Punk 2018

Liebe Leserinnen, liebe Leser.

ich beginne diesen Text über eine notwendige Utopie mit einem Tweet, den ich am Morgen des 1. Januars 2018 schrieb:

Punk is not dead.

Punk is Trans, Ace, Gay, Lesbian, Queer, Inter, Poly, even Hetero!

Punk is Empathy. Punk is: To Be.

What Punk is not: Punk is not Norm.

LET’S MAKE 2018 THE YEAR PUNK IS COLOURFUL AS HELL!

We can make it happen!

Ich hatte gehofft, daß dieser Tweet eine gewisse Resonanz erziehlt. Und nach vier Stunden 85 Likes ist (bei meiner doch relativ kleinen Reichweite) schon jenseits des guten Erfolgs, wobei es natürlich überhaupt nicht darum geht.

Ich möchte folgendes hierzu ausführen:

2017 war kein gutes Jahr. Es wird das Jahr sein, in welchem die autokratischen, nationalistischen und rassistischen Regime und Menschen ihre Machtbasis weiter verstärkten und das Leben für alle anderen Menschen, die eine mehr oder weniger selbst gewählte Nische bevölkern, ein Stück weiter untragbar gemacht haben.

Man kann diesem Treiben der politischen Rechten mit Spaß, mit Verachtung, mit Gewalt oder mit Ignoranz begegnen.

Desweiteren war 2017 das Jahr, in welchem (endlich) die Gewalt gegen Frauen zu einem wirklichen Thema wurde. Übergriffigkeit ist (vor allem) kein Kavaliersdelikt.

Insofern kann es 2018 nur darum gehen, der erwähnten politische Rechte und der toxischen Männlichkeit entschlossen entgegenzutreten. Diese Meinung wird von vielen Menschen geteilt.

Daher mein Aufruf, den Punk im Jahr 2018 zu einem grenzüberschreitend farbenfrohen Ereignis zu erheben.

Dabei sollten wir die üblichen Assoziationen mit Punk über Bord werfen: Keinen Irokesenschnitt, keine Sicherheitsnadeln im Gesicht, kein Anspucken, kein permanentes Betrunkensein, kein radikales Festhalten am Nichtskönnen (oder auch einer reinen Lehre). Ausser, wer es mag. Der soll dies tun. Denn darum geht es: Punk soll das „Sein“ ermöglichen. Nicht mehr das „existieren“. Und ja, wem das nach Hippie klingt: Okay, gut möglich. Doch möchte ich einen grundlegenden Unterschied ansprechen, in welchem Hippies und Punks in jener Zeit auseinandergingen: der Hippie lebte vor allem nach Innen, dem Punk war in gewissem Maße die Welt draußen, das Soziale, nicht egal. Und ich möchte unbedingt darauf beharren, daß der Punk 2018 bei aller unbedingten Individualität auch seine Hände nach Aussen streckt. Das ist so ergreifend wichtig. Die Angst vor dem Fremden spielt der politischen Rechte in die Hände, doch wir möchten diese Hände leeren. Darum: geht aufeinander zu! Ohne Angst und auch ohne vorgefertigte Meinungen. So lassen sich auch besser die Bande knüpfen, die Netzwerke aufbauen, die uns eine Stärke geben, um den Angriffen von Rechts, von der toxischen Maskulinität zu widerstehen. Wenn wir zusammen stehen, sind die Frauen, deren Hände wir greifen, besser geschützt. Im besten Falle, heißt das.

Was ist noch zu tun? Hier möchte ich auf den ursprünglichen Tweet zurückkommen, in welchem ich etliche Spielarten des gekürzt LGBT genannten Sexualspektrums auflistete. Ich selber finde mich im Transbereich wieder, weil Transfrau. Ich möchte nachhaltig dazu anregen, daß gerade aus diesem gesellschaftlichen Bereich eine Energie aufsteigt, die von uns – die wir uns in diesen Worten widerfinden – produziert wird, die uns gleichermassen trägt. Und das nicht nur an bunten Christopher-Street-Day-Veranstaltungen, die aber sicherlich ein sehr gutes Beispiel sind. Doch denke ich eher an die „kleinen“ Situationen unserer Leben, in welchem wir eine buntere Offenheit fördern und dadurch etwas Mächtiges entstehen lassen, das den Namen Hoffnung trägt. Und nein, ich denke weniger daran, daß wir anhand unserer Sexualität diese Energie formen und fördern, als vielmehr durch unsere Erfahrung in den Ecken, den Nischen, der Dunkelheit leben zu müssen und anhand dieser Übung zu wissen, wie wir Menschen, die aufgrund anderer Stigmata in der Isolation leben, an der Hand nehmen können, und diesen helfen können. Und nicht vergessen: ich erwähnte auch Hetero-Menschen. Diskriminierung muß der Vergangenheit angehören. Das soll einer der wenigen wirklich festen Leitsätze sein.

Ich habe auch nicht vergessen, daß es viele Menschen gibt, die genau hier Schwierigkeiten sehen, da es ihnen generell eher schwer fällt Kontakte zu knüpfen, auf noch fremde Menschen zuzugehen. Ich weiß das, es geht mir selber so. Manchmal reicht es jedoch schon ein Lächeln auszusenden. Das ist etwas, das wirkt, und von keinem AfD-Politiker (oder ähnlicher Gesinnung) unterdrückt werden kann.

