Tagebuch eines Irrsinnigen

Liebe Welt,

in den folgenden Zeilen, die ich in den nächsten Tagen, Wochen, Jahren schreiben werde, möchte ich Dir gegenüber anstößig und unwillfährig sein. Ich will Dich schmähen und beileidigen. Oder ich schreibe über andere Dinge, die mir wichtig erscheinen. Pogue Mahone!

16.06.2015

Heute ist mir das Wesen der Kopfschmerzen klargeworden. Es ist ein klarer Fall von Stromfluß, übermäßige Elektrizität auf Nervenbasis in der rechten Körperhälfte. Die linke Hälfte ist davon jedoch nicht abgenabelt, sondern bemerke ich dort ein eher statisches, dumpfes Gefühl noch unter Schmerzlevel. Der linke Arm tendiert zu leichtem Zittern, ebenso die linke Kinnhälfte. Das rechte Auge, über welchem der Schmerz trohnt, halte ich am liebsten geschlossen. Leichte Übelkeit ist mit im Paket.

Singen Sie zur Melodie von „es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann“:

Es spielt der FC Jerusalem und Jesus steht im Tor.

Die Jünger steh’n im Abeseits, das kommt mir spanisch vor.“

Mit den Kopfschmerzen stehen auch fast permanent Tränen in den Augen. Und trotz Tablette, wird es nicht wirklich besser. Das Medikament ist inzwischen eher verantwortlich für das beginnende Sodbrennen. Hervorragend. Und Elvis Costello sang vor einigen Minuten davon, daß Alison sich von diesem kleinen Typen das Partykleid ausziehen ließ. In meinem Zustand kann ich solche Sex-Andeutungen nicht ertragen. Nebenher mußte ich darüber nachdenken, warum eigentlich nur Frauen gegönnt ist, sexy Kleidung zu tragen. Okay, der Gedanke erübrigt sich, wenn ich mir erotische Männerbekleidung vorstelle. Da sind selbst Elvis Costellos Andeutungen gar nicht mehr so schlimm. Eines Tages kann ich auch über Lou Reed weiterschreiben.

29.05.2015

Nun also Incantations. Der Genuß sollte vorbereitet sein. Man höre diese Doppel-LP aus dem Jahr 1978 am besten bei bedecktem Himmel, möglicherweise ist ein Gewitter im Anflug. Dazu hat die abendliche Dämmerung eingesetzt. In diesem Klima gedeihen die Beschwörungen am Besten.

Incantations ist das zum Zeitpunkt der Veröffentlichung orchestralste Werk von Mike Oldfield. Er arbeitet wieder mit einer Vielzahl an Instrumenten, und schreckt auch nicht vor dem Einsatz fremder Koryphäen zurück. Die Brüder Pierre und Benoît Moerlen sind dabei hervorzuheben. Namen, die in heutiger Zeit vielleicht etwas beliebig erscheinen mögen, doch waren gerade diese beiden zu jener Zeit der heißeste Scheiß unter Schlagzeugern und Percussionisten. Wer die Möglichkeit hat, sich Liveaufnahmen aus der Zeit von 1978 bis 1980 von Oldfield anzusehen, sollte auf die beiden achten, falls sie gerade zum Line-Up zählten.

Ja, gerade der Einsatz von Schlagwerk hinterläßt einen größeren Einfluss auf die Musik, als auf den bisherigen Alben. Streichersequenzen, Flöte und Trompete decken ebenfalls größere Spektren in der Musik ab als je zuvor. Es dauert Minuten, bis im Part One die obligatorische Gitarre einsetzt. Obwohl ich mich bei erstem Kontakt mit dieser Platte schon gut im Oldfieldschen Universum auskannte, war ich mir tatsächlich unsicher, ob es sich nicht um eine Fehlpressung handeln konnte. Was natürlich zu erklären ist: Jahre zuvor hatte ich eine MC-Fassung des Albums Platinum gekauft, die tatsächlich mit vollkommen oldfieldfremder Musik gefüllt war. Selbst der Verkäufer war bei Reklamation erschüttert. Nun denn, jede Paranoia hatte ihre Quellen. Doch zurück zu der reinen Lehre (grins). Part One führt den Hörer über große musikalische Strecken. Die Musik ist reichhaltiger komponiert und arrangiert, als je zuvor. Es wird beim Hören klar, daß Oldfield kein Neuling mehr ist, und auch das Studio als Arbeits- und Inspirationsort erlernt hat. Das einzige, was diesem Auftakt ein wenig fehlen mag, ist der emotionale Aspekt, denn die ersten Teile sowohl aus Tubular Bells, als auch Ommadawn sind aufwühlender.

Dieses wird hier in den Part Two verschoben. Zappelige Zeitgenossen werden hier vermutlich massiv verschreckt und eingeschüchtert, denn über weite Strecken steht die Musik dort still. Wenn ich im Auftaktabsatz ein „heraufziehendes Gewitter“ erwähnte, so gilt dies nicht für Part Two. Dort ist alleine die inzwischen fortgeschrittene Dämmerung. Die Einleitung mit ihrer wuseligen Keyboardmelodie mag einen anderen Eindruck vermitteln, doch dieser wird nach einigen Minuten zur blossen Täuschung, wenn die Musik die Lichtung erreicht, an welcher unter einbrechenden Streichern alles abgebremst wird, bis es letztlich still steht. Mike Oldfield wird in dieser Sequenz die Stille in der Musik, das Schweigen zelebrieren. Später wird dann die sogenannte Hiawatha-Sequenz diesen zweiten Teil auflockern, so daß Part Two zum größten Irrlicht in der Karriere Mike Oldfields wurde. Es ist ein wunderschönes Irrlicht.

