01. August 2015

Guten Tag, liebe Leserin. Es ist einige Zeit vergangen, seit ich zuletzt an dieser Stelle ausholte, um meine Gefühle zu äußern oder einfache abstruse Geschichten in die Welt hinauszulassen. Warum schwieg ich seit Wochen? Gab es keine neuen Gedanken? Nein, ganz im Gegenteil. Es war mir einfach unmöglich soweit zu fokussieren, daß ich an dieser Stelle auch nur ein fast vernünftiges Wort hätte äußern können.

Das sei heute möglich. Ich möchte daher beginnen, Sie mit dem rätselhaften Wesen von Äußerungen zu belästigen. Die folgenden zwei Sätzen sind dabei die Konfrontation:

„Der Neoliberalismus ist der neue Faschismus“ lautet der Erste.

„Neoliberalisten sind die neuen Faschisten“ ist darauf die Nummer Zwei.

Sie spüren vermutlich schon, worauf ich hinaus will. Im ersten Fall wird eine wirtschaftspolitische Strömung unserer Tage beschrieben und in eine negative Ecke gestellt. Im zweiten Fall wird das ganze auf eine persönliche Ebene geholt. Die Menschen, welche in Fall #1 noch als Teil eines Ganzen beschrieben werden, sind nun demaskiert. Doch was möchte ich Ihnen genau damit sagen? Zum einen ist dies meine Meinung. Vor allem die Aussage #2. Der erste Satz kommt verängstigten Menschen über die Lippen, wobei ich damit keinen Vorwurf gegen diese verknüpfen möchte. Doch ist mir wirklich daran gelegen, jene Zeitgenossen, welche neoliberalen Wirtschaftsströmungen etwas Positives abgewinnen können, meinen ganze Hass entgegensetzen. Warum? Weil sie die neuen Faschisten des 21. Jahrhundert sind. Die Feinde jedweden humanen Umgangs in dieser Welt sind nicht ein paar verirrte NPD’ler oder Pegidisten, sondern jene, welche das Unbehagen, welches auch jene fehlgeleiteten Teilzeitrassisten befällt und in ihren Visionen bestätigen mag, erst entfachen und schüren. Und so kommen wir auf die Neuauflage von „Mein Kampf“: Es heißt heute TTIP, als Beispiel. Wie schon in der blutigen Erstauflage im 20. Jahrhundert ist es für die Großwirtschaft wichtig, den Faschismus an die Macht zu hieven. Denn, meine lieben NPD’ler und Pegidisten und andere mittelständische Ausländer- und Asylfeinde: Möchtet Ihr wissen, wie es Euren sogenannt arischen Vorvätern in jenen als glorreich aufgebauschten – je nach Geisteshaltung sind es zwölf oder auch tausend – Jahren ergangen ist? Jenen aufrechten Deutschen, die auch mit ihrem Schweiß und Blut jenen Unterdrückungsstaat mit konsequenter Ausbeuterhaltung stützten, ohne zu wissen, wie sehr sie von ihren Führerwesen betrogen und – je nach sexueller Ausrichtung – in ihren blanken Arsch gefickt wurden? Ist der Arier Max Mustermann aus Mainz in jenen Jahren vom einfachen Bürger zum Wohlstandswesen geworden? Kennt Ihr einen Menschen, der in jenen Tagen einfach aufgrund der politischen Situation aufgestiegen sei? Vermutlich nicht. Alles, was in jenen Tagen vielen deutschen Bürgern unrechtmäßig geraubt wurde, ist in den von vornherein üppig gefüllten Taschen jener gelandet, die entweder schon vor 1933 begütert waren oder zur politischen Elite gehörten. Falls Sie Fakten brauchen, forschen Sie bitte nach, wie Josef Neckermann zu seinem blühenden Versandhandel gekommen ist, der ihm auch nach 1945 nicht mehr abhanden kam. Soviel zu nicht gesühntem Unrecht.