Es gibt viele Fährnisse auf diesem Weg. Und hier spielt auch schon die Politik hinein, die mediale Gesellschaft. Die Art und Weise, wie über gerechtfertigte Proteste berichtet wird. Wie einerseits nebenbei über steigende Kinderarmut berichtet wird, dann jedoch großflächig ein fantastisches Börsenjahr gefeiert wird. Hier hat sich in den letzten gefühlten zwanzig Jahren eine Verschiebung vollzogen, die fatal ist. Es gab auch schon Gegenbewegungen (Occupy, um nur eine zu nennen), doch hat sich hier wirklich eine Nachhaltigkeit ergeben? Das sollte ein Ziel sein, um wirklich eine gesellschaftliche Änderung zu schaffen. Und dennoch war gerade Occupy ein guter Ansatz, da die Art und Weise der Beschäftigung mit den börsenorientierten Konzernen ein wichtiges Thema ist. Hier wird es Änderungen geben müssen. Welche? Mindestens Rücknahmen von vergangenen Privatisierungen sollten ins Auge gefasst werden. Der Staat muß eine Obhutspflicht für seine Bürger übernehmen können, und damit meine ich weniger die Möglichkeiten polizeilicher Maßnahmen, als vielmehr staatliche Auf- und Ausgaben in Gesundheit, Pflege, Bildung, Umweltschutz, Energieversorgung.

Wir können nur BUNT überleben. Alles andere ist ein langer, schmerzhafter Niedergang unserer Spezies, den wir nicht wollen können.

Und: Ich will als transsexueller Mensch dennoch ein Teil einer in sich befriedeten Gesellschaft sein, in welcher den finanziellen Aspekten des Lebens weniger Mühsahl gewidmet werden muß. Ist das eine totale Utopie?

Lasst uns darüber kommunizieren.

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17. Mai 2015

Es ist heute der Tag, der am 17.05. geborenen. Nachdem der §175 dStGB seit 1994 aufgehoben ist, ist endlich die männliche Homosexualität straffrei. Hurra! Dies ist auch für nicht homosexuelle Männer ein Grund zur Freude, denn – ob mann sich auf schwule Kontakte einläßt oder nicht – das Tor zu diesem Teil eines kompletten Menschenbildes ist nicht mehr staatlich unter Strafe gestellt. Überhaupt bringe ich in diesem Zusammenhang die Frage an den Rest der Welt: Was geht den Staat die Sexualität von erwachsenen Menschen an? Natürlich unter dem Gesichtspunkt, daß der Zwang zu sexuellen Handlungen ein Verbrechen darstellt. Doch bei einvernehmlichem Sex muß der Staat außen vor bleiben. Doch dies war 122 Jahre in deutschem Rechtsgebiet nicht der Fall, und verwunderlich ist, daß während der ersten sozialdemokratischen Regierungsphase in der Bundesrepublik dieser höhnende Paragraph nicht schon gekippt wurde. Natürlich wird auch heute noch gerne mit einem verqueren moralischen Bild gegen jedwede Homosexualität angegangen, die in meinen Augen jedoch gerade charakterliche Mängel bei den feindlichen Predigern offenlegen, schließlich ist es nicht nur eine Frage von Offenheit und Toleranz, sondern gar einfacher Respekt gegenüber anderen Menschen, der dazu anhalten sollte, eine eventuell negative Meinung über Homosexualität einfach für sich zu behalten. Schließlich wird kein Mensch dazu gezwungen. Und wenn doch, handelt es sich um den Sachverhalt der Vergewaltigung, und dieser ist zum einen strafbar und unter Heterosexuellen leider häufiger anzutreffen (das „leider“ bezieht sich auf die Opfer einer Vergewaltigung).

Insofern ist es ebenfalls eine Pflicht für jeden aufgeklärten Staatsbürger sich global für die Rechte homosexueller Frauen und Männer einzusetzen, die oft unter massivsten Repressalien leiden müssen. Denn die Feinde der Freiheit gibt es überall. Und ob Frauen unterdrückt werden, Lesben und Schwule gejagt werden, Zugezogene angepöbelt werden, die Angst geht um in den Hirnen der Bemitleidenswerten. Das Fremde, oh, das Fremde! Es greift um sich und alles wird niedergerannt von dem Fremden, den fremden Sitten. Oh, Grundgütiger, wir werden alle zu homosexueller Unzucht angehalten mit den fremdesten der Fremden. Lasst uns schnell vor Kreuzen niedersinken, uns verschleiern oder für Gotteskrieger in idiotischste Kriege ziehen, nur um das Fremde Sein vor unseren Türen bekämpfen zu können, zu ignorieren, zu beschimpfen, niederzumetzeln. Die Angst! Die Angst! Vor dem Fremden…

Keine Entschuldigung von mir für diese Pöbelei. Ich bin glücklich, mich in dieser Welt schon immer fremd gefühlt zu haben. Danke, irrer Geist.