Frei nach dem besten Song der Doors…

Liebe Welt,

du ahnst es vermutlich schon. Natürlich, du kennst dich aus, und weißt daher, daß nur „the End“ gemeint sein kann, wenn vom besten Song der ansonsten eher mittelmässigen Doors die Rede ist („When The Music’s Over“ wäre allerdings auch eine gute Antwort gewesen). Nichtsdestotrotz, kommt nun die Geschichte hierzu. Es wird denn auch nun still im Märchenwald, wo Frösche und Bären miteinander verkehren.

Der Tod

Peng fühlte sich am Morgen schlecht und ließ sich mit schwerem Herzen wieder in das Kissen sinken. Er konnte es sich nicht erklären, weshalb es ihn so herab zog und die aufsteigende Sonne ihm keine Energie brachte. Ping schaute vorbei und fand den Freund in einer depressiven Grübelei versunken. Kaum, daß sich dieser rührte und ihn bemerkte. Es machte ihn traurig, so verschob er den nötigen Aufbruch zur Arbeit bei der Mückenjagd und machte dem Freund eine Tasse Tee, die ihm wieder auf den Damm helfen sollte. Ping machte sich später auf den Weg zur Arbeit, traf dabei den Freund James, dem er vom kranken Peng erzählte. James ließ sich seine Sorge nicht anmerken, denn er wußte, daß Peng seit einiger Zeit gesundheitlich schwächelte. Der kleine Frosch war zu oft traurig, zweifelnd und in Gedanken versunken, daß er oft vergaß, daß das Leben nicht nur im Kopf stattfand.

Am Abend kehrte Ping von der Arbeit des Tages zurück und fand Peng weiterhin im Bette liegend vor. Peng schlief, das Bettlaken von Schweiß durchnäßt, die Augen eingefallen. Ping war nun vom Schrecken durchdrungen und lief zu James, denn er benötigte des Freundes dringende Hilfe. Er hatte Peng noch nie in einem solchen Zustand gesehen, so lange er sich erinnern konnte. Ihn überfiel ein Gefühl von tiefer Angst, daß sein Kumpan schwer erkrankt sein könnte. Als James Ping und dessen betroffenes Gesicht sah, hatte er das Gefühl, er habe Ping so erwartet. Schnell warf er sich einen Umhang um, denn der Abend war kühl und feucht. Eilend liefen die beiden zu der Frösche Behausung, wo sie Peng vorfanden, der nun von einem schlimmen Fieber geschüttelt wurde. James gab Ping schnell ein paar Anweisungen, dann lief er weiter, um von der Eule ärztlichen Rat zu erbitten. Die Eule war jetzt schon eine letzte Chance.

Ping hatte alle Mühe seine Arbeit zu koordinieren, denn wenn er Peng ansah, von dessen Augen nur noch das Weiße zu sehen war, packte ihn die pure Angst, wurde er nervöser und zappeliger, wußte nicht mehr in welche Richtung er nun laufen solle, um dem Freund zu helfen. Wenn doch James endlich mit der Eule käme, damit die wahre Hilfe beginnen könne. Wäre er doch heute morgen nicht zur unnützen Arbeit gegangen, hätte er lieber an Pengs Bett gewacht und hätte er ihm durch den Tag geholfen. Anstatt war er der falschen Pflicht nachgegangen und hatte sein Herz verraten. So krank und angegriffen Peng aussah, so schuldig fühlte sich Ping, dem schwere Tränen in die Augen traten. Immer wieder tupfte er mit einem kühlen Lappen über den heißen Kopf des Freundes. Endlich schien Peng etwas zu sich zu kommen. Er öffnete die Augen einen Spalt weit, blickte lang in des tief besorgten Pings Gesicht. Dann schloß er seine Augen erneut, zeigte er eine größte Erschöpfung. Die Zeit verging, und sie verging nicht. Ping litt mit jedem Atemzug ein wenig mehr. Wenn doch James endlich käme!

Dieser war unterwegs und eilte, so schnell seine Beine ihn trugen, doch hatte er die Eule erst spät aufgefunden. Diese flog neben ihm, und hatte große Mühe James zu folgen, der die Luft mit größter Energie zerschnitt, wußte er doch um die Dringlichkeit seiner Mission. Dann sehen sie der Frösche Haus, traten schnell ein, sahen Ping, tränenüberströmt, Pengs Stirne abtupfend. Die Eule überblickte schnell Pengs Zustand. Sie sah die Freunde an:
„Es tut mir leid, ich kann nichts mehr tun. Eine schwere Vergiftung, die bereits zu lange fortgeschritten ist, als das noch etwas zu helfen möglich wäre. Es sind bereits die Beine gelähmt. Das Gift wird weiter durch den Körper ziehen und alles…“
Ping brach zusammen. James Gesicht verlore jede Farbe. Die Eule senkte ihr Haupt und blickte traurig zu Boden.
„Es scheinen mir die Gifte des Teiches zu sein. Er war wohl bei den Filterern?“
James nickte. Die Eule klagte über dieses schlimme Los, das durch die Verantwortungslosigkeit der Menschen zu einer Arbeitstelle wurde, die schon viele Opfer nach sich gezogen hatte. Sie blickte in ihre Kräutertasche und gab einige getrocknete Pflanzen an James weiter:
„Machen Sie sich bitte einen Tee damit. Es beruhigt und tröstet über das größte Leid.“
Die Eule verließ die beiden, die sich nun an das Bett begaben und auf den armen Peng blickten, der mit geschlossenen Augen schwach atmete. Ping zitterte und James nahm seine Hand.
„Wir lassen Peng nicht alleine, Ping! Wir sind bei ihm. Komm, wir halten auch seine Hand. Er braucht uns jetzt. Wir sind seine Freunde.“
Ping schluckte und sie griffen Pengs schwache Rechte. Er schien nun langsam wieder ein wenig zu Bewußtsein zu kommen. Ja, seine Augen öffneten sich wieder eine spaltweit. Er sah die Beiden an. Sein Mund zeigte fast ein Lächeln.
„Danke,“ flüsterte Peng. „Ich liebe Euch.“
Seine Augen schlossen sich wieder. James strich Ping über den Kopf und begab sich in die Küche, um einen Tee aus der Eule Kräuter zu brauen. Ping hielt wie versteinert Pengs Hand. Von Zeit zu Zeit tupfte er wie mechanisch Schweiß von Pengs Stirn. James kam und reichte Ping einen Becher. Beide tranken schweigend. Peng bäumte sich kurz auf und schnappte nach Luft. Pings Becher fiel zu Boden, als er panisch nach Pengs Hand packte. Der Kranke sank wieder zurück in sein Kissen, wand seinen Kopf langsam nach Ping:
„Ping… ich ziehe… nach Westen… dem Sonnenuntergang… entgegen.“
„Verlass mich nicht, Peng. Ich brauche dich, ich kann nicht ohne dich leben. Ich war noch nie in meinem Leben ohne dich. Wie soll ich denn klarkommen, ohne das du mir zur Seite stehst!“
Pings Magen hob sich, alles zog sich aus seinem Körper heraus, wollte sich um den Freund schließen, um diesen mit Energie ins Leben zurückzuschaffen. Feste preßte er Pengs Hand. James Hände lagen auf seiner Schulter. Der Bär weinte. Die Tränen tropften auf Pings Kopf. Auch diesem stand das Wasser im Hals, doch noch wollte er nicht aufgeben und den Freund hergeben. Er umarmte Peng so fest er konnte, schüttelte diesen immer wieder und wieder und wieder. Er rief seinen Namen, er schrie und fluchte und zeterte. Da spürte er, daß Peng mit letzter Kraft seinen linken Arm um ihn legte. Nun wurde Ping ruhig, sah Peng in die offenen Augen. Und diese schlossen sich dann. Pengs Atem erlosch.