Wer denn stärker rockiger Musik frönen möchte, der sollte dann Umwege vermeiden und direkt in Part Three eintauchen, denn dort regiert letztlich die Gitarre. Anfangs über ein ganzes Orchester, welches die Jubelarien der Gitarre mit einem Fundament versieht. Später darf die Gitarre über einem flüssigen Riff eine weite Landschaft bespielen und allerlei Tricks und Kniffe vorführen. Es ist dennoch bemerkenswert, daß hier keine Bauchpinselei des LP-Künstlers aufkommt. Später wird der orchestrale Moment des Beginns wieder aufkommen und sich auch dem progressivem Rockstatus dieses Stückes unterwerfen. Bei erster Begegnung mit dem gesamten Album, mag Part Three den günstigsten Eindruck hinterlassen. Für mich ist dies der banalste Teil der Platte, wenn auch trivial auf einem noch recht hohen Niveau. Sollte sich Mike Oldfield selbst heute noch Gedanken darüber machen, warum die Punks und Bilderstürmer jener Tage ihn ebenfalls unter Beschuß nahmen, so hatte er ihnen mit diesem Stück genau die Munition gegeben. Der teils leichte, teils große mystische Anstrich der ersten LP wurde hier weggerockt und damit die Flanke geöffnet. Alleine die letzten beiden Minuten des Part Three zeigen einen richtigen Bandsound, der über jeden Zweifel erhaben musiziert.

Eine sehr schöne Synthese der Ideenvielfalt von Incantations bietet sich in Part Four. Dort haben die Brüder Moerlen ihren großen Auftritt in Form eines Vibraphon-Canons. Dort wird mit teils wunderschönen Melodien inflationär umgegangen, als tauchten sie zu jedem Moment neu an jeder Ecke wieder auf. Dort ist Oldfield wieder nicht allein ein Gitarrist auf großem Podium, sondern Musiker bei der Umsetzung seiner Komposition. Das bedeutet durchaus schwierige Passagen auf der Gitarre umzusetzen, geschieht dies hier innerhalb eines komplexen Ganzen. Dort wird wieder imponierend gesungen von Maddy Prior in der Ode to Cynthia. Ein Höhepunkt nicht nur dieser Doppel-LP. Verwendete ich hier das Wort „märchenhaft“ wäre es ganz klar positiv besetzt und ebenso unpunk. Und es wäre mir egal.

25.05.2015

Heute beginne ich einen Blick auf das Album Incantations von Mike Oldfield zu werfen. Es erschien 1978. Mehr als zwei Jahre waren seit der Veröffentlichung des Vorgängers Ommadawn vergangen. In dieser Zeit hatte das Label Virgin Records eine Handvoll Füllmaterial zusammengekratzt, dabei Oldfields spärlichen Output noch mitverwertet. Es handelte sich dabei um die 4-LP-Kiste Boxed, die aus den drei ersten Platten bestand, sowie einem Album, das innerhalb der Kiste den Titel Collaborations trug. Die erste Seite bestand dabei aus Auszügen dreier David Bedford-Kompositionen, zu denen Mike Oldfield Gitarre beisteuerte. Oldfields Beitrag zu Star’s End (1974) war dabei ein zunächst überwältigend orgiastischer Auftritt, der begleitet durch Orchester, einer klanglichen Supernova schon recht nahe kam. Doch interessanter ist, mit welchem Können die Spannung nach dem Höhepunkt das Stück fortgeführt wird, und die Leere klanglich erschlossen wird. Während das komplette Bedford-Album Rime of the ancient Mariner (1975) eine fast schon langweilige Angelegenheit ist, so ist der The Rio Grande betitelte Auszug, der auf Collaborations zu finden ist, salbungsvoll. Ich habe im Normalfall absolut kein Herz für Kinderchöre, doch hier finden meine Ohren einen Schatz. Mag es an dem für den genormten Kinderchor unüblichen Text liegen, in welchem es sich um die Heimkehr der Seefahrer dreht? Liegt es an der Müdigkeit, der Sentimentalität, die hier eingeflochten wird? Chor und Klavier bedienen den Hörer so lange, daß sie dem Stück ihren Stempel aufdrücken und wenn nach fast zweieinhalb Minuten die Gitarre hereinschneit, ist das Spiel schon längst entschieden. Der Sieg ist sicher. Oldfield darf sich dafür noch fast alleine in den letzten zwei Minuten an gekonnter Atmosphäre einbringen. The Phaeacian Games aus The Odyssey (1976) ist gegenüber den beiden anderen Stücken schon fast alltägliche Rockmusik. Zu Bedfords gekonnten Synthesizermelodien, vollführt auch Oldfield seine feinen Läufe, die auch manch knuffigen Intervallsprung beinhalten. Der Vinyllaufzeit war jedoch die Präsentation von The Phaeacian Games geschuldet, denn dieses Stück ist weder der Höhepunkt der LP, noch von Oldfields Einsatz darauf. Doch wäre das zehnminütige Sahnehäubchen mit dem Titel The Sirens vermutlich einfach zu lang. Hier trumpft zunächst auch eher der Komponist David Bedford auf, der diese Meditation eines wahrlich betörenden Frauenchors, der sich aus der Ferne kommend immer weiter in des Hörers Ohr hinein schält, als Fortführung von Gustav Holts Neptun the Mystic schuf, und dabei den Blick auf die Geschichte der Odyssey nicht verlor. Diesem Gesang ist wirklich nur gefesselt oder mit dichtem Wachs in den Ohren zu entgehen. Oldfields Einsatz ist hier auch bei weitem nicht von solch staatstragender Rockqualität, wie in den Phaeacian Games, doch wer genau hinhört, wird nicht nur ob seines wunderschönen Spiels Tränen in den Augen spüren. Nur kurz nach der Veröffentlichung von Boxed durfte Oldfield noch ein weiteres Mal für David Bedford in die Saiten greifen. Es geschah dies auf Instructions for Angels (1977) und wir hören Mike Oldfield spielen, als sei er von Furien gejagt. Es geschieht dies im Titelstück des Albums Variation 6: Instructions for Angels. Für Nachwuchspsychiater sicherlich lohnenswert. Für Menschen, die ein Herz für endlos gequälte Gitarren und/oder Gitarristen haben, ebenfalls.

