GlitzaCatz – Kapitel V

Kapitel Fünf

Es mag den geehrten Leser*innen schon aufgefallen sein, daß in dieser absonderlichen Geschichte zu Beginn ein Szenario geschildert wurde, das bisher nicht mehr widerkehrte. Darin waren wir schon dem inzwischen zum Industriellen aus Mailand aufgestiegenen Paulo Schmitz begegnet, der dabei Geschäfte mit Salvatore Delayo, dem Gründer der „Wandernden Sonne“, in die Wege leiten wollte. Beobachtet wurde das Geschehen von zwei Mitgliedern der Katerei, Wagner und Alessandro, die dabei von Mütterchen Ennia unterstützt wurden. Das Ziel des Schmitzchen Geschäftes war die Schauspielerin Salynna, die sich bei der „Wandernden Sonne“ von dem Rausch ihres bisherigen Lebens erholen wollte. Schmitz wollte sie als neue Werbeträgerin für seine Café-Intravenös-Kette gewinnen. Alles so simpel und wenig kriminell, wie ein Brötchenkauf in Chicago. Und trotzdem hatte die Anwesenheit der Katerei auch ihren Grund, doch lag dies eher an Delayo, der durch über den Globus verteilte Stützpunkte seiner Sekte auch die Einnahmen munter verschieben ließ, bis alle Spuren beseitigt waren und alle Finanzbehörden darüber rätselten, ob nicht die „Wandernde Sonne“ durch staatliche Zuschüsse vor ihrem Ruin zu retten sei.

Dieser Salvatore Delayo stand, nachdem Paulo Schmitz sich verabschiedet hatte, noch einige Momente auf dem durch die Katerei überwachten Dorfplatz und sinnierte. Er fuhr sich mehrere Male mit der Hand über seinen schlecht geschorenen Kopf, blickte wie ein Chameleon immer wieder aus hervorquellenden Augäpfeln in verschiedene Richtungen und winkte auch Mütterchen Ennia zu, die er an ihrem Fenster stehen sah.

Immer noch nicht tot, die alte Schnepfe“, dachte er, als sich in Richtung des von ihm angemieteten Zentrums für seine Schar machte. Er trug schwarze Lederstiefel, mit eingelassenen Adlerschwingen. Die Stiefel liefen in der Spitze äußerst schmerzhaft zu, doch trug Delayo seit seiner Ankunft in den Vereinigten Staaten dieses Model, so daß seine Zehen seither genügend Zeit hatten, um komplett zu verkümmern.

Er öffnete die Tür und traf direkt auf Klapp Klappowitsch, seinen Adlatus. Dieser hatte vermutlich einen komplett anderen Namen, welchen Delayo schon lange vergessen hatte und sich sowieso nie dafür interessiert, ihn derweil auf diesen swingenden Namen getauft. Klappowitsch war neben vielen organisatorischen Aufgaben für die Lehre der „Wandernden Sonne“ zuständig. Er hatte Delayo für die wundervollen Grundlagen begeistern können, Menschen mit den Schönheiten einer Überdosis Vitamin D3 zu ködern. Klapp Klappowitsch war ein sonderbarer Charakter, der meistens schwieg, seine Äußerungen oft einsilbig überbrachte – was in seinem organisatorischen Bereich Mensch und Katz, die mit ihm zu tun hatten, oft zu übermässiger Eigeninitiative anhielt – oder in weitschweifigen, schriftlichen Aufzeichnungen, ähnlich dieser, welche Sie, liebe Leser*innen gerade anschauen. Nein, Klappowitsch schweifte länger und ausdauernder. Ein respektabler Wortschmidt, der nun jedoch Delayo nur zunickte. Einen Augenblick später jedoch sprechen mußte:

Noch ein Gast gekommen.“

Delayo horchte auf. Schmitz hatte er erwartet, doch eine weitere Person, die mit ihm sprechen wolle? Doch da war auch schon Jimmisch Joa ins Blickfeld getreten und Delayo mochte ein leichtes Frösteln spüren. Dieser sprach:

Alles klar, Delayo?“ und verschränkte die Ärmchen über seiner Brust. Es wird jeder Leser*in klar sein, das Jimmisch Joa auf Geld aus war. Geld, das der ebenfalls schon bekannt gewordene noch kriminellere Hase, Traw, einst dem abgebrannten Salvatore überlies. Nun gingen die Gedanken Traws wieder dazu über, das inzwischen in seiner Fantasie gewachsene Geld von Salvatore wieder abzutrennen. Dieser ließ in jenen Momenten seine Gehirnaktivitäten in den roten Bereich laufen, denn wie es doch immer wieder ist: Leihest Du Dir Geld bei bekannt blutrünstigen Hasen, so kommen die Rückforderungen immer im falschen Moment, wenn gerade die Ebbe Deine Kasse erfaßt hat. Gerade erst hatten Delayo und Klappowitsch wieder größere Beträge zwischen den Cayman-Inseln und British Columbia verschwinden lassen, die erst wieder in etlichen Jahren geborgen werden dürften. Hätten diese Hasen sich früher angekündigt, hätte Delayo ihnen einen, zwei oder drei Koffer voller Scheine vor die Füsse geworfen und wäre dieser Sorge entledigt gewesen.

Jimmisch Joa schwieg, doch dann zückte er eine glänzende Scheibe, die alle Leser*innen als eine sogenannte CD identifizieren mögen. Diese hielt er hoch erhoben in seiner Tatze, damit Delayo die Aufschrift lesen konnte, und so wurde dieser langsam bleich, als er Polka Schmitz lesen konnte. Es war sogar das legendäre Debüt, „All Eis on Polka Schmitz“. Paulo Schmitz hatte vor Jahren gegenüber Zuhörern in einer Samsubarum ausschenkenden Bar geprahlt, daß er eine Musikgruppe in die Welt schicken könnte, die zum Erfolg verdonnert sei, egal, ob er da Geld reinpumpe oder nicht. Je weniger Geld, desto besser. Schmitz hatte drei erfolglose Musiker gefunden, die auch kaum Bühnenpräsenz offenbaren konnten, geschweige denn besondere Kreativität erzeugten. Er gab diesem Trio den klingenden Namen Polka Schmitz und lies sie ein erschreckendes Repertoire erfinden, zusammenschustern und kleistern. Zwei elektrische Orgeln und ein Standschlagzeug, drei männliche Menschen, die nicht und vor allem nicht zusammen singen konnten. Paulo Schmitz organisierte die Tonaufnahmen, die Pressung und das ebenso schmierig, ölige Artwork der Veröffentlichung und ließ dann immer Stapel an Freitonträgern in seinen Cafés liegen und inszenierte so den schlechtesten und durchschaubarsten Hype einer Musikgruppe, seit ein Mensch je seine Stimme zum Gesang erhoben hatte. Es wirkte dennoch, denn weit über Interzones Grenzen hinaus sangen die Menschen Polka Schmitzens Lieder, die sie einfach für Kultgut hielten. Erheitert wurde sich über Zeilen, wie

„Wird der Kaffee dir gespritzt,

lachst Du mir dann ganz verschmitzt.“

Oder…

„Als Du Deine Hand mir gabst,

griff ich wegen Schweiß dann ganz fest zu.“

Oder….

„Immer wenn ich Mädchen sehe,

süsse Mädchen, süsse Mädchen fein,

rufe ich laut und deutlich „hehe“.“

Oder…

„Reite mit nach Sankt Helena,

da sind die Freunde alle da.“

Oder…

„Wir singen, wie wir klingen,

rabbimmelrumpumpum.

Rotraud mag uns gerne hör’n

rabimmelrumpumpum.“

Oder…

„Wer hat das rote Pferd gestrichen?

