too confuse to Titel.

TW Depression, Panikattaken, Trauma

Da bin ich wieder. Tief eingesunken in der zähen Masse der Depression.

Ich dachte, ich wäre inzwischen einigermassen safe.

Ich bin auf dem Weg zur Transition, ich habe eine gut eingestellte HRT.

Ich habe vor kurzem einen dämonischen und traumatisierenden Aspekt meiner Kindheit, den ich selber lange verschüttet hielt, erkannt und für mich benannt.

Und doch sitze ich hier und weiß kaum weiter. Wische die Tränen aus dem Gesicht, die einfach so fließen. Ist es die zweite Pubertät, die über mich kommt? Kommt die nächste Welle an Bewußtsein, die sich aus dem Unterbewussten herauskämpft?

Ich habe Dinge gelesen und diese haben mich getriggert. Ich wurde zurückgeworfen auf eine bis heute kaum aufgearbeitete Zeit. Meine Jugend. Im Körper eines Jungen, so von Außen wahrgenommen und genormt. Im Innern war ich schon das heranwachsende Mädchen, das sich noch nicht bemerkbar machen konnte.

Das große Thema jener Tage war fehlende Wertschätzung.

Ich hatte begonnen in einer Jugendfußballmannschaft zu spielen, das ohne sehr großes Talent, das sollte ich direkt erwähnen. Aber engagiert, denn ich hatte ja kein Talent und irgendwie sollte das Unternehmen schon Sinn machen.

Ich hielt es bis zur damals noch so bezeichneten A-Jugend aus (bis 18 Jahre). Inzwischen gehörte ich meistens zur Startelf einer Mannschaft, die durchaus gute Ergebnisse erzielte, wobei ich als talentlose Arbeiterin (Eigenbezeichnung) die linke Abwehrseite dicht machte. Doch je öfter ich spielte, desto mehr wuchs ich aus der Mannschaft raus. Warum? Es sollte doch eigentlich genau andersherum sein? Wertschätzung möchte ich nicht schon wieder als DAS WORT verwenden. Das Hineinwachsen scheiterte schon daran, daß ich kaum wahrgenommen wurde (wer braucht schon linke Verteidigerinnen?).

Zwei aus dem Kader waren keine Granaten. Ich war die eine davon. Wir waren immer da, wenn wir gebraucht wurden. Immer im Training. Doch endete jede zweite Übungseinheit damit, daß die Cracks sich unterhielten, wenn all die anderen Jocks, die inzwischen keinen Bock mehr auf sportliche Mühen, zum Team gehörten: was wären „wir“ Champions!

„Wir“ war in dem Fall natürlich ein feiner Euphemismus. Denn obwohl jedem Mensch klar ist, daß Fussball ein Teamsport ist, war es hier der Realität geschuldet, das wir zwei Nieten vor Ort waren, während die tollen Könner andere Wege der Freizeitgestaltung suchten und nicht widerkehren würden. Und die endlosen Wiederholungen dieser Träumereien machten den abwertenden Charakter erst so richtig handfest.

Etliche der Spiele fanden auf feinen, sogenannten Hartplätzen statt. Ein Pokalspiel stand an, und – was mir als Verteidigerin ja selten geschah – ich wurde heftig gefoult, schlitterte über den grobkörnigen Untergrund. Das rechte Knie troff nur so vor Blut, das unter dem Dreck hervorquoll. Super. Noch nicht einmal einen Freistoß gab es. Ich humpelte ein wenig auf dem Platz umher, niemand nahm Notiz von der Situation. Also verließ ich den Platz, ging in die Kabine und wusch in einem kleinen Handwaschbecken die Wunde aus. Als ich nach fünf Minuten fertig war, humpelte ich wieder auf den Platz und spielte im Rahmen der Möglichkeiten weiter. Nach Verlängerung kam das Elfmeterschießen, das ich dann mit einem gekonnten Schuß in die Wolken beendete. Es war mir egal. Ich war ja auch egal. Mein Knie ist seither gezeichnet von diesem Tag. Nichts zu danken.

