08. Oktober 2016 – eine kurze Bestandsaufnahme, ein Ansatz zur Diskussion gegen das Poltern des Populismus

Was tun?

Jaja, die AFD treibt weiterhin ihr Wesen, und die selektiven Rassisten, nicht nur die deutscher Nationalität, nehmen die Meinungshoheit an sich. Wer sich ihnen in den Weg stellt, dem tönt es entgegen, daß alles der Meinungsfreiheit zugehöre.

Ach, haltet doch eure Fressen. Es ist mit euch nicht zum aushalten, ihr Storch-Petry-Höcke-Kindsköppe. Ihr seit nicht einmal bessere Rattenfänger. Ihr könnt nur gut, weil ihr die mediale Präsenz erhaltet und auf dieser Klaviatur einigermassen gut klimpern könnt. Das war es auch schon. Ein Konzept, wie ihr eure sogenannte Volksgemeinschaft im Falle einer demokratisch gewonnenen Wahl führen möchtet, ist beim besten Willen nicht zu erkennen, denn ihr wißt schon, daß ihr den Ast auf dem ihr so feiste sitzen wollt, bei erster Gelegenheit absägen werdet: Sozialleistungskürzungen für Jedermann. Eieiei, seid schweigsam darüber, sonst wird das nichts.

Doch genug des Bashings der freiwilligen Trottel eines sogenannten Volkswillens.

Was ist das schon: Ein Volk?

Diese Frage wird im Laufe der folgenden Zeilen auch noch betrachtet, doch wende ich mich erst einmal einer wichtigeren Untersuchung zu. In großen Buchstaben geschrieben:

„WARUM GEHT’S MIR SO DRECKIG?“

So hieß die erste Platte der Band Ton Steine Scherben 1971 und mit diesem Satz können sich sicherlich viele, viele Menschen auf diesem Kontinenten indentifizieren. „Uns“ geht es scheiße, dann kommen diese Flüchtlingen und die bekommen alles in den hinteren Unterleib geschoben. Sogar Smartphones haben die. Und kriminell sind sie. Et Cetera.

Das es den Menschen, die sich auf eine Flucht, gar in äußerst fragwürdigen Booten über das Mittelmeer, begeben, dies kaum freiwillig tun, ist hier natürlich den meisten Menschen, die über diese sogenannte Flüchtlingskrise klagen, gar nicht klar. Selbst wenn die Flucht über die Balkanroute führt, ist es immer noch ein grausig schwieriges Unterfangen, das im Grunde höchste Hochachtung vor dem Willen dieser Menschen herausfordert. Doch was haben wir übrig: Ablehnung. Was sind wir doch für ein moralisch fragwürdiges Geschmeiß! Die wir in unseren beheizten Häusern sitzen an diesem Tag im frühen Oktober 2016. Draußen weht nicht der erste schneidende Wind. Drinnen hat es 18° Celsius oder mehr Behaglichkeit. Wir sollten unsere feisten Fressen halten, als über diese Menschen, die von egal woher zu uns strömen, herzuziehen. Ich verneige mich auch vor den sehr zynisch so genannten Wirtschaftsflüchtlingen. Denn woher kommt deren Gefühl, daß es ihnen so dreckig geht, das sie ihre Heimat hinter sich lassen? Oh, richtig. Unser Wohlbehagen, unsere Ausbeutung, unsere Unterstützung diktatorischer Regime. Kurzes Innehalten: Bin ich, als Bürger der Bundesrepublik Deutschland, automatisch an diesen genannten Wirtschaftsverbrechen und Unterdrückungen beteiligt. Tja, scheiße. Ja. So lange ich nicht dagegen protestiere, oder daran setze, meinen Anteil der Ausbeutung soweit zu minimieren, daß ich reineren Gewissens weiterleben kann. Doch dazu gehört Aktivität. Sehe ich solche Aktivität unter den AFD-Genossen, gar unter CDU/CSU-Sympathisanten? Um Himmels Willen, das widerspricht der deutschen Lebensart! Das ist links-versifftes Geseier. Danke auch! Ihr mich auch, nicht wahr. Abgrenzung gegen diese Menschen tut not und wird von mir aktiv betrieben. Sollen diese Selektivrassisten auch gerne nicht mehr weiterlesen, obwohl einigen der Rest gefallen könnte. Ja, vielleicht.

Denn: Ja, es geht sehr vielen Menschen in Deutschland dreckig. Und nicht nur in Deutschland. Der Erfolg des Front Nationale in Frankreich, der Brexit der Briten, die Erfolge populistisch-nationalistischer Strömungen in Polen, Ungarn, Österreich und Dänemark kommen nicht von ungefähr. Leute haben die Faxen dicke.