„Wenn die Musik verstummt, lösche das Licht“, sprach James unter Tränen.

That’s it, Folks.

Ohne Worte, Ihre Frau Hansen

In der Mitte entspringt die Wahrheit

Liebe Welt,

in den vergangenen Mitteilungen, die ich Dir sandte, wurde oft gelacht und geflachst. Damit ist es nun ein für alle Mal vorbei. Nein, es zieht die Nacht über den Wald der Frösche und Bären. Und weiter weiß ich nichts mehr zu parlieren, also lasse ich den Vorhang für bittere Geschichten in die Höhe steigen.

Es wäre viel zu gefährlich, über das Folgende zu reden

Peng war noch immer sehr erschrocken. Am vorigen Tag hatte er einen Spaziergang mit Ping und James dem Bären unternommen. Dabei mußte er einen Frosch beobachten, der Unrat in den Teich warf. Ihm hatten die Worte gefehlt, dieses Vorgehen den Freunden zu berichten. Tiefe Wut hatte sich in seinem Innern breit gemacht. Er wurde immer stiller, als er denn auch erkennen mußte, daß der unbekannte Frosch sich davon gemacht hatte. Die Freunde redeten unbehelligt von seiner sprachlosen Aggression über gesellschaftliche Themen und Ping erzählte angeregt von den neuesten Taten des Oberfroschs bei den Fliegenfängern. James dem Bären fiel es denn auf, daß Peng abwesend wirkte und gar oft gegen kleine Kiesel trat, so daß diese mit Wucht durch die Luft geschleudert wurden. Er sprach den so oft traurig und zweifelnd wirkenden Frosch darauf an, doch Peng wollte keine Antwort auf sein Verhalten geben.

Kurz nachdem sich die Freunde getrennt hatten, wurde Peng wieder des strolchigen Froschs gewahr. Alleine und voller Zweifel über seine Beweggründe starrte er den anderen nur an, der sich jedoch nicht weiter hiervon beeindrucken ließ und seines Weges hüpfte. Wieder stieg die Wut mit Gewalt in Pengs Kehle empor und schnürte alle Möglichkeit von klaren Gedanken ab. Er war sich völlig darüber im Unklaren, wie er dieser Provokation einer derart selbstsüchtigen Existenz begegnen solle. Vielleicht war dieser Frosch abseits seiner ökologischen Unvernunft ja ein feiner und netter Zeitgenosse? Peng konnte es sich nicht weismachen, daß dies möglich sei. Und es wurmte ihn gar sehr, daß er nicht hatte einschreiten können, als er die Untat bemerkt hatte. So wuchs einerseits ein Haß auf den Fremden, als auch eine Abneigung gegen die eigene Tatenlosigkeit. Ein leicht entzündliches Gebräu, daß wie Gift in Pengs Seele sickerte. Wenn Peng die Augen schloß, tauchte sich sein Geist in tiefes Rot, wie Ströme von Blut.

Am heutigen Morgen trafen sich die drei Freunde um wieder einen kleinen Spaziergang zu unternehmen. Ping und James der Bär wandten sich ohne Arg sofort in Richtung des Teiches, während Peng plötzlich völlig unentschlossen, ja gehemmt vor einem Gesträuch auf und ab hüpfte.
„Kommst Du mit, Peng?“
Der Blick des Angesprochenen verfinsterte sich, er nuschelte kurz etwas vor sich her, dann folgte er den beiden bereits vorausgegangenen Ping und James. Doch machte er es den Beiden nicht sehr einfach, ein Gespräch mit ihm zu führen, denn Peng achtete auf größtmöglichen Abstand zum Teichufer. Ping und James wunderten sich, doch ließen sie Peng in Ruhe und versuchten nicht in ihn zu dringen. Dieser war auch vollends damit beschäftigt, die gesamte Landschaft nach unliebsamen Gestalten abzusuchen. Dabei hielt er den Blick gesenkt und wirkte eingeschüchert, wie auch völlig abwesend. Ping und James stießen sich an und schüttelten die Köpfe. Dann sprachen sie weiter miteinander und bekamen gar nicht mit, daß sie Peng verloren, der sich immer weiter vom Ufer entfernte.

Peng hatte zwei Unken bemerkt, die mal vor, mal hinter ihrer kleinen Gemeinschaft herliefen, völlig mit ihren Unkereien beschäftigt, doch Peng fühlte sich von Moment zu Moment stärker belästigt. Ihn stießen diese zwei Wesen, die so selbstverliebt durch die Gegend strolchten, völlig ab. Konnten sie nicht einfach eine gewisse Distanz zu seiner Welt wahren? Peng wurde die Luft eng. Er schlug sich in die Büsche und weg von allem. Die Welt ließ er hinter sich, vor Augen den Strolchfrosch vom gestrigen Tag. Das seine Finger zitterten, fiel ihm gar nicht auf.

Als Ping und James der Bär zum Bärenhaus gelangt waren, lag ihre Laune nicht auf höchstem Niveau. Sie waren sauer auf ihren Freund, der sich einfach ohne Worte aus dem Staub gemacht hatte. Ihnen fehlte das Verständnis für das seltsame Verhalten, das Peng seit Gestern an den Tag legte. Zwar kamen im Falle Pengs Kuriositäten immer wieder vor, doch jetzt übertrieb er. Was mochte sich der Freund wohl denken? James und Ping waren ratlos, denn reden tat Peng ja nun auch nicht mehr! Vielleicht sollten sie in etwas stärker zwingen, sich zu öffnen? Ja, meinte James, das sei die beste Alternative.

Peng versteckte sich im Wald an der Wurzel einer mächtigen Erle, obwohl es bereits begonnen hatte Nacht zu werden. Viel Laub fand er hier vor, das er zu seinem Schutze zusammentrug. Ihm war nicht wohl. Die Möglichkeit einer Situation, die ihn jetzt provozieren könnte, machte ihm Angst, ließ ihn schneller atmen. Ein Blatt wurde vom Wind in die Höhe gehoben. Peng schreckte zurück. Faßte sich an die Brust, fühlte sein kleines Herz in schlimmer Geschwindigkeit schlagen. Es war ja nichts, dachte er sich, sank dann zu Boden und wurde endlich ruhiger. Er schlief ein, vom Druck des Tages erschöpft.

