Der Glaube an einen Gott – was?

Liebe Welt,

an dieser Stelle erwartet Dich eine äußerst subjektive Meinung.

Es geht dabei um folgende Thematik: Viele Menschen kommen in ihrem Leben sehr gut ohne jeden religiösen Gottesglauben aus. Oft wird dieser erst wichtig im Angesicht des eigenen Todes. Meine Frage hierzu ist einfach: Warum?

Daher möchte ich nun drei Beispiele konstruieren, um nachzuvollziehen, was hier geschehen mag.

Wir begegnen unserem ersten Atheisten, der gerade von seinem Arzt die Nachricht erhalten hat, daß eine unheilbare Erkrankung terminal enden wird. In absehbarer Zeit. Der zweite Atheist steigt gerade über eine Absperrung, und steht im nächsten Moment am Rande einer Autobahnbrücke. Er blickt in die Tiefe. Die dritte Testperson, der wir uns widmen, ist gerade aufgrund eines schweren Autounfalls aus seinem Fahrzeug geschleudert. Er liegt auf der nassen Fahrbahn, kann sich nicht mehr bewegen, seine Augen sind offen und in den grauen, wolkenverhangenen Himmel gerichtet. Wichtige Knochen sind gebrochen, es kann nur noch Momente dauern, bis der Tod eintritt. Was mag dieser Person durch den Kopf gehen? Hier ist natürlich zu beachten, daß ein Unfall zunächst einen massiven Schock auslöst. Es ist beobachtet worden, daß in einer solchen Situation das Schmerzempfinden eines Verunfallten durch den Schrecken geschwächt, beziehungsweise gar unterbrochen wird. Ist der Beginn des Glaubens eine Sekundenentscheidung? Während der Sterbende möglicherweise noch einmal mit Stationen seines Lebens im Schnelldurchlauf konfrontiert wird? Geschieht das mit dem Sterbenden? Laut Menschen, die an diesem Punkt des Geschehens letztlich wieder zurück in ihr Leben geholt wurden, soll solches passieren. Auch wird von weißem Licht berichtet. Ich gehe davon aus, daß eine gewisse körperliche Reaktion teilnimmt, der schmerzdämmenden Wirkung eines Schocks gleich. Doch ist es letztlich eine Sache der Neurobiologen hier auf Dauer für Klarheit über die Prozesse zu sorgen, die vom Moment, in dem das Sterben beginnt, bis zum letzten Atemzug und zum Stillstand der Hirnfunktion ablaufen. Und ich bin mir sicher, daß diese Erkenntnisse noch auf sich warten lassen werden. Sie sind auch möglicherweise für die hier gestellte Frage nicht sehr wesentlich. Denn es geht um eine Wahl, die ein Mensch trifft. Dies wird er vermutlich nicht erst im Angesicht des eventuellen weissen Lichtes erledigen, es sei denn, dieses ist so strahlend, daß unter den letzten Worten „mein Gott!“ der vormalige Atheist noch auf das Ja-Feld hüpft und dahinscheidet.

Wir liegen derzeit jedoch auf kaltem Asphalt und starren in den grauen Himmel. Schmerzen empfinden wir keine mehr. Es breitet sich eine fast angenehme Wärme in den noch funktionierenden Teilen unseres Körpers aus, der immerhin gerade noch mit unermesslicher Wucht durch die Luft geschleudert wurde. Beim Aufprall, den wir gar nicht wirklich wahr nahmen, hätten Umstehende widerliche Knackgeräusche hören können. Wir nehmen nur noch vage wahr, was um uns herum geschieht. Es ist still. Beängstigend still. Keine Motorengeräusche, keine Vögel, nichts. Wir spüren keinen Luftzug. Die Sinne sind abgeschaltet. Alleine die Signale der Augen dringen noch vor in unser Hirn. Ist dieser Moment der vielleicht größtmöglichen Einsamkeit, die ein Mensch erleben kann, der Zeitpunkt, in dem Gott in das Leben auch eines Atheisten eintritt, und das ohne die listige Hilfe eines Blaise Pascal? Noch finde ich keine Antwort in diesem Szenario. Daher blicken wir etwas näher hinein in diesen langen Augenblick.

Gesetzt dem Fall, daß der Sterbende tatsächlich mit Eckpunkten seines Lebens konfrontiert wird, und auch eine gewisse Klarheit und Einsicht herrscht, daß es sich nun um einen Schlußstrich handelt, daß die Summe gezogen wird, und somit auch ein möglicher Sinn im bis zu diesem Zeitpunkt getätigten Handel erkannt wird, so kann ich mir vorstellen, daß ein Gefühl des Loslassens einsetzt. Das ein Gefühl der Rückkehr einsetzt. Natürlich befinde ich mich im Raum der Hypothese.

