warum schwieg ich seit Wochen? Gab es keine neuen Gedanken? Nein, ganz im Gegenteil. Es war mir einfach unmöglich soweit zu fokussieren, daß ich an dieser Stelle auch nur ein fast vernünftiges Wort hätte äußern können.

Das sei heute möglich. Ich möchte daher beginnen, Sie mit dem rätselhaften Wesen von Äußerungen zu belästigen. Die folgenden zwei Sätzen sind dabei die Konfrontation:

„Der Neoliberalismus ist der neue Faschismus“ lautet der Erste.

„Neoliberalisten sind die neuen Faschisten“ ist darauf die Nummer Zwei.

Sie spüren vermutlich schon, worauf ich hinaus will. Im ersten Fall wird eine wirtschaftspolitische Strömung unserer Tage beschrieben und in eine negative Ecke gestellt. Im zweiten Fall wird das ganze auf eine persönliche Ebene geholt. Die Menschen, welche in Fall #1 noch als Teil eines Ganzen beschrieben werden, sind nun demaskiert. Doch was möchte ich Ihnen genau damit sagen? Zum einen ist dies meine Meinung. Vor allem die Aussage #2. Der erste Satz kommt verängstigten Menschen über die Lippen, wobei ich damit keinen Vorwurf gegen diese verknüpfen möchte. Doch ist mir wirklich daran gelegen, jene Zeitgenossen, welche neoliberalen Wirtschaftsströmungen etwas Positives abgewinnen können, meinen ganze Hass entgegensetzen. Warum? Weil sie die neuen Faschisten des 21. Jahrhundert sind. Die Feinde jedweden humanen Umgangs in dieser Welt sind nicht ein paar verirrte NPD’ler oder Pegidisten, sondern jene, welche das Unbehagen, welches auch jene fehlgeleiteten Teilzeitrassisten befällt und in ihren Visionen bestätigen mag, erst entfachen und schüren. Und so kommen wir auf die Neuauflage von „Mein Kampf“: Es heißt heute TTIP, als Beispiel. Wie schon in der blutigen Erstauflage im 20. Jahrhundert ist es für die Großwirtschaft wichtig, den Faschismus an die Macht zu hieven. Denn, meine lieben NPD’ler und Pegidisten und andere mittelständische Ausländer- und Asylfeinde: Möchtet Ihr wissen, wie es Euren sogenannt arischen Vorvätern in jenen als glorreich aufgebauschten – je nach Geisteshaltung sind es zwölf oder auch tausend – Jahren ergangen ist? Jenen aufrechten Deutschen, die auch mit ihrem Schweiß und Blut jenen Unterdrückungsstaat mit konsequenter Ausbeuterhaltung stützten, ohne zu wissen, wie sehr sie von ihren Führerwesen betrogen und – je nach sexueller Ausrichtung – in ihren blanken Arsch gefickt wurden? Ist der Arier Max Mustermann aus Mainz in jenen Jahren vom einfachen Bürger zum Wohlstandswesen geworden? Kennt Ihr einen Menschen, der in jenen Tagen einfach aufgrund der politischen Situation aufgestiegen sei? Vermutlich nicht. Alles, was in jenen Tagen vielen deutschen Bürgern unrechtmäßig geraubt wurde, ist in den von vornherein üppig gefüllten Taschen jener gelandet, die entweder schon vor 1933 begütert waren oder zur politischen Elite gehörten. Falls Sie Fakten brauchen, forschen Sie bitte nach, wie Josef Neckermann zu seinem blühenden Versandhandel gekommen ist, der ihm auch nach 1945 nicht mehr abhanden kam. Soviel zu nicht gesühntem Unrecht.

Und so wird es wiederkommen. Mit einer Hand voller gekonnt platzierten Unterschieden. Da der neoliberale Faschismus der Gegenwart weiß, daß die Politik selbst nicht mehr so blauäugig ist, daß sie sich wie in jenen wilden 1920’er Jahren aushebeln ließe – wobei in jenen Tagen auch die Macht der alten, kaisertreuen Eliten noch ihren erheblichen Teil beisteuerte – so nutzen die neuen, global auftretenden und vernetzten Extremisten des Kapitalismus neue mitgestalteten Hohlräume, um mit deren Hilfe entscheidende, zukunftsträchtige Nervenzentren zu besetzen. Ein Mittel hierzu ist jener TTIP genannte Hammer, welcher sich 1933 als der Reichstagsbrand zeigte. Mit Hilfe dieses Werkzeuges ließen sich damals schon die Ermächtigungsgesetze gegen jeden noch übrig gebliebenen Glauben an solch Utopisches, wie die Demokratie durchprügeln und auch heute werden wir noch erfahren, welche neuen Einsatzmöglichkeiten sich bieten werden. Was schon klar angezeigt ist: Politik in ihrer zur Zeit noch durchgeführten Erscheinungsform wird beendet. Ein Bundestag, ein House of Commons, ein amerikanischer Senat, eine Duma werden noch tagen, doch wird ihr Wirkungsfeld unbedeutend sein. Nationalstaaten werden noch existieren, Grenzen werden noch bewacht werden, es wird mit höchster Sicherheit noch bewaffnete Konflikte geben, doch ist dies nur noch Spektakel im Sinne der neuen Herren. Wer werden diese sein?

Namen werden dabei keine Rolle spielen, denn wo einst führende Spinner jener untergegangenen DDR noch meinten, daß „die Partei immer Recht hat“, so wird in Zukunft mehr als bereits heute „Der Markt alles regeln“. Dies ist die neue Maxime des kommenden Totalitarismus.

Ich werde nun einige Fragen stellen:

Aus welchem Grund sind Wirtschaftsjournalisten schon seit etlichen Jahren immer wieder mit Äußerungen aufgetreten, daß diese oder jene Fusion/Übernahme wichtig sei, sie gar nicht zu vermeiden sei? Anders formuliert ließe sich fragen, warum eigentlich zur Objektivität verflichtete Journalisten dem Größenwahn der Wirtschaft das Wort reden?