Es hat doch gar nichts angestellt!“

Oder…

„Fahr ich nach Rom oder Teutoburger Wald?

Fahr ich nicht gerne vom einen in das andere hinein.

Komm ich sonst schnell vom Wege ab im Wald und bin dann in Gefahr.

Hopsassa, Gefahr, Gefahr.“

Oder… aus dem Lied um das rote Pferd:

„Das rote Pferd macht nichts verkehrt,

ahihalillihoh,

doch manchmal zieht’s die rote Mütze an

dann brennt alles lichterloh.“

Oder…

„Auf den Schwingen des Todes,

bringen wir Schmerz und Leid, so weit, so weit,

auf den Schwingen des Todes,

auf den Schwingen des Erfolgs.“

Paulo Schmitz ließ sich in der Phase der Promotion für dieses erste Machwerk einen Schnurrbart stehen, den er mit Ruhe und Genuß strich, wenn ihn eine Person über dieses Projekt befragte. Er sprach nie wirklich darüber, konnte aber nach einiger Zeit damit anfangen, Geld zu zählen, die ihm die Veröffentlichung einbrachte und die ihm vertraglich komplett zustand, denn die Herren von Polka Schmitz hatten ihm in purer Verblüffung zugesehen, wie er die ganze Veröffentlichung ins Rollen brachte. Das in den folgenden Jahren Unternehmen aus der Tonträgerbranche weitere Polka-Schmitz-CDs unter die Menschen bringen wollten, die allesamt krachend untergingen, obwohl die Konzerte des verblüffenden Trios ständig äußerst gut besucht waren und das Publikum meist nur unter schweren Schmerzen im Bereich des Zwerchfells den Ort des Verbrechens verlassen konnte. Das Trio hatte zuvor in einer Vorläuferband namens Dok Märten und die Polkajungen gespielt, die sich über durch besonderes Schuhwerk zur Musik auszeichneten. Interzones größtes Magazin hierzu, „Rollige Katzenmukke“, verzichtete nach wenigen Monaten ganz auf die Nennung des Bandnamens, Polka Schmitz, und schrieb höchstens noch von „Die Verblüffenden Verblüfften“, womit das Phänomen gut zusammengefaßt war.

Damit können die herzergreifend edlen Leser*innen schon einen Zipfel der Angst erfassen, die Delayo ergreift, als er den Tonträger erkennt. Denn, so will es Traw handhaben, wird ein Darlehensnehmer vor der Auszahlung zu einer kleinen Anhörung geladen, gefesselt, den Tönen der Polka Schmitz ausgesetzt, manchmal drei Durchgänge hintereinander, anderen Mals noch öfters, je nachdem welchen Eindruck der Debitor auf Traw macht. Das ganze wird versehen mit der klaren Ansage, daß bei nicht fristgerechter Rückzahlung „All Eis on Polka Schmitz“ bis zum Tode zu hören ist. Wiederum gefesselt, natürlich.

Uns so sprach denn Jimmisch Joa:

„Lieber Salvatore, Du hast erfaßt, was die Uhr geschlagen hat? Du weißt, das es in den Teutoburger Wald gehen kann? Das Rote Pferd wartet auf Dich.“ Dabei kicherte Jimmisch Joa kurz.

„Leider, lieber Salvatore, hast Du noch eine letzte Frist. Bring die Öre in spätestens zwei Tagen ins Trawcounty. Er wartet dort auf Dich.“

Delayo hatte sich inzwischen etwas gefangen und schritt auf den belustigten Hasen zu.

„Ja, ja. Ich weiß, was ich zu tun habe. Es kann aber auch drei Tage dauern, bis ich die Öre losgemacht habe. So was legt der kluge Mensch feste an, wenn er genug Moos hat.“ Er tippte Jimmisch Joa auf die Brust, worauf dieser blitzschnell ein Messer aus seinem Fell hervorzauberte und Delayos Ohrläppchen blutig schlitzte.