Hier betrete ich in diesem angenommenen Raum auch ein Zimmer, in welchem Gott sitzen könnte. Ich schließe die Tür hinter mir. Die Akten meines Lebens habe ich in der Hand, sie sind in den Jahren angelegt worden. Ich habe darin geschrieben, andere haben daran mitgewirkt. Es ist ein Tisch in diesem Zimmer, auf welchem ich die Papiere ablege. Gegenüber des Tisches hängt ein Spiegel, in welchem ich ein Licht erblicke. Doch ist es nicht ein Licht, sondern leuchtender Staub, dessen hellende Wirkung langsam nachläßt.

Indessen werden die Akten, welche auf dem Tisch lagen, von einer Substanz aufgelöst. Das Licht im Spiegel läßt weiter nach, schon wird dahinter die Finsternis sichtbarer. Der Tisch ist leer. Der Raum ist leer. Die Materie hat sich in einen neuen Zustand gewandelt. Sie wird sich an anderen Stellen des Weltenraumes neu zusammensetzen in ihren molekularen Strukturen. Es wird eine Form von Reinkarnation möglich sein, die für den Menschen, der sich Vorstellungen darüber macht, nicht fassbar sind. Wenn Gott in diesem Zimmer sitzt, dann ist er die unbestimmte Ruhe des Raumes. Dann ist er der kosmische Atem, der sendet und empfängt.

So erlischt denn unser Blick, auf dem Asphalt liegend.

Wir haben gerade den Zaun überquert. Wir bewegen uns vorsichtig trippelnd an der Absperrung entlang, in die Mitte der Brücke. Dort ist diese circa 80 Meter hoch, was für einen todsicheren Fall reichen wird. Insofern ist die Vorsicht, die wir walten lassen, um dorthin zu gelangen, verquer. Wir sind der Atheist, der seinen Suizid geplant hat, und der nun am Ort seiner Todeswahl angekommen ist. Wird hier im Wind der Höhe ein Gott zu ihm, dem Todeswünschenden kommen? Werden wir wieder vorsichtig trippelnd zurückkehren und das Leben unter neuen Perspektiven weiterführen?

Die Gründe, warum ein Mensch willentlich und unwiderruflich sein Leben beenden will, sind vielfältig. Hier kann sich jedoch auch die Frage auftun, ob ein sogenannter fester und gelebter Glaube an eine Religion die Selbsttötung verhindern mag, oder vielleicht ein religiöser Hintergrund überhaupt erst der Auslöser eines solchen Wunsches ist. Hier steht natürlich die Individualität im Vordergrund.

Da in dem begonnenen Beispiel der Handelnde sich als Atheist fühlt, und Zeit seines Lebens in Ferien von Gott weilt, möchte ich dem im Wind am Brückenrand Weilenden die folgenden Worte zurufen: „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst“. In diesem Satz wird kein Gott, keine Religion erwähnt. Er stammt, als Bibelzitat, aus dem Munde jenes Jeshua, den die Welt als Jesus Christus kennt und manchesmal verehrt. Es ist dort auch als alttestamentarisch belegt, dennoch erhält der reine Satz keinen direkten religiösen Hintergrund. Vielmehr ist es eine Aufforderung, nachzudenken und in sich zu gehen. Damit sieht sich auch der Schreiber dieser Zeilen konfrontiert, der zwar noch nie selbst auf einem Brückenrand balancierte, doch die Gefühlsebenen kennt, die an diese Orte führen. Was bedeutet der Satz der sogenannten Nächstenliebe? Auch wenn der Satzteil des „wie dich selbst“ erst an zweiter Stelle erklingt, ist hier doch die Basis gelegt, da die Eigenliebe als messender Faktor beschrieben wird. Dennoch wird der atheistische Brückenläufer nicht darauf hören, denn zu beladen mit der in Jahrhunderten gewachsenen christlichen Patina, ist dieser Satz beladen, gar beschmiert. Daher ist, bevor wir uns wieder in die windige Höhe hinauswagen, Übersetzungshilfe gefragt.

„Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst“

heißt auch

„Achte den Nächsten, wie dich selbst“

„Verletze niemanden, auch nicht dich selbst“

„Töte niemanden, auch nicht dich selbst“

„Betrüge niemanden, auch nicht dich selbst“

„Versuche nett zu jedermann zu sein, auch zu dir selbst“

Ich verstehe diese Auflistung als Vorschläge. Jedoch als bedenkenswerte Vorschläge, die in ihrer Umsetzung jedoch enorme Anstrengungen verlangen. Wenn wir dort oben auf der Brücke stehen, den Blick in die Tiefe richten, liegt doch unsere Selbstachtung in einem gewissen Maße bereits dort unten mit gebrochenem Genick. Daneben, ebenfalls zerschellt, liegen die Reste eines möglichen, aber unbenutzten Glaubens. Und dieser Glaube meint noch nicht einmal unbedingt den, dem ich hier nachforsche. Sondern jenen an die Mitmenschen, an Bedingungen, Umstände. Wenn wir dort oben auf der Brücke zitternd noch uns am Geländer festhalten, tun wir das nicht unbedingt, weil uns kurz zuvor ein Teller aus der Hand rutschte und im nächsten Moment nur noch ein Haufen Scherben auf dem Boden lag. Wenn wir an der Autobahnbrücke ankommen, sind viele, viele Stunden des Denkens, des Haderns, des Zweifelns an uns vorbeigezogen. Der Kraftstoff, der uns auf die Brücke treibt, ist die Enttäuschung. Gegen mich, gegen dich, gegen die Dinge, die Materie, gegen die Absurdität der Existenz. Gegen Gott und das Bild, das Menschen von ihm zeichneten.