Aus welchem Grund lassen sich die sogenannten Volksvertreter – vor allem der aktuell noch existierenden europäischen Demokratien – von jenem hemdsärmeligen, neuen Faschismus zur Bedeutungslosigkeit degradieren? Wenn diese Menschen noch einen letzten Funken an Anstand und Ehre besäßen, würden sie endlich aufstehen und dem syndikalistischen Moloch, der vor ihren Augen entsteht, Einhalt gebieten. Doch nein! Die Angst geht auch in Berlin, Paris, London, Rom, wo auch immer um, daß man persönlich nach der Zeitenwende, die uns allen droht, von der neuen Herrschaftsebene heruntergefegt wird. Wir wissen noch nicht, wo und wie das neue Auschwitz entstehen wird, doch das es kommt, daß wird selbst der wetterwendisch verängigstigte, europäische Mittelstand zu spüren bekommen, der sich zur Zeit noch vor ärmlichen, verängstigteren Flüchtlingen aus den schon entstandenen Krisengebieten fürchtet.

Die nächste Frage schließt hier nahtlos an: Wann wird die versagende Politik vielleicht noch eine letzte Kehrwende schaffen und den Märkten einen Riegel vorschieben und Spekulation um Währungen und Grundnahrungsmittel verbieten? Wann wird eine auch über Europa hinausgehende, globale Regelung getroffen, daß Wasser ein Gemeingut ist und niemals in ein Unternehmensportfolio integriert werden darf? Und Wasser ist dabei wirklich der Name des kleinsten, gemeinsamen Nenners.

Warum sind Banken systemrelevant? Diese Frage ist in insofern wichtig, da wir in den letzten sieben Jahren leider Zeugen werden mußten, welche Mengen an Volksvermögen dazu mißbraucht wurden, um der Bejahung dieser Frage zu dienen. Insofern möchte ich die Frage auch umstellen: In welchem System sind Banken relevant? Im ersten Moment möchte man dabei daran denken, daß Guthaben von Bürgern und Unternehmen im Falle eines Bankentodes bedroht sind und der Zerstörung anheim fallen. Doch genau dies ist es, was in Krisenfällen, wie dem drohenden Staatsbankrott in Griechenland passiert. Und das schon bevor der Worst Case Scenario eintritt. Wen schützt dieses System, in welchem Banken relevant sind?

Wir, die Bürger der sogenannten Ersten Welt, haben diese Situation heraufbeschworen und gefördert. Wir handeln seit etlichen Jahren mit Aktien. Wir wollen den tosenden Fortschritt. Wir lieben unseren Wohlstand und unsere Informationsflut. Wir sind abhängig vom Thrill der Gegenwart. Und wenn ich diese Worte hier auf einem Portal, wie Facebook, veröffentliche, mag dies als Paradox erscheinen, doch liegt mir daran, die Möglichkeiten, die hier geboten werden, für diese Revolte zu nutzen.

Es ist an der Zeit den global agierenden, sich selbst für mehr als systemrelevant ansehenden Konzernen und Lobbygruppierungen zu zeigen, daß der moderne Mensch fähig dazu ist, den wahren Feind der eigenen Freiheit zu erkennen und sich ihm entgegenzustellen. Ich verbiete keinem jener Konzerne, sei es Nestle als Beispiel, nicht, ihr Kerngeschäft zu betreiben und Produkte herzustellen und sie, wo es gesetzlich möglich ist, zu vertreiben, doch ihrem Machtstreben sind Grenzen zu ziehen. Es muß verboten sein, daß jene TTIP vorantreibenden Konzerne sich jenseits der Politik, und damit sind die Interessen von Völkern, Bürgern, Menschen gemeint, ein eigenes, wucherndes Herrschaftswesen zu installieren. Es ist eine klare Grenze zu definieren, wo die Interessen von Bürgern bedroht werden, und wenn sich dabei einer jener Konzerne zu erkennen gibt, ist er zu zerschlagen. Die Politik, die Staaten müssen wieder eine erkennbare Handlungsfähigkeit zurückerlangen. Dazu muß eine striktere Trennung der Arbeit eines Politikers von wirtschaftlicher Tätigkeit vollzogen werden. Es kann nicht sein, daß gewählte Volksvertreter gleichzeitig in Aufsichtsräten von Unternehmen sitzen. Dies mag Usus sein, doch letztlich ist es ein Verrat an jenen, die von diesen Menschen vertreten sein wollen. Genauso muß das Unwesen an Parteispenden vollständig ausgeschaltet werden. Ein Blick in die Vereinigten Staaten von Amerika mag genügen, um zu erkennen, welches Höchstmaß an Terrorismus hieraus entsteht, wenn Frauen, wie Männer, die sich um politische Ämter bewerben, ihren sogenannten Wahlkampf nicht mehr durchführen können, wenn sie nicht mehrere Millionen an Dollar Spenden erhalten? Liebe Leserin, Sie mögen sich vermutlich daran stören, daß ich diese Form von Finanzierung Terrorismus nenne, doch frage ich Sie, wieviel infrastrukturielle Hilfe möglich wäre, wenn diese gesamten Ausgaben dazu genutzt würden, um in überbevölkerten Teilen dieses Planeten nur einmal Grundsätzliches, wie die Wasser- und Hygieneversorgung verbessert würde? Ich bleibe dabei, Wahlkampfspenden als multinationalen Terrorismus zu brandmarken, der die IS als kleine Pfadfindergruppe aussehen läßt. Und vergessen Sie bitte nicht, daß dieser Akt des Terrors eine bakterielle Infektion hinterläßt, die später erst zu wahrer Pracht ausbrechen wird. Oder halten Sie George W. Bush wirklich für den verantwortungslosen Volltrottel, den er über Jahre spielen mußte? Der Mann wußte, das er früher oder später enttarnt würde. Und hier geht es nicht um Verschwörungen, sondern darum, zu erkennen, daß eine Menge Geld an der falschen Stelle Leichenberge produziert. Es ist dabei egal, wie. Es wird passieren. Mit Gott, oder ohne Gott. Religion ist kein Teil jenes Spektakels, das im Laufe der technischen Revolution des 20. Jahrhunderts aufgezogen und bis heute verfeinert wird.