Ping und James waren froh, daß sie es getan hatten. Es hatte fast eine Stunde gedauert, während derer sie mit ihren kleinen Kerzen durch das Gesträuch geirrt waren. Nun hatten sie den schlafenden Freund gefunden. Er sah erschreckend aus. Nur einen Tag hatte es gedauert, um seine Wangen einfallen zu lassen. Seine Augen waren gerändert. Sie versuchten ihn zu wecken, doch Peng grunzte nur verwirrt und blieb im Traume stecken. Da packte ihn James, hob ihn in seine Arme und trug ihn schwitzend nach Hause. Ping unterstütze ihn, so weit es ging. Die Qual in Pengs Gesicht ließ die beiden Freunde schweigen.

Als Peng am nächsten Morgen endlich erwachte und sich in seinem Bette widerfand, dazu im Angesicht von Ping und James dem Bären, brach er in Tränen aus, die alle Angst davonspülten und er warf sich in die Arme der Freunde.

That’s it, Folks.

Ich denke, es läßt sich nicht mehr viel hinzufügen, als daß ich die vergangenen Wörter in die schöne Kategorie Paranoia einordnete. Es gäbe vielleicht noch einiges mehr zu sagen, doch es schweigen nicht nur die Toten.

Ohne Gruß, Ihre Frau Hansen

Die Welt nach Nietzsche

Liebe Welt,

die Zeit verging in den vergangenen Wochen, wie sie es bereits von jeher tat: Pro Minute verstrich eine Minute Zeit. Und dennoch blieben Fragen offen, die ich eigentlich bereits als beantwortet angesehen haben wollte. Da dem nicht so war, werfe ich nun die folgenden Worte Dir, liebe Welt, entgegen. Die großspurige Überschrift, mit der Erwähnung eines lange verblichenen Denkers, war alleine Pose, beziehungsweise Promotion, Blickfang.

Die Gottesfrage – die nächste Stufe

Peng verließ den Froschkönig mit einer gewissen Zufriedenheit. Er hatte sein Anliegen über das Fehlen einer wahren, göttlichen Existenz vortragen dürfen, hatte alle ihm in den Sinn gekommenen Beweise genannt. Hatten ihn die Freunde Ping und James noch in ihrer Schroffheit enttäuscht, so hatte der Froschkönig nicht nur interessiert gewirkt, sondern letztlich sogar überzeugt. Er hatte genickt und Peng freundlich entlassen.

Einige Tage später konnte Peng seine Freunde tuscheln hören, daß der Froschkönig eine extrem wichtige Bekanntmachung vorbereite. Als sie seine Aufmerksamkeit bemerkten, blickten sie verschämt in eine andere Richtung. Und es kam so, wie es von Ping und James unter der Hand besprochen wurde, daß der Froschkönig bekannt gab, daß ab diesem Tag der Rede kein Gott mehr existiere und alle Religion abgeschafft sei. Ping und James sahen Peng seines Weges kommen. Sie packten ihn an den Armen und stellten ihn zur Rede.
„War das Verbot von Gott Deine Idee, Peng?“
Peng schaute verdutzt, da Ping und James ihn seit jenem Gespräch kaum beachtet hatten und ihm gar aus dem Wege zu gehen schienen. Er nickte kurz, dann erzählte er von seinem Besuch beim Froschkönig, wobei er von seinen Gedanken zur Gottesfrage berichtet hatte. James der Bär schien aufbrausen zu wollen, dann jedoch sank er ratlos in sich zusammen.
„Was soll ich Dich denn jetzt schlagen? Für wen soll ich das tun?“
Die Beiden liessen Peng nun los, der sich die Arme rieb und zweifelnd wirkte. Er wußte nicht, wie er sich den alten Freunden gegenüber verhalten sollte. Sie wirkten wie Fremde auf ihn, da sie ihren Glauben an etwas Irrationales zwischen ihn und sich stellten. Ihm war doch völlig klar, daß es diese Gottesgestalt nicht geben konnte. Hatten seine Argumente nicht ausgereicht, oder hatten die Freunde ihren Verstand ausgeschaltet gegenüber dem, was er zu dieser Frage zu sagen hatte? Ping stieß James an:
„Du kannst ihn doch einfach schlagen! Vor wem willst du dich denn verantworten? Der Froschkönig hat Dir doch nichts zu sagen.“
James nickte und so bekam Peng ein zweites Mal die Tatze des Bären zu spüren und fand sich im Gras liegend wieder. Sie wollten ihn einfach nicht verstehen, und lehnten nicht nur seine Argumente, sondern auch seine Person ab. Peng war tief enttäuscht. Traurig blickte er denn Ping und James nach, die sich entfernten.

Ping war ebenfalls von Trauer erfüllt.
„Wie kommt er bloß auf solche Gedanken? Warum meint er denn, daß er alles einfach so erklären kann? Er sagt doch, daß das Weltall zu groß sei, als daß ein kleiner Frosch es so erklären könnte! Also! Warum will er dann Gott spielen, der doch gar nicht existiert?“
„Peng versteht nur einen Teil des Ganzen, kleiner Ping. Er versteht nicht, daß sich Gott nicht an jedem Tag an jedem Ort an- und abmelden muß, um allen Kleingeistern zu beweisen, daß es ihn gibt. Aber nun ist er ja vom Froschkönig als verboten erklärt. Das bedeutet, wenn Peng und der König recht haben, daß wir nun alleine sind im weiten All. Das wird eine traurige Zeit. Wir leben dann ohne die Hölle, was ja gut ist, aber auch ohne den Himmel, auf den ich mich doch so gefreut hatte, weil ich dort meine Eltern wiederfinden wollte. Nun ist das alles vorbei, alle Hoffnung dahin.“
James setzte sich und begann zu weinen. Ping versuchte ihn zu trösten, doch auch ihm war sehr schwer ums Herz, denn er fühlte einen immensen Verlust.