Doch: Wer ist daran schuld? Die Flüchtlinge, die sich in Massen nach Europa begeben? Die kriminellen Ausländer mit ihren Drogen? Die jüdische Weltverschwörung?

Nein. Die Schuld liegt tiefer begraben. Die Schuld wurde in Europa und dem Rest der sogenannten ersten Welt geschaffen. Und wenn WIR (damit schließe ich auch Menschen ein, die gerade noch Selektivrassisten waren, doch dann bemerken, daß ihr Intellekt eigentlich groß genug ist, um doch noch über Tellerrand zu blicken) nicht jetzt langsam etwas dagegen unternehmen, dann wird der Boden, auf dessen Fundament unser Wohlergehen aufgebaut ist, unter unseren Füssen weggezogen durch genau diese Rotte, die doch lauthals vor den geiernden Fremden warnt.

Den Menschen im Bereich der Europäischen Union geht es besser, als vielen Menschen im Rest der Welt (individuelle Härtefälle aussen vor). Das Wohlstandsniveau im Bereich der Europäischen Union hat sich ebenfalls in den Jahrzehnten verbessert. Und dennoch ist da nicht nur ein Gefühl, daß es für sehr viele Menschen besser sein könnte. Ja und dazu müssen wir in die Vergangenheit reisen.

Der Club of Rome warnte schon 1972 über Die Grenzen des Wachstums. Hört man auch 2016 noch Politikern zu, wissen sie immer darauf hinzuweisen, daß alles getan werden müßte, um das Wachstum zu erhöhen. Was bedeutet diese Diskrepanz? Nun, Politiker sind auch immer Teile ihrer Gesellschaft, und diese Gesellschaft ist auf einen Holzweg geraten. Wann? Vermutlich schon immer, doch hat sich im Nachgang des Zweiten Weltkriegs eine Verschärfung, eine Perfektionierung der Suche nach dem zerstörerischen, gesellschaftszerrüttenden Holzweg ergeben. Ich habe bereits die Jahre 1971 (Ton Steine Scherben) und 1972 (Die Grenzen des Wachstums) genannt. Und schiebe noch eine relative Zeitgenossenschaft hinterher, nun aus dem Bereich des deutschsprachigen Schlagers. Ein Gus Backus sang einmal: „Und dann hau ich mit dem Hämmerchen mein Sparschwein kaputt, mit dem Innenleben von dem kleinen Sparschwein gehts mir dann wieder gut.“ Putzig, nicht? Nein. Gar nicht putzig. Wer sich heute, 2016, noch mit Sparschweinen umgibt, ist vermutlich einer der offiziell traurigsten Menschen der Welt (außer es sollte sich noch eine Verschärfung der Negativzinsen für Guthaben ergeben). Und dennoch vermutlich auch im Inneren glücklich? Was bedeutet uns das Sparschwein? Diese Frage ist jetzt sehr ernsthaft gestellt. Was beudeutet DIR, Leser, das Sparschwein? Ein zeitlicher Anakronismus? An der Oberfläche nur gekratzt: Ja. Die Geschwindigkeit unserer Leben im Jahr 2016 hat das Sparschwein von diesem Planeten gefegt und wir können nur noch staunend, erschaudernd hinterherschauen. Das Zeitalter des Sparschweins ist definitiv vorüber. Doch wäre genau der Versuch, die Geschwindigkeit unserer Leben, die das Sparschwein als Symbol für finanzielle Rückstellungen im Bereich des privaten Lebens obsolet werden ließ, zu drosseln. Ganz im Sinne der immer wieder aktualisierten Berichte des Club of Rome, deren Ergebnisse sich nicht wirklich für die Zukunft unserer Nachkommen verbessert. Ganz zu schweigen davon, daß WIR – die Menschen der Gegenwart – inzwischen die Schattenseiten dieser Analysen zu spüren bekommen. Es wird immer stärker auch aus der Politik heraus geklagt, daß sich die Schere zwischen Arm und Reich weiter öffnet. Der Mittelstand schrumpft, die Ängste von aktuell noch „sicher“ lebenden Menschen vor einem Abrutschen in Armut verschärft sich. Die Ängstlichen suchen sich Feindbilder und eilen Populisten hinterher, die ihnen einfache Lösungen vorgauckeln. Das kommt uns doch irgendwie bekannt vor? Dazu möchte ich eine Schlagwörter aus dem Ärmel schütteln:

Die Älteren erinnern sich noch an Arbeitskämpfe zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften um eine Arbeitszeitverkürzung von 40 Wochenstunden auf eine niedrigere Zahl (letztlich gab es da eine teilweise durchgesetzte 38,5-Stunden-Woche) bei vollem Lohnausgleich.

Die Menschen des Jahres 2016 kennen viele Fälle von Menschen, die mehr als einen Job ausüben, um über die Runden zu kommen.