Lesen Sie ruhig George Orwells 1984. Sie können die dort genannten Namen gerne durch jene ersetzen, die Ihnen dabei durch den Kopf gehen mögen. Und danach ziehen Sie ihre Schlüsse und handeln.

03. Juli 2015

Oha, wie gerne erinnere ich mich an den späten Winter 2005. Damals war es knackig kalt, und ich befand mich in Trier zu Dreharbeiten, welche die Krönung meiner bisherigen darstellerischen Tätigkeit wurde. So niedrig sind die Maßstäbe der kleinen Amateurschauspieler, hehehe. Und ich war sicherlich der Amateurhafteste unter ihnen. Der Kostümbeauftragte schimpfte mit mir, wenn auch zärtlich, doch war er sichtlich erbost, daß er nicht etwas mehr Zeit zur Verfügung gehabt habe, ein wirklich passendes Kostüm zu beschaffen, schließlich solle ich doch als Papst auftreten, nicht als Bischof. Er hätte es mir gegenüber nicht zu erwähnen brauchen, denn als religiöser Mega-Ignorant wäre mir niemals der Unterschied aufgefallen. Ja, Sie haben richtig gelesen! HI Hansen, Filmstar, hat den Papst gespielt. Und das in Trier, auf dem recht großen, sogenannten Domfreihof. Und gab es einen Wohnwagen, im welchem ich mich hätte ankleiden können, in dieser für den Ort doch recht freveligen Kleidung, denn in Trier gibt es einen hauptamtlichen Bischof, dem ich Amateurschauspieler nun Konkurrenz machte. Dazu war ich jünger und überraschenderweise auch schlanker und mit mehr Haupthaar ausgestattet. Ein Bild von einem Bischof, so die Kleidung, der sich als Papst ausgab. Vor einigen hundert Jahren hätten etliche Trierer Bürger nach nur einem Blick mit dem Holzsammeln begonnen, um einen bischöflich ehrwürdigen Scheiterhaufen zu errichten. Und sie hätten gesagt: „Egal, ob Bischof oder Papst oder stattlich und gut gewachsen, der Schauspieler wird sicher gut brennen. Kann noch einen schnell nach Luxemburg Sprit holen gehen?“ Unweit des Trierer Domes, in welchem sich dieses ganze Geschehen abspielte, gibt es eine kleine Gasse mit dem Namen „Sieh-um-Dich“. Mehr will ich dazu gar nicht sagen. Es gab keinen Wohnwagen, wie man sie ansonsten von anderen Low-Budget-Produktionen kennt, nein, ich legte mein Gewand in der örtlichen Dom-Informationsstelle an. Dort gibt es eine Toilette. Herein als stattlicher, bischöflich gesehen schlanker Zeitgenosse, heraus als Papst im Bischofsgewand. Sie können sich denken, daß – trotz meiner vorherigen Kontaktaufnahme, ob mein Tun genehm sei – die Blicke der vermutlich erzkatholisch gesinnten Angestellten Gefühle in mir weckten, von denen ich bis heute nicht weiß, ob sie nicht doch vielleicht Ursache für den ein oder anderen Alptraum waren. Immerhin wollte man in Trier kaum mehr als fünfzig Jahre zuvor den großen Arno Schmitt wegen Pornographie in seiner Erzählung Seelandschaft mit Pocahontas belangen, worauf er kurzerhand nach Darmstadt umzog, da dort weniger verbissen mit Gott geurteilt wurde. Die Anklage wurde abgewiesen. Und wer bin ich schon gegenüber dem großen Arno Schmitt! Was mich beruhigte, war das Wissen, daß die nächstgelegenen Bäume eine ziemliche Fußstrecke entfernt waren. Und so konnte ich endlich im vollen Ornat in die Öffentlichkeit treten und Ausschau halten nach dem Drehteam. Wie ich möglicherweise schon angedeutet hatte, handelte es sich um eine partielle No-Budget-Produktion. Teuer war höchstens das Fahrzeug, in welches ich einsteigen sollte. Ich bin mir da nicht mehr ganz sicher, doch vermute ich, daß es sich um einen Porsche gehandelt hat. Ja, wenn ich tiefer steige, erinnere ich mich daran, daß ich in diesen Klamotten ganz schöne Probleme hatte, mich so tief hinab zu bewegen, ohne eine vermutete päpstliche Eleganz völlig aufzugeben. Auf jeden Fall habe ich damals nicht gefroren. Und war eigentlich relativ erleichtert, als mein Part im Kasten war. Ja, was war mein Part? In Ornat in ein Auto einsteigen? Ja. Das war es. Und dabei versuchsweise einen Hauch an Würde aufrecht erhalten. Leider mußte ich vor einigen Monaten feststellen, daß keiner der Menschen, die damals an diesem Produkt beteiligt waren, noch eine Kopie besitzen. Ein nachträglicher Fluch mag darauf gelegen haben. Wie gerne würde ich diese Klamotte, ohne die Rechte zu besitzen, auf YouTube veröffentlichen, alleine, um eventuell als neuer Dieter Hallervorden zu reüssieren. Hinter dem Verschwinden aller Kopien kann nur Bono stecken. Ja, der Sänger von U2. Ich wollte diese Band heute beschimpfen, das sei hiermit erledigt.