Peng hatte gehofft, durch seinen Vorstoß die Frösche zu einer Diskussion anzuregen, um den Weg zu einer neuen Blickweise zu öffnen, und, an seiner Meinung nach berechtigten Stellen, Zweifel zu säen. Daher hatte es ihn zum Froschkönig gezogen, der jedoch keine halben Sachen tat, sondern direkt allen Glauben begrub. Die Befreiung, die Peng wollte, war nun einer neuen Geißelung gewichen, denn wo zuvor ein religiöses Gefühl in den Fröschen weilte, war nun ein staatlich verordnetes Vakuum. In Pengs Vorstellung sollten die Frösche nicht blind für ihre Realität umherirren, in dem Glauben, daß es eine reine, selige Fortsetzung nach dem Tode gäbe. Peng hielt dies für eine Irreführung, die seine Kameraden zu willfährigen Opfern machte. Er sah die Religionen als nicht Besseres, als eine irdische Ideengemeinschaft, die nur nach diesseitiger Macht strebte. Gedankenlose Gläubige waren hierfür eine willkommene Herde, die man für sämtliche Zwecke mißbrauchen könne. Nun hatte Peng jedoch versucht diesen Schwindel zu beenden und der Wind hatte sich gedreht. Leider genau in die entgegengesetzte Richtung. Nun zog der Froschkönig tatsächlich an allen Fäden. Er war nun nicht mehr nur der Herr über den Leib, sondern auch über die Seele geworden. Peng fühlte sich sehr schlecht. Doch nicht schuldig. Er sah den Kosmos weiterhin als groß und unerklärlich an, doch sah er darin keinen Gott als Urheber. Höchstens einen kleinen Unfall mit unermäßlichen Ausmaßen auf physikalischer Ebene. Wer den Unfall verursacht hatte, wußte Peng jedoch nicht. So weit es ging, runzelte er seine Stirn.

Der Froschkönig war auch am zweiten Tag nach der Bekanntgabe des Gottesverbots noch überglücklich. Dies war ein Streich, der überraus gelungen war. Dieser kleine, träumerische Denker hatte ihm das größte Geschenk gemacht, das er bislang erhalten hatte. Er selbst hatte in diesem Gott nie etwas von Substanz gespürt, doch hatten ihn die Gottesfrösche immer verärgert. Allein durch ihre Anwesenheit hatten sie seine Tage verdorben, hatten sie doch seine Allmacht in Zweifel gezogen und ihm vorgehalten, nur ein Frosch zu sein. Er sah sich als größer, immerhin war er der Froschkönig und das alleine. Nun hatte er sie mit einem Handschlag entmachtet, ihnen die Berechtigung des Großen Wortes unter den Füssen entzogen. Es war ein wunderbares Gefühl, es sollte nimmer enden, wenn denn sein Wille geschehe. Er trat vor auf seinem Königshügel und ließ seinen Blick über ein ruhiges Land streifen.

Ein Gottesfrosch hatte Peng in einen Hinterhalt gelockt und festgesetzt. Er sah den traurigen und zweifelnden Frosch mit grimmigen Blicke an. Dann unterbreitete er die Anklage, daß er, Peng, Schuld daran trüge, daß der Froschkönig ihren Gott, den Glauben und die Religion verboten habe. Dadurch sei nun jede Hoffnung für die verzweifelten unter ihresgleichen unterdrückt. Der Gottesfrosch war von großem Zorn bewegt. Peng schwieg zu den Anschuldigungen, denn er sah keine Gelegenheit an dieser Stelle ein verständiges Ohr zu finden. Auch er fühlte sich verzweifelt, unterdrückt und sehr hoffnungslos. Doch sah er weder den Froschkönig, noch die Illusion einer Gottesexistenz als den Verursacher, sondern einen entmachteten und daher frustrierten Frosch. Diesen Gedanken behielt er für sich, denn ihm war bewußt, daß er den Gottesfrosch nicht reizen solle. Doch wußte er auch keine Worte der Beruhigung für diesen. So ließ er jenen zetern, dann schreien und später wüten. Immer wieder mußte Peng auch Schläge auf den Kopf hinnehmen. Als der Gottesfrosch sich beruhigte, wurde Peng auch eine Möglichkeit bewußt, sich mit einer List aus dieser schrecklichen Lage zu entwinden. Er versprach dem Gottesfrosch, daß er erneut das Gespräch mit dem Froschkönig suchen würde und diesen bitte, seine Anweisungen zu lockern und eine Freiheit der Religionsausübung zu gewähren. Dies stimmte den Gottesfrosch nicht froh, doch erkannte dieser, daß die Zeit noch kein größeres Ziel zuliesse. Er ließ Peng gehen, nicht ohne ihn jedoch scharf zu warnen, daß es auch keine Zeit der Tücke gäbe. Er habe ein wachsames Auge auf Peng.

Die erste Woche ohne Gott neigte sich ihrem Ende zu. Ping und James verbrachten die meiste Zeit zusammen und versuchten die Trauer über den Verlust des Paradieses aufrecht zu erhalten. Doch fehlte ihnen inzwischen am meisten der verlorene Freund, Peng. Sie hatten ihn nun seit jener fruchtlosen Diskussion nicht mehr gesehen, wähnten ihn jedoch in der Nähe des Froschkönigs, dessen Berater er ja nun sein mußte. Dem war aber nicht so.

Peng hatte Wort gehalten und den Froschkönig aufgesucht. Er hatte diesen gebeten eine gewisse Erleichterung für die Gläubigen zu erlauben, denn es herrsche nun viel Verzweiflung unter den Fröschen. Der König verneinte sich dem Antrag. Weshalb denn nun Verweiflung herrsche? Wo doch die Frösche nur an das Nichts glaubten, so hätte er, Peng, es doch bewiesen! Solle er doch die Frösche lehren gehen, was dieses Königsgebot bedeute, was der Hintergrund sei, welche Chancen nun für die klugen Frösche bestünden! Wenn der König selbst nun einen Schritt zurück mache, würde er wieder von seiner neuen Machtfülle abgeben, würde er die Trennung von Leib des Untergebenen und dessen Seele auf immer zustimmen. Er könne auch seinem Volk dieses nicht zumuten, daß sie zwei Herren dienten. Er habe auch diesen Gott nie gesehen, habe immer nur den Druck durch die aufsässigen Gottesfrösche verspürt und sei nun auch froh, daß diese sich nun in einer neuen Demut vor ihm zeigten. Mit Pengs Hilfe habe er der Froschheit ein neues Kapitel ihrer Geschichte aufschlagen können. Peng solle doch nun ein wenig Freude darüber zeigen. Nein, dieser wirkte zerknirscht, doch gewann er schnell wieder die Fassung und erkannte, daß er hier nichts gewinnen könne. Der Froschkönig war von seiner Meinung durchdrungen und würde nie davon abrücken. Auch war es Peng gleichgültig, womit sich die Gläubigen, wie auch die Gottlosen die Zeit vertrieben, wenn ihre Gedanken von Angst und Hoffnungslosigkeit geplagt wurden. Er wußte nur, was ihn selbst bewegte. Er verabschiedete sich vom Froschkönig und dankte diesem für seine Aufmerksamkeit. Dann machte er sich auf schnellstem Wege auf zu seinen Freunden, die er so sehr vermißte.

Ping und Peng und James, der Bär fielen sich in die Arme und feierten mit oder ohne Gott bis weit in den nächsten Morgen.

That’s it, Folks. Dankt nicht mir, sondern der Lust, die Euch zum lesen verführte. Und… hütet Euch nicht nur vor den Gottesfröschen. Auch andere planen gekonnte Hinterhalte.

