Pegida – na und?

Liebe Welt,

genau diesen Titel trägt das heutige Textchen. Und es ist im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte so tituliert. Warum? Einfach lesen.

Pegida – na und?

In einem unbedeutenden Winkel einer vom Autor nicht beglaubigten Nebenhölle, sitzt Andreas Baader. Sein Höllennachbar, ein ehemaliger SS-Offizier, hat ihm von „Luschen, die sich Pegida nennen“ erzählt. „Nicht einmal eine vernünftige Abkürzung!“ Der Offizier verzieht die Mundwinkel. Und Baader nickt. Als er später wieder alleine ist, denkt er nach. Pegida Frigida! Baader stellt sich dazu eine schwedische Softporno-Darstellerin mit dominierendem Rollenverhalten vor. Er legt eine Platte auf, zündet eine Zigarette an, stellt sich die Standardfrage „Problem oder Lösung“ und beginnt, einen Gerhard-Richter-Druck mit dem Abbild seiner alten Flamme Gudrun in der Hand, zu masturbieren. Später schläft er ein.

Wäre dieses Szenario nicht erfunden, so könnte ich behaupten, Andreas Baader hätte das Wesen der Pegida erfaßt, als er einschlief. Um es anders zu sagen: Dieser Club wird überbewertet.

Ich weiß, das beide Seiten der Pegidischen Medaille aufschreien. Die einen werden sich sicherlich verkannt fühlen, in ihrem Bemühen islamistische Gefahrenmomente und andere Schimären zu bekämpfen. Die andere Seite droht mit allen verfügbaren Zeigefingern und warnt vor den dunklen Potentialen, die von diesem Pulk ausgehen kann.

Wovor fürchten sich die geknechteten Spaziergänger eigentlich? Da sind die bereits angesprochenen Islamisten. Menschen, die eine ausgedachte, verschärfte Koran-Version in ihren Händen, einen flammenden Islam über alle Mitbürger, bereits gläubig oder immer noch stur auf Anti gebürstet, bringen möchten. Haben Sie, liebe Leserin, den Fehler bemerkt? Der Islamist möchte nicht. Er macht. Der Islamist hat quasi immer was zu tun. Ich werfe dazu mal die Frage in den Raum: Das Pegida-Deutschland wird also gerade von diesen Schwerterschwingern heimgesucht? Lörrach soll schon gefallen sein! Oder wo mögen diese Bangheit in der Großpackung verteilenden Assassinen die Grenze überschreiten? Wo ist der Rubikon für Pegida Frigida?

Damit soll nicht gesagt werden, daß die neuzeitlichen Kalifen mit ihren bluttriefenden Idealvorstellungen eines männlichkeitsstrotzenden Gottesstaates nicht eine Gefahr darstellen! Jeder Vollidiot, der seinen Wahn auf andere Menschen übertragen möchte, ist eine Gefahr. Und wenn sich Vollidioten auch noch zusammenrotten und schlimmerweise Waffen benutzen, ist die Gefahr akut. Und was die Jungs und Mädels von „Iris, Isis, Penis“ (kleines Monty Python-Zitat, sorry) anbelangt, ist die Gefahr schon im roten Bereich. Eigentlich ein Fall für Bruce Willis oder andere Weltenretter. John Wayne. Die siebte Kavallerie. Wenn man diese Typen mal braucht, sind sie entweder tot, erfunden oder im Urlaub. Also eher Karl Martell 2.0. Zum Beispiel. Der Prototyp hatte mal in Südfrankreich sich den Eintritt in die neu zu errichtende Pegida-Ruhmeshalle erworben. Hier wäre dann noch zu klären, ob – auch wenn man wacker die üblen Islamkrieger schlägt – dieser Sieg auch qualifiziert, wenn er nicht auf deutschem Boden errungen wurde. Wie der schon genannte Bruce Willis in zahllosen Vorlesungen lehrte, schmeckt der Triumph am Besten, wenn er im aller-aller-allerletzten Moment und mit viel, viel Schmutz im Gesicht errungen wird. Und natürlich im schweißtriefenden Alleingang. Karl Martell soll hingegen eine Armee im Schlepptau gehabt haben. Stellen wir uns daher mal vor, es sei keine Armee, sondern bloße Schlachtenbummler gewesen, die ihren Hammer-Kalle (Das ist mal richtig feiste deutsch! Leider ist der Kerl Karl aber nur ein Franke gewesen. Nein, nicht die Leute, die immer Schäufele oder so essen, sondern die Franken genannten Germanen (Germans, ya know?!), die übel verirrt später Frankreich aus der Taufe heben sollten. Was vermutlich jeden eifrigen Nationalisten zu Stirnrunzeln bringt. Aber ach, die Nachwehen der Völkerwanderung, da hatten viele die Orientierung verloren) angefeuert haben. Wenn also schon die Schlacht in Frankreich disqualifizieren sollte, muß leider auch der tolle Prinz Eugen draussen bleiben. Auch er agierte im Ausland, gar im tiefsten Serbien, als er sich – ebenfalls von etlichen Schaulustigen begleitet – mit bewaffnetem Muselmanentum maß. Vielleicht können sich die Pegiden an einem der nächsten Montage mal über die Errichtung und die Einlasskriterien ihres eigenen Wallhalls unterhalten, und mal nebenbei etwas konkretes für die deutsche Bauwirtschaft tun. Ja! So muß das. Nicht immer nur nörgeln und nölen! Und dann noch drüber wundern, wenn man unbeliebt ist. Else Kling konnte auch kaum jemand leiden.