Doch zurück zur LP-Kiste und den Collaborations. Die zweite LP-Seite bietet nach der bisherigen Klasse eine konventionelle Berg- und Talfahrt. Die Höhepunkte sind das zu dem Zeitpunkt mehr als brandneue von Oldfield und Bedford in Gemeinschaftsarbeit gezimmerte First Excursion, das eine schöne Fortführung der Phaeacian Games bietet, doch mit weniger Benzin im Blut. Es hegt eher einen künstlerischen Aspekt, mag vermutet werden. Das von starker Melancholie geprägte Argiers ist ebenfalls ein Höhepunkt. Für diese Art Stücke hatte Oldfield ein Händchen: eine folklastiges Feeling, eine akustische Gitarre als Basis und ein einzelnes Melodieinstrument – im Falle von Argiers ist es eine Flöte, gespielt von Leslie Pennings. In Dulci Jubilo schafft es immer, mich zu spalten. So sehr mir das Stück in seiner gesamten Instrumentierung missfällt, so sehr liebe ich den Moment, wenn Mike Oldfield einsätzt und einen seiner wirklich gelungensten Läufe spielt, der einen Augenblick der Ewigkeit andeuten kann. Es ist wie übermässig lange die Luft anzuhalten. Es kommt der Moment, da sieht man nur noch Sternchen. Die beiden letzten Stücke, Portsmouth und Speak (thou‘ you only say farewell), halte ich hingegen für einfach schlechte Scherze. Da macht mir sogar der fabulöse Don Alfonso mehr Spaß.

21.05.2015

Wenn ich hier schreibe, stellt sich zu Anfang die Frage: Was ist das Thema? Gestern noch hatte ich mich dagegen entschieden, den Oldfield’schen Reigen mit dem Album Incantations weiterzuführen. Ich werde mich in naher Zukunft darum kümmern, doch nicht in diesem Text. Es folgte der Impuls über den Sommer 1982 zu schreiben. Das tat ich dann, bog jedoch ab, um die arme Band Supertramp und ihren damaligen Hit it’s raining again zu beschimpfen. Dann löschte ich das Ganze. Und nun?

Was kann das Thema sein? Jeder Mensch, der schreibt, muß diese Frage ständig beantworten. Wobei selbstverständlich auch jeder Mensch seine Eckpunkte besitzt, die immer wiederkehrend behandelt werden. Ich bin ein Musikfanatiker, seit Jahrzehnten. Damit ist klar, daß hier immer wieder Musik behandelt wird. Darüberhinaus bin ich ein politisch bewußter Mensch, der sich jedoch schon seit Jahrzehnten (schon wieder!) im links-liberalen Feld angesiedelt sieht, was vermutlich ein Erbe der dunklen Kohl-Ära sein könnte. Ebenfalls bin ich ein religiöser Zweifler. Dieses Thema habe ich erst vor kurzem so intensiv, wie mir möglich, behandelt. Und damit komme ich in die Nähe des Kerns dieses Textes. Jeder Mensch sollte zunächst über Themen schreiben, mit welchen er sich auskennt, auseinander gesetzt hat, erlebt hat. Dahinter darf keine Grenze errichtet werden, denn die Fantasie wäre ansonsten sinnlos und ohne die kann niemand überleben. Fantasie ist eine Facette der Hoffnung. Dennoch möchte ich hier das Thema der Angst behandeln. Schließlich hatte ich in meinem Beitrag zum 17.05.2015 vollmundig die Befürchtungen Dritter pöbelnd und spöttisch angesprochen. Ja, ich kenne mich auch aus damit. Diesen Satz schrieb ich gerade mit dem spitzen Lächeln des Profis. Damit ich das ganze etwas auswalzen kann, werde ich denn hiermit ankündigen, daß es an diesem Platz in den nächsten Tagen um Musik und Angst gehen wird. Bei Zeus, ick freu mir!

19.05.2015

Und hier folgt nun der verlorene Text vom 15.05.2015:

Heute ist der Geburtstag Mike Oldfields. Und jene, die jetzt fragen wollen: Wer? Diese genießen die Verachtung der lesenden Prominenz. Nein, wir wissen schließlich um die großen Taten des ab heute 62-jährigen Herrn. Er war einmal 19 Jahre alt, und hatte einige Zeit als Musiker in der Band des vormaligen Soft-Machine-Bassisten Kevin Ayers gespielt. Der lieh ihm dann auch ein Vierspur-Tonbandgerät, mit welchem der junge Oldfield die ersten Demos aufnahm, die zu seinem späteren Debüt führen sollten. Dieses trug bei Veröffentlichung 1973 den Titel Tubular Bells. Es folgten die Alben Hergest Ridge (1974), Ommadawn (1975) und Incantations (1978). Darauf folgte eine Therapie, eine große Tournee und noch ein paar sehr gute bis mittelmäßige Platten während der Folgejahre, die sogar den ein oder anderen Singlehit hervorbrachten. Ab 1992 ging es dann steil bergab mit der Qualität, denn sauberste Produktion ersetzt keine Inspiration. Aber das soll niemanden stören, die anfangs erwähnten Longplayer einer genaueren Inspektion zu unterziehen.