Die zwei Jahre in der A-Jugend hatten immerhin den kleinen Vorteil, daß die sogenannten Heimspiele nicht auf jenem Waldspielplatz stattfanden, der in einem der Orte lag, die zu dieser Jugendspielgemeinschaft gehörten. Fanden die Spiele dort statt, war ich dankbar, wenn ich auf der Ersatzbank sitzen durfte. Oder höchstens eine Halbzeit spielen mußte, im besten Falle dann auf der dem sogenannten Publikum entfernten Spielfeldseite.

Das Publikum waren Männer mit Bierbäuchen, Bierflaschen in der Hand, und die sportlichen Erfahrungen von mindestens fünf Jahrzehnten, vermutlich inclusive Hitlerjugend. War es ihr Selbsthass oder der Abscheu vor den Nachkommen, die sie zu einer kaum zweistelligen, aber tobenden Masse an rotem, verdorbenen Fleisch mutieren ließ? Ich weiß bis heute nicht, warum ich mir diese Veranstaltungen überhaupt antat, wenn ich bedenke, wieviel Angst und Panik ich dort schlucken mußte. Der Weg aus dem Wald heraus brachte dann immer nur eine zeitlich begrenzte Linderung von diesem beklemmenden Gefühl in meiner mikrigen Brust.

PeerGroupPressure…? Diese ganzen fünf Jahre aktive Erfahrung als Fußballerin haben mich damals nichts gelehrt. Nur der Punkt, als ich wußte, es ist wirklich an der Zeit die Schuhe wegzuschmeißen, weil die Superkönner eine 3:0-Pausenführung mit Klimbim und fehlendem Teambewußtsein zu einer gefühlten 3:3-Niederlage vergeigten, aber tausend andere Faktoren diesen Einbruch verursacht hatten. Ich fühlte mich endgültig verarscht. Und kam nicht mehr zurück. Ich gehörte auch nie annähernd in die Peergroup.

Heute habe ich endlich gelernt, daß mich gerade die fehlende Wahrnehmung nachhaltig beschädigt hat. Verständlicherweise in feiner Zusammenarbeit mit den permanenten Provinzerniedrigungen, welche die Autorin schon als Kind erleben mußte, weil sie einfach kein Fleisch essen wollte. In Wahrheit konnte sie kein Fleisch essen. Runtergeputzt und nicht beachtet… wo soll da irgendein Selbstwertgefühl wachsen, wenn schon das Kind seine Geschlechterrolle nicht wirklich findet? Wenn permanent die innere Balance im Off hängt. Wenn die Dosis das Gift macht, so brauchte die Welt bei mir nicht wirklich viel auszulegen, um mich zu töten.

Was aus heutiger Sicht fast am schlimmsten ist: Ich war über Jahrzehnte innerlich so blockiert und ohne jedes Selbstwertgefühl, daß ich diese Verletzung nicht einmal für valide hielt, sie gegenüber meiner langjährigen Therapeutin zu äußern.

Die toxische Art und Weise, wie Männlichkeit in der Provinz gelebt wurde (und vielfach auch noch wird), hatte mir früh die Beine gebrochen. Und ich verkroch mich mit 13, 14, 15 Jahren zum größten Teil der Zeit in mein Zimmer. Neben Schule und dem erwähnten Fußballverein war ich im öffentlichen Leben unsichtbar. Wenn heute in sozialen Medien von Kindheit und Jugend in den 1970/80ern geschwärmt wird, bin ich außen vor. Ich liebte die Katzen, die bei meiner Oma wohnten. Und das war es dann auch schon, was mich begeisterte. Ich klaubte mir die weite Welt aus den Buchstaben von Zeitungen und Büchern. Wenige Bücher, leider. Die örtliche Bücherei bot die Rassismushilfe „Fünf Freunde“. Nicht zu spät immerhin entdeckte ich die Verbrechenswelt von Agatha Christie, die mich vor allem mit „Die Morde des Herrn ABC“ (The ABC murders) nachhaltig beeindruckt hat, denn die Figur des mordverdächtigen Alexander Bonaparte Cust war die erste Figur von der ich las, die unter psychischen Problemen litt (zusätzlich zur Epilepsie). Custs Beschreibung brachte in meinem jungen, verunsicherten Ich eine Saite zum klingen, vor allem auch die massive Einsamkeit, die seine Person umflorte. Er war das schwarze Loch, dem ich mich so nah fühlte. Ich hatte keinen wirklichen Platz. Keinen, der nicht auch von Panikattacken heimgesucht werden konnte.