„Hihi, da läuft das rote Pferd“, kicherte dieser erneut und verabschiedete sich indem er „Auf den Schwingen des Todes“ sang. Jimmisch Joa war ein wahrer Fan der Polkamusik. Salvatore Delayo wirkte jetzt doch etwas angeschlagen. Mit dieser Reaktion hätte er bei Traw oder dem Lemmes gerechnet, doch niemals bei jenem, den alle möglichen Existenzen Interzones den Spaßmacher der schlimmsten Hasen aus Trawcounty nannten. Hatte Delayo hier etwas falsch verstanden? Er war sich nicht sicher und suchte Klapp Klappowitsch auf, damit ihm dieser seine Wunde verarztete.

Nicht weit entfernt von Delayo und Klappowitsch, saßen zwei Mitglieder der Katerei und wunderten sich über den Besuch Jimmisch Joas bei dem Sektenführer, denn diese Verbindung war ihnen bis dahin noch unbekannt. Richard Wagner blickte Alessandro derweil bereits seit etlichen Sekunden an, um eine Antwort aus diesem heraus zu zwingen, da jener sich jedoch schweigend schämte:

„Ja, Alessandro, was sollen wir jetzt davon halten? Was macht dieser Hase bei unserem beglatzten Früchtchen? Oder, Mütterchen, habt Ihr vielleicht eine Idee? Oder noch einen Espresso? Wenn ich doch nur noch eine Ultrazig rauchen dürfte… Ach, es ist zum Kreischen hier.“

„Ich kann Euch gerne über alles aufklären.“

Die Stimme war nicht des Mütterchens, noch Alessandros. Und so drehten sich alle drei um, und sahen den Jimmisch Joa im Türrahmen stehen.

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GlitzaCatz – Kapitel IV

Kapitel Vier

Als ich Ihnen zuletzt berichtete, waren wir gemeinsam tief in die Vergangenheit eingetaucht, und trafen dort auf den jungen Paulo Schmitz, sowie die Erzfeinde Meursault und Sattler. Schmitz erhielt einen Auftrag und so, wie er zuletzt erschien, sind wir uns wohl alle nicht ganz sicher, ob er sich noch daran erinnern wird, jemals etwas von J.P. Sattler gehört zu haben. Doch drängt uns die Frage, wie es denn weitergehen mag?

Und Paulo Schmitz mußte tatsächlich einen ganzen Tag damit verbringen, seinen Körper, seinen Geist wieder in eine annähernd gesunde Einheit zu hämmern. Er ließ sich mehrfach einen Schub Kaffee spritzen, denn er kannte die heilende und magenschonende Wirkung intravenösen Kaffees und wie wir schon erfahren haben, wird er der Menschheit diese erfrischende, motivierende und Ressourcen schonende Lässigkeit nahebringen. Und er wird sich Drähte in die Haare winden lassen, um seine Hand leger darauf puffern zu können. Dies ergab für manche Zeitgenossen einige Male auch den Eindruck einer gewissen elektritschen Ladung, die Schmitz versprühte, wenn mehr als notwendig viele Haarspitzen vom Kopf abweisend in die Atmosphäre wiesen.

Der wiederbelebte Schmitz besann sich denn auch am Morgen des von Sattler erwähnten Freitags seiner Aufgabe, griff sich Blatt und Stift und begann voller Elan seinen Text zu dem ihm unbekannt gebliebenen Buchs des zu vernichtenden Meursault zu schreiben. Nach zwei Minuten war er fertig, zischte zur Türe heraus, noch schnell die für Aufsteiger obligatorische schwarze Lederjacke angezogen und war auf dem Weg seinen persönlichen Ruhm zu begründen.