Für mich war die zwischen 1973 und 1978 entstandene Musik von Mike Oldfield immer etwas, wie ein Kuschelkissen nach der Zeit der Kuscheltiere. Insofern reagiere ich höchst allergisch, wenn diese Musik als sogenanntes New Age bezeichnet wird. Zwar stieß ich erst 1984 auf den Erstling Tubular Bells, doch war der Eindruck trotz des Alters der Platte ein mehr als nachhaltiger. Part One dieser Platte ist eine fast durchgängig frühlingshafte Energetisierung des Hörers. Auch nach mehr als dreißig Jahren überrascht mich die Frische dieser Musik immer wieder, ist ihre Entschlossenheit nichts nachzulassen für mich erhebend. Ein durchgängiger Genuss, dabei nicht nur das als Filmmusikschnippsel bekannt gewordene Eröffnungsthema, das jedoch zum Gelingen des Ganzen grandios beiträgt. Part Two ist ein anderer Schuh. Hier arbeitet sich Oldfield weniger an schnelleren Schnitten in der Musik ab, sondern läßt die Themen atmen und besonders im fast meditativen Abschluß wird die Musik bis an die Grenze zur Stille hin geführt. Eine zum Schluß noch leise, hintergründig spielende Orgel bricht fast verschämt ab. Nach kurzer Pause weckt der junge Oldfield uns mit einem bis zu furiosem Tempo durchgespielten Hornpipe, einem traditionellen englischen Tanz.

Was jedoch macht die frühlingshafte Faszination des Part One nun aus? Ein Teil dessen stammt aus der perfekt ausbalancierten Mischung aus schnellen Wechseln und ausgedehnten Passagen, in welchen sich ein Stimmungslage entwickeln kann. Dabei überwiegt hier grundsätzlich ein positiveres Gefühl, das letztlich auch sehr schön durch die Covergestaltung von Trevor Key eingefangen wird. Hierbei liegt der Fokus weniger auf der „Bell“ im Mittelpunkt, sondern in der umgebenden Szenerie aus schäumender Gicht und bewegtem Wolkenbild. Tubular Bells ist lebendig.

16.05.2015

Nun lasset uns also das Frühwerk von Mike Oldfield weiter beobachten. Im Januar 1975 starb seine Mutter, Maureen Oldfield. Die Vorgeschichte zu diesem Todesfall, die sich über traurige vierzehn Jahre zieht, ist am besten in Oldfields eigener Autobiographie Changeling nachzulesen. Sie hinterläßt auf dem im Herbst 1975 veröffentlichten Album Ommadawn ihre Spuren. War Tubular Bells eine frühlingshafte Verheißung, so war Hergest Ridge ein Album, in welchem sich eine nachdenkliche Melancholie manifestierte, so wurde Ommadawn zu dem bis dato düstersten Werk des immer noch sehr jungen Briten. Vor vielen, vielen Jahren las ich in einer Kurzbeschreibung die charaktersierenden Worte „paranoid suizidträchtig“. Nun, verglichen mit Platten wie Joy Divisions Closer oder dem ebenfalls recht wenig partytauglichen Pornography von The Cure, hat Ommadawn immer noch aufhellende, folklastige Momente, doch eines stimmt: Es herrscht gravierende Kopfhängerei über die komplette LP. Und diese Einstellung äußert sich auch gerne darin, daß Ommadawn die bis dahin kratzbürstigste und sperrigste Platte Oldfields wurde. Ja, gar aggressiv aufgeladen tobt sich Oldfield durch einige Gitarrenläufe während des Part One, die teils sehr schön von der afrikanischen Perkussionstruppe Jabula untermalt werden. Wenn nach zwölf Minuten der spektakuläre und berühmteste Einzelteil des gesamten Albums startet, erwartet den Hörer ein bis zum äußersten gespanntes, fast zerreissendes Gefühlspanoptikum. Ein gälischer Kanon, gesungen von Sally Oldfield, Bridget St. John und Clodagh Simmonds, die für den Titel des Albums verantwortlich sein soll, untermalt von Jabulas Trommeln, die eine punktgenaue Taktung der Achterbahn vornehmen (besonders in dem Moment, in welchem sie hörbar den Startknopf umlegen) und on top der Star mit einer Vielzahl an verschiedenen Gitarren, mit welchen er die Intensität des Stückes immer stärker aufbaut und so eine götterdämmernde Stimmung aufbaut, die mich schon damals vom ersten Moment an, kräftig gepackt hat. Wie es Mike Oldfield hier schafft den Sturm bis an die Spitze zu treiben, ohne es wie einen Sack voller Platitüden klingen zu lassen, sollte jeder Mensch individuell erleben und auch erfahren. Es ist jedoch eine glänzende Idee gewesen, den Jabula-Trommlern am Ende des Stückes noch mehr als eine halbe Minute zu geben, bevor es zum finalen Fade-Out kommt.