Mit ergebenster Paranoia,
Ihre Frau Hansen

Papst Gsehng

Liebe Welt,

da nun der Besuch des Herrn Ratzinger in seiner alten Heimat Deutschland bevorsteht, eile ich in die bekannte Teichwelt, um dort Informationen über die Zukunftsfähigkeit des allgemeinen Religionismus zu erhalten. Man diskutierte dort …

Die Gottesfrage

Ping kam seines Weges und sah Peng, den Freund, nachdenklich im Schatten eines Baumes verweilen. Dieser sah den Wandernden, blickte ihn lange an. Dann sprach er:
„Ping, es gibt keinen Gott. Es ist in sich völlig unmöglich, daß es eine solche Existenz gibt. Die Religionen können immer nur einen Glauben an eine Gottesexistenz anbieten, da es keine handfesten Beweise gibt. Auch sind sie immer ortsgebundene Phänomene gewesen in den Zeiten vor der Motorisierung des Meinungs- und Glaubenswesens. Gäbe es einen Gott, hätten sich zuvor bereits völlig identische Religionen entwickelt. Und da es dies nie gab, vermeinten etliche Völker eine besondere religiöse Wahrheit zu besitzen, die sie mit Feuer und Schwert unter den Fremden zu verbreiten suchten. Fakten sind kein Glaube. Und der Glaube ist keine Logik. Der Glaube entsteht nur alleine aus sich selbst. Doch was ist denn das – Glaube?“
Ping zuckte die Schultern und wollte sich von dannen heben, da ihm dieses Thema nicht behagte, denn er fürchtete sich vor dem Tod. Und Ping sah den Tod als die Existenzberechtigung aller Religionen. Peng schnitt den Argumentationsversuch des Freundes jedoch wirsch ab.
„Mit dem Tod endet doch jeder Glaube, Ping! Der Tod ist auch in jeder ausgeübten Religion das, was man dem Feind des eigenen Glaubensbildes bringt! Dann lodern die Scheiterhaufen, werden die Ungläubigen aufgespießt und gemartert.“
Das wollte Ping so nicht hinnehmen und brachte das Thema auf die christlichen Märtyrer.
„Jaja, der alte Trick. Narre den Feind, indem Du Dich in die warmen Arme des tröstenden Todes wirfst, auch wenn es ein Löwenmaul ist. Was hatten diese Kreaturen denn zu verlieren? Die Feinde des Martyriums handeln aus Angst vor dem Todesbereiten. Doch aus welchen Gründen handelt der Märtyrer selbst? Er glaubt. Soweit gut, doch welche Erfahrung würde er uns berichten, wenn wir ihn einige Minuten nach seinem Tod befragen könnten?“
Ping war entsetzt und schalt Peng einen bösen Zyniker.
„Wieso ein Zyniker? Ich unterscheide nur zwischen der Hoffnung, die den Märtyrer treibt, die jedoch aus den unbewiesenen Handlungen eines anderen Subjekts oder Gottes gespeist werden und dem, was der arme, kommende Heilige letztlich wirklich für seine Opferbereitschaft erhält und das ist die ewige Dunkelheit. Der einzige zählbare Nutzen ist für die Religions- oder Interessengemeinschaft, welcher der Märtyrer angehört, vorbehalten. Diese erntet und kann dafür posthume Lorbeeren verteilen. Weißt Du, Ping, diese Herrschaften sind die wahren Zyniker!“
Ping, der den Tränen nahe wahr, warf sich mit Kraft gegen diese Dinge, die er wirklich nicht hören wollte und rief Peng an, ihm doch dann zu sagen, woran der Frosch denn noch glauben könne, wenn doch alles nur Lug und Trug und Verkauf von Idealen sei.
„Weshalb, o Ping, willst Du denn glauben? Laß doch diese Energieverschwendung sein und freue Dich an den schönen Dingen, die Du siehst, hörst, riechst. Die Welt und der Weltraum sind groß, viel zu groß, als das wir kleinen Frösche sie letztlich erfahren können. Und wie groß müßte ein Gotteswesen, das Weltall so zu beherrschen, zu bewegen, wie es ihm von allen Religionen nachgesagt wird., sein? Und wieso sollte sich dieses Wesen für uns Frösche interessieren, gar uns gnädig gesinnt sein? Wir sollten uns freuen, daß dieser Gott nicht ständig mit seinen Stiefeln auf unseren Köpfen herumtrampelt.“
Ping hörte dies, setzte sich nun verzweifelt auf eine Baumwurzel und sah James, den Bären, nahen.
„James, komm und hilf!“
Der Bär beschleunigte seinen Schritt und, als er näher kommend Pings Jammermiene und Pengs unbeteiligte Überlegenheit sah, da strafte er Peng mit einem bösen Blick.
„Was stellst Du wieder für üble Thesen auf, Peng?“
Ping griff des Bären Arm und erzählte ihm von Pengs Theorien, die ihm den grünen Kopf durchschüttelten.
„James, er sagt, es gäbe keinen Gott, die Religionen seien nur Lüge und wir sollten nichts glauben, denn das sei verlorene Kraft.“
James sah Peng einen Moment lang an, dann hieb er ihm die Tatze in das freche Gesicht.
„Hast Du gespürt, wie Dir Gott ein Zeichen gegeben hat? Oder nenn es ruhig Schicksal.“
Peng schwieg nun trotzig, während die beiden Anderen feixten und sich des Weges trollten.

That’s it, Folks. Soweit, so gut. Doch auch die nächsten Logbucheintragungen in dieser Station werden sich der Unterwanderung religiöser Gefühle nicht verweigern.

Bei Gordon!
Ihre Frau Hansen

Der geheime Wert der Mittagspause für die herrschenden Klassen

Liebe Welt,

auch heute heißt es wieder: Ab zu den Teichen. Wie wir feststellen werden, ist die Zeit vor der Mittagspause für die oberen Klassen die schlimmste. Später wechselt es sich dann flugs. Warum das so ist? Hmm. Ich sach jetz mal nix.

Ist Freiheit nicht ein anderes Wort für völlige Besitz- und Rechtlosigkeit??

Der Morgen dämmerte, und mit ihm erwachte der Froschkönig aus einem sonderbaren Traum. Er blickte in seinem Gemach umher, doch sah er keine Antwort auf die Fragen, die noch an ihm hingen. Auch in den folgenden Stunden trat keine Besserung für die immer quälendere Ungewißheit ein, die den Froschkönig peinigte. Immer wieder sah er die nächtlichen Schemen vor seinen Augen, doch konkretisierte sich nichts. Er benötigte Hilfe und verließ daher seinen Palast, um in der frischen Luft zu wandeln. Nach kurzer Zeit traf er auf den Frosch Ping, der gerade seine mittägliche Pause genoß und am Teich saß.