Dieser Text hat keinerlei konsistenten Fluß. Wie sollte er auch? Wenn ich an früher denke, an die dunkleren Passagen, dann ist das verbunden mit Gesichtern alter Männer und Frauen, die mich schelten, hochmütig zu sein, daß ich ihr Fleisch nicht essen will/kann. Dieses Gefühl ist auch heute noch präsent und stark, daß ich mich wegdrehen muss. Von was auch immer. Mein Magen rebelliert. Es zieht sich alles zusammen. Der Anblick von Fleisch ist mit einer Angst verbunden, deren Grund ich nicht nachvollziehen kann. Und die Qual, der ich jahrelang schutzlos ausgeliefert war, weil ich der Mensch war, der verachtend von oben herab blickte auf die armen Leute, die sich endlich wieder ihr Stück Kotelett leisten konnten, und ich lehnte einfach ab, wollte nicht kosten.

Ob irgendwann der Grund zu Tage tritt? Ich habe das starke Bedürfnis, es nicht wissen zu wollen.

Ich habe auch keine Lust, diesem Text den Fluß zu geben, der Leser*Innen helfen mag. Die Angst lebt noch immer tief in mir und so lange, habe ich genug damit zu tun, zu mir zu stehen.

Serie „Glaube“/1

Liebe Welt,

der Beginn einer kleinen Serie über das Thema „Glaube“.

Glaube? Glaube. Glaube?

Das Thema Glaube ist ein dankbares, denn hierzu kann sich jeder Mensch äußern, denn ob pro oder contra eingestellt, eine Meinung dazu kann jeder entwickeln.

Doch das ist weniger das Thema, der Gedanken, die ich mir darüber mache. Ich frage mich, was Glaube bedeutet? Welche Auswirkungen kann er haben? Welche Basis hat der Glaube? Und ein letztes wichtiges Feld ist die Frage, ob Glaube ein theoretisches Ideengebäude bewohnen muß? In diesem Satz kann das Wort „theoretisch“ auch gerne gegen „theologisch“ ausgetauscht werden, denn die Frage läßt sich auch genau so stellen.

Eines persönliche vorweg: Ich glaube. Ich glaube an die Möglichkeit eines inneren Sicherheitsbedürfnisses. Doch gleichermaßen zweifle ich daran, sowie ich an allen religiösen Glaubensbekenntnissen zweifele. Und dennoch stelle ich mir die Frage, aus welchen Beweggründen ein Mensch glauben kann. Ich stamme aus einem katholischen Elternhaus und habe ein entsprechendes Gymnasium besucht, bin dementsprechend früh und lange mit Glaubensinhalten, wie auch Kirchenbesuchen in Berührung gekommen. Doch in dem Moment, wo ein persönlicher Glaube hätte flügge werden sollen, kam alleine der Zweifel. Die Einsicht, in die persönliche Unfähigkeit zu glauben. Warum? Oder – unter dem Aspekt, das die Fähigkeit zu Glauben ein evolutionärer Teil des Menschseins ist – ist meine Art zu Glauben vielleicht nur von religiösen Inhalten zu anderen Gesichtspunkten des Lebens weitergewandert? Ist der Zweifel eine Form des Glaubens? Wie dem auch sei, stelle ich mir nun als erstes die Frage: Woran kann ein Mensch glauben?

Dazu bewege ich mich zunächst weg von den handelsüblichen Glaubenshäusern. Und hinein in ein Fußballstadion, in welchem zwei verschiedene Glaubensrichtungen aufeinandertreffen und sich miteinander messen, begleitet von abertausenden Anhängern ihrer jeweiligen Religion. Hier werden sich bei der Betrachtung einige Erkenntnisse offenbaren. Fangen wir an:

