Serie „Glaube“/1

Liebe Welt,

der Beginn einer kleinen Serie über das Thema „Glaube“.

Glaube? Glaube. Glaube?

Das Thema Glaube ist ein dankbares, denn hierzu kann sich jeder Mensch äußern, denn ob pro oder contra eingestellt, eine Meinung dazu kann jeder entwickeln.

Doch das ist weniger das Thema, der Gedanken, die ich mir darüber mache. Ich frage mich, was Glaube bedeutet? Welche Auswirkungen kann er haben? Welche Basis hat der Glaube? Und ein letztes wichtiges Feld ist die Frage, ob Glaube ein theoretisches Ideengebäude bewohnen muß? In diesem Satz kann das Wort „theoretisch“ auch gerne gegen „theologisch“ ausgetauscht werden, denn die Frage läßt sich auch genau so stellen.

Eines persönliche vorweg: Ich glaube. Ich glaube an die Möglichkeit eines inneren Sicherheitsbedürfnisses. Doch gleichermaßen zweifle ich daran, sowie ich an allen religiösen Glaubensbekenntnissen zweifele. Und dennoch stelle ich mir die Frage, aus welchen Beweggründen ein Mensch glauben kann. Ich stamme aus einem katholischen Elternhaus und habe ein entsprechendes Gymnasium besucht, bin dementsprechend früh und lange mit Glaubensinhalten, wie auch Kirchenbesuchen in Berührung gekommen. Doch in dem Moment, wo ein persönlicher Glaube hätte flügge werden sollen, kam alleine der Zweifel. Die Einsicht, in die persönliche Unfähigkeit zu glauben. Warum? Oder – unter dem Aspekt, das die Fähigkeit zu Glauben ein evolutionärer Teil des Menschseins ist – ist meine Art zu Glauben vielleicht nur von religiösen Inhalten zu anderen Gesichtspunkten des Lebens weitergewandert? Ist der Zweifel eine Form des Glaubens? Wie dem auch sei, stelle ich mir nun als erstes die Frage: Woran kann ein Mensch glauben?

Dazu bewege ich mich zunächst weg von den handelsüblichen Glaubenshäusern. Und hinein in ein Fußballstadion, in welchem zwei verschiedene Glaubensrichtungen aufeinandertreffen und sich miteinander messen, begleitet von abertausenden Anhängern ihrer jeweiligen Religion. Hier werden sich bei der Betrachtung einige Erkenntnisse offenbaren. Fangen wir an:

1. In dem Moment, wo wir die Formate „Glaube“ und „Fußballstadion“ in einen gemeinsamen Kontext packen, werden Menschen aufschreien und mich, den Schreiber und Betrachter, zeihen, ungehörige Vergleiche anzustellen. Die Worte „Ersatzreligion“ und „Götzendienst“ werden vermutlich fallen. Hier stellt sich mir dann die Frage: Was macht eine Religion zu einer nicht-götzenanbetenden, wertbeständigen, ausgereiften Heilslehre? Was fehlt dem handelsüblichen Fußballverein, um diesen Status zu erreichen? Ist es der jenseitige Aspekt? Ist es das zuvor schon in den Raum gestellte theologische Grundgerüst? Ja, ist es vielleicht der Punkt, der die Theologie zu dem macht, was sie ist: Gott? Wenn es um diese Facetten geht, können gewiefte Clubs sicherlich viele Punkte als erfüllt ansehen, denn massive Anbetung des Vereins, seiner Historie, Erhebung einzelner Menschen zu Fußballgöttern, Benennung des Stadions als Tempel ist in so manchem Fall bereits gegeben. Dabei möchte ich die Abschweifung zu diesem Ballsport nur als ein Beispiel ansehen, in welchem ein religionsartiges Wesen inzwischen tief verwurzelt ist. Und von daher wäre eine Bezeichnung als „Ersatzreligion“ von vielen Anhängern dieser beispielhaften Sportart oder daran teilnehmender Vereine als pure Blasphemie angesehen. Womit wir zu Punkt 2 kämen:

2. Der meist männliche Anhänger einer Glaubensrichtung, sei es eine theologisch fundierte Bewegung, oder eine Ballsportart, neigt im öffentlichen Raum zu einer hemdsärmeligen Zur-Schau-Stellung seiner Ansichten, seines Glaubens. Dies zeigt sich entweder in aggressiver Behandlung Andersdenkender, bzw. -gläubiger oder in bestens dokumentiertem Martyrium. Wem hierbei zufällig die Namen de Sade und Sacher-Masoch in den Sinn kommen, der wird sicherlich auch noch Siegmund Freud mitdenken. Und ich möchte auch jetzt schnell von diesem Steckenpferd absteigen und mich unter Tränen schmunzelnd abwenden. Doch gebe ich Lesern, die möglicherweise gerne beklagen, welche Mengen an wertvollen Steuergeldern verschwendet werden, wenn Ballsportveranstaltungen unter massivem polizeilichen Aufgebot abgehalten werden, einen Gedanken mit auf den Weg: Stellen Sie sich vor, der große Religionskrieg auf heutigem deutschen Boden, jener dreißigjährige Irrsinn zwischen 1618 und 1648 wäre nicht das große Morden, Schlachten, Plündern gewesen, das es leider war, eine Entvölkerung sondergleichen, sondern einfach eine Ansammlung von schönen, gut besuchten Massenschlägereien von Ultras der beiden damals führenden Fußballclubs FC Papsttum Rom und SpVgg Lutherstadt Wittenberg. Nicht Leichen, sondern nur gebrochene Knochen und blaue Augen. Als Zutat vielleicht einmal ein kleiner Fenstersturz. Wie freundlich kann das Hooligantum sein! Der Satz „Immer feste glauben“ bekommt einen ganz neuen, euphorisiernden Klang. Und nebenher können auch Frauen mit Wucht beten! Doch verzichten diese meist auf die einhergehende Dramatik. Siehe die showtreppenhaften Abgänge der Herren Sankti Sebastian und Laurentius. Schlagen Sie das ruhig nach!

3. In Punkt Drei möchte ich noch einmal auf die Grundfrage, die hier schon mitgeklungen hat, zurückkehren: Was macht eine kirchensteuereinnahmefähige Religion aus? Was unterscheidet sie von dem gerade einmal jährlich mitgliedbeitragsheischenden Ballsportverein? Nun, Sie sehen, es schreibt kein Gläubiger, sondern ein Zweifler. Ich sehe keinen Unterschied. Doch vermute ich, daß Kirchgängern das Wort „Hoffnung“ durch den Kopf gehen könnte. Doch das ist nur eine Vermutung. Ginge mir „Hoffnung“ durch den Kopf? Nein. Warum? Ich nenne eine wichtige Grundlage jedes Glaubens, ob an den Kirchensteuernehmer oder den Ballspielverein: Diejenigen, die glauben, sind Menschen. Und was ist der Mensch? Ein perfektes Lebewesen? Mit der Fähigkeit, kosmische Umstände verstandesmäßig konkret und umfänglich zu erfassen?

Was bewegt Menschen dazu, Religionen, die auf einen Glauben der Anderen aufbauen, zu gründen? Ich stelle die Frage um: Was bewegt Menschen dazu, Musikgruppen, die auf Tonträgerkäufe der Anderen aufbaut, zu gründen? Steht in Falle Zwei möglicherweise die Selbstdarstellung, Selbstverwirklichung, die Verwirklichung eines Traumes im Vordergrund, so scheint mir dies in Fall Eins zunächst zu versagen. Oder etwa nicht? Religion bedeutet, neben der Schaffung eines theokratischen Konstrukts, immer auch die Abgrenzung von den Anderen. Gründe ich eine Musikgruppe, die Punkrock spielt, grenze ich mich von den Naziskins ab. Und von vielen anderen auch. Und so stehen auch neue Religionen erst einmal an einem Punkt, wo ihre Gründer sagen: Okay, die frühen The Who und die Stooges waren schon ganz gut, aber ansonsten ist alles total scheiße, was vor uns war. Jetzt kommen wir, die Punkgötter namens Sex Pistols und schmeissen erst einmal alles um. Und schon werden zum Beispiel Zeitrechnungen neu konzipiert. Und wer will es da den Pharisäern und Hohepriestern, die im Neuen Testament so maulig und nölend dargestellt werden, verdenken, daß sie sich anhören, als sagten sie: „Mein lieber Jeshua, solange Du Deine Füsse unter unseren Landes- und Glaubenstisch stellst…!“ Wozu haben die Religionsgründer und/oder -propheten denn etwas Neues ins Leben zu rufen, als daß ihnen das Althergebrachte nicht so behagte, wie sie es sich wünschten? Womit wir doch wieder bei Selbstverwirklichung, bzw. der Verwirklichung eines Traumes, eines Bedürfnisses ankommen. Natürlich kann jeder gläubige Christ nun entgegnen, daß es nicht der junge Jeshua war, der hier ein persönliches Bedürfnis umsetzte, sondern es sich um den schon lange gehegten und von Propheten vorhergesagten Plan des Gottvaters handelte. Ja? Und unbefleckte Empfängnis gehört noch mit dazu?

Ich weiß nicht, was Immanuel Kant über diese Partien des sogenannten neuen Testamentes dachte. Doch ist er einer jener Menschen gewesen, die ein erwachsenes Glauben an diese Geschehnisse eigentlich unmöglich macht. Wie lautet die Zahl der Menschen, die heute noch an die Weltesche Yggdrasil glaubt? Weltweit? Eher einstellig, oder? Jungfräuliche Empfängnis? Ich ahne, daß vermutlich viele Frauen in den letzten zweitausend Jahren durchaus versucht haben mögen, gewisse Umstände mit diesem Argument zu erklären. Es bestünde damit die Möglichkeit in einer Unzahl von Religionsgemeinschaften zu ertrinken. Und doch sehe ich im Weltenbaum der alten Nordmänner und -frauen eher eine heute noch ansprechende Basis einer Theologie, denn die genannte Esche kann als Symbol verstanden werden, welches das Menschengeschlecht mit der umgebenden Natur vereint, ohne das mir alte Wikinger oder Neuheiden mit Äxten drohen. Die christlichen Kirchen hingegen tun sich sehr schwer damit, groben Unfug und Märchentum als Symbol, als Bildnis zu verkaufen. Und dazu gehört die Zeugung Jeshuas als Akt eines Erzengels ohne sexuellen Hintergrund. Ganz Walhalla erzittert durch das Lachen der Kämpen und Walküren.

(…Teil 2 folgt)

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