Ja, es richtig. Sie haben es korrekt gelesen. Ich schrieb „Gott“, nicht die „Götter“. Alleine der monotheistische Glaube bringt Menschen zur Revolte. Wer sein Leben willentlich beendet und dabei dem Himmel zürnt, der meint die monotheistischen Religionen und ihre Lehren, ihre Symbole. Weder Zeus, noch Tzius, noch Odin schafften dies. Sprechen wir von einer Qualität, oder von einer überdenkenswerten Situation? Wir sprechen in keinem Fall von einer göttlichen Intervention. Wir sprechen von der falschen Handhabung der obigen Vorschläge eines Miteinanders von Menschen. Wenn wir auf der schwindelerregend hohen Brücke stehen, in die Tiefe blicken, ist dies der Endpunkt eines Prozesses, in welchem jener Satz der sogenannten Nächstenliebe verletzt wurde. Von uns, die wir uns zitternd hinauswagen, um dem Tod zu begegnen. Von denen, die nicht anwesend sind, während wir uns zitternd hinauswagen, um dem Tod zu begegnen.

Ist nunmehr jener Jeshua der Verursacher dieses Dilemmas, als er den Satz zur Prominenz brachte? Wäre der Satz nicht bekannt, wüßte niemand, um die Fehlbehandlung jenes Sachverhaltes. Doch ist das natürlich Humbug, denn auch wenn nie die Nächstenliebe oder die gegenseitige Achtsamkeit auf diesem Planeten angesprochen wäre, gäbe es diesen Zustand. Die Atemluft existierte, bevor Physiker ihre Zusammensetzung erkannten. Genauso verhält es sich mit dem positiven Miteinander. Wo ist nun eine mögliche Tür, durch welche im steifen Wind der Höhe, ein religiöser Glaube eintreten könnte?

Ich erkenne keine Tür. Ein Sprung ist das Nein gegen die Existenz. Eine Rückkehr zur Sicherheit ist eine Vertagung des Todes, was ich nicht verurteile, auch wenn es sich so lesen mag. Doch sicherlich ist ein Zurückklettern kein reines und unbeschädigtes Ja zur Existenz. Und es ist niemals ein Ja zu einer Religion, wie wir sie kennen. Wer zurückkehrt, weiß, das eine Schlacht zu schlagen ist, die letztlich verloren wird. Doch ein Sieg ist errungen: Der Sieg über die letzte Enttäuschung. Und dieser Sieg wird von einem Menschen letztlich alleine errungen, ohne jedwede göttliche Intervention.

Wer denn unbeschadet vom Schemel herabsteigt und den Strick zusammenfaltet und ablegt, der mag in diesem Moment der Wiederauferstehung weder ein Gefühl des Triumphs, als auch der moralischen Vernichtung empfinden. Doch in jenem Moment sollte es zu einer verstärkten Autarkisierung des Menschen kommen.

Wer seinen Freitod absagt, hat jedoch einen entscheidenden Schritt nach vorne getan, denn das Leben bleibt dennoch endlich, nur hat der ehemalige Suizidant bei seiner Rückkehr diesem schwarzen Abgrund feste in die Augen geschaut. Des Todes Stachel ist gezogen, ohne das eine religiöse Einsicht eingesetzt worden ist. Das jedoch ist eine Triumph. Er sollte nur auch als ein solcher empfunden werden.

Wenn ein Mensch sich über das Ja oder Nein zu seinem Leben selbst definiert, ist der Religion die Tür gewiesen. Wenn der Gang auf die Brücke dadurch geebnet wurde, daß Menschen dem Gebot der Nächstenliebe entsagten, ist darauf hin zu arbeiten, daß Menschen einsichtig werden und stärker diesem Vorschlag entsprechen. In diesem Szenario wird klar, wie klein der Einfluß eines Gottesbildes sein kann, wenn es nicht willentlich durch Menschen von außen mit Zwang oder Macht, beziehungsweise dem Individuum selbst implantiert wird.