02. Juli 2015

Es ist einige Jahre her, da durfte ich eine Rolle in einem Film übernehmen. Es war keine große Rolle, sie lag gerade einmal darin, daß ich eine Frau erwürgen sollte. In der nächsten Szene, glaube ich, mußte ich eine Zigarette rauchen, die auf einer langen Spitze saß. Visuelle Dekadenz, verstehen Sie. Dann sollte mir heiß werden, worauf ich an einem Hitzeschock versterben mußte. Meine letzten Worte waren entsprechend: „Es ist heiß!“, gefolgt von einem Keuchen. Natürlich steht diese Erinnerung in Bezug zum aktuellen Wetter, daß wirklich einen tödlichen Atem besitzt. Doch möchte ich noch bemerken, daß diese Folge an Filmbildern durchaus einen moralischen Hintergrund versteckt zu halten meint. Schließlich endet meine Todesszene mit den Worten eines Schaulustigen, der sowohl Mord, als auch späteres Versterben ungerührt beobachtet: „Tja, wer die Hitze nicht verträgt, sollte niemanden umbringen.“

Es ist letztlich das Übel der unabhängigen Filmproduktionen, daß solche Schätze vielleicht einmal in einem Fast-Multiplex-Kino gezeigt werden, um dann für alle Zeiten zu verschwinden. Ich frage mich, wo und wer solche Gemmen hegen mag. Die wirkliche Hitze, die gerade durch mein Arbeitszimmer wälzt und Gedanken an die Sterblichkeit aufgehen läßt, wie Hefeteig in einem Backofen, treibt mich in die kühlen Erinnerungen. Und es ist ganz klar, daß diese selbst gerne heiß daherkommen, wie jene Todesszene, bei welcher ich mir im Hinsinken an die Brust griff. Warum? Der Regisseur ließ das so geschehen, doch ich frage mich gerade, was der Grund gewesen sein mag, daß ich dies tat? Klar, daß ich mich nebenher frage, wie ein Mensch aufgrund von Hitze stirbt und vermutlich habe ich vor der Kamera korrekt gehandelt, daß ich mir diese Frage vorher nicht stellte, denn Menschen, die vor Hitze sterben, tun dies genausowenig. Jedenfalls wünsche ich niemandem zur Zeit diese Erfahrung machen zu müssen. Und damit möchte ich noch einmal zurückgreifen auf den moralischen Hintergrund: Nein! Ich bin gegen die Todesstrafe. Letztlich wird jeder Mörder früher oder später vom Leben hingerichtet, zum Beispiel durch Pocken. Oder einen Oberschenkelhalsbruch. Unbemerkt gebliebene Unterleibsinfektionen. Das selbe gilt für Scheckbetrüger, Verkehrsrowdys und Kinderschänder. Das heißt nicht, daß diese Gruppierungen alle frei wie Vögel umherstreifen sollten oder dürfen, doch kann man sich die Energiekosten für staatliche Sterbehilfe sparen. Sollten Staaten nicht davon lassen können, gibt es noch heiße Gegenden, wie die Sahara. So sitzen dann dereinst amerikanische und chinesische Strafvollzugsbeamte vor Bildschirmen, auf denen zum einen die Pasolini-Verfilmung von Salò oder die 120 Tage von Sodom läuft und rechter Hand kontrolliert man via Satellitenbilder in Echtzeit, wie der Pulk der ausgesetzten Scheckbetrüger sich durstgeplagt durch die Wüste wälzt und kleiner wird. Möglicherweise haben die Scheckbetrüger jedoch Glück in ihrem untröstlichen Zustand, und hinter der nächsten Düne lauern riesige Killerameisen aus Metall. Das aktuellste wirtschaftliche Projekt der neuen chinesisch-amerikanischen Wirtschaftsunion. In Hongkong-Nord geplant und entwickelt, an drei Standorten in Arizona gebaut und einem Hitzetest unterzogen, damit die Sahara nicht doch einfach zum Ort eines langweiligen Hitzetodes wird. Spaß muß sein, so lautet die heimliche Devise von Exekutoren. Wer will es ihnen verdenken? Überall geht mal was schief, wird Schmu gebaut, nur bei ihnen soll immer alles glatt gehen, wie der Schnitt einer Guillotine. Wenn man eine solche zu lange in der prallen Sonne stehen läßt, hinterläßt sie vermutlich sogar Brandwunden bei Benutzung. Wo mir gerade einfällt, daß ich seinerzeit diesem Ort der kuriosen Geschichten, Beschimpfungen und anderen Ungereimtheiten, sowie Betrachtungen die Beschreibung „semi-pornographisches“ auf den Weg gab. Ich habe diesen Teil seit langem nicht mehr bedient: Deswegen möchte ich kurz anmerken, daß in jenem Planungsbüro in Hongkong-Nord ein männlicher Mitarbeiter permanent nackt umhereilt. Warum männlich, werden Sie fragen? Niemand behauptete hier sei Erotik gefragt und mit einem nackten Mann erreiche ich schnell das Mindestmaß an Semi-pornographischem. Wunderbar, weiter im Text. Und schon höre ich Sie wieder klagen, daß ich bei diesen Temperaturen nicht so eilen solle! Sie haben vollkommen Recht. Ich setze mich daher wieder in die leider nur eingebildete Kühle eines Kinos und erinnere mich eines weiteren schauspielerischen Einsatzes, der leider komplett verschollen scheint. Das bedrückt mich, denn ich durfte nie mehr in einer besseren, professionelleren Kostümierung arbeiten. Und weil jetzt meine hemmungslosen Tränen verdampfen, gibt es erst in der kommenden Erzählung die Auflösung über diesen cineastischen Leckerbissen. Und ich nehme mir vor, zu beschimpfen. U2, wen sonst.