Die Älteren erinnern sich an: „Die Renten sind auf lange Sicht sicher.“

Die Menschen des Jahres 2016 wissen nicht unbedingt, ob sie über diesen Spruch wirklich noch lachen können, auch im Angesicht der Verwirrungen (ein Euphemismus), die durch die Einführung von geförderten privaten Vorsorge geschaffen wurde.

Die Älteren erinnern sich an Zukunftsvisionen, die verlockend waren, die Lust versprachen.

Die Menschen des Jahres 2016 sehen als Sieger im Kampf um die Zukunft die Herren Orwell, Huxley und andere Dystopisten hervorgehen.

Die erhöhte Geschwindigkeit hat uns als Menschen, als Individuen den Garaus gemacht. Und damit auch in hohem Maße die Achtung vor dem Mitmenschen zerrissen. Das ist keine Anklage gegen die neue Medienlandschaft, doch bietet sie erhöhte Möglichkeiten der Lust an der Beschimpfung nicht persönlich bekannter Menschen zu frönen. Ob Du Dich daran beteiligst, liegt nicht am Internet, sondern an Dir.

Die erhöhte Geschwindigkeit wurde an anderer Stelle eingeführt. Es geschah in dem Moment, als die Soziale Marktwirtschaft zugunsten befreiter Märkte zu Grabe getragen wurde. Und wer Mitte der 1990er Jahre dabei war, als ein deutscher Kommunikationskonzern mit großem T seine ersten für jedermann erwerbbaren Aktienpakete öffnete, war dies nur ein kleiner Schritt bei der Öffnung einer pandoraschen Büchse, jedoch signifikant. Denn: wieviele Blasen haben die Aktienmärkte innerhalb der vergangenen 20 Jahre erdulden müssen? Wieviele individuelle Träume sind hier zerschlagen worden? Hat die Menschheit den Schlag der Bankenkrise von 2008 eigentlich schon wirklich verdauen können? Nein, das hat sie nicht. Denn: natürlich sind finanzielle Krisen, wie der immer noch nicht wirklich verhinderte Staatsbankrott Griechenlands eine sehr sauber, hausgemachte Krise, doch gut geölt durch die Möglichkeiten der befreiten Geldmärkte geraten diese Schieflagen noch schneller ausser Kontrolle, und auch solch barbarische Mordorismen, wie „Wetten gegen eine Währung“, sind bei den dringenden Aufräumarbeiten einer nationalen Finanzwelt so hilfreich, wie Brandstiftung gegen ein Krankenhaus. Es ist eine Straftat. Wer anders denkt, sollte gute Argumente zu Felde führen können. Für mich gilt immer noch das Individuum höher, als ein finanzieller Gewinn.

In den Jahren nach dem Zerfall des Kommunismus wurde vom Ende der politischen Linken, vom Ende des Klassenkampfes gesprochen. Ich hoffe, diese Kommentatoren wissen um ihre völlige Fehleinschätzung (F.A.Z.?). Die einstigen, früheren Klassenkämpfe sind nur in ihrer Richtung verändert. Wurde früher vertikal gekämpft, geht es heute mit dem Messer in der Hand gegen die horizontal stehenden Gegner. Dabei verlieren die Kämpfer den Überblick, sehen aber dem Feind ins Auge. Doch wer ist dieser Feind, und warum ist er/sie es? Die neuen Kampfeslinien verlaufen auf oftmals irrationalen Wegen, und werden daher leicht von der einfachen Argumentation des Populismus an der Hand genommen. Dabei spielen dann plötzlich Wörter, wie „Volk“, „Nation“, „Leitkultur“, „Terrorismus“ eine Rolle. Und vieles scheint plötzlich neu zu sein. Es herrscht das Gefühl vor, ganz neue Wege zu beschreiten, wenn der Terrorismus als Beispiel besprochen wird. Natürlich spielt hier die sogenannte Flüchtlingskrise eine wichtige Rolle, denn im Schatten dieser bewegen sich die Täter in unsere Breitengrade und werden zu einer Bedrohung vor unserer Haustüre. Ja, das kann durchaus geschehen, die Wahrscheinlichkeit ist sicherlich höher als Null. Dennoch, bei aller Angst davor, gibt es ein gewisses Maß an staatlicher Sicherheitsapparatur, das hier an der Verhinderung der Gefahr arbeitet. Und, ganz wichtig zu erwähnen ist, daß die Kriminalogie in Deutschland durchaus gut eingearbeitet ist, seit den Tagen der RAF. Den Tagen der PLO. Den Tagen der AKP. Den Tagen der Wehrsportgruppen und anderer Freikorps. Terror in Deutschland ist – so scheußlich das klingen mag – ein widerkehrendes Phänomen, das sicherlich vor allem nicht durch einen sogenannten „Krieg gegen den Terror“ zu bekämpfen ist. Das sollten vor allem die letzten 15 Jahre eindeutig gezeigt haben.

