kurze Geschichte des 20. Jahrhunderts

Liebe Welt,

einige kurze Worte, die auch anderweitig Verwendung finden werden.

eine kurze Geschichte des 20. Jahrhunderts

Inmitten der Hügel an Kram fand ich ein Notizbuch, aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Dieses war mit Fragen überfüllt. Fragen fanden sich darin. An jeder Ecke.

Zweifel, die sich in Fragen hüllten!

Fragen, die ihre Zweifel in sich hüteten!

und während ich die Fragen sichtete, blickte ich kurz auf und sah eine Frau, so ergreifend und klug, wie ein Gerhard-Richter-Gemälde. Die Fragen nahmen mich im nächsten Moment wieder gefangen, die Farben zerflossen. Den Blick wieder gebannt in das Notizbuch versenkt.

Inmitten der Trümmer fand ich eine Schatulle.

Inmitten der Trümmer fand ich ein Haarband.

Inmitten der Trümmer fand ich eine Holzfigur mit langer Nase.

Inmitten der Trümmer fand ich einen Spiegel.

Inmitten der Hügel an Kram fand ich ein Notizbuch.

Inmitten des Notizbuches fand ich Wörter. Die Wörter griffen sich an ihren Händen und verbanden sich zu zweifelgetränkten Fragen. Der Zweifel wies zu einer Denkerstube. Der Zweifel lugte an jeder Ecke aus Haufen an Kram hervor. Haufen an Buchstaben und Wörterhülsen, zerstreut über den Eichenfußboden. An den Wänden Gemälde von Erich Heckel, Egon Schiele.

Inmitten der Trümmer fand ich Ideologien.

Inmitten der Trümmer fand ich Ideen.

Inmitten der Trümmer fand ich Visionen.

Inmitten der Trümmer fand ich die Metaphysik.

Inmitten der Trümmer fand ich den Dandy.

Inmitten der Trümmer fand ich den Nihilisten.

Inmitten der Trümmer fand ich den Hochmütigen.

Inmitten der Trümmer fand ich den Gestiefelten.

Inmitten der Träume fand ich Trümmer.

Während ich sinnend, das Notizbuch in meiner Hand, ging, stieß ich auf einen Stacheldraht. Ich blickte zu Boden, es war ein Graben dort. Ich blickte nach oben, es war dort eine Schußanlage.

Kann ich jetzt für ein zukünftiges Paradies töten?

Wen kann ich jetzt für ein zukünftiges Paradies töten?

Weshalb kann ich jetzt für ein zukünftiges Paradies töten?

Kann ich Menschen in einem Lager sammeln, um sie morgen für ein zukünftiges Paradies zu töten?

Kann ich meine Machtposition einsetzen, um Menschen dazu aufzufordern, andere jetzt für ein zukünftig versprochenes Paradies zu töten?

Kann ich meine Machtposition damit ausbauen, das ich Menschen dazu auffordere, andere jetzt für ein zukünftig versprochenes Paradies zu töten?

Kann ich meine Machtposition damit stärken, daß ich Menschen ausliefere, die ich zuvor dazu aufgefordert habe, andere für ein zukünftig versprochenes Paradies zu töten?

Kann ich meine Machtposition damit zementieren, daß ich Menschen ihre Sprache nehme, um sie in ihrer Unwissenheit zum Mord an anderen aufzuhetzen?

Während ich sinnend diese Fragen las, stand ich an einem Stacheldraht, vor mir der Graben, über mir die Schußanlage. Während ich sinnend die Fragen las, lagen hinter mir die Trümmer. Während ich sinnend die Fragen las, stürzte in meinem Rücken ein Gebäude ein. Während ich sinnend die Fragen las, stürzten Kinder, Frauen, Männer zu Tode. Waren neue Trümmer über die Träume gestürzt. Waren neue Trümmer über die Träume gestürzt. Inmitten eines Jahrhunderts stürzten neue Trümmer über tote Träumer. Inmitten eines Jahrhunderts stürzten schwere Trümmer über tote Träumer. Inmitten eines Jahrhunderts. Inmitten eines Lagers eingesammelt, mit schweren Träumen die Taschen gefüllt.

Kann ich Menschen unterstützen, die Andersdenkende töten, aber deren Ziele ich für gut heisse?

Kann ich Menschen unterstützen, die Andersdenkende töten, aber deren Ziele ich für gut heisse?

Kann ich Menschen unterstützen, die Andersdenkende töten, aber deren Ziele ich für gut heisse?

Kann ich Menschen unterstützen, die Andersdenkende töten, aber deren Ziele ich für gut heisse?

Kann ich Menschen unterstützen, die Andersdenkende töten, aber deren Ziele ich für gut heisse, Jean-Paul?

Inmitten eines Lagers hob ich den Kopf und sah in den blanken, blauen Himmel. Sah keine Engel, sah keinen Gott, sah nur Wolken. Sah keine Engel, sah keinen Gott, sah nur weisse Wolken.

Werbeanzeigen