01. Juli 2015

Im Kopf, tief drinnen, sitzt ein roter Knopf. Diesen darf niemand drücken. Es ist der (Selbst-)zerstörungsmechanismus, der dadurch ausgelöst wird. Wenn ich unter Schmerzen bin, ist der Weg freigelegt. Passend zu diesen Gedanken lief gerade der wunderbar in Harmonien badende, sanfte Gesang theme aus dem heiteren Paris au printemps-Album von Public Image Limited. Wie singt der gnädige John Lydon dort: and I wish I could die. Der Hörer mag sich wundern, wie sich dieses wunde Röhren vor dieser unbarmherzig rotierenden Bass-Schlagzeug-Gitarrensplitter-Maschinerie überhaupt noch am Leben erhält? Das Schlagwerk (ja, so muß man es tatsächlich benennen) erinnert nirgends besser an den Rhythmusgeber einer Galeere. Das die Gitarre an sich, ob der aggressiven Schleifarbeit, Funken absprüht, erscheint mir sehr wahrscheinlich. Keith Levene, der hier für diese feinmechanische Zerstörungsarbeit an den Synapsen zuständig ist, belegt mit dieser Aufnahme seinen Doktorarbeit in neurologischer Infarkterzeugung. Jah Wobble am Bass geht in diesem Tumult leider etwas unter, doch vermute ich, sind seine Zähne schon als Anblick tragisch genug, um den Lydon’schen Ausruf auszulösen. Hehehe, Pennsatucky-Style. Ich vermute, die meisten Leser werden inzwischen das heftige gefühlsmäßige Pendeln in diesem Text bemerkt haben und ich möchte kurz anmerken, daß dies nicht damit zu tun hat, daß ich eventuell gerade mal ein Wort pro Vierteltag schreibe, wodurch verschiedenste Mentalzustände ihren Niederschlag fänden. Nein, so nicht. Ich kann innerhalb von Sekunden mein Empfinden brachial verändern. Und derweil heult John Lydon immer noch uns diametral ins Gesicht, daß and I wish I could die. Was ist so bemerkenswert an dieser Aussage? Liegt es an dem wirklich erkennbaren Überdruß, der da mitschwingt? Liegt es an Jah Wobbles Zähnen? Liegt es an Paris im Frühling? An den Pariser Bürgern, die dort John Lydon während eines Konzertes betrachteten? Okay, der Song ist ja schon älter, als diese Aufnahme und so fällt Paris als Stadt des tief empfundenen Todeswunsches leider aus. Derweil möchte ich dennoch anmerken, daß ich schon in Paris weilte und wirklich lieber tot gewesen wäre. Und es lag durchaus an Paris! Teilweise ausgelöst durch die mir mangelhaft bekannte, oder tatsächlich vor Ort mangelhaft ausgeprägte Infrastruktur an guten Plattenläden. Schämt Euch, ihr Pariser! Vinyl muß an der Champs Elysée verkauft werden! Da, wo ich herumgeschleppt wurde. Was interessieren mich irgendwelche französischen Prachtbauten, auf die man sich nebenher über ellenlängere Prachtstraßen hinbewegen muß, ohne je das Gefühl zu erlangen, daß man sich überhaupt vorwärtsbewegt. Nebendran fahren Franzosen auch noch Auto. Ich sollte lieber schreiben: Als mitgeliefertes Schauspiel führen Franzosen in Karosserien waghalsigere Manöver vor, als sie sich Transformers-Drehbuchautoren je ausdenken könnten. Und das zu 90% Haftpflicht unversichert. Könnten arglose Touristen nicht leihweise mit Scheuklappen bestückt werden, damit sie sich diese suizidal-fröhliche Treiben nicht noch mit ansehen müssen? Wer soll das aushalten? Stellen Sie sich diesen mackenbeladenen, amerikanischen Detektiv namens Monk vor, den schon ein paar Laserpointer zu springteufelhaften Tanzen bringen? Er würde sich sofort entleiben, müßte er dem Verkehr entlang französischer Prachtstraßen beiwohnen. Keith Levenes Gitarre, laut über Kopfhörer, hilft da schon einen Schritt weiter. Wie akustische Handgranatensplitter dringt sie durch die Szenerie, hinterläßt tiefe, bluttriefende Wunden. Die Bilder klaffen. Oder zerreissen sie die Augen der Schaulistigen. Genau. Zu lange gestarrt, der kleine Levene kommt und übernimmt die Kontrolle. And I wish I could die. Es sind die Hörer, die da singen, es ist nicht John Lydon. Er wird als Medium genutzt, um den anschwallenden Überdruß hörbar zu machen. Nein, mein Name ist nicht Greil Marcus. Aber ich weiß, daß Sie das denken. Ich weiß. Morgen höre ich mir lieber Cleaners from Venus an. Und das Paris der 1990er kann der Teufel holen, und durch Prachtboulevards voller unabhängiger Plattenläden ersetzen. Kilometer lang sollen sie sein. Man kann dort kaufen. Man kann jedoch auch eigene Ware mitführen, die dort gewienert und gewaschen wird. Die glänzenden Vinyls werden von Hand Dir übergeben. Mit Kennerblick wirst Du gemustert. „Sie besitzen diese Original-Seven-Inch von Bent Fabric?“ „Ja.“ „Oh! Auf Metronome, wie ich sehe.“ Der Übergebende zieht fast unbemerkt die Augenbraue in die Höhe. „Ja, ich habe sie mal irgendwo gekauft.“ „Ein glücklicher Kauf, wissen Sie?“ Für einige Momente darf man sich gut fühlen, dann wird Dir wieder klar, daß a) die Single trotzdem nichts wert ist und b) die Musik – das Eigentliche eines solchen Produkts – unerträglich fade. Der Traum sollte dennoch in einem Paris der Zukunft umgesetzt werden. Nick Hornby, bitte finanzieren oder Investoren klarmachen!

28. Juni 2015

Die Kritik vorab… Weswegen müssen deutsche Filmverleihe auch Jahrzehnte nach der widerlichen Erfindung eines gewissen Balduin als wiederkehrender Protagonist von Louis-de-Funes-Filmen weiterhin Filme mit nichtssagenden und unpassenden deutschsprachigen Titeln versauen? Wenn irgendwann die Kinos bei eigentlich hervorragenden Filmen leerbleiben, kann das ein durchaus plausibler Grund sein.