Mit dem Beginn von Part Two wird die erwähnte Kopfhängerei für fast fünf Minuten zum Höhepunkt gebracht. Läge hier noch ein stumpf, rumpelnder Rhythmus darunter, könnte von erstem Shoegazing gesprochen werden. Doch hernach wird es lange elegisch bleiben, tränengetränkte Melancholie herrscht vor in den Melodien, die Oldfield hauptsächlich auf einer akustischen Gitarre vorträgt. Mag der Himmel, den die Klänge beschreiben, auch klar und wolkenlos sein, doch liegt noch der vergangene Regen spürbar in der Luft, sind die Wiesen weiterhin nass und es weht ein wenig wärmender Wind. Gerade hier zieht eine Abschiedsahnung durch die Musik, die eher von innen herausdrängt, als daß sie auf Gefühle, die durch das Außen angeregt sind, reagieren. Erst mit dem Abschluß des Part Two läßt Mike Oldfield ein letztes Mal seine elektrischen Gitarrenläufe heraus, die in ihren teilweise herrlischen Windungen wie irr geworden tanzen. Den Schluß gibt dann ein gesungenes Stück, das später als Single-B-Seite den Titel On Horseback erhielt. Es geht, wie man sich vielleicht schon denken könnte, um den Spaß, den das Reiten gibt. Das Stück wirkt idyllisch, besonders wenn zum Ende der Refrain noch durch eine Kinderschar verstärkt wird. Doch in all der Herrlichkeit schleicht sich immer zum Ende des Refrains ein langgezogener Ton, von Frauen gesungen, ein, der davon berichtet, wieviel Kraft die Freude kosten kann. Wie wertvoll die Flucht von den Menschen ist. Es verwundert wenig, daß Mike Oldfield bis zu seiner nächsten kompletten LP über zwei Jahre Zeit benötigte.

15.05.2015

Oh, die peinliche Panne! Die eigentlichen Gedanken des heutigen Tages weilen auf einem USB-Stick, der geographisch von mir getrennt ist. In einem anderen Land. Und die Gedanken hatten sich in teils schöne Worte fallen lassen. Okay, ich werde den Text am kommenden Montag nachreichen. Ein kurzer Anriß, über was ich schrieb: Heute ist der 62. Geburtstag des Mike Oldfield. Ich schrieb einige Worte über seine Karriere, über sein Debüt Tubular Bells, ließ wissen, daß sich entdeckerfreudige Seelen mit den ersten vier Alben des Herrn beschäftigen sollten und letztlich murrte ich darüber, daß die Oldfield’sche Musik gerne dem Genre des sogenannten New Age zugeordnet wird. Da ich in diesem zur Zeit als verloren geltenden Text bereits über Tubular Bells geschrieben habe, möchte ich daher nun an dieser Stelle den Scheinwerfer auf die weiteren Drei der Großen Vier richten.

Als da wäre… Hergest Ridge (1974). Ein größerer Hügel, an der südlichen Grenze Englands mit Wales. Eine Platte, welcher die Frische, die Aufregung, die teilweise Exaltation des Debüts fehlen mochte. Doch die Schönheit mancher Tubular Bell’schen Passagen fand sich hier ebenfalls wieder, wenn auch Hergest Ridge eher einer Herbstplatte gegenüber dem Frühling des Debüts gleichen mochte. Es stecken viel größere und stärkere Gedanken in dieser Musik, die zwar – wie bei Oldfield in den ersten Jahren üblich – wortlos vorgeführt wurden, doch ihre Geschichten drangen dennoch lebhaft in die Klänge ein. Oldfield griff vielmehr die Inszenierung des zweiten Teils seines Debüts auf und orientierte sich an dessen ruhevollem Wesen. In der Mitte des Part One aus Hergest Ridge wird eine Oboe ins Spiel gebracht und Profis berichten gerne von Einflüssen des auch von mir gerne gehörten Jean Sibelius. Als Ergebnis können wir Hörer ein akustisches Schaumbad geniessen, und um die Schönheit der Musik zu erkennen, muß nicht einmal ein Fahrzeug über enge englische Straßen gelenkt werden muß. Bezüglich des Part Two dieser Platte wird immer gerne vom Thunderstorm gesprochen, eine Passage, in welcher Oldfield x-tausend elektrische Gitarrenspuren übereinanderschichtete, bis es tatsächlich donnerig und zuckig wurde im Gewühl der Musik. Doch ist der Weg dorthin melancholisch, dunkel und manchesmal gar von wunderlich schönen, irrlichternden Melodien gesäumt. Es entstehen Gefühle, die ich gerade mal in Absenz anderer Worte als keltisch bezeichnen möchte. In anderen Momenten hat der Sound etwas Oldfield’sches. So jung der Mann damals war, so charakterstark war seine Musik. Diese Dinge sollen sich ja auch nicht ausschließen, und im Falle des Briten wurde der Charakter mit seinem nächsten Album noch stärker. Doch dazu äußere ich mich zu gegebener Zeit.