Was ist dann jedoch gegen die Kalifen zu tun? Bekämpfung vor Ort. So sehr ich auch ein Pazifist bin, gegen Gotteskrieger greife ich nicht zum Schwert wegen gleicher Waffen, sondern mindestens zur halbautomatischen Feuerwaffe. Wer in den selbst entfesselten Krieg zieht, und dabei einen Gott im Gepäck trägt, zählt zu den erwähnten hochgefährlichen Vollidioten. Wie schon Kreuzritter, Konquistadoren, Maoisten (Bibel? Ha!), Sarazenen. Wer dies tut, spielt willentlich mit dem Feuer, wie Paulinchen im Struwwelpeter. In meinen Augen ist Religion Privatsache. Und ich glaube höchstens an den Zweifel. Und im Zweifel ist kein Platz für die Gottesstreiterei. Daneben ist mir jedoch auch gleich, ob das Stadtbild von Köln irgendwann von einer Moschee bestimmt wird, oder weiterhin vom Dom. Oder einem Eichenhain. Das nenne ich dann auch nicht persönliche Weltoffenheit, sondern persönliche Ignoranz des Glaubens der Anderen. Und ich empfinde es durchaus als wichtig, Mitmenschen auch hin und wieder aktiv in Ruhe zu lassen. Die Worte „hin und wieder“ sind im letzten Satz betont. Es muß für Menschen im 21. Jahrhundert wieder möglich werden, einander in die Augen zu blicken, ohne allumfassende Wertungen vorzunehmen, die auf jedem jemals geäußerten Buchstaben in den sozialen Medien fußt. Die Forderung nach der Möglichkeit des Vergessens im Internet wird von mir begrüßt. Und so sollte jeder Pegidist auch wieder aufgenommen werden, wenn er erkennt, daß er falschen Forderungen, Hoffnungen nachgeeilt ist.