Den letzten Atheisten in diesem Text wollten wir gemeinsam mimen an einem Tag, an welchem jener von seinem Arzt erfährt, daß er zum Beispiel einen nicht operablen, bösartigen Hirntumor im Endstadium habe. Doch ist dies kein wirklich faszinierendes oder beispielhaftes Szenario. Wir alle leben vor dem Tag X, an welchem uns entweder mitgeteilt wird, daß es uns bald erwischen wird oder der Tod kommt und nimmt uns mit. Insofern ist nicht unbedingt wichtig, einen solchen Umstand in die Untersuchung einzuflechten, ob der uns sicherlich erwartende Tod zum gläubigen Menschen macht. Im ersten Beispiel blickten wir dem Tod ins Auge im Nachgang eines schweren Unfalls. Im zweiten Beispiel ersehnten wir den Tod durch eigenes Zutun. In beiden Folgen stand der Tod wartend an den Türrahmen gelehnt. Nun sitzt er vielleicht noch irgendwo in einem Café und schaut hin und wieder auf seine Uhr, die ihm sagt, daß wir noch mehr oder weniger Zeit haben, bevor er sich zu uns aufmacht. Was machen wir mit der Zeit?

Das ist wahrhaftig die Kernfrage. Noch einmal für alle: Die Frage lautet nicht -> Was mache ich mit Gott in meinem Leben? Die Frage lautet -> Was mache ich mit der Zeit, die mir bleibt?

Hier tut ein weiterer Absatz Not, um die Wichtigkeit des gerade Geschriebenen massiv zu unterstreichen. Ich hätte es auch in Fettdruck setzen können, das spare ich mir aber in diesem Moment, da ich darüber schreibe.

Ich habe gerade zum letzten Male Gott vor die Tür geschickt. Dort bleibt er. Er kann die Religionen mitnehmen. Sie sind nicht von Belang. Warum?

Im ersten Beispieltext habe ich folgendes geschrieben, was ich auch jetzt noch als so wichtig empfinde, das ich es zitiere: „Wenn Gott in diesem Zimmer sitzt, dann ist er die unbestimmte Ruhe des Raumes. Dann ist er der kosmische Atem, der sendet und empfängt.“ Das bedeutet, daß – sofern es in dem uns umgebenden Kosmos ein göttliches Prinzip walten mag – dieses weder mehr noch weniger ist, als eben jener kosmische Atem, der den Anfängen innewohnt. Das heißt, wenn wir das Bild des Zimmers weiternutzen möchten, daß Gott dort nicht anwesend ist. Eine Ahnung seiner mag dort vorherrschen. Eher noch liegt auf dem dort auch imaginierten Tisch eine Notiz, die besagt, daß das göttliche Prinzip existiert. Der Mensch mag dies aufnehmen. Er mag es ignorieren. Ich tendiere eher dazu, ein solches göttliches Prinzip als möglich anzusehen, zumal ein Beweis für oder gegen diese Theorie von einem menschlichen Verstand nicht zu erbringen ist. Doch was heißt das für die Frage, die ich zuvor stellte, nach der Zeit, die bleibt?

Eine Antwort hierzu lautet: Nehmen wir alle religiösen Schriften und erklären sie zu Literatur. Nennen wir sie historisch oder fiktiv. Gehen wir davon aus, daß darin moralische Aspekte verhandelt werden könnten, die mehr oder weniger nützlich für uns sind.

Welchen Wert haben die Religionen, die Glaubensarten an einen Gott, der auch weitläufig mit Persönlichkeitsbild ausgestattet wird? Sie bieten dem Gläubigen einen Rückhalt, einen Orientierungspunkt, sind Wegweiser und Stabilisator. So sollte es sein, im Falle eines Glaubens, der eine gewisse Festigkeit erreicht. Wäre dem so, wäre ich als Person weiterhin ungläubig und zweifelnd, doch glücklich. Doch ist eine Natur der Religion, daß sie Symbole braucht und Richtstätten. Sie benötigt periodische Selbstvergewisserung. Darin berührt sie die Wege der Ungläubigen. Wir, die anderen, sehen die Bauwerke. Das stört mich als Individuum nicht. Gerade was architektonische Anmut anbelangt, haben gerade die Opulenz der katholischen Kirchen des Mittelalters, sowie des Islam bis in das 16. Jahrhundert Wegweisendes vollbracht. Insofern ist mein Ausblick hierzu gar positiv. Was aber ist mit den Menschen, die ausgreifen auf die Welt der Zweifler? Hier steht es anders.

Und dieses „Anders“ werde ich hoffentlich irgendwann in einen Text fassen können. Es bleibt spannend.

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29.03.2019 – Liebe und Tod

Eigentlich wollte ich etwas neunmalkluges zu dem PR-Versuch von Rammstein am gestrigen 28.03.2019 schreiben, doch wurde mir schnell klar, daß eh das beste schon geschrieben wurde und ehrlich hat mich Rammstein seit ihren Anfängen nie wirklich interessiert. Und das wird sich nicht ändern. Und wichtiger ist eigentlich auch die Frage, wann in Großbritannien mal wieder reale Politik für Menschen betrieben wird?

Doch noch wichtiger ist dann das Thema, das mir in den Sinn schoss. Liebe. Verbunden mit der Frage, was Liebe ist.