14.05.2015

Vorsicht ist geboten, wenn jemand sagt, er/sie würde jetzt gerne The Idiot von Iggy Pop hören. Warum? Das darf recherchiert werden. Wichtig ist jedoch, daß es sich nicht um ein Stück, sondern die ganze LP handelt, wenn die Furcht ausbrechen kann. Nightclubbing ist ein Song aus dieser Platte, und ein herausragendes Beispiel dafür, wieviel drogeninduzierte Dekadenz ein einzelner Popsong aushalten kann. Nightclubbing scheint fast zu platzen. Doch nur fast, denn die Macher waren Meister der Thematik und befanden sich gerade in der Form ihres Lebens: Iggy und David Bowie. Und wer Fotographien aus den Jahren 1976/1977 kennt, als die beiden vieles gemeinsam taten (nicht nur Songs erarbeiten), der kann erahnen, welcher Grad an praktischer Erfahrung in die Töne hineinfloß. Und so stakst der Song in einem Rhythmus daher, als seien die Musiker allesamt auf Stelzen unterwegs, bis Mr. Pop endlich den Mund öffnet und zunächst staunend und clean klingt, als sei er unterwegs zu seinem Debütantinnenball. In der zweiten Strophe hat Pop begriffen, wie der Hase läuft und bevor der Song in einem kratzigen Gitarrensolo ausläuft, zeigt sich The Ig kalt, abweisend, wissend. Er trägt die Nase ganz hoch, während er mit der Band stakst und wippt. Vorsicht vor dieser Gang, sie wissen, daß „clubbing“ auch eine andere, körperliche Bedeutung haben kann. Wilder ist funtime! Babys Lippen und ihre Unterwäsche wird bewundert. Der Refrain lautet auf „we’re having fun“. Es klingt, als sei der Spaß große Arbeit, mit Arbeiterklassenschreien unterlegt. Die Bewunderer für Babys Lippen und Unterwäsche sind zahlreich. Der Spaß ist muskulös und in den Strophen hören wir Call and Response. Iggy will endlich mal so richtig jazzig im Kopf werden. Oder gesteinigt (hihihi). Er hängt mit Dracula ab und macht, was er will. Oh, Baby, Baby. Deine Lippen. Der Beat alleine klingt, wie eine einzige, substanzielle Steinigung. Mann, das kannst Du nicht laut genug hören. Und alle sind so unglaublich motiviert, mitzuschreien. FUN! Spaß hat ja nicht wirklich etwas mit Orientierung zu tun. Eher mit der Absenz.

Ein fernes Echo dieses Songs brachten die fabulösen Jacobites in ihrem big store. Eine erste Version erschien auf ihrem Debütalbum Jacobites (1984). Die Hand hatten die Herren tief im heroinquillenden Bottich gehabt, so gezogen machten sich die Gitarren auf eine Reise, die kaum ein Ziel haben konnte. Irgendwie erinnerte es den entzückten Hörer an die Möglichkeit, wie die Rolling Stones hätten klingen können, wäre Keith Richards nicht immer irgendwie im Studio gerade noch so zu sich kommen. Der unglaubliche Nickie Sudden singt davon, wie gerne er in den riesigen Laden geht und das er eigentlich nicht weiß, was er sagen soll. Ja. Es würde auch keinen Unterschied machen. Und – äh – da war noch dieses Mädel, auf das er im riesigen Laden wartet. Sag ihr bitte, daß Nickie sie liebt. Diese Version, die auch Neil Young mit Crazy Horse hätte einfallen können (mit anderem Text, hoffe ich), läßt die aufgeplusterten Adern des Iggys noch außen vor. 1986, auf dem Album Robespierres Velvet Basement, klang das dann schon ganz anders. Neue Drogen durch die Nasen gezogen, bekam der Song mit einem Male Tempo. Einen anderen Text, der gerade mal noch den titelgebenden Großen Laden mit sich führte. Und Nicky geht sogar aus, und – wenn ich das richtig verstanden habe – läßt er Gott alleine („I’m leaving god alone), um mal richtig lange Ziggies zu rauchen. Im Großen Laden. Der Größte Laden der Stadt. Und dann erscheint der Ig-Moment, in welchem Nickie Sudden singt, daß er weder – Achtung: jetzt kommt eine allumfassende Aufzählung – Funtime Bobbie, Funtime Andy, Funtime David, Funtime Paul, noch Funtime Simon ist, sondern nur Funtime Charlie oder Funtime Stevie, letztlich aber überhaupt kein Fun sei. Und er ginge einfach nur gerne shoppen.

Es wundert nicht, daß auf jener Jacobites-LP noch ein ganz großer Song den Titel It’ll all end up in tears trägt.

P.S. Wer herausfindet, warum Vorsicht geboten ist, wenn… The Idiot… ganze Platte… u.s.w., der soll das gerne hier kommentieren und gewinnt die Hochachtung der lesenden Prominenz.

13.05.2015

Am gestrigen Tag schrieb ich über den wohlmeinenden Sting. Zu einer Zeit, bevor er als Solist die große, künstlerische Freiheit umarmte und liebkoste, gab es Kontrolle in seiner Umwelt in Form von Stewart Copeland. Der Mann spielte famoses Schlagzeug für The Police, die Band, in welcher er selbst und der wohlmeinende Sting zusammen mit Andy Summers an der Gitarre musizierten. Diese Band brachte tatsächlich eine Handvoll werter Songs zusammen, die nicht missachtet werden dürfen. Dazu gehören bring on the night, invisible sun, driven to tears und – jaja, muss sein, weil toll – every breath you take. Der beste Song ist jedoch der Maßstab des federnden Sounds: walking on the moon, und da trägt der erwähnte Stewart Copeland ganz große Verantwortung für, denn er spielte hier einen der definierenden Schlagzeugtracks ein. Doch lag in meinem Sinne zunächst nicht, ein Loblied zu singen, nein, ich wollte schmähen! Den wohlmeinenden Sting wollte ich anrempeln! Den, der sich sicherlich nicht als Patriarch bezeichnen lassen möchte. Doch einst, zu Beginn der Police-Ära, schrieb er ein Liedchen über eine Dame namens Roxanne. Die Frau schafft an. Der Mann verliebt sich in sie. Er möchte, daß sie ihren Lebensunterhalt anders verdient. Es heißt, sie müsse nicht das rote Licht einschalten. Sie müsse ihren Körper nicht in der Nacht feilbieten. Wie ich bereits schrieb, stammt der wohlmeinende Sting aus Newcastle. Okay, diese Info ist genauso gut oder schlecht, wie Johnny aus Pirmasens legendär ist. (Was?! Sie kennen Johnny aus Pirmasens nicht? Gibt’s das?) Doch mochte ich darauf hinweisen, daß der wohlmeinende Sting durchaus nicht aus höheren Sphären zu uns hernieder gleitet, um uns mit wohlmeinender Epik zu lehren. Zum Beispiel über das Wohl und Wehe der Prostitution. Hier zeigt sich der wohlmeinende Sting auch wieder eher schlicht. Es geht ihm in Roxanne nicht um die globalen Problemfaktoren, die auch im Rahmen der Prostitution heftig niederschlagen: der Menschenhandel. Verschleppung. Vergewaltigung. Drogenmißbrauch.