Filme von Quentin Tarrantino werden auch ohne deutsche Titel stark besucht, also warum läßt man es nicht generell dabei? Mein aktuelles Unbehagen bezieht sich auf die Paarung des schon zuvor angedeutenden, umwerfend guten Films the perks of being a wallflower, welcher eingedeutsch plötzlichVielleicht lieber Morgen heißt. Warum? Was sich wie eine zögerliche Aussage anhört, findet nirgends innerhalb des Filmes und seiner Geschichte eine Entsprechung. Also bleibt die Frage offen, warum man nicht einfach die Aussage aus der Synchronisation übernimmt, wonach die „Vorzüge ein Mauerblümchen“ zu sein, erwähnt werden. Aber das scheint den genormten deutschen Kinogänger wohl nach Meinung des Filmverleihs zu überfordern.

Damit genug der negativen Energie. Und weiter mit Aussagen aus den Mündern der Schauspieler: „Glaubst du, die Leute werden noch mit jemandem reden, wenn sie wissen, wie verrückt man wirklich ist?“ Die Aussage des Charlies, der die Hauptfigur in dieser Buchverfilmung ist, läßt sich besser verstehen, wenn die Umstände bekannt sind. Deswegen ein paar verräterische Bemerkungen: Charlie leidet an Depressionen, eventuell erhält er eine Medikation mit Psychopharmaka, hat ein Jahr vor der Handlung des Buches einen engen Freund durch Suizid verloren. Ein Verlust, an welchem Charlie noch spürbar leidet. Auch fühlt er sich schuldig am Unfalltod seiner Tante Helen einige Jahre zuvor, mit welcher ihn jedoch eine zum Zeitpunkt der Bemerkung in Film und Buch noch nicht bekannte erweiterte Beziehung verbindet, bzw. quält. Charlie stellt sich zu Beginn der Handlung als enorm schüchterner Protagonist vor. Im Film ist dies brillant verkörpert durch den fast permanent von unten herauf gerichteten Blick, nicht ganz Shoegazer, aber fast. Es wundert nicht, daß Charlie sich als Liebhaber der Musik von Nick Drake outet. Auch wird ein ebenso ständiges Zittern, meist der Hände, dargestellt. Laut einiger Aussagen hat er ebenfalls Probleme mit Halluzinationen. Darüber hinaus schreibt er einem imaginären Freund Briefe über sein Leben. Dies könnte jedoch auch eine Art der Verlustbewältigung aufgrund des erwähnten Suizids sein, denn inmitten des Filmes erwähnt Charlie die eigene Trauer, das der Freund keinen Brief hinterlassen habe.

Die Person, welcher Charlie die Frage stellt, ist Sam. Die junge Frau, in die sich Charlie verliebt. Auch sie ist problembehaftet. Als sie von Charlie erfährt, daß er noch nie ein Mädchen geküsst hat, übernimmt sie mit Ernsthaftigkeit diese Aufgabe, damit „Charlie seinen ersten Kuss von jemandem erhält, der ihn liebt“. Wir erfahren hier, daß sie im Alter von elf Jahren vom Chef ihres Vaters geküsst, sprich mißbraucht wurde. Sie pflegt bis zu diesem Moment oberflächliche, aber hoffnungsbeseelte Beziehungen, die eine hohe Quantität zu erreichen scheinen, denn ihr Ruf ist schlecht. Sie scheint dabei auch keinen wirklichen emotionalen Input zu leisten. Entsprechend ist die Figur des Craig, welcher den größten Teil der Handlung als der Beziehungspartner von Sam genannt und gezeigt wird, eher ein Utensil, das in der einen Szene anwesend sein mag, in einer anderen Szene dann wieder nicht. Es wird auch möglicherweise über die Nichtanwesenheit gesprochen, doch ein Unterschied stellt sich nicht heraus. Sam selbst ist vielmehr innerlich damit beschäftigt, ihre eigene Mitte zu finden und zu fühlen, um damit auch eine Richtung in ihrem Leben zu schaffen. Auch hegt sie innerhalb der Handlung mehr und mehr Gefühle für Charlie.

Zurück jedoch zu Charlies Frage danach, wie verrückt man sein darf. Diese Frage geht über den Film an sich hinaus, sie berührt jeden. Ob man den Film gesehen, das Buch gelesen hat, ob man einen ähnlichen Hintergrund hat, wie die Protagonisten. Es spielt keine Rolle. Denn man befindet sich auf einer der beiden Seiten, jederzeit. Um es mit Macbeth zu sagen: „Werten oder gewertet werden, das ist hier der Zustand.“ Hat der Mensch eine Chance? Nur wenn eine Seite sich aus dem Spiel verabschiedet und das geschieht alleine willentlich. Letztlich spielt es auch keine Rolle, wie verrückt der Mensch ist, mit dem Du, lieber Leser, gerade kommunizierst. Was kümmert es Dich? Bist Du selber ohne jeden inneren, psychischen Makel? Entsprichst Du der Norm, welche die Menschheit vielleicht aufgestellt haben mag, irgendwann in einem Nest, in den Südstaaten der USA gelegen? Unter eines desinteressierten Gottes Obhut? „Klar, ständig.“ wird Sam antworten.

Was wird uns noch erzählt? Oh, eine große Menge an wichtigen Dingen. Die Wichtigkeit des Sprechens. Und der Schwierigkeiten, die dieses Thema umranken. Wie sang bereits damals Tilman Rossmy noch als Stimme der Band Die Regierung: Ich wünschte, ich könnte sprechen. Am Abschluß der abschließenden Regierungs-LP Unten (1994).

Ich wünschte, ich könnte es so sagen, wie es ist.

Und ich wünschte, ich könnte sprechen.

Ich wünschte, ich könnte da ran kommen.

War manchmal für ’ne kurze Zeit lang,

da ist meine Sprache frei von Geräusch und hört sich gut an.