Nicht, das diese Frage noch nie gestellt wurde. Vermutlich bin ich die 1.000.000 Fragende alleine in 2019. Im luxemburgisch-deutschen Grenzgebiet. Doch habe ich sicher noch fünf Cent beizusteuern.

Warum dieser Gedanke überhaupt aufploppte? Hand in Hand mit dem Satz „Der Mensch ist sterblich.“ Oha. Das macht direkt Freude, da ist die Lust am Kochen. Und vor meinem inneren Erinnerungsauge standen Menschen vor einer Eisdiele und schleckten an ihren Kugeln. Eiskugeln.

Stellt Euch diese Szenerie vor. Ihr befindet Euch in einer normisierten Fußgängerzone, dreißig Meter entfernt die Eisdiele, davor die gemischte Kundschaft, die Waren in Empfang genommen, sich wieder zerstreuend, leckend. Was denkt Ihr darüber?

Nun, wenn Euch nicht gerade der Ekel vor diesem Bild packt, so werdet Ihr mir zustimmen, das eine gewisse Verletzlichkeit offenbar wird. Wie schleckt Ihr Eiskugeln? Mit der Zunge, den Lippen? Reinbeissen? Die Kühle des Eis läßt uns vorsichtiger, sensibler vorgehen. Und die Hand, in welcher wir unser Hörnchen halten, ist ständig in Mundhöhe gehalten. Ja, optisch verliert jeder Mensch, der eine Eis to go ißt, jede Coolness. Da hilft auch keine Sonnenbrille oder andere Hilfsmittel, die zu anderen Zeiten Mängel der ausgestrahlten Kälte auffangen. Und das ist einerseits auch gut, denn Entwaffnung macht liebenswerter und menschlicher. Dieser Satz gilt jederzeit, auch in Kriegsgebieten.

In meiner Vorstellung ist da – zwischen anderen – dieser Mann. Weiß. Vermutlich 60 Jahre alt, oder gar etwas mehr. Gekleidet in die verschiedenen, von einer Mehrheit akzeptierten, Beigetöne. Hemd eher heller, Hose eher dunkler. Die Frisur ist bereits auf dem Rückzug, dafür jedoch auf die Entfernung hin sichtbar dunkle Haare auf dem Handrücken. Darunter die vorstehenden Adern. Eine goldene Uhr blitzt unter dem Hemdsärmel hervor. In den Bewegungen ist keine Sicherheit, aber Übung. Vanille und Schoko. In den Erinnerungen des Mannes kostet eine Kugel zwanzig Pfennig und er musste sich ganz schön recken, um die Eistüte aus der Hand der Frau zu greifen. Er erinnert sich auch, daß die Frau nur wenige Jahre später bei einem Verkehrsunfall starb. Auf dem Beifahrersitz.

In meiner Vorstellung ist da – zwischen anderen – dieses Mädchen. Auch sie ist weißer Haut. Es tut mir leid, die Fußgängerzone meiner Vorstellung ist nicht wirklich divers bevölkert. Das reale Vorbild ist es auch nicht. Das Mädchen ist sechs Jahre alt. Und hat Probleme das Eis, das Schmelzen des Eis, den Verzehr des Eis zu kontrollieren. Ihr Mund ist bunt. Erdbeer und Schoko färben lustig ab. Sie trägt eine Jeanshose und ein weisses T-Shirt mit buntem Aufdruck. Sie weiß nichts über die Situation bei der Herstellung ihrer Kleidung in Bangladesh. Sie weiß nicht, daß sie dort lebend, in einer handvoll Jahren auch in der Textilindustrie eine Arbeit finden müßte.

Zwei priviligierte Menschen, die ich gerade aus dieser Vorstellung herausgepickt habe. Da sind noch einige mehr, denn es ist ein sonniger Tag. Ich aber fokussiere genau diese beiden vorgestellten Individuen. Und gewiß ist, daß diese beiden Menschen sterben werden. So sicher, wie sie das Eis an ihre Lippen führen. Als wäre das Eis vergiftet, so sicher ist ihr Tod.

Was haben all diese Worte mit der Frage nach der Liebe zu tun? Mehr, als offensichtlich ist.

Wir sind letztlich hineingeworfen in unsere Lebensrealitäten. Wir bringen nichts mit, wir nehmen nichts mit. Und in einem Moment, einem Aufblitzen, führen wir die Eistüte an die Lippen. Mit offenem Mund spüren wir die Kälte und stehen schutzlos in einer Fußgängerzone, gekleidet aber in sichtbares Privileg, das dennoch unser Verschwinden nicht aufhalten wird.

So unbeholfen wir in dem Moment aussehen mögen, so zärtlich ist die Aura, die uns umhüllt. Zärtlich, aber vergänglich.

So ist Liebe.

Die Liebe, die wir brauchen.

Die Liebe, die wir geben.

Weitere Deutung finden Sie in Ihrem Herzen.