Und so wird es wiederkommen. Mit einer Hand voller gekonnt platzierten Unterschieden. Da der neoliberale Faschismus der Gegenwart weiß, daß die Politik selbst nicht mehr so blauäugig ist, daß sie sich wie in jenen wilden 1920’er Jahren aushebeln ließe – wobei in jenen Tagen auch die Macht der alten, kaisertreuen Eliten noch ihren erheblichen Teil beisteuerte – so nutzen die neuen, global auftretenden und vernetzten Extremisten des Kapitalismus neue mitgestalteten Hohlräume, um mit deren Hilfe entscheidende, zukunftsträchtige Nervenzentren zu besetzen. Ein Mittel hierzu ist jener TTIP genannte Hammer, welcher sich 1933 als der Reichstagsbrand zeigte. Mit Hilfe dieses Werkzeuges ließen sich damals schon die Ermächtigungsgesetze gegen jeden noch übrig gebliebenen Glauben an solch Utopisches, wie die Demokratie durchprügeln und auch heute werden wir noch erfahren, welche neuen Einsatzmöglichkeiten sich bieten werden. Was schon klar angezeigt ist: Politik in ihrer zur Zeit noch durchgeführten Erscheinungsform wird beendet. Ein Bundestag, ein House of Commons, ein amerikanischer Senat, eine Duma werden noch tagen, doch wird ihr Wirkungsfeld unbedeutend sein. Nationalstaaten werden noch existieren, Grenzen werden noch bewacht werden, es wird mit höchster Sicherheit noch bewaffnete Konflikte geben, doch ist dies nur noch Spektakel im Sinne der neuen Herren. Wer werden diese sein?

Namen werden dabei keine Rolle spielen, denn wo einst führende Spinner jener untergegangenen DDR noch meinten, daß „die Partei immer Recht hat“, so wird in Zukunft mehr als bereits heute „Der Markt alles regeln“. Dies ist die neue Maxime des kommenden Totalitarismus.

Ich werde nun einige Fragen stellen:

Aus welchem Grund sind Wirtschaftsjournalisten schon seit etlichen Jahren immer wieder mit Äußerungen aufgetreten, daß diese oder jene Fusion/Übernahme wichtig sei, sie gar nicht zu vermeiden sei? Anders formuliert ließe sich fragen, warum eigentlich zur Objektivität verflichtete Journalisten dem Größenwahn der Wirtschaft das Wort reden?

Aus welchem Grund lassen sich die sogenannten Volksvertreter – vor allem der aktuell noch existierenden europäischen Demokratien – von jenem hemdsärmeligen, neuen Faschismus zur Bedeutungslosigkeit degradieren? Wenn diese Menschen noch einen letzten Funken an Anstand und Ehre besäßen, würden sie endlich aufstehen und dem syndikalistischen Moloch, der vor ihren Augen entsteht, Einhalt gebieten. Doch nein! Die Angst geht auch in Berlin, Paris, London, Rom, wo auch immer um, daß man persönlich nach der Zeitenwende, die uns allen droht, von der neuen Herrschaftsebene heruntergefegt wird. Wir wissen noch nicht, wo und wie das neue Auschwitz entstehen wird, doch das es kommt, daß wird selbst der wetterwendisch verängigstigte, europäische Mittelstand zu spüren bekommen, der sich zur Zeit noch vor ärmlichen, verängstigteren Flüchtlingen aus den schon entstandenen Krisengebieten fürchtet.

Die nächste Frage schließt hier nahtlos an: Wann wird die versagende Politik vielleicht noch eine letzte Kehrwende schaffen und den Märkten einen Riegel vorschieben und Spekulation um Währungen und Grundnahrungsmittel verbieten? Wann wird eine auch über Europa hinausgehende, globale Regelung getroffen, daß Wasser ein Gemeingut ist und niemals in ein Unternehmensportfolio integriert werden darf? Und Wasser ist dabei wirklich der Name des kleinsten, gemeinsamen Nenners.

Warum sind Banken systemrelevant? Diese Frage ist in insofern wichtig, da wir in den letzten sieben Jahren leider Zeugen werden mußten, welche Mengen an Volksvermögen dazu mißbraucht wurden, um der Bejahung dieser Frage zu dienen. Insofern möchte ich die Frage auch umstellen: In welchem System sind Banken relevant? Im ersten Moment möchte man dabei daran denken, daß Guthaben von Bürgern und Unternehmen im Falle eines Bankentodes bedroht sind und der Zerstörung anheim fallen. Doch genau dies ist es, was in Krisenfällen, wie dem drohenden Staatsbankrott in Griechenland passiert. Und das schon bevor der Worst Case Scenario eintritt. Wen schützt dieses System, in welchem Banken relevant sind?