Nein. Der wohlmeinende Sting läßt sein lyrisches Ich in Liebe schmelzen für Roxanne, die Hure. Und wohlmeint, diese könne ihren Job schmeissen und nur noch ihm ihren Körper gönnen. Patriarchat, ick hör dir trapsen. Nun war es sicherlich auch in Newcastle lange Sitte, wie übrigens auch noch in der frühen Bundesrepublik Deutschland, daß die Berufslaufbahn des Fräuleins mit dem Ehestand vorbei war. Sprich die verheiratete Frau geht nicht arbeiten. Weder anschaffen, noch verdienen (Stichwort in Bayern → Lehrerinnenzölibat). Aber klar, meint der wohlmeinende Sting es nur wohl mit Roxanne, falls sie denn bürgerlich so heißen mag. Er hinterfragt ihre Motivation zur Prostitution nicht. Er nimmt nur an, daß es ihr reichen möchte, wenn er sie liebt. Das zeugt von einem starken Ego auf der Seite des lyrischen Ich. Des Mannes. Und da schleicht sich schon die Fehleinschätzung ein, denn wie singt es dort: „you walk the streets for money, you don’t care if it’s wrong or if it’s right“, du stehst an der Straße um Geld abzugreifen, dir ist egal, ob es richtig oder falsch ist. Haben wir es hier nicht mit der Charakterisierung einer unabhängigen Frau zu tun? Eine Frau, die ihr Leben und ihre Finanzen in die eigene Hand nimmt? Okay, über die Art des Verdienst kann man(n) streiten, doch wie sangen schon The Pop Group: „we’re all prostitutes, everyone has their price“ Wir sind alle Prostitutierte, jeder hat seinen Preis. Und da kommt der wohlmeinende Sting und möchte die Frau wieder zum Heimchen machen. Wir erfahren aus dem Songtext nicht, ob er vorher die Dienstleistung Roxannes in Anspruch nahm, oder allein der Anblick ihn entflammte. Sting, Sting, Sting. Anspruch und Wirklichkeit klafften weit auseinander, aber mit dieser Minne konnte Kasse gemacht werden, denn der klassisch, männliche Mob mag es doch so. Ich greife lieber zu Harry Rag, der früheren Stimme von S.Y.P.H., und seiner einzigen Solo-LP und höre derweil Lied für eine Hure.

12.05.2015

Jeder Mensch, der schreibt, weiß, daß der erste Satz des Tages der schwierigste überhaupt ist. Nicht, daß man direkt Mauern niederreißen wolle, doch genau dieser Wunsch verbirgt sich dahinter. Und jeder Mensch überhaupt weiß, daß der Anfang der Dinge grundsätzlich das größte Hindernis ist. „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, sagte der unbedingt großartige Hermann Hesse, der sicherlich nicht zu verdächtigen ist, seinen Lesern einen Motivationsbären aufbinden zu wollen. Es ließe sich auch darauf schnell antworten, daß man das magische Handbuch heute leider vergessen habe, daher könne man zur Zeit mit Nichts beginnen. Da schneit auch schon die Inspiration herein, in Form des unbedingt wenig großartigen Gordon Sumner, besser bekannt als Sting. Jener sang einst die folgenden Worte: „that nothing comes from violence“, es entsteht nichts aus der Gewalt. Da mag der gute Sting Recht haben wollen, doch leider ist dem nicht so. Jeder anständige Diktator, jeder erfolgreiche Geschäftsmann wird ihm widersprechen. Die Gewalt, der Ellenbogen sind Teil des Lebens. Und es hindert jene, die Gewalt und Ellenbogen einsetzen, nicht daran, daß wir Menschen, hier hat Sting definitiv recht, zerbrechlich sind. Und natürlich mag ich Sting darin unterstützen, Gewaltausübung als Übel zu brandmarken, doch kommen wir hier an einen Punkt, an welchem die Frage sich stellt: Was ist Gewalt? Wir können ziemlich schnell darauf hinauszielen, zu erkennen, daß die Tötung von Leben Gewalt ist. Doch wissen wir, daß sich auch hier schon schnell Unterfragen stellen: Euthanasie? Abtreibung? Mein persönliches Steckenpferd, die Todesstrafe? Und dann sind da noch die Tötungen aus Notwehr. Und eine nicht unbeträchtliche Anzahl an Menschen (Männern) hält die sogenannten Ehrenmorde für unbedingt notwendig! So, Sting! Was nun? Das, was wir hier schnell lernen, sind die Grenzen des gutgemeinten Popsongs zu erkennen. Was ist zerbrechlicher: Der Popsong oder der Mensch? Sagen wir es mal so: Die Stücke, die der ewig wohlmeinende Sting geschrieben hat, sind verflucht zerbrechlich. Ein kurzer Blick, schon zeigen sich die ersten Risse. Aber genug jetzt mit dem vergnüglichen Sting-Bashing. Er stammt aus Newcastle, aber er möchte doch ein Weltbürger sein. Kann er ja auch. Doch sollte er die Schlichtheit seiner Verse bedenken. Wer schlichtes dichtet, sollte nicht davon ausgehen, daß es sich um Epik handelt. Er kann es ja auch, der Sting. Das auch als schlichtes Liebeslied konzipierte The secret Marriage als Beispiel, welches das mittelmäßige …nothing like the Sun-Album zum Abschluß brachte. In etwas mehr als zwei Minuten zu schlichtem Klavier präsentierte der wohlmeinende Sting Worte der Liebe. Ähnlich ergreifend, in gleicher Länge und Schema, beendete vier Jahre später der begabtere S. P. Morrissey sein mittelmäßigeres Album Kill Uncle mit dem putzigen There’s a place in Hell for me and my Friends. Da konnten sich der wohlmeinende Sting und der oft gern garstige Morrissey die Hände reichen. Zu Klavierklängen schufen sie schöne, verzückende Ausklänge über die Eckpunkte des Lebens: die Liebe, die Freundschaft, die Einheit, die Hölle.