„Glaube“/4

Liebe Welt,

du wirst nun mit dem 4. (3.) Teil meiner zerfleddernden Gedanken über das Thema Glauben/Religion im Angesichts der endlosen Weiten des Todes konfrontiert. Auch wenn die Sonne scheinen mag, lege bitte einen Mantel an.

Teil 4:

Wir haben gerade den Zaun überquert. Wir bewegen uns vorsichtig trippelnd an der Absperrung entlang, in die Mitte der Brücke. Dort ist diese circa 80 Meter hoch, was für einen todsicheren Fall reichen wird. Insofern ist die Vorsicht, die wir walten lassen, um dorthin zu gelangen, verquer. Wir sind der Atheist, der seinen Suizid geplant hat, und der nun am Ort seiner Todeswahl angekommen ist. Wird hier im Wind der Höhe ein Gott zu ihm, dem Todeswünschenden kommen? Werden wir wieder vorsichtig trippelnd zurückkehren und das Leben unter neuen Perspektiven weiterführen?

Die Gründe, warum ein Mensch willentlich und unwiderruflich sein Leben beenden will, sind vielfältig. Hier kann sich jedoch auch die Frage auftun, ob ein sogenannter fester und gelebter Glaube an eine Religion die Selbsttötung verhindern mag, oder vielleicht ein religiöser Hintergrund überhaupt erst der Auslöser eines solchen Wunsches ist. Hier steht natürlich die Individualität im Vordergrund.

Da in dem begonnenen Beispiel der Handelnde sich als Atheist fühlt, und Zeit seines Lebens in Ferien von Gott weilt, möchte ich dem im Wind am Brückenrand Weilenden die folgenden Worte zurufen: „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst“. In diesem Satz wird kein Gott, keine Religion erwähnt. Er stammt, als Bibelzitat, aus dem Munde jenes Jeshua, den die Welt als Jesus Christus kennt und manchesmal verehrt. Es ist dort auch als alttestamentarisch belegt, dennoch erhält der reine Satz keinen direkten religiösen Hintergrund. Vielmehr ist es eine Aufforderung, nachzudenken und in sich zu gehen. Damit sieht sich auch der Schreiber dieser Zeilen konfrontiert, der zwar noch nie selbst auf einem Brückenrand balancierte, doch die Gefühlsebenen kennt, die an diese Orte führen. Was bedeutet der Satz der sogenannten Nächstenliebe? Auch wenn der Satzteil des „wie dich selbst“ erst an zweiter Stelle erklingt, ist hier doch die Basis gelegt, da die Eigenliebe als messender Faktor beschrieben wird. Dennoch wird der atheistische Brückenläufer nicht darauf hören, denn zu beladen mit der in Jahrhunderten gewachsenen christlichen Pathina, ist dieser Satz beladen, gar beschmiert. Daher ist, bevor wir uns wieder in die windige Höhe hinauswagen, Übersetzungshilfe gefragt.

„Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst“

heißt auch

„Achte den Nächsten, wie dich selbst“

„Verletze niemanden, auch nicht dich selbst“

„Töte niemanden, auch nicht dich selbst“

„Betrüge niemanden, auch nicht dich selbst“

Versuche nett zu jedermann zu sein, auch zu dir selbst“

Ich verstehe diese Auflistung als Vorschläge. Jedoch als bedenkenswerte Vorschläge, die in ihrer Umsetzung jedoch enorme Anstrengungen verlangen. Wenn wir dort oben auf der Brücke stehen, den Blick in die Tiefe richten, liegt doch unsere Selbstachtung in einem gewissen Maße bereits dort unten mit gebrochenem Genick. Nebendran, ebenfalls zerschellt, liegen die Reste eines möglichen, aber unbenutzten Glaubens. Und dieser Glaube meint noch nicht einmal unbedingt den, dem ich hier nachforsche. Sondern jenen an die Mitmenschen, an Bedingungen, Umstände. Wenn wir dort oben auf der Brücke zitternd noch uns am Geländer festhalten, tun wir das nicht unbedingt, weil uns kurz zuvor ein Teller aus der Hand rutschte und im nächsten Moment nur noch ein Haufen Scherben auf dem Boden lag. Wenn wir an der Autobahnbrücke ankommen, sind viele, viele Stunden des Denkens, des Haderns, des Zweifelns an uns vorbeigezogen. Der Kraftstoff, der uns auf die Brücke treibt, ist die Enttäuschung. Gegen mich, gegen dich, gegen die Dinge, die Materie, gegen die Absurdität der Existenz. Gegen Gott und das Bild, das Menschen von ihm zeichneten.