Worte, die auch unser Held Charlie unterschreiben würde. Und nebenbei lehrt uns der Film, daß David Bowie sein grandioses Lied heroes“ nur für diesen Film geschrieben hat. Er wußte bereits 1977, daß es irgendwann zu dem Buch und später zur Verfilmung kommen würde. Da setzte er sich hin, nahm den Griffel und schrieb den Tunnelsong. Nach dem Schauen des Filmes wird jeder „heroes“ mit diesen Szenen verknüpfen. Keiner wird mehr an Christiane F. denken. Jeder wird von dem Gefühl des Brennens, der Luftströme, der Unendlichkeit überflutet werden.

24. Juni 2015

Im Oktober 2013 ist Lou Reed verstorben. Da der Tod eines Menschen selten geplant ist, mochte ich damals mir keine Gedanken darüber machen, was mir die Musik dieses Mannes bedeutet. Es braucht den richtigen Moment.

Und so war es am gestrigen Abend ein YT-Video, in welchem Peter Capaldi, Richard Strange und Sarah Jane Morris zusammen den alten Velvet-Underground-Klassiker pale blue eyes aufführten. Nicht, daß mich diese Interpretation so sehr gerührt hätte – die drei machten einen guten Job und vor allem Richard Strange hinterließ als Gitarrist und Sänger einen angenehmen Eindruck – jedoch wurde mir wieder die unglaubliche Kraft dieses Stückes bewußt, in welchem der Lyriker Lou Reed einen wirklich erschütternd guten Eindruck hinterläßt.

Aber was, abseits dieser Lobhudelei, ist eigentlich so beachtenswert an dem Werk des Musikers, Songwriters und Texters Lou Reed? Schauen wir uns einmal mit Candy Says einen nicht ganz so prominenten Song an. Dieser erschien 1969 auf dem dritten Album der Band The Velvet Underground, welches selbstbetitelt blieb. Auf dieser Platte findet sich das schon erwähnte Glanzlicht pale blue eyes, das erotische-rätselhafte some kinda love, eine der schönsten Rhythmusgitarren in what goes on und letztlich noch das verletzte I’m set free. Doch beginnt die Platte mit Candy says, einem Lied so traurig und zurückgezogen. Es handelt von Candy Darling, einer Drag Queen aus dem Umfeld von Andy Warhols Factory. Candy Darling starb 1974 durch Krebs, der durch ihre Hormonbehandlung ausgelöst wurde. Candys vorheriger Name war völlig unpoetisch James Slattery. Und so sagt der Text des Liedes schon in der ersten Zeile alles wichtige: Candy says, I’ve come to hate my body and all that it requires in this world. Solch ein Satz, das ist die Verdichtung, die der Poet als solcher zu jeder Zeit sucht. Ein Satz, der in einem tief und intensiv gefühlten Ekel badet. Ein Satz, der Jahre eines Lebens in wenigen Worten auf den Punkt bringt. Wir wissen nicht, wie lange James Slattery gelebt hat, bevor er diese Erkenntnis für sich gewonnen hatte. Denn, wie heißt es später: Candy says, I hate the big decisions, that cause endless revisions in my mind. Bitter wird dieser Satz angesichts des späteren Todes von Candy Darling, der durch eine tiefgreifende Entscheidung letztlich ausgelöst wurde. Lou Reed schafft es, in einem öffentlichen Raum, den Candy Darling belegte, eine vielsagende und allgemein fühlbare Intimität zu schaffen. Dies gelingt Meistern. Was Miss Candy selbst von diesem Song hielt, wie auch ihrer Wiederkehr in einem Lou-Reed-Song, nämlich Walk on the wild side (Candy came from out on the island, in the backroom she was everybody’s darling, but she never lost her head, even when she was givin‘ head, she says…), ist mir nicht überliefert.

Doch ist Candy says auch wirklich zu süß von Doug Yule gesungen, der bei Velvet Underground den Posten von John Cale übernommen hatte. Er gibt dem Namen der Titelheldin hier die akustische Entsprechung. So erhält der Song noch seine besondere Nachtschwärze, da er den Eindruck einer zerbrechlichen Filmheldin in Schwarz/Weiß und End-1940er Outfit erweckt. Eine Heldin in innerer Not. Hier fassen sich die gepickte Gitarre, der zarte Backgroundgesang, das nahezu unhörbare Schlagzeug zart an den Händen, um dunkle Blumen der Trauer zu verstreuen. Candy says, I hate the quiet places, that cause the smallest taste of what will be.

Candy Darling war eine wunderschöne Frau. Und Lou Reeds Song bleibt ihr ein großes Denkmal.

Das neue Bibelzitat:

Und Jesus sprach: „Wo zwei oder drei Personen in meinem Namen versammelt sind, bekomme ich Platzangst.“

16. Juni 2015

Heute ist mir das Wesen der Kopfschmerzen klargeworden. Es ist ein klarer Fall von Stromfluß, übermäßige Elektrizität auf Nervenbasis in der rechten Körperhälfte. Die linke Hälfte ist davon jedoch nicht abgenabelt, sondern bemerke ich dort ein eher statisches, dumpfes Gefühl noch unter Schmerzlevel. Der linke Arm tendiert zu leichtem Zittern, ebenso die linke Kinnhälfte. Das rechte Auge, über welchem der Schmerz trohnt, halte ich am liebsten geschlossen. Leichte Übelkeit ist mit im Paket.

Singen Sie zur Melodie von „es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann“:

Es spielt der FC Jerusalem und Jesus steht im Tor.

Die Jünger steh’n im Abeseits, das kommt mir spanisch vor.“

Mit den Kopfschmerzen stehen auch fast permanent Tränen in den Augen. Und trotz Tablette, wird es nicht wirklich besser. Das Medikament ist inzwischen eher verantwortlich für das beginnende Sodbrennen. Hervorragend. Und Elvis Costello sang vor einigen Minuten davon, daß Alison sich von diesem kleinen Typen das Partykleid ausziehen ließ. In meinem Zustand kann ich solche Sex-Andeutungen nicht ertragen. Nebenher mußte ich darüber nachdenken, warum eigentlich nur Frauen gegönnt ist, sexy Kleidung zu tragen. Okay, der Gedanke erübrigt sich, wenn ich mir erotische Männerbekleidung vorstelle. Da sind selbst Elvis Costellos Andeutungen gar nicht mehr so schlimm. Eines Tages kann ich auch über Lou Reed weiterschreiben.