1. In dem Moment, wo wir die Formate „Glaube“ und „Fußballstadion“ in einen gemeinsamen Kontext packen, werden Menschen aufschreien und mich, den Schreiber und Betrachter, zeihen, ungehörige Vergleiche anzustellen. Die Worte „Ersatzreligion“ und „Götzendienst“ werden vermutlich fallen. Hier stellt sich mir dann die Frage: Was macht eine Religion zu einer nicht-götzenanbetenden, wertbeständigen, ausgereiften Heilslehre? Was fehlt dem handelsüblichen Fußballverein, um diesen Status zu erreichen? Ist es der jenseitige Aspekt? Ist es das zuvor schon in den Raum gestellte theologische Grundgerüst? Ja, ist es vielleicht der Punkt, der die Theologie zu dem macht, was sie ist: Gott? Wenn es um diese Facetten geht, können gewiefte Clubs sicherlich viele Punkte als erfüllt ansehen, denn massive Anbetung des Vereins, seiner Historie, Erhebung einzelner Menschen zu Fußballgöttern, Benennung des Stadions als Tempel ist in so manchem Fall bereits gegeben. Dabei möchte ich die Abschweifung zu diesem Ballsport nur als ein Beispiel ansehen, in welchem ein religionsartiges Wesen inzwischen tief verwurzelt ist. Und von daher wäre eine Bezeichnung als „Ersatzreligion“ von vielen Anhängern dieser beispielhaften Sportart oder daran teilnehmender Vereine als pure Blasphemie angesehen. Womit wir zu Punkt 2 kämen:

2. Der meist männliche Anhänger einer Glaubensrichtung, sei es eine theologisch fundierte Bewegung, oder eine Ballsportart, neigt im öffentlichen Raum zu einer hemdsärmeligen Zur-Schau-Stellung seiner Ansichten, seines Glaubens. Dies zeigt sich entweder in aggressiver Behandlung Andersdenkender, bzw. -gläubiger oder in bestens dokumentiertem Martyrium. Wem hierbei zufällig die Namen de Sade und Sacher-Masoch in den Sinn kommen, der wird sicherlich auch noch Siegmund Freud mitdenken. Und ich möchte auch jetzt schnell von diesem Steckenpferd absteigen und mich unter Tränen schmunzelnd abwenden. Doch gebe ich Lesern, die möglicherweise gerne beklagen, welche Mengen an wertvollen Steuergeldern verschwendet werden, wenn Ballsportveranstaltungen unter massivem polizeilichen Aufgebot abgehalten werden, einen Gedanken mit auf den Weg: Stellen Sie sich vor, der große Religionskrieg auf heutigem deutschen Boden, jener dreißigjährige Irrsinn zwischen 1618 und 1648 wäre nicht das große Morden, Schlachten, Plündern gewesen, das es leider war, eine Entvölkerung sondergleichen, sondern einfach eine Ansammlung von schönen, gut besuchten Massenschlägereien von Ultras der beiden damals führenden Fußballclubs FC Papsttum Rom und SpVgg Lutherstadt Wittenberg. Nicht Leichen, sondern nur gebrochene Knochen und blaue Augen. Als Zutat vielleicht einmal ein kleiner Fenstersturz. Wie freundlich kann das Hooligantum sein! Der Satz „Immer feste glauben“ bekommt einen ganz neuen, euphorisiernden Klang. Und nebenher können auch Frauen mit Wucht beten! Doch verzichten diese meist auf die einhergehende Dramatik. Siehe die showtreppenhaften Abgänge der Herren Sankti Sebastian und Laurentius. Schlagen Sie das ruhig nach!

3. In Punkt Drei möchte ich noch einmal auf die Grundfrage, die hier schon mitgeklungen hat, zurückkehren: Was macht eine kirchensteuereinnahmefähige Religion aus? Was unterscheidet sie von dem gerade einmal jährlich mitgliedbeitragsheischenden Ballsportverein? Nun, Sie sehen, es schreibt kein Gläubiger, sondern ein Zweifler. Ich sehe keinen Unterschied. Doch vermute ich, daß Kirchgängern das Wort „Hoffnung“ durch den Kopf gehen könnte. Doch das ist nur eine Vermutung. Ginge mir „Hoffnung“ durch den Kopf? Nein. Warum? Ich nenne eine wichtige Grundlage jedes Glaubens, ob an den Kirchensteuernehmer oder den Ballspielverein: Diejenigen, die glauben, sind Menschen. Und was ist der Mensch? Ein perfektes Lebewesen? Mit der Fähigkeit, kosmische Umstände verstandesmäßig konkret und umfänglich zu erfassen?