11.05.2015

Der Tag beginnt sonnig und ich fühle mich nicht schlecht damit. Die Helligkeit birgt keine negativen Folgen, wie schmerzende Augen oder erhöhter Druck im Kopf. Auch sind die Schmerzen der letzten Wochen seit drei Tagen in einen wirklich nebensächlichen Zustand zurückgegangen. Die Brust fühlt sich recht frei an. Dabei habe ich heute morgen meine Medikation vergessen einzunehmen. Passiert hin und wieder, meist ohne größere Folgen, wenn ich daraufhin wieder brav einsteige. Doch heute ist es anders, denn in normalen Fällen geht eine Angst mit einher, eine unterschwellige Angst. Wäre sie hörbar, so ließe es sich an, wie jenes „Requiem for Soprano, Mezzosoprano, two mixed Choirs & Orchestra“ aus der Feder von György Ligeti, das von Stanley Kubrik effektvoll in seinem Film 2001: a space odyssey verwendet wurde: Ein Astronaut, alleine auf dem Flug zum Jupiter. Angst ist Einsamkeit. Das ist keine neue Erkenntnis, gehört jedoch immer wieder einmal erwähnt, damit ein solcher Satz nicht in Vergessenheit gerät. Auch an diesem, weiterhin recht positiven Tag. Produktivität fühlt sich gut an und ich fühle mich damit besser.

10.05.2015

Van Morrison. Es ist an der Zeit diesen Songwriter zu ehren. Wenn ich ausrufe: „Grundgütiger!“, so konnte der Mann aus Belfast gemeint sein. Der einstmals der Belfast Cowboy genannt wurde. Könnte auf sein oft als schroff und unnahbar scheinendes Auftreten bezogen sein, doch sicher nicht auf sein Songwriting. Nehmen wir das Stück Sweet Thing, das sich auf Van Morrisons allgemein anerkanntem Meisterwerk Astral Weeks befindet – und nebenbei bemerkt – 1996 von Tom Liwa auf dem Flowerpornoes-Album Ich & Ich kongenial in die deutsche Sprache transferiert wurde. Van Morrison überschlägt sich in diesem Stück gerade zu mit positiven Eindrücken, erzählt, was er alles machen will, was er alles nie mehr machen will, wieviel Energie in ihm steckt. Er läuft durch die idyllischst und malerischst wirkenden Gegenden (gardens, all wet with rain, jumping the hedges first). Und letztlich ruft er immer wieder „sweet thing, you sweet thing“. Seine Süße. Die Musik erscheint luftig, Van Morrison nutzt sie als Wiese, über die er mit seinen vor Kraft explodierenden Worten hüpfen kann. Es erscheinen Streicher, das Schlagzeug spielt im bewegten, aber nie hektischen Shuffle, der Bass jubiliert und die akustische Gitarre verstärkt die vorherrschende Grundfarbe: dieser Song ist sweet, er ist grün. So grün, wie die Hoffnung. So grün, wie angesprochenen Wiesen und Gärten. Grün, wie manchesmal der Himmel erscheint, wenn die Sonne die zuvor tiefdunklen, jetzt ausgeregneten Wolken langsam wieder mit ihrem Licht durchbricht. Und in den Worten Vans ist der Regen vorbei.

Dann erscheint jedoch inmitten all dieser Schönheit der Satz: „and I will not remember, that I even felt the pain“. Ich werde mich nicht daran erinnern, je den Schmerz gefühlt zu haben. In der sonnigen Landschaft erscheint plötzlich diese zweite Ebene, die eine Vergangenheit hervorruft, in welcher das lyrische Ich im entgegengesetzten Zustand leben mußte, als jenem, der jetzt besungen wird. Eine Welt des Zweifels soll bezwungen werden, so heißt es „and I’ll be satisfied, not to read in between the lines“. Ich werde damit zufrieden sein, nicht mehr zwischen den Zeilen zu lesen. Der Druck, den der Erzähler in diesen Zeilen von sich wirft, er ist eine massive Größe. Er kann Menschen töten. Van Morrison erzählt in Sweet Thing davon, wie das Leben angenommen wird.

08.05.2015

Heute ist ein Feiertag. Der 70. Jahