Ferien mit Gott Teil 1

Es war einmal ein Wolf, der in einem Waldstück lebte, in welchem auch eine Familie an Ziegen ein Haus bewohnte. Der Wolf wußte hiervon, doch sah er sich ungern der Möglichkeit einer schrecklichen Rufschädigung ausgesetzt, wenn er an plötzlichen Todesfällen im Kreise dieser Ziegenfamilie Schuld träge. Er hatte aus diesem Grunde einen Garten angelegt, in welchem er unter anderem Kartoffeln und Rüben anbaute. Zum zweiten betrieb er eine kleine Hühnerzucht, die ihm Eier und auch manches Mal ein Küken auf den Tisch brachte. Der Wolf war recht mager. Einige Schritte von seiner Behausung befand sich ein Teich, in welchem eine Handvoll Frösche lebte, mit denen der Wolf eine gute Bekanntschaft pflegte. So lebte der Wolf und es war ein ärmliches Leben, doch war der Wolf nicht unzufrieden.

Dies sollte sich ändern, als im Nachbarwald eine dreiköpfige Schar an Schweinen in ein Häuschen zog. Es hieß, sie hätten das kleine Häuschen umgebaut, an allen Ecken und Kanten verstärkt, denn sie waren zwar vorlaut, wie man sich erzählte, doch schienen sie auch eine große Angst zu haben, daß einst ihr Häuschen umgeblasen würde. In ihrer vorherigen Heimat solle genau dies passiert sein. So hörte es der Wolf von den Fröschen, die es von den Libellen erfahren hatten und alle kratzten sich an ihren Köpfen. Ein Haus umblasen? Das müsse entweder ein wildes Geschöpf gewesen sein, oder ein sehr mäßig errichtetes Häuschen. Die Libellen vermuteten sofort das erstere und nahmen einen Drachen an. Die Frösche schlossen sich dieser Meinung an, doch der Wolf wollte davon nichts wissen und erklärte den Libellen und Fröschen, daß ihm noch nicht bekannt sei, daß Schweine gute Häuserbauer seien. Er wolle von der Idee eines Drachens nichts wissen. Das sei ein ausgemachter Unfug, ein Humbug. Der Wolf zog sich in seine Behausung zurück und aß Spiegelei auf Bratkartoffel.

Am nächsten Morgen fand der Wolf einen Brief vor seiner Tür. Er rief zu den Fröschen im Teich: „Holla, ich habe einen Brief bekommen. Der erste Brief in meinem Leben.“ Die Frösche waren nicht beeindruckt, denn auch sie hatten einen Brief erhalten, jeder von ihnen. Der Brief sei von den neuen Schweinen. Der Wolf, der den Brief selber noch hoch in seiner Hand hielt, besah sich das Schreiben und ja, es war von den Schweinen. Es handelte sich um eine Einladung für den kommenden Tag, an welchem sich die Schweine in diesem Wald vorstellen wollten. Nichtsdestotrotz fühlte der Wolf sich fröhlich über diese Botschaft. Er überlegte, ob er ein Gastgeschenk machen solle. Er setzte sich an den Teich, um sich mit den Fröschen zu besprechen. Diese hielten zunächst nichts von der Idee, schließlich seien die Schweine neu hier und müßten Geschenke machen, wobei der Wolf sie überzeugen konnte, daß die Einladung zu einer Vorstellungsfeier bereits ein Geschenk sei. Die Frösche murrten noch ein wenig, berieten sich nun noch lauter mit viel Gequake, um abschließend mitzuteilen, daß sie sich mehrheitlich für ein kleines Gastgeschenk entschieden hätten. Nun müsse man noch darüber Rat halten, welches Geschenk denn gegeben werden könne, und welches Geschenk für drei Schweine geziemend sei. Schließlich sei man weiterhin davon überzeugt, daß die Schweine Opfer eines Drachens seien, bevor sie in diesen Wald gezogen seien. Der Wolf hörte sich dieses Ergebnis ungerührt an, dann wünschte er den Fröschen viel Erfolg bei ihrer Suche nach einem Ergebnis und lief in seine Behausung zurück. Er hatte schließlich den Ball des Gastgeschenkes ins Rollen gebracht, nun mußte er auch liefern. Er überlegte sich, daß es am besten sei, wenn er sich das Haus der Schweine einmal ansähe, aus sicherer Distanz, um vielleicht etwas zu entdecken, was diesen neuen, entfernten Nachbarn noch fehlen mochte. Möglicherweise würde er auch unterwegs noch einige Kräuter und Insekten entdecken, die seinen Hunger stillen konnten. Möglicherweise war der Hunger auch ein großer Anteil seiner Freude über die Einladung. Er hoffte insgeheim, daß die Schweine sich nicht lumpen ließen und eine reiche Tafel aufdeckten. Dafür wolle er sich dann bei seinem Geschenk auch nicht zurückhalten, dachte der Wolf, während ihm das Wasser schon aus dem Mäulchen lief. In der Nähe des Hauses der Schweine fand der Wolf einen rostigen Teekessel, den er aufhob und als Präsent für genügend befand.