Was bewegt Menschen dazu, Religionen, die auf einen Glauben der Anderen aufbauen, zu gründen? Ich stelle die Frage um: Was bewegt Menschen dazu, Musikgruppen, die auf Tonträgerkäufe der Anderen aufbaut, zu gründen? Steht in Falle Zwei möglicherweise die Selbstdarstellung, Selbstverwirklichung, die Verwirklichung eines Traumes im Vordergrund, so scheint mir dies in Fall Eins zunächst zu versagen. Oder etwa nicht? Religion bedeutet, neben der Schaffung eines theokratischen Konstrukts, immer auch die Abgrenzung von den Anderen. Gründe ich eine Musikgruppe, die Punkrock spielt, grenze ich mich von den Naziskins ab. Und von vielen anderen auch. Und so stehen auch neue Religionen erst einmal an einem Punkt, wo ihre Gründer sagen: Okay, die frühen The Who und die Stooges waren schon ganz gut, aber ansonsten ist alles total scheiße, was vor uns war. Jetzt kommen wir, die Punkgötter namens Sex Pistols und schmeissen erst einmal alles um. Und schon werden zum Beispiel Zeitrechnungen neu konzipiert. Und wer will es da den Pharisäern und Hohepriestern, die im Neuen Testament so maulig und nölend dargestellt werden, verdenken, daß sie sich anhören, als sagten sie: „Mein lieber Jeshua, solange Du Deine Füsse unter unseren Landes- und Glaubenstisch stellst…!“ Wozu haben die Religionsgründer und/oder -propheten denn etwas Neues ins Leben zu rufen, als daß ihnen das Althergebrachte nicht so behagte, wie sie es sich wünschten? Womit wir doch wieder bei Selbstverwirklichung, bzw. der Verwirklichung eines Traumes, eines Bedürfnisses ankommen. Natürlich kann jeder gläubige Christ nun entgegnen, daß es nicht der junge Jeshua war, der hier ein persönliches Bedürfnis umsetzte, sondern es sich um den schon lange gehegten und von Propheten vorhergesagten Plan des Gottvaters handelte. Ja? Und unbefleckte Empfängnis gehört noch mit dazu?

Ich weiß nicht, was Immanuel Kant über diese Partien des sogenannten neuen Testamentes dachte. Doch ist er einer jener Menschen gewesen, die ein erwachsenes Glauben an diese Geschehnisse eigentlich unmöglich macht. Wie lautet die Zahl der Menschen, die heute noch an die Weltesche Yggdrasil glaubt? Weltweit? Eher einstellig, oder? Jungfräuliche Empfängnis? Ich ahne, daß vermutlich viele Frauen in den letzten zweitausend Jahren durchaus versucht haben mögen, gewisse Umstände mit diesem Argument zu erklären. Es bestünde damit die Möglichkeit in einer Unzahl von Religionsgemeinschaften zu ertrinken. Und doch sehe ich im Weltenbaum der alten Nordmänner und -frauen eher eine heute noch ansprechende Basis einer Theologie, denn die genannte Esche kann als Symbol verstanden werden, welches das Menschengeschlecht mit der umgebenden Natur vereint, ohne das mir alte Wikinger oder Neuheiden mit Äxten drohen. Die christlichen Kirchen hingegen tun sich sehr schwer damit, groben Unfug und Märchentum als Symbol, als Bildnis zu verkaufen. Und dazu gehört die Zeugung Jeshuas als Akt eines Erzengels ohne sexuellen Hintergrund. Ganz Walhalla erzittert durch das Lachen der Kämpen und Walküren.

(…Teil 2 folgt)

Gedanken über Schmerz und Stolz

Liebe Welt, normalerweise nutze ich diesen Blog nicht zur Kommentierung des Tagesgeschehens, doch heute treibt mich der Boulevard zu einer Ausnahme.

Der Wechsel von Mario Götze zum FC Bayern München wurde heute medial bekannt gegeben.

