03. Juli 2015

Oha, wie gerne erinnere ich mich an den späten Winter 2005. Damals war es knackig kalt, und ich befand mich in Trier zu Dreharbeiten, welche die Krönung meiner bisherigen darstellerischen Tätigkeit wurde. So niedrig sind die Maßstäbe der kleinen Amateurschauspieler, hehehe. Und ich war sicherlich der Amateurhafteste unter ihnen. Der Kostümbeauftragte schimpfte mit mir, wenn auch zärtlich, doch war er sichtlich erbost, daß er nicht etwas mehr Zeit zur Verfügung gehabt habe, ein wirklich passendes Kostüm zu beschaffen, schließlich solle ich doch als Papst auftreten, nicht als Bischof. Er hätte es mir gegenüber nicht zu erwähnen brauchen, denn als religiöser Mega-Ignorant wäre mir niemals der Unterschied aufgefallen. Ja, Sie haben richtig gelesen! HI Hansen, Filmstar, hat den Papst gespielt. Und das in Trier, auf dem recht großen, sogenannten Domfreihof. Und gab es einen Wohnwagen, im welchem ich mich hätte ankleiden können, in dieser für den Ort doch recht freveligen Kleidung, denn in Trier gibt es einen hauptamtlichen Bischof, dem ich Amateurschauspieler nun Konkurrenz machte. Dazu war ich jünger und überraschenderweise auch schlanker und mit mehr Haupthaar ausgestattet. Ein Bild von einem Bischof, so die Kleidung, der sich als Papst ausgab. Vor einigen hundert Jahren hätten etliche Trierer Bürger nach nur einem Blick mit dem Holzsammeln begonnen, um einen bischöflich ehrwürdigen Scheiterhaufen zu errichten. Und sie hätten gesagt: „Egal, ob Bischof oder Papst oder stattlich und gut gewachsen, der Schauspieler wird sicher gut brennen. Kann noch einen schnell nach Luxemburg Sprit holen gehen?“ Unweit des Trierer Domes, in welchem sich dieses ganze Geschehen abspielte, gibt es eine kleine Gasse mit dem Namen „Sieh-um-Dich“. Mehr will ich dazu gar nicht sagen. Es gab keinen Wohnwagen, wie man sie ansonsten von anderen Low-Budget-Produktionen kennt, nein, ich legte mein Gewand in der örtlichen Dom-Informationsstelle an. Dort gibt es eine Toilette. Herein als stattlicher, bischöflich gesehen schlanker Zeitgenosse, heraus als Papst im Bischofsgewand. Sie können sich denken, daß – trotz meiner vorherigen Kontaktaufnahme, ob mein Tun genehm sei – die Blicke der vermutlich erzkatholisch gesinnten Angestellten Gefühle in mir weckten, von denen ich bis heute nicht weiß, ob sie nicht doch vielleicht Ursache für den ein oder anderen Alptraum waren. Immerhin wollte man in Trier kaum mehr als fünfzig Jahre zuvor den großen Arno Schmitt wegen Pornographie in seiner Erzählung Seelandschaft mit Pocahontas belangen, worauf er kurzerhand nach Darmstadt umzog, da dort weniger verbissen mit Gott geurteilt wurde. Die Anklage wurde abgewiesen. Und wer bin ich schon gegenüber dem großen Arno Schmitt! Was mich beruhigte, war das Wissen, daß die nächstgelegenen Bäume eine ziemliche Fußstrecke entfernt waren. Und so konnte ich endlich im vollen Ornat in die Öffentlichkeit treten und Ausschau halten nach dem Drehteam. Wie ich möglicherweise schon angedeutet hatte, handelte es sich um eine partielle No-Budget-Produktion. Teuer war höchstens das Fahrzeug, in welches ich einsteigen sollte. Ich bin mir da nicht mehr ganz sicher, doch vermute ich, daß es sich um einen Porsche gehandelt hat. Ja, wenn ich tiefer steige, erinnere ich mich daran, daß ich in diesen Klamotten ganz schöne Probleme hatte, mich so tief hinab zu bewegen, ohne eine vermutete päpstliche Eleganz völlig aufzugeben. Auf jeden Fall habe ich damals nicht gefroren. Und war eigentlich relativ erleichtert, als mein Part im Kasten war. Ja, was war mein Part? In Ornat in ein Auto einsteigen? Ja. Das war es. Und dabei versuchsweise einen Hauch an Würde aufrecht erhalten. Leider mußte ich vor einigen Monaten feststellen, daß keiner der Menschen, die damals an diesem Produkt beteiligt waren, noch eine Kopie besitzen. Ein nachträglicher Fluch mag darauf gelegen haben. Wie gerne würde ich diese Klamotte, ohne die Rechte zu besitzen, auf YouTube veröffentlichen, alleine, um eventuell als neuer Dieter Hallervorden zu reüssieren. Hinter dem Verschwinden aller Kopien kann nur Bono stecken. Ja, der Sänger von U2. Ich wollte diese Band heute beschimpfen, das sei hiermit erledigt.

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