Endlich in der Gasse des Nützlichen Zorns angekommen, wollte ein junger Mann am Eingang ihn abwehren: „Sie sind zu früh, Herr Schmitz!“

„Ach.“

Ein Sektretär vor der Türe, auf welcher „Sattler, J.P.“ geschrieben stand, rief:

„Sie sind zu früh, Herr Schmitz!“

„Ach.“

Sattler, der das kurze Getöse vor seiner Türe gehört haben mußte, sprach denn, ohne Aufzublicken:

„Herr Schmitz, wer zu früh kommt, wartet beim Sicherheitsdienst.“

„Ach. Sie werden nicht viel Zeit brauchen, um zu sehen, daß ich Ihre Aufgabe zu höchster Zufriedenheit gelöst habe, Herr Sattler. Ich bin nicht weniger, als ein Genie!“

Er warf Sattler die handschriftlich beschriebene Seite auf dessen Tisch, worauf dieser tatsächlich aufblickte und sich den Zettel griff und diesen überflog.

„Was!“, war Sattlers Antwort.

„Was soll das?“ Er blickte Schmitz an. Dieser zuckte seine Schultern, und blickte Sattler nonchalant an.

„Sie wollten, daß ich diesen Meursault mit Worten zerstöre. Ihn aus dem Kontext schreibe. Sie haben mich engagiert, weil ich…“ Schmitz begann in seiner Lederjackentasche nach einem Zigarettenpäckchen zu kramen „… ein aufstrebender, egomanischer Fiesling mit genialischen Ansätzen bin?“

Sattler, der wieder seine Augen hinter den gravierenden Gläsern über den Text spazieren ließ, bemerkte Schmitzens Kramerei, hob die Hand, um diesen zu stoppen.

„Warten Sie! Hier, nehmen Sie diese Zigarette. Es ist etwas völlig Neues! Ein Freund, der Wolf, hat sie erfunden. Sie rauchen eine davon am Tag, und dann sind all ihre Bedürfnisse an Teer, Nikotin und diversen chemischen Geschmacksverstärkern gedeckt.“ Sattler reichte ihm einen dieser Glimmstengel.

„Sie werden Ultrazig genannt, so ließ mich der Wolf wissen.“

Schmitz griff sich die Zigarette, setzte sich. Sattler blickte ihn mit einer gewissen Neugierde an.

„Ach, wissen Sie, Sie müssen natürlich noch Namen und Titel des Buches über meinen Text klatschen, und dann noch meinen Namen darunter, damit klar ist, wer hier der Täter ist.“

Schmitz legte ein versucht diabolisches Lächeln auf.

„Natürlich, Herr Schmitz. Wir wissen bei „Modernes Gewese“ schon, wie wir unsere Arbeit machen. Was mich mehr interessiert ist, wie kommen Sie auf diese Idee? Dieser Text ist verblüffend.“

„Ach, das ist nichts. Vergessen Sie nicht, den Text auf die benötigte Länge zu trimmen.“

„Das habe ich durchaus in Betracht gezogen. Nein, ich meine die Idee, einen Text gegen diesen Meursault zu schreiben, in dem Sie einfach nur das Wort „Ich“ beständig wiederholen. Wo kommt diese Idee her?“

„Das liegt doch auf der Hand, Herr Sattler. Das liegt doch auf der Hand. Was hätte ich denn sonst schreiben können? Irgendein verquastes Geseusel. Da bin ich nicht der Typ zu. Und ich habe den Monsieur gesehen, der ist ansonsten ziemlich, naja, ziemlich so.“ Schmitz wedelte unbestimmt mit den Händen in der Luft. Sattler lehnte sich zurück, mit verschränkten Armen.