Grundsätzlich sehe ich keinen Anlaß zu Kritik daran, daß ein Profifussballer von einem Verein zu einem anderen wechselt. Besehe ich mir die Reaktionen, die in den Weiten des Internets von Anhängern Borussia Dortmunds zum Besten gegeben werden, scheint mir, als sei diese Praxis nicht allgemein gewünscht. Der Dortmund verlassende Götze wird im besten Falle als „Judas“ beschimpft, womit eine Art von Verrat impliziert wird. Diese geäußerte Meinung steht konträr zu der Bekanntmachung von offizieller Vereinsseite, wonach dieser Wechsel vollkommen vertragskonform von statten geht. Warum dieser Furor, und anders kann ich die Wucht dieses Orkans an Exkrementen, die da gefeuert werden, nicht bezeichnen?

Herr Götze hat sich unklug verhalten, soviel steht fest. Erst einige Wochen sind vergangen, da äußerte er sich in einem Interview dahingehend, daß er sich eine lange Zeit bei Borussia Dortmund vorstellen könne, sogar bis zu seinem Karriereende. War zu diesem Zeitpunkt eventuell schon die Tinte unter dem Arbeitspapier in München getrocknet? Herr Götze sollte sich die weisen Worte in Erinnerung rufen: Hätte er geschwiegen…

Ohne diese Äußerungen wären die Reaktionen mit gravierender Sicherheit nicht von derartigem Impetus. Der gemeine BVB-Fan fühlt sich getäuscht. Auch ich kann nicht verhehlen, daß ich grundsätzlich sagen muß, daß der heutige Tag eine Zeit der Trauer ist. Vom sportlichen Aspekt handelt sich bei diesem Wechsel um eine durchaus enorme Schwächung der Dortmunder Borussia, und da hat der Anhänger dieses Vereins naturgemäß keine Freude dran.

Das Borussia Dortmund ohne Herrn Götze erfolgreichen Fußball spielen kann, hat man in der Rückrunde 2011/2012 gezeigt, als man ohne den durch eine Schambeinentzündung gehandicapten Noch-Dortmunder sich zum zweiten Meistertitel in Folge spielte, und darüberhinaus auch noch den Pokal gewann und dabei den FC Bayern München im Finale demütigte.

Und hier haben wir natürlich einen Aspekt erhascht, der den bayrischen Verein dazu veranlaßt haben mag, den Kader des neuen Hauptkonkurrenten abzuklopfen auf wechselfähiges Material.

Material. Dieses Wort sollte man sich im Sinne halten, denn oft wird in Bezug auf den genormten Profifussballer von Söldnern gesprochen. Ihr Herz vergeben sie immer zu 100% dem Verein, der gerade ihr üppiges Gehalt zu überweisen pflegt. Ich sehe jedoch daran nichts falsches, denn wer aus der Millionenschar an Arbeitnehmern im deutschsprachigen Raum würde für ein nichtig höheres Gehalt den aktuellen Arbeitgeber für einen neuen Herrn und Geldgeber verlassen? Ein hoher Prozentsatz ist für dieses Gedankenspiel vorstellbar. Und sind nicht auch Profifussballer Arbeitnehmer? Doch wird die Arbeit eines durchschnittlichen Unternehmens selbstverständlich nicht mindestens wöchentlich vor Publikum aufgeführt und ist auch eher selten mit dieser intensiven Form einer quasireligiösen Anbetung konfrontiert. Dies sollte jedoch den gemeinen Fussballer dazu veranlassen bei öffentlichen Äußerungen ein gewisses Maß an Vorsicht an den Tag zu legen. Dazu mag eine gewisse Reife auch gehören. Oder man mag eine entsprechende Offenheit, wie sie von einem Kevin Großkreutz manchesmal geradezu zelebriert wird.

Doch zurück zum Wechselspiel. Das der Weggang von Herrn Götze schmerzt, mag ich nicht leugnen. Doch brutal war für meine Wenigkeit der Abgang von Manfred Burgsmüller. Das war 1983, für die nicht Eingeweihten. Das war der Spieler, der für mich damals als junger Fan, die Identifikation mit der Borussia stiftete. Ein Charakter, einer, zu dem ich damals als Knirps aufschaute. Einer, der mit etlichen Toren, die Gegner wegblies. 135-mal für den BVB. Und dann ging er nach Bayern. Au weh. Naja, zum 1. FC Nürnberg. Doch weh tat es dennoch ungemein. Wie schon irgendein bärtiger Barde mal sang: the first cut is the deepest. Und wenn ich die facebookenden BVB-Jünger heute lese, mischt sich in den Schmerz das leichte Schmunzeln, denn ich habe den Burgsmüller-Abgang nach 30 Jahren immerhin verkraftet.