Was ist falsch daran, Pegida zu folgen? Vergessen Sie, liebe Leserin, bitte die Pamphlete der weltoffenen, nicht rassistischen, nicht phobiegeplagten Menschen. Stellen Sie sich vor, Sie seien ein Bürger im heutigen Mexico. Man schriebe das Jahr 1520 unserer Zeitrechnung. Ihre Nationalität sei aztekisch. Sie marschieren innerhalb eines Pulks an Mitbürgern und protestieren gegen die kriegerischen Ambitionen von fremden Volk, das sich mit allerlei Schiffen aus dem fernen Osten zu Ihnen begeben hat und das scheinbar wenig Willens ist, mit leeren, nicht bluttriefenden Händen sich wieder hinfort zu heben. Liebe Leserin, mit Ihrem heutigen Wissensstand ist Ihnen klar, daß ich Sie in diesem Beispiel auf die Verliererseite der spanischen Eroberung Mesoamerikas stelle. Sie und ich wissen, daß kein Azteke je zu einem Plakat griff, um gegen die spanischen Eroberungspläne zu protestieren. Das hätte im Nachhinein ähnlich blümchenhaft gewirkt, wie ein Protestzug irgendwo in Polen im August 1939, der das Bild vom bösen, imperialistischen, kriegslüsternen Deutschen malt. Und niemand könnte heute sagen, eine Warnung vor diesen so beschriebenen Deutschen hätte keine Realität besessen. Haben die Pegidisten eine ähnliche Rechtfertigung anzubieten? Nein. Sie sehen zwar Gefahrenpotentiale, doch sind diese noch lange nicht am schon erwähnten Rubikon angelangt. Es gibt die Möglichkeit innerhalb aktueller deutscher Grenzen einem Akt des Terrors von islamistischer Seite

zum Opfer zu fallen. Ebenfalls gibt es die Möglichkeit innerhalb aktueller deutscher Grenzen einem Akt des Terrors von rechtsradikaler, nationalistischer Seite zum Opfer zu fallen. Beides kann deutschen Staatsangehörigen geschehen. Und wichtig ist, daß die Gefahrenpotentiale von rechtsradikaler Seite höher anzusetzen sind. Verwirrung könnte jedoch stiften, wenn sich rechtsradikale Täter auch noch als Christen outen! Das macht aus einem sogenannten Hassverbrechen, eine Tat mit religiösem Hintergrund. Der Ku-Klux-Clan arbeitet schon seit längerem an Studien zu dieser Umdeutung der verbrecherischen Motivation. Passend zum geistigen Niveau schuf der Clan jedoch nur eine Karnevalskostümierung, die weder kleidsam ist, noch in ihrer der Burka abgekupferten Vollkaschierung besonders christlich oder couragiert daherkommt. Doch eines verbirgt dieser Mummenschanz sehr gut und gültig: Die Angst, die sich unter der Maske verbirgt. Wer Plakate für Pegida trägt oder eine Zwei-Löcher-Augen-Kapuze zum Grillfest trägt, hat ein Angstproblem.

Wovor fürchten sich diese Leute? Vor dem Islam. Nein, nicht wirklich. Sie fürchten sich vor einer Änderung des Status Quo. Sie fürchten sich vor Änderungen, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Der Protestler fürchtet, daß sein großer oder auch gerne kleiner Wohlstand plötzlich gefährdet wird. Er fürchtet sich, daß seine gesellschaftlichen Aufstiegschancen gefährdet werden. Dahinter sieht er die Fremden am Werk. Hand in Hand mit einer fremdenfreundlichen Politik, flankiert von liberaler Lügenpresse. Dem ist jedoch nicht so. Es mag sein, daß Teile dieser Erklärung hin und wieder greifen können, doch im Großen und Ganzen ist es Humbug. Die Problematik liegt an anderer Stelle:

Wer wird uns – nicht nur in Deutschland, sondern quer über die sogenannte westliche Welt – retten, wenn wir weiterhin aktiv sämtliche mittelständischen Strukturen zerstören? Ich fürchte mich nicht vor einer Islamisierung, als vielmehr vor einer Amazonisierung. Frei nach dem alten Greenpeace-Spruch über den letzten gefällten Baum, sage ich: Wenn das letzte unabhängige Einzelhandelsgeschäft schließt, werden wir feststellen, daß alle Städte der Welt endlich gleich aussehen. Welch eine verlockende Vision! (Achtung: Sarkasmus) Wir werden nie wieder reisen müssen! Wir werden nie wieder Mißverständnisse mit fremden Menschen haben, denn wir alle haben den gleichen Hintergrund. Wir werden endlich die Möglichkeit haben, als Mitarbeiter eines der letzten fünf globalen Konzerne zu gleichen Hungerlöhnen zu arbeiten, wie jeder andere Menschen überall auf diesem Planeten. Hier hilft kein Protestmarsch oder Spaziergang. Hier hilft nur die Einsicht, daß jedes Produkt auf dieser Welt seinen Preis hat. Gilt sowohl für Elektroartikel, Kleidung, Hühnerei. Jedes Produkt hat seinen Preis. Die wichtige Erkenntnis ist die: Wer zahlt den Preis? Wenn wir, die Konsumenten weiterhin darauf beharren, mit der Hilfe überregional agierender Konzerne (nennen wir hier ruhig einmal Aldi als einen Vorreiter dieser Entwicklung), den Produzenten diesen Preis zahlen zu lassen, müssen wir uns über die Rechnungen, die von dieser Seite nicht mehr beglichen werden können, nicht wundern. Worin bestehen diese Rechnungen? Produktionsverlagerungen, Dumpinglöhne und Einfuhr billigster Arbeitskräfte, Kampf gegen ökologische Mindeststandards. Sicherlich habe ich noch manches Schlupfloch übersehen oder vergessen. Dennoch möchte ich anmerken, daß nicht jeder multinational agierende Warenproduzent von Grund auf verdorben ist und nur alleine auf Profitsteigerung aus ist. Der sogenannte Druck des Marktes entsteht nicht nur durch die produzierenden Marktteilnehmer, sondern wird auch durch den Abnehmer und Konsumenten erzeugt.

Eine Bekleidungsfabrik in Bangladesh, in der Näherinnen zu höchster Produktivität geprügelt werden, dabei diese nur Hungerlöhne erhalten, ist kein Entwicklungsprojekt. Es ist blanker Hohn! Hier ist klar, wer den Preis für unsere günstige Kleidung zahlt. Ein faires Projekt säe so aus, daß in einer solchen Fabrik Kleidung für den Markt in Bangladesh produziert wird, die Näherinnen einen für das Land gerechtfertigten Lohn erhalten, Arbeitszeitregelungen, sowie Regelungen rund um die Herstellung von Waren den Errungenschaften unserer Gesellschaft angepaßt würden. Wenn ein solches Unternehmen dann eine Ware herstellt, die global nachgefragt würde, wäre dies positiv zu sehen, jedoch müßte ein korrekter Preis dafür bezahlt werden. Sind wir dazu willens? Sind wir auch bereit dazu, die Art und Weise, wie Globalisierung bisher definiert wird, weiter zu tragen? Wäre es nicht wünschenswert, an Stelle einer aus dem fernen Osten importierten Bluse, an der vielfarbiges Blut klebt, diese nicht bei der lokalen Näherei zu kaufen? Global denken und lokal handeln! So heißt es seit Jahrzehnten. Doch dazu ist eigenes Handeln nötig und es läßt sich dazu schlecht über die Politik schimpfen.

Globalisierung sollte nicht heißen, daß ich als Konsument meine Wünsche von überall zu günstigstem Preis erfülle, sondern jedem Menschen offen begegnen kann. Wenn ich jedoch als Ausbeuter auftrete, muß ich mich nicht über Hass wundern, der mir entgegenschlägt. Wenn ich als Ausbeuter auftrete, werden die Ausgebeuteten irgendwann vor meiner Türe stehen, um sich das Raubgut zurückzuholen.

Pegida ist abzulehnen, doch eine Änderung unserer Kultur ist dringend von Nöten. Anpacken!

P.S. 1: Warum starte ich mit Andreas Baader? Er wäre als Opportunist, Nachplapperer, Egozentriker eine tolle Führungsfigur dieser Bewegung. Ich hoffe nur, daß die Pegidisten klug genug sind, nicht den Weg des bewaffneten Kampfes aufzunehmen und damit Baader wenigstens in dieser Hinsicht zu überragen.

P.S. 2: Am 07.01.2015, als ich mir erste Gedanken über diesen Text machte, mußten in Paris zwölf Menschen sterben. Ein widerliches Verbrechen, ein barbarischer Akt des Terrors. Ich wünsche den Tätern die Justiz, wie sie vor dem Attentat Bestand hatte, an den Hals. Nicht einen Gott, nicht einen Lynchmob oder eine tödliche Geschlechtskrankheit. Nein, die Justiz. Das ist die Stärke unserer demokratischen Gemeinwesen.

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