„Ja, er ist ziemlich so! Da haben Sie vollkommen Recht. Er ist groß, er hat noch volles, griffiges Haar, er ist schlau und gewitzt, drückt sich gut aus. Frauen liegen ihm schnell und gerne zu Füßen. Er hat Charme und dazu riecht er auch noch gut. Und deswegen drucken wir Ihren Text als Rezension zu seinem neuen Buch ohne jede Korrektur. Das ist ein absolutes Novum für „Modernes Gewese“. Und ich will hoffen, daß Meursault damit untergeht. Das ihn schallendes Gelächter begleitet, nachdem jeder Ihren Text gelesen hat. Er soll in der Gosse landen.“

Schmitz zündete sich nun die Ultrazig an, zog und brach in ein infernalisches Gehuste aus. Als er wieder zu Atem kam:

„Das ist gut! Dieser Wolf ist ein Genie! Senden Sie ihm meine vorzüglichsten Grüße.“

Kaum waren die Worte gesprochen, mußte Schmitz weiterhusten.

„Oh, es ist unglaublich, das ist total befreiend. Und dieser Geschmack von feinstem Nikotin. Herrlich! Ein Genuß. Um Himmels Willen, so habe ich noch nie geraucht!“

„Jetzt werden Sie mal nicht so feierlich, Herr Schmitz. Ich lasse Ihnen dann einen Scheck zu senden für Ihre hervorragende Arbeit. Je nachdem, wie die Resonanz ausfallen wird, werde ich auch noch eine Nachzahlung veranlassen, die höher wird, je tiefer Meursault sinken wird. Und wie ich Ihnen versprochen habe, werde ich Ihren Weg zu einer Café-Kette ebnen. Dazu werde ich Sie mit dem Wolf bekannt machen, er ist der richtige Partner für eine solche Planarbeit.“

Paulo Schmitz erhob sich geistesgegenwärtig, denn er verstand inzwischen die Sattler’schen Fingerzeige, reichte diesem die Hand und verließ die Redaktion mit einem breiten Grinsen.

Von einem solch feinen Grinsen sind alle Glitzacatz in unserer erzählten Gegenwart sehr weit entfernt. Der verärgerte Geist Meursaults hat sich mitsamt seinem Medium Clemenz entfernt. Jin rieb sich die Arme und versuchte zu verbergen, daß ihm die Diskussion, die er mit dem Geschrei des Geistes und den Fäusten des Mediums erlebt hatte, noch immer einige Schmerzen verursachte. Zuletzt hatte Tin noch die Möglichkeit benannt, daß sich die Glitzacatz mit Traw, dem böswilligen Hasen treffen sollten, um durch diesen neue Information zu erhalten. Dieser verfügte über ein Wissenspektrum, das er sich mithilfe seiner Hasenkollegen Jimmisch Joa und Lemmes, meist auch genannt der Wilde Lemmes, verschaffte und aus armseligen Informationslieferanten herauspresste. Wer nun darob zweifelt, wie denn Hasen eine erfolgreiche Karriere im Verbrechen gelingen soll, der mag sich alleine dem Anblick Traws aussetzen, der schnell die Vorstellung des schnuckeligen süssen Hasens schmelzen lässt. Jener hatte die rotesten Augen, die sich eins nur vorstellen kann. Dazu Zähne, die mithilfe ihrer Schärfe nicht unbedingt nur auf den Konsum von Gräsern ausgerichtet waren. Alleine nur des Lemmes Zähne waren noch spitzer und fleischzerteilender, weswegen Sie sich gut dessen Spezialität vorstellen können, und warum der Ausruf „Du bist vom wilden Lemmes gebissen“ in vielen Gegenden Interzones von den Angesprochenen nicht mehr beantwortet wurde, und auch von den Ausrufenden mit einem gewissen Zittern in der Stimme getätigt wurde. Traw war von Natur aus mit einer eigentümlichen Kriegsbemalung bedacht. Seine Flaum um Nase und Mund war passend zu den Augen in einem blutigen Rot getaucht, die Nase hatte hingegen eher einen Stich ins Bläuliche. Auf seine Stirne hatte er seinen Namen als schwarze Tätowierung anbringen lassen, so daß jeder diesen Namen lesen mußte. Und sie lasen: „Traw.“ Konnte es schrecklicheres geben? Nun, in dem Moment des Anblicks war die Auswahl eher begrenzt.