Ja, die Festigung eines Status Quo ist so eine Sache. Sicherlich sitzt noch irgendwo jemand, der im Sommer 1957 träumte, der gerade erst zweifach hintereinander deutsche Meister gewordene Club aus Dortmund würde für immer mit dieser triumphalen Mannschaft weitermachen. Nun, der Rückhalt für diesen Traum würde inzwischen eher mau ausfallen. Und damit sollte klar sein, daß Veränderungen notwendig sind und auch mit mehr oder weniger Problemen ausgehalten werden können. Es ist schließlich die Liebe zum Verein! Für mich auf jeden Fall, auch wenn die Spieler der Gegenwart den Verein in der Gegenwart prägen. Ebenso wie die Entscheidungsträger an der Seite, vom Präsidenten zum Trainer.

Dennoch: es ist seit 2008 eine grandiose Zeit Fan der Borussia aus Dortmund zu sein. Und das kann Herr Hoeneß nicht mir, und nicht irgendjemandem nehmen. Er kann es nicht, weil der Verein, den er in den letzten Jahrzehnten maßgeblich aufbaute und führte, nicht dieses intensive, emotionale Kaleidoskop geben kann. Es ist wahr, wenn ein Versicherungsunternehmen, das auch die Namensrechte eines bestimmten Stadions in Westfalen besitzt, in einer Werbeanzeige über die Fans des BVB schreibt, daß deren Stimmung nicht versichert werden kann, da sie unbezahlbar ist. Die Herren Hoeneß und Rummenigge werden auf ewig daran scheitern, nach diesem Ideal des „Wir sind Fußball“ zu streben. Sie werden auch niemals die „Echte Liebe“ erreichen, denn ein FC Bayern München, der durch fußballerisch dunkle Jahre gehen müßte, wie der BVB zwischen 1983 und 1986, oder in den späten Jahren der unseligen Niebaum/Meyer-Ära, würde noch als Bundesligist in der nationalen Bedeutungslosigkeit versinken.

Und so hat dieser Club im Sommer 2012 – nach zwei Spielzeiten der nationalen Titellosigkeit – 70 Millionen Euro in die Hand genommen und neue Spieler an Land gezogen. So werden neben Moritz Götze – oh, Verzeihung – Mario Götze (kehrt da schon jetzt das Vergessen ein?) noch weitere Millionen in diesem Sommer investiert in Krachertransfers. Da kommt auch noch ein weltbester Trainer, der den Superfreund von Herrn Hoeneß ersetzen wird, da – trotz des aktuellen Erfolges durch die Arbeit von Josef Heynckes – die Angst vor dem Rückfall in die Vorjahressituation den in München Handelnden schwer im Nacken zu sitzen scheint. Da wird die Neuigkeit des Kaufs in Dortmund so an die Presse lanciert, daß die Spielvorbereitung auf das wichtigste internationale Spiel des BVB zufällig empfindlich gestört wird. Nicht zu vergessen, daß damit auch der Versuch unternommen wird, den eigenen Präsidenten aus der medialen Schußlinie zu ziehen.

Wie groß muß die Angst in München sein vor diesem Klub aus Westfalen?

Groß genug, um sich auf ein sehr tiefes Niveau herabzulassen. So tief, daß Vereinbarungen kurzerhand ausser Kraft gesetzt werden, da es gerade paßt. Tut man das, wenn der Präsident doch seit langer Zeit gerne als die moralische Integrität einherwandelt? Oder sagte man sich: Da haben wir jetzt verschissen, da können wir jetzt überall die Sau raus lassen… Wir spielen ja schließlich in der Arroganz-Arena.

Wenn der FC Bayern München auf der Zielgerade einer sogenannten Rekordsaison auf diese Art die Hosen runterläßt, dann scheint das Selbstvertrauen noch nicht wieder sehr stabil zu sein. Da freue ich mich auf die nächste Niederlagenserie (Serie = mindestens zwei verlorene Spiele in Folge = Super-GAU = wir müssen noch mehr Millionen raushauen).

Herr Götze, viel Erfolg und noch viel mehr Spaß in München. Sie werden beides brauchen, und vor allem zweites kaum finden.