„Wie kommst es, daß du hier so feist umherfläzt? Hast du keine Arbeit, Frosch?“ Ping, der Angesprochene, sah erschrocken um sich, ob ein anderer die Frage des Froschkönigs verursacht habe. Doch er war weit und breit der Einzige, welcher sich in des Königs Nähe befand und dementsprechend von dessen Auge erblickt wurde. Er verhielt sich untertänig und gab dennoch forsch genug zu bedenken, daß er wohl arbeite und wer arbeite, der habe eine Pause verdient, welche er sich nun genehmige. Der Froschkönig, von seinen nächtlichen Traumgesichtern noch umfangen und gleichwohl voller Unlust, wischte die Argumente mit einer Handbewegung von einem imaginären Tisch und herrschte Ping an: „Pausieren ist für Nichtsnutzige, für Parasiten. Wer arbeitet, der genießt sein Tun. Ich bin dein König, und werde des Regierens nie müde. Wenn ich pausieren täte, wer würde für dich und die Anderen gerade stehen, und sie vor unseren zahllosen Feinden schützen. Wenn der nächste Schwarm an Störchen unsere Ufer besucht, werde ich mich in meinem Bette flätzen und zu euren Hilferufen pausieren, kleiner Frosch.“ Verärgert drehte sich der Froschkönig ab. Ping, sprachlos und gelähmt, wollte noch Vernünftiges kundtun, doch schaffte es kein Wort seinen offenen Mund zu verlassen. Alleine eine aus Verletzung geborene Träne schlich sich aus Pingens Auge.

Er sei frei genug, zu tun, was er wolle, rief Ping Minuten später.

That’s it, Folks. Schlagfertigkeit gibt es leider nicht bei Obi, und wäre bei Praktiker sicherlich auch von 20%-Rabatt-Aktionen ausgenommen.

Heute ohne Gruß,
Frau Hansen.

Lachs zum Frühstück (Breakfast for Bears)

Liebe Welt,

heute tauchen wir erneut in die unglaubliche Sagenwelt um die Freunde James, Ping und Peng ein. Auch in dieser aktuellen Erzählung wird wieder der Realität das blanke Entsetzen beigebracht. Sollte man jedenfalls meinen, so arg wie es wieder zugeht.

Ist die Freiheit den eigenen Lebensweg zu bestimmen wünschens-, gar erstrebenswert?

Es war der alljährliche Zeitpunkt wiedergekehrt, daß sich die Bären dieses Teils des Waldes versammelten, um einen neuen Anführer zu bestimmen. Dieser würde dann, wie es Regel war, für ein neues Jahr der Gemeinde vorstehen. James der Bär verabschiedete sich demnach von seinen Freunden, Ping und Peng, denn er würde für einige Tage abwesend sein. Beide Seiten winkten noch lange, bevor James, ausser Sichtweite geraten, alleine durch den Wald zum Versammlungsort wanderte. Ihm war nicht ganz wohl dabei, die Verwandten und alten Bekannten zu sehen, denn er hatte sich ein sehr eigenes Leben zurechtgelegt und dafür schon sehr viel Kritik in den letzten Jahren über sich ergehen lassen müssen. Warum konnte er nicht einfach so sein, wie er wollte? Was ging gerade die anderen jungen Bären sein Lebensweg an? Wenn sich seine Eltern sorgten, so hatte James noch Verständnis hierfür, doch bezüglicher der Kritik von Außenstehenden fühlte er sich nicht angreifbar. Vögel flogen zwitschernd um ihn umher, und James verstand plötzlich ein wenig von der Welt, in der sein Freund Peng lebte. Die Gedanken sind schneller und luftiger unterwegs, als diese einen Bären störenden Gefiederbomben. James sah das Ufer eines Flußes näherrücken, hielt auf diesen zu, um sich einige Fische zu fangen und seinen Hunger zu stillen.

Er war ein geschickter Jäger und so war es um zwei Lachse und einen Barsch schnell geschehen. Sie hatten James‘ Tatze nicht entgehen können und zappelten noch ein wenig in der warmen Luft liegend. James ließ sich auf das grüne Ufer nieder und besah sich die todesgeängstigten Fische, die sich um ihr Leben verbiegend krampften und in James eine selten gespürte Mitleidlosigkeit erweckten. Er hielt sie für gerade gut genug, seinem Magen zu gefallen und ließ sie sich schmecken. Er lehnte sich zurück und fühlte sich unglaublich wohl. Er schlief kurz ein und träumte von den Freunden, die ihm, wie vor Stunden hinterherwinkten, und riefen, daß er sich nicht zu weit an die Klippe wagen solle. Er verstand die Warnung in diesen Worten, doch ließ er sich nicht beirren, denn wenn ein Bär denkt, daß er etwas zu erledigen hat, dann können ihn Frösche nicht daran hindern. So schritt James im Traume an diesen Abhang, blickte hinab und zog sich sein Fell vom restlichen Leib und warf es hinab in eine Dunkelheit, die von bedrohlichen Schreien erfüllt war. Diese packten ihn und ließen ängstlich zurücktreten, plötzlich von einer starren Kälte heimgesucht. James wußte, daß es eine Sonne gab, die ihn wärmte, doch war dies alles, was er an guten Gedanken finden konnte. Endlich erwachte James und er saß weiterhin an einen Baum gelehnt am warmen Flußufer. Er mußte schnell weiter.

Der Weg war nicht mehr sehr weit, als James plötzlich zwei anderen Bären gegenüberstand, die ihn zu sich her riefen. Je einer auf jeder Seite, postierten diese Zwei sich und sprachen mit barschem Ton. Wo er denn herkäme, wollte der eine wissen. Was er denn auf dem Weg zur großen Bärenversammlung wolle, fragte der Andere. James runzelte seine Stirne und wollte seinerseits wissen, was denn diese törichten Fragen darstellten. Sie sollten ihm doch ansehen, daß er ein Bär sei und ein natürliches Recht habe, zur Versammlung zu erscheinen. Seine Eltern, seine Brüder und Schwestern seien dort und diese erwarteten ihn. Die beiden Bären lachten. Sie sagten, er sei dort nicht erwünscht. Er sei der, den man in allen Wäldern nicht James, sondern Froggy nannte, da er es mit den Fröschen halte. Auch habe er bei der letzten Versammlung sich nicht verpflichten wollen, den Reinheitskodex der Bären abzulegen. Danach habe ihn seine Familie doch verstoßen, ob er das denn nicht mehr wisse?