11. Juni 2015

Da ich den letzten Text mit dem schönen Schlagwort Nationalsozialisten beendete, und dieses Hämmerchen einen feinen Einstieg bietet: Es soll ja Menschen in Deutschland geben, die gerne die Behandlung der Thematik rund um die nationalsozialistischen Untaten zwischen 1933 und 1945 beendet, ja, abgeschlossen sähen. Diese Menschen in Deutschland sagen zum Beispiel:

„Ich bin nach 1945 geboren und kann daher nichts für die Geschehnisse dieser Zeit.“

oder

„Was der Staat Israel mit den Palästinänsern macht, ist fast genauso schlimm, wie der Holocaust.“

oder

„Aber die Juden haben doch immer schon dieses und jenes getan, und die Sache mit Jesus. Und andere haben auch schon immer die Juden gejagt und die haben die Pest ausgelöst und so weiter und so fort.“

Okay, der letzte Ausflug war von mir erfunden, doch wurden diese Argumente in gleicher oder ähnlicher Form in den letzten Jahrhunderten gerne mal verwendet, um Antipathien gegen diese Religionsgemeinschaft anzustacheln.

Warum ist aber all dieses falsch?

Und wie begegne ich Menschen, die solche Äußerungen von sich geben?

Zum einen, ist es in meinen Augen nicht statthaft, beide Konfliktsituationen (Nazi-Deutschland vs. Juden / Israel vs. Palästina) zu vergleichen. Darüberhinaus gibt es einen interessanten Aspekt, den ich beleuchten möchte:

Es gibt so viele Deutsche, die wie auch ich, nach 1945 geboren sind, doch in der Familie existieren Personen, die zwischen 1918 und 1945 alt genug waren oder wurden, um ein staatsbürgerlisches Bewußtsein zu haben. Ich weiß, daß es nicht leicht ist, nachzufragen, was diese Personen innerhalb dieser Zeitspanne taten, nicht taten, glaubten, an Überzeugungen lebten. Ich weiß es, weil ich die Fragen selber nicht gestellt habe. Und dies ist Angst? Angst davor, etwas zu erfahren, was das Zusammenleben mit diesen Personen belasten kann. So ist ganz menschlich das Hemd näher als die Hose. Aber das Hemd ist zu eng, es zwickt an allen Enden. Und es nimmt die Luft. Einer meiner Großväter war in Frankreich im Krieg. Mehr weiß ich nicht. Ist das eventuell, neben der Angst, fehlende Empathie? Was treibt dann viele Deutsche dazu, der israelischen Politik Vorhaltungen zu machen, und dabei ein enormes Herz für die Leiden der palästinensischen Bevölkerung zu beweisen? Dieser Teil ist definitiv nicht beanstanden, doch sind mir die Motive dubios. Warum dort der Abstand zur Vergangenheit von nahestehenden Menschen, hier das große Mitleiden? Es erscheint mir als eine kuriose Ersatzhandlung. Oder einfach gesprochen: weiterhin schwelender Judenfeindlichkeit? Vielleicht. Es gibt genauso viele Gründe, wie es Meinungsträger gibt. Letztlich steckt in den heute lebenden Deutschen, wenn sie sich erst einmal mit den Geschehnissen jener Zeit auseinandergesetzt haben, ein Gefühl der Mitschuld alleine schon auf der Basis der verwandschaftlichen Verbundenheit mit den damaligen Tätern. Oder Zuschauern. Und auch dies drängt gerne in der Gegenwart dazu, jetzt das Richtige zu tun. Das ist ebenfalls wiederum nicht falsch, doch wird damit der Bezug von Damals zu Heute gezogen, denn das heutige Tun wird durch die Gräuel der Vergangenheit befeuert. Möglicherweise ginge uns Israel heute an den vier Buchstaben vorbei, wenn unsere Vorfahren nicht die indirekten Gründerväter dieses Staates geworden wären und damit im Anschluß noch das Elend der dort lebenden Araber mitverursachten.

Warum tut sich der Mehrheitsdeutsche dann mit einer Aktion, wie den Stolpersteinen, die vor Ort an ehemalige jüdische Mitmenschen erinnern sollen, so schwer? Ist es die Nähe zur Gegenwart, dieser zeitliche Brückenschlag, der Ängste heraufbeschwört, daß diesen Stolpersteinen auch eine Mahnung innewohnt? Ein „Nie Wieder!“? Hat der deutsche Bürger möglicherweise ganz für sich erkannt, daß dieses „Nie Wieder!“ harte Arbeit bedeutet? Oder liegt im Argwohn gegen die Stolpersteine die schon angesprochene Nähe zu den eigenen Vorfahren, die vielleicht Menschen zum Stolpern brachten? Oder sind dem Bürger die Mahnmale am liebsten, die von Gemeinde- oder Staatswesen errichtet, angebracht werden? Der Mensch, nicht nur in Deutschland, läßt sich ungern von den negativen Seiten der Vergangenheit berühren. Doch das ist falsch. Die Lehren der Vergangenheit wären verloren. Es entstünde die gleiche Situation, wenn die Menschheit jedwedes Lesen einstellen würde. Es ist zwar, wie ich oben schrieb, meines Erachtens falsch einen aktuellen Konflikt, wie jener in Israel, in Palästina, mit einem vergangenen Konflikt zu vergleichen, gar aufzurechnen, doch sind Lehren und Erfahrungen aus vergangenen Konflikten unabdingbar und anwendbar.

Da ich gerade die Erstellung und Übernahme von Mahnmalen durch Gemeinwesen ansprach… ist das komplette Überlassen dieses Aspekts vom Individuum an die Allgemeinheit nicht in gewissem Maße der letzte Sieg der totalitären Regime? Die Frage lasse ich mal stehen.