Und so huben sich die Glitzacatz wieder in ihren Bus und fuhren los, die Spur der drei wüsten Hasen aufzunehmen. Sollten sich diese im wilden und ungepflegten Osten Interzones finden lassen? Die Glitzacatz stöhnten. Dort waren die Straßen eng, der Bus würde die Luft anhalten. Die Glitzacatz jammerten. Gerade die Fahrt durch Üpfeltal war ein langgezogenes Ärgernis, so langgezogen war ihr Bus auf jenen Metern und die Glitzacatz mußten blitzschnell ihre Positionen einnehmen, um nicht gegeneinander gequetscht zu werden. Dort in Üpfeltal trafen die Glitzacatz auf den an der Straße streunenden Jericho, einen alten Kater, der zu den eher unbeliebtesten seiner Art gehörte. Er schickte sie ins Herz des Trawcounties, dort würden sie ihn finden. Traw sei zur Zeit nicht auf Reisen. Die Glitzacatz nickten beharrlich dem schwätzenden Jericho zu, der ihnen zwischenzeitlich noch neue Essgarnituren verkaufen wollte, auch Töpfe, Pfannen, Bettbezüge. Irgendwas müßten sie doch gebrauchen können, die ehrenwerten Glitzacatz, tönte er. Er würde ihnen die tollsten Rabatte geben, wenn sie nur bei ihm kaufen würden, sie seien ja so elegant, die Glitzacatz. Er hingegen, sei ein Lumpenkater, der reinste Lumpenkater von ganz Interzone. Dabei hob er seine Tatzen in die Höhe und ließ nach „-zone“ sein Maul offenstehen, auch die Augen waren auf bemerkenswerte Größe gerissen. Ja, ja, beschwichtigten alle Glitzacatz im Chor, er sei eigentlich ein ganz toller Kater und so, und seine Waren seien ja schon ziemlich toll, aber sie bräuchten nun wirklich nichts und müßten auch los ins Trawcounty, damit sie dort den genannten treffen könnten und in diesem Moment trat Jin aufs Gaspedal, die anderen Glitzacatz polterten durch den Bus und Jericho stand in einer Staubwolke.

Und nur ein geschlagenes Stündchen später sahen sie das Schild auftauchen, welches Mensch und Katz entgegenrief:

You are now entering Trawcounty. You are entering at your own risk.“

Für die Beschriftung dieses Schildes wurden blutend rote Großbuchstaben gezüchtet und bis zu ihrem Einsatz in kompletter Isolierung von allen äußeren Einflüssen gehalten, und bei Installation mit antarktischen Superfrostnägeln angehämmert, damit sie niemals fliehen könnten

Die Warnung konnten die Glitzacatz leichterhand ignorieren, denn sie hatten Traw einst aus einer mißlichen Lage geholfen, die hier nicht erwähnt werden darf, denn Traw findet alle unerwünschten Mitwisser.

Außerdem gibt es ein Gerichtsurteil.

Als nun der Bus auf den überdimensionalen Pappkarton, in welchem Traw, Jimmisch Joa und der Lemmes lebten, anfuhr, fühlten sich die Glitzacatz auch ein wenig heimisch, denn was gab es für die Katze an sich besseres, als das Leben in einer Kartonage. Traw, ganz die Lebekatze, hatte das Innere seines Wohnsitzes mit kleinen Kartons ausstaffiert, in welche sich die Hauptbewohner und eventuelle Gäste und Gefangene wohlig einquetschen konnten. Dazu gab es noch ein flutbares, gemauertes Gemach unterhalb des Erdreiches für besonders streitbares Volk.

Traw trat aufgrund des Motorengeräusches vor die Türe, verschränkte seine Ärmchen vor der Brust und sprach, als er die Glitzacatz erkannte:

Strange. Strange.“, worauf noch ein langgezogenes „Straaaaaanggggeee“ folgte.