James spürte einen brennenden Schmerz in seiner Brust. Er hatte von diesen Vorgängen wirklich nicht gewußt, hatte sich nach den wütenden Blicken, die auf ihn gehagelt waren, als er den Reinheitskodex ablehnte, von dannen gemacht. Er hatte kein Gespräch mehr mit seiner Familie

gesucht, wollte nur noch nach Hause zu seinen Freunden, denen er von den ungeheuerlichen Vorhaben seiner Rasse berichten wollte. Ping war entsetzt, wie es auch James gewesen war. Peng hingegen lächelte überlegen und behauptete, daß er solches Gedankengut den Bären schon immer zugetraut habe. Er hielt auch James für aus der Art geschlagen. Das schmeichelte dem jungen Bären einerseits, doch hatte er sich in einem verborgeneren Teil seiner Seele auch als Verräter gefühlt. Nun sah er sich in dieser Frage von den Bären aus bestätigt. Diese fragten James, ob er so nun seinen Weg fortsetzen wolle. Der Gefragte zögerte und tat einen Schritt zurück. Nach einer Antwort suchend, blickte er den beiden Wächtern in die Augen. Diese blickten ihn mit überlegener Ruhe an, und so verstand auch James die Antwort, die noch unausgesprochen in der Luft lag. Doch wollte er seine Familie sehen. Wie sollte das nun geschehen? James trat die Flucht nach vorne an, und warf mit geübten Schritten die Wächter noch zu Boden, bevor er in den Wald hineinlief, hinter sich zwei laut Fluchende. Über die sprichwörtlichen Stöcke und Steine hastete James in die Richtung, in der er seine Heimat vermutete, denn die Hetze, der er sich aussetzte, half seiner Orientierung nicht weiter. Und es war drei Jahre her, seit er die Eltern verlassen hatte und seither war er nur zu den Versammlungen erschienen. Es hatte sich immer wieder etwas verändert und die Zahl der Bäume sank zusehends. Gerade mußte sich James über eine Lichtung sputen, als er seinen Bruder Nikolaus am anderen Ende dieses sonnendurchfluteten Freiraums sah. Er rief ihn mit atemloser, zittriger Stimme an. Der Bruder drehte sich dem Rufenden entgegen, zögerte kurz, dann zeigte er Erkennen an. James, nur noch wenige Schritte vor Nikolaus, lief aus, fühlte sich froh. Dann sah er das Seil, das ihm Nikolaus überwarf, ihn fesselte und mit geübter Hand festzog. Beide standen einen Moment lang wortlos. Dann schon erschienen die beiden keuchenden Wächterbären, denen Nikolaus das Seil zum Abtransport übergab. Sie führten James bis zum Rand des Bärenwaldes zurück und gaben ihm eine handfeste Warnung mit auf den restlichen Heimweg, nie wiederzukehren.

James benötigte zwei Tage, bis er die Heimat erreichte. Dort mußten ihn Ping und Peng mit Hilfe der Eule gesundpflegen. Doch es blieben Wunden, die auch nach Wochen noch schmerzten. Es war eine Heimkehr, die James erst viel später verstand.

That’s it, Folks. Bleibt nett zueinander, Ihre Frau Hansen.

Von den Teichfilterern

Liebe Welt,

heute folgt die erste komplette Folge der Saga rund um die inzwischen nahezu legendär gewordene, hinterhältig subtile Bande um den Bären James, sowie seine froschartigen Freunde Ping und Peng. Doch, nein, es ist falsch. Subtilität ist ihre Sache nicht. Oder?

Ist Arbeit eine Form des Wohlstands? Oder ein Recht?

Ping und Peng spazierten am Abend und trafen auf ihren Freund, James, den Bären. Ping erzählte von seiner Arbeit bei den Fliegenfängern. Er schwärmte in schönen Worten von diesem feinen Gewerbe, der erfüllenden Pirsch nach den leckeren Mücken. Peng, der zweifelnde Frosch, mochte an diese bunte Arbeitsfreude von Ping nicht so recht glauben. Nicht, daß er dem Freund dieses neidete, doch sah er nicht ein, weswegen Ping die gefangenen Fliegen abgab, anstatt sie zu verschlingen. Ping runzelte über solch weltfremden Zweifel seine grüne Stirne:

„Na, wenn ich nicht eine gewisse Zahl von Fliegen, beziehungsweise ein Gewicht an Fliegenkörpern abgebe, erhalte ich vom Oberfrosch kein Geld. Wenn ich kein Geld bekomme, dann kann ich mir das Geschmeide nicht leisten, das ich mir gerne umhänge.“

Peng sah trotz der klaren Antwort noch keine Lösung dieser Problemsituation, denn er mochte die Abgabe des Jagdguts nicht gutheißen und sprach von der typischen Entfremdung zwischen Jäger und Opfer, die er ebenso anprangerte, wie die Selbstverständlichkeit, mit welcher der Vorstand des Müggi Kreuchstudio den Fängern den Fang entriß.

„Natürlich, Peng! Der Oberfrosch vor Ort ist sehr, sehr aufmerksam. Eine falsche Schluckbewegung und er reist Dich am Schenkel und Du kannst Deiner Weg gehen.“

Peng wich bei dieser Vorstellung erschrocken zurück.

„Wie gut, daß ich alle Fliegen fressen kann, die ich erwische. All die feinen Käfer, das wohlschmeckende Summen, wenn sie in meinem Rachen hinabtauchen. Wie gut auch, daß ich frei bin von solchen üblen Kröten, die mich beim Fangen beobachten. Dafür verzichte ich gerne auf das unnütze Geschmeide. Ping, man verwechselt Dich trotz Deiner Ketten und des ganzen anderen Schmucks so oft mit mir!“

Ping lachte ätzend auf, als er diese befremdende Meinung hören mußte. Er schalt Peng einen armen Schlucker – unterstrich dies mit einem entsprechenden Laut – der nur seine mageren Fliegen von der Wiese hatte und sonst gar nichts. Auch würde sie doch jeder auseinander halten, wäre er, Ping, doch ein lustiger Gesell und Peng ein trauriger Frosch-Guck-In-Die-Luft, der nichts als leere Gedanken in seinem Kopf herumtrug.

Das enttäuschte Peng tief und er wandte sich hilfesuchend an den jungen Bären James. Dieser breitete seine Arme weit auseinander und wiegte den großen Kopf, wußte er doch auf Anhieb auch keine Lösung, wie er die verschiedenen Meinungen seiner Freunde wieder versöhnen könnte.

„Peng, lieber Froschfreund, lerne doch Pings Leben einmal kennen und bewerbe Dich für eine zeitlich befristete Stelle bei Müggi Kreuchstudio. Sieh Dir das ganze Werk rund um den See einmal näher an.“

Da warf sich Ping in Pose und rief:

„Wer braucht den diesen Tropf, der nichts kann? Müggi etwa? Braucht meine Firma etwa einen Werksdenker mit zwei linken Füßen? Wir haben schon genügend Quadratköpfe durchzubringen, da können wir auf den da verzichten!“

Die Enttäuschung stand dem geschundenen Peng tief ins Gesicht geschrieben und so legte der mitfühlende James ihm den Arm auf die Schulter.