Ja, es richtig. Sie haben es korrekt gelesen. Ich schrieb „Gott“, nicht die „Götter“. Alleine der monotheistische Glaube bringt Menschen zur Revolte. Wer sein Leben willentlich beendet und dabei dem Himmel zürnt, der meint die monotheistischen Religionen und ihre Lehren, ihre Symbole. Weder Zeus, noch Tzius, noch Odin schafften dies. Sprechen wir von einer Qualität, oder von einer überdenkenswerten Situation? Wir sprechen in keinem Fall von einer göttlichen Intervention. Wir sprechen von der falschen Handhabung der obigen Vorschläge eines Miteinanders von Menschen. Wenn wir auf der schwindelerregend hohen Brücke stehen, in die Tiefe blicken, ist dies der Endpunkt eines Prozesses, in welchem jener Satz der sogenannten Nächstenliebe verletzt wurde. Von uns, die wir uns zitternd hinauswagen, um dem Tod zu begegnen. Von denen, die nicht anwesend sind, während wir uns zitternd hinauswagen, um dem Tod zu begegnen.

Ist nunmehr jener Jeshua der Verursacher dieses Dilemmas, als er den Satz zur Prominenz brachte? Wäre der Satz nicht bekannt, wüßte niemand, um die Fehlbehandlung jenes Sachverhaltes. Doch ist das natürlich Humbug, denn auch wenn nie die Nächstenliebe oder die gegenseitige Achtsamkeit auf diesem Planeten angesprochen wäre, gäbe es diesen Zustand. Die Atemluft existierte, bevor Physiker ihre Zusammensetzung erkannten. Genauso verhält es sich mit dem positiven Miteinander. Wo ist nun eine mögliche Tür, durch welche im steifen Wind der Höhe, ein religiöser Glaube eintreten könnte?

Ich erkenne keine Tür. Ein Sprung ist das Nein gegen die Existenz. Eine Rückkehr zur Sicherheit ist eine Vertagung des Todes, was ich nicht verurteile, auch wenn es sich so lesen mag. Doch sicherlich ist ein Zurückklettern kein reines und unbeschädigtes Ja zur Existenz. Und es ist niemals ein Ja zu einer Religion, wie wir sie kennen. Wer zurückkehrt, weiß, das eine Schlacht zu schlagen ist, die letztlich verloren wird. Doch ein Sieg ist errungen: Der Sieg über die letzte Enttäuschung. Und dieser Sieg wird von einem Menschen letztlich alleine errungen, ohne jedwede göttliche Intervention.

Wer denn unbeschadet vom Schemel herabsteigt und den Strick zusammenfaltet und ablegt, der mag in diesem Moment der Wiederauferstehung weder ein Gefühl des Triumphs, als auch der moralischen Vernichtung empfinden. Doch in jenem Moment sollte es zu einer verstärkten Autarkisierung des Menschen kommen.

Wer seinen Freitod absagt, hat jedoch einen entscheidenden Schritt nach vorne getan, denn das Leben bleibt dennoch endlich, nur hat der ehemalige Suizidant bei seiner Rückkehr diesem schwarzen Abgrund feste in die Augen geschaut. Des Todes Stachel ist gezogen, ohne das eine religiöse Einsicht eingesetzt worden ist. Das jedoch ist eine Triumph. Er sollte nur auch als ein solcher empfunden werden.

Wenn ein Mensch sich über das Ja oder Nein zu seinem Leben selbst definiert, ist der Religion die Tür gewiesen. Wenn der Gang auf die Brücke dadurch geebnet wurde, daß Menschen dem Gebot der Nächstenliebe entsagten, ist darauf hin zu arbeiten, daß Menschen einsichtig werden und stärker diesem Vorschlag entsprechen. In diesem Szenario wird klar, wie klein der Einfluß eines Gottesbildes sein kann, wenn es nicht willentlich von Menschen im Einfluß oder dem Individuum selbst implantiert wird.

P.S. Keine Kinderbilder! Keine Kinderbilder von Diktatoren!

„Glaube“/3

Liebe Welt, sei gewiss, daß der zweite Teil der Glaubensserie nicht vergessen wurde. Nein, er wurde von mir verfaßt, für zweifelhaft erklärt und dann entschwand er in der Archivierung. Dort mag er verweilen.

Vielmehr gehe ich nun der Frage nach, wie ein Mensch zu diesem Phänomen kommen mag, zu glauben. Es ist nicht unbekannt, daß der Glaube oft im Angesicht des Todes zur Entfaltung kommt. Daher möchte ich nun drei Beispiele konstruieren, um nachzuvollziehen, was hier geschehen mag.