Wir, die Bürger der sogenannten Ersten Welt, haben diese Situation heraufbeschworen und gefördert. Wir handeln seit etlichen Jahren mit Aktien. Wir wollen den tosenden Fortschritt. Wir lieben unseren Wohlstand und unsere Informationsflut. Wir sind abhängig vom Thrill der Gegenwart. Und wenn ich diese Worte hier auf einem Portal, wie Facebook, veröffentliche, mag dies als Paradox erscheinen, doch liegt mir daran, die Möglichkeiten, die hier geboten werden, für diese Revolte zu nutzen.

Es ist an der Zeit den global agierenden, sich selbst für mehr als systemrelevant ansehenden Konzernen und Lobbygruppierungen zu zeigen, daß der moderne Mensch fähig dazu ist, den wahren Feind der eigenen Freiheit zu erkennen und sich ihm entgegenzustellen. Ich verbiete keinem jener Konzerne, sei es Nestle als Beispiel, nicht, ihr Kerngeschäft zu betreiben und Produkte herzustellen und sie, wo es gesetzlich möglich ist, zu vertreiben, doch ihrem Machtstreben sind Grenzen zu ziehen. Es muß verboten sein, daß jene TTIP vorantreibenden Konzerne sich jenseits der Politik, und damit sind die Interessen von Völkern, Bürgern, Menschen gemeint, ein eigenes, wucherndes Herrschaftswesen zu installieren. Es ist eine klare Grenze zu definieren, wo die Interessen von Bürgern bedroht werden, und wenn sich dabei einer jener Konzerne zu erkennen gibt, ist er zu zerschlagen. Die Politik, die Staaten müssen wieder eine erkennbare Handlungsfähigkeit zurückerlangen. Dazu muß eine striktere Trennung der Arbeit eines Politikers von wirtschaftlicher Tätigkeit vollzogen werden. Es kann nicht sein, daß gewählte Volksvertreter gleichzeitig in Aufsichtsräten von Unternehmen sitzen. Dies mag Usus sein, doch letztlich ist es ein Verrat an jenen, die von diesen Menschen vertreten sein wollen. Genauso muß das Unwesen an Parteispenden vollständig ausgeschaltet werden. Ein Blick in die Vereinigten Staaten von Amerika mag genügen, um zu erkennen, welches Höchstmaß an Terrorismus hieraus entsteht, wenn Frauen, wie Männer, die sich um politische Ämter bewerben, ihren sogenannten Wahlkampf nicht mehr durchführen können, wenn sie nicht mehrere Millionen an Dollar Spenden erhalten? Liebe Leserin, Sie mögen sich vermutlich daran stören, daß ich diese Form von Finanzierung Terrorismus nenne, doch frage ich Sie, wieviel infrastrukturielle Hilfe möglich wäre, wenn diese gesamten Ausgaben dazu genutzt würden, um in überbevölkerten Teilen dieses Planeten nur einmal Grundsätzliches, wie die Wasser- und Hygieneversorgung verbessert würde? Ich bleibe dabei, Wahlkampfspenden als multinationalen Terrorismus zu brandmarken, der die IS als kleine Pfadfindergruppe aussehen läßt. Und vergessen Sie bitte nicht, daß dieser Akt des Terrors eine bakterielle Infektion hinterläßt, die später erst zu wahrer Pracht ausbrechen wird. Oder halten Sie George W. Bush wirklich für den verantwortungslosen Volltrottel, den er über Jahre spielen mußte? Der Mann wußte, das er früher oder später enttarnt würde. Und hier geht es nicht um Verschwörungen, sondern darum, zu erkennen, daß eine Menge Geld an der falschen Stelle Leichenberge produziert. Es ist dabei egal, wie. Es wird passieren. Mit Gott, oder ohne Gott. Religion ist kein Teil jenes Spektakels, das im Laufe der technischen Revolution des 20. Jahrhunderts aufgezogen und bis heute verfeinert wird.

Lesen Sie ruhig George Orwells 1984. Sie können die dort genannten Namen gerne durch jene ersetzen, die Ihnen dabei durch den Kopf gehen mögen. Und danach ziehen Sie ihre Schlüsse und handeln.

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