„Na, Kopf hoch, kleiner Frosch. Sei doch froh, daß Du immerhin frei bist und alles tun und lassen kannst, wie Du es willst!“

„Ich will aber nicht mehr frei sein, ich will endlich mal eigenes Geld verdienen. Und mir was Tolles leisten können, damit ich es dem Ping mal zeigen kann.“

Böswilliges Lachen kam nun vom lustigen Ping herüber, der sich ungerechtfertigt kritisiert fühlte.

„Peng! Warst Du wenigstens schon bei den Unken? Wenn Du Arbeit suchst, dann führt Dein erster Weg zu den Unken!“

James nickte bedrückt den Kopf. Er mochte keine Streitereien unter seinen Freunden, es rührte sein Herz, ließ ihn eine leichte Angst spüren und so wurden seine Augenränder ein wenig feucht.

„Ja, Peng. Dorthin wirst Du gehen müssen. Aber es wird kaum etwas nützen, denn die Unken können Dir ja keine Arbeit schnitzen, wenn Müggi Dich nicht gebrauchen kann. Aber, wer weiß. Du mußt es versuchen.“

Dann drehte sich der Bär zur Seite, und rieb sich die nassen Augen. Ping sah sich versucht, seinen Höhenflug weiter durchzuführen und legte nach:

„Aber sie werden Dir immerhin ein kleines Taschengeld geben, weil Du Deinen großen Kopf senkst und zugibst, keine Arbeit zu haben. Ja, nicht so wie ich. Ich habe in der Froschgemeinschaft immerhin Gewicht. Na, sie könnten Dich zu den Teichfilterern schicken, wenn es sonst nichts für Dich zutun gibt. Da kannst Du den ganzen Tag Dein vorlautes Mäulchen in das Wasser halten und es schön sauber machen. Dann wärst Du wenigstens vom Ufer weg.“

Nun weinte auch Peng, der die Überheblichkeit des Freundes nicht mehr ertragen konnte.

„Ich gehe zu den Unken! Ich werd’s Dir schon zeigen.“

James begleitete Peng zu den Unken. Diese hörten sich den Fall an. Die erste Unke verwies den traurigen Frosch an eine weitere Abteilung. Dort gab die nächste Unke zu bedenken, daß sich die erste Unke da wohl vertan haben mußte, es gäbe jedoch eine dritte Unke, die für Peng zuständig sei. Diese Unke mußte Peng vertrösten, da sie gerade jetzt eine Reise anträte und zur Zeit keine Gelegenheit mehr habe neue Fälle aufzunehmen, doch nebenan sei ihre Vertretung, die sich in dieser Zeit um Peng kümmern könnte. Diese Unke war jedoch eine alte Kröte, dabei sehr übellaunig, da die Reise der dritten Unke ihren Arbeitsplatz in ein Flutgebiet verwandelt hatte. Peng und James wurden als unerwünscht vor die Tür gesetzt. Man sei hier sowieso grundsätzlich nicht für Frösche, sondern nur, und man legte einen gewissen Nachdruck in diese Aussage, nur für andere Kröten zuständig. Frösche müßten sich schon selber helfen, wenn sie eine geregelte Arbeit finden wollten.

James und Peng sahen sich an und machten sich auf den Weg zum Froschkönig. Dieser sollte nun Rat halten, denn Peng, der Untertan, wußte keine Lösung mehr für dieses Problem. Schließlich habe der Froschkönig eine gewisse Verantwortung durch seine Machtposition für die Frösche seines Herrschaftsgebietes. James wirkte zwar etwas zögerlich auf Pengs Argumentation in diese Richtung, doch wußte er keine bessere Lösung.

Als der Froschkönig, nach Stunden des Wartens, Peng zu sich rief, sprach er:

„Nun, kleiner Untertan Peng, ich bin kein Unternehmer. Ich kann Dich höchstens zu den Teichfilterern schicken. Mehr ist zur Zeit nicht möglich.“

That’s it, folks. See ya!

Mit vorzüglicher Hochachtung. Ihre Frau Hansen.

Einführung in die Art, wie einzelne Menschen das Treiben zu betrachten pflegen.

Liebe Welt,

es existiert eine Diskrepanz zwischen der Realität und jenem Raum der Fiktion. Es existiert fraglos schon ein Bruch innerhalb dessen, was Menschen die Realität nennen.

Ich schrieb dereinst eine handvoll Geschichten über die Erlebnisse eines Bären und seiner zwei Freunde, welche Frösche sind. Menschen kamen, lasen und teilten mir mit, daß diese Geschichten fiktiver Natur seien. Das mag noch angehen, da es in der Welt, die als real angesehen wird, in der Gegenwart und überschaubar näheren Zukunft eher keine Art des Dialogs zwischen diesen beiden betroffenen Tierarten geben wird. Sprich innerhalb der kommenden zwei Wochen, das wäre dann der 31. August 2011: Ab diesem Tag gebe ich keine Garantie mehr ab, daß dieser Teil des als fiktiv angesehenen Settings nicht doch plötzlich diese Haut abstreift und Freundschaften zwischen Bären und Fröschen geschlossen werden.

Als andere ist jedoch wahr. Fast alles.

Hier folgt nun der Beginn jener Textreihe, welche ich damals schrieb:

Prolog

Zwei Frösche unterhielten sich mit James, dem Bären. Ping, der erste und lustige Frosch, war jeder Zeit gutgelaunt und lachte, wie immer es ihm gefiehl. Peng, der traurige und meist zweifelnde Frosch, war unter seinen Genossen nicht arg beliebt, da er oft nur nachdenklich unter Bäumen hockte und über allerlei Dinge nachgrübelte. Doch er und Ping waren die besten Freunde, die man sich vorstellen konnte. Natürlich zusammen mit James, dem jungen Bären, mit dem sie seit einiger Zeit allerhand unternahmen und redeten. Diese Drei gehörten zusammen, als seien sie aneinandergewachsen.

Zweifellos teilten James und Peng ein gleiches Schicksal, denn James besaß keinen Fürsprecher unter den anderen Bären dieses Teils des Waldes, nicht zuletzt weil er schnell zu Tränen neigte und auch sein Umgang mit Fröschen war nicht gerne gesehen. Er nahm daher sein Wesen in die eigene Hand und ging seinen Weg, den er mit Ping und Peng gerne teilte. Er bewunderte den strahlenden Optimisten Ping, der aus jeder Situation das Beste herauszuholen suchte. Auch für den Zweifler Peng schlug sein Bärenherz. Dieser besaß eine große Klarsicht und blickte gerne auf den Grund jedes Problems, das sich in dieser kleinen Welt auftun sollte. Was James selber denn darstellte? Das fragte er sich oft, doch fand er keine Antwort. Doch die offenen Arme, mit denen die beiden Frösche ihm gegenübertraten, stillten seinen Zweifel.

That’s it, Folks. Hieß es zu Zeiten bei alten Cartoons. Mehr folgt in Kürze. Bei Bedarf, versteht sich.

Ergebenst, Ihre Frau Hansen.