Wir begegnen unserem ersten Atheisten, der gerade von seinem Arzt die Nachricht erhalten hat, daß eine unheilbare Erkrankung terminal enden wird. In absehbarer Zeit. Der zweite Atheist steigt gerade über eine Absperrung, und steht im nächsten Moment am Rande einer Autobahnbrücke. Er blickt in die Tiefe. Die dritte Testperson, der wir uns widmen, ist gerade aufgrund eines schweren Autounfalls aus seinem Fahrzeug geschleudert. Er liegt auf der nassen Fahrbahn, kann sich nicht mehr bewegen, seine Augen sind offen und in den grauen, wolkenverhangenen Himmel gerichtet. Wichtige Knochen sind gebrochen, es kann nur noch Momente dauern, bis der Tod eintritt. Was mag dieser Person durch den Kopf gehen? Hier ist natürlich zu beachten, daß ein Unfall zunächst einen massiven Schock auslöst. Es ist beobachtet worden, daß in einer solchen Situation das Schmerzempfinden eines Verunfallten durch den Schrecken geschwächt, beziehungsweise gar unterbrochen wird. Ist der Beginn des Glaubens eine Sekundenentscheidung? Während der Sterbende möglicherweise noch einmal mit Stationen seines Lebens im Schnelldurchlauf konfrontiert wird? Geschieht das mit dem Sterbenden? Laut Menschen, die an diesem Punkt des Geschehens letztlich wieder zurück in ihr Leben geholt wurden, soll solches passieren. Auch wird von weißem Licht berichtet. Ich gehe davon aus, daß eine gewisse körperliche Reaktion teilnimmt, der schmerzdämmenden Wirkung eines Schocks gleich. Doch ist es letztlich eine Sache der Neurobiologen hier auf Dauer für Klarheit über die Prozesse zu sorgen, die vom Moment, in dem das Sterben beginnt, bis zum letzten Atemzug und zum Stillstand der Hirnfunktion ablaufen. Und ich bin mir sicher, daß diese Erkenntnisse noch auf sich warten lassen werden. Sie sind auch möglicherweise für die hier gestellte Frage nicht sehr wesentlich. Denn es geht um eine Wahl, die ein Mensch trifft. Dies wird er vermutlich nicht erst im Angesicht des eventuellen weissen Lichtes erledigen, es sei denn, dieses ist so strahlend, daß unter den letzten Worten „mein Gott!“ der vormalige Atheist noch auf das Ja-Feld hüpft und dahinscheidet.

Wir liegen derzeit jedoch auf kaltem Asphalt und starren in den grauen Himmel. Schmerzen empfinden wir keine mehr. Es breitet sich eine fast angenehme Wärme in den noch funktionierenden Teilen unseres Körpers aus, der immerhin gerade noch mit unermesslicher Wucht durch die Luft geschleudert wurde. Beim Aufprall, den wir gar nicht wirklich wahr nahmen, hätten Umstehende widerliche Knackgeräusche hören können. Wir nehmen nur noch vage wahr, was um uns herum geschieht. Es ist still. Beängstigend still. Keine Motorengeräusche, keine Vögel, nichts. Wir spüren keinen Luftzug. Die Sinne sind abgeschaltet. Alleine die Signale der Augen dringen noch vor in unser Hirn. Ist dieser Moment der vielleicht größtmöglichen Einsamkeit, die ein Mensch erleben kann, der Zeitpunkt, in dem Gott in das Leben auch eines Atheisten eintritt, und das ohne die listige Hilfe eines Blaise Pascal? Noch finde ich keine Antwort in diesem Szenario. Daher blicken wir etwas näher hinein in diesen langen Augenblick.

Gesetzt dem Fall, daß der Sterbende tatsächlich mit Eckpunkten seines Lebens konfrontiert wird, und auch eine gewisse Klarheit und Einsicht herrscht, daß es sich nun um einen Schlußstrich handelt, daß die Summe gezogen wird, und somit auch ein möglicher Sinn im bis zu diesem Zeitpunkt getätigten Handel erkannt wird, so kann ich mir vorstellen, daß ein Gefühl des Loslassen könnens einsetzt. Das ein Gefühl der Rückkehr einsetzt. Natürlich befinde ich mich im Raum der Hypothese.

Hier betrete ich in diesem angenommenen Raum auch ein Zimmer, in welchem Gott sitzen könnte. Ich schließe die Tür hinter mir. Die Akten meines Lebens habe ich in der Hand, sie sind in den Jahren angelegt worden. Ich habe darin geschrieben, andere haben daran mitgewirkt. Es ist ein Tisch in diesem Zimmer, auf welchem ich die Papiere ablege. Gegenüber des Tisches hängt ein Spiegel, in welchem ich ein Licht erblicke. Doch ist es nicht ein Licht, sondern leuchtender Staub, dessen hellende Wirkung langsam nachläßt.

In dessen werden die Akten, welche auf dem Tisch lagen, von einer Substanz aufgelöst. Das Licht im Spiegel läßt weiter nach, schon wird dahinter die Finsternis sichtbarer. Der Tisch ist leer. Der Raum ist leer. Die Materie hat sich in einen neuen Zustand gewandelt. Sie wird sich an anderen Stellen des Weltenraumes neu zusammensetzen in ihren molekularen Strukturen. Es wird eine Form von Reinkarnation möglich sein, die für den Menschen, der sich Vorstellungen darüber macht, nicht fassbar sind. Wenn Gott in diesem Zimmer sitzt, dann ist er die unbestimmte Ruhe des Raumes. Dann ist er der kosmische Atem, der sendet und empfängt.

So erlischt denn unser Blick, auf dem Asphalt liegend.