Doch ist es ein leichtes im horizontalen Kampf dem Widersacher einen Terrorismusverdacht nachzusagen, oder ihn aus „Volk“, „Nation“ oder „Leitkultur“ auszuschließen, und ihn dadurch offen als Gegner zu brandmarken, den es zu schlagen oder mindestens erniedrigen gilt. Wenn dieser Widersacher eine sprachlose Menge ist, wie es die vielen heimatlosen Flüchtlinge der letzten Jahre sind, ist es um so einfacher, diese zu marginalisieren, sie auch als Steigbügel für eigene Profilierung zu nutzen. Das die dabei vielfach genutzten Schlagwörter „Volk“, „Nation“ und „Leitkultur“ nie wirklich klar definiert werden, spielt jedoch keine wirkliche Rolle. Doch täte es genau daran wirklich Not, denn was ist dieses „Volk“, zum Beispiel jenes auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland. Ich stelle zur Disposition, das es definitiv kein homogenes Volk in diesem Land gibt, das nicht nur an landsmannschaftlichen Unterschieden liegen mag, sondern auch dadurch bedingt wird, wie groß auch im Jahr 2016 noch die selbstgefühlte Scham in Anbetracht einer 12jährigen Spanne der deutschen Geschichte ist. Eine vielleicht kurze Zeit, die dennoch eine übermenschliche Katastrophe in jeder Facette des Menschlichen, der Menschlichkeit darstellt. Hier darf niemals eine Marginalisierung stattfinden. Und um die Frage eines jugendlichen Bürgers dieses Landes im Laufe des Jahres 2015 aufzugreifen: „Bin ich jetzt Schuld an den 60 Millionen Toten?“: Nein, kein deutscher Bürger, der nach dem 8. Mai 1945 geboren wurde, trägt daran eine Schuld, doch ist uns als Nachfahren – ob un- oder nur mittelbar – eine Pflicht erwachsen, mindestens auf dem Gebiet dieses Landes dafür Sorge zu tragen, das Verfolgung geächtet wird. Das die Zugehörigkeit zu einer Rasse und das Geschlecht eines Menschen nicht dazu führt, Benachteiligung zu erfahren. Das die sexuelle Orientierung eines Menschen geachtet wird. Kommen Menschen in dieses Land, welchen diese Grundwerte fremd sind, dann sind wir dazu angehalten zu lehren und vor allem mit einem Beispiel voranzugehen, das so gut ist, wie wir es eben jeder für sich leisten kann. Dazu ist die Selbstversicherung jedes Menschen notwendig. Kein Mensch ist jederzeit frei davon gegen irgendetwas, irgendjemanden Abneigung zu empfinden. Diese innere Abgrenzug ist ein Teil der menschlichen Existenz. Doch kann jeder Mensch lernen, damit umzugehen, es nicht in Wort oder Tat nach aussen zu führen.

Doch Selbstversicherung und Selbstvergewisserung sind Prozesse, die ihre Zeit brauchen. Womit sich der Kreis zum Sparschwein schließt, denn auch dieses brauchte Zeit, um sich zu füllen.

Es ist nicht die Frage, ob ein Mensch jedes Jahr ein neues Smartphone braucht. Es ist eher die Frage, warum jedes Jahr ein neues Smartphone angeboten wird, und warum globale Konzerne, die dieses Angebot in die Welt schreien, noch nicht einmal einer regulären Steuerpflicht dort unterliegen, wo sie ihre Geschäfte machen. Gerade dieser Aspekt stinkt bereits seit vielen Jahren, und niemand räumt auf.

Wie hieß es damals in der Zeit, als Zukunft noch etwas Gutes schien: Think global, act local. Genau: ACT LOCAL, ihr Blutsauger der Menschen, die ihr eure Targets (Zielscheiben) nennt. Wir, die Menschen dieses Planeten, sind nicht für das Wohlergehen eurer CEOs und Aktionäre zuständig. Werdet wieder gewahr, daß ihr nur die Produzenten von Produkten sind, die WIR für uns nutzen.

P.S. für die AFD-Fanboys und -girlies: Wenn irgendwo auf diesem Planeten ein Mensch, der dort Ausländer ist, straffällig wird, ist – so seine Schuld nachgewiesen ist – dieser zu bestrafen. Ich weiß nicht, warum solch eine klare Realität unseres Zusammenlebens immer wieder zur Sprache gebracht werden muß. Sollte es im Bereich der Legislativen Lücken geben, sind diese durch die gesetzgebende Exekutive unserer Gewaltenteilung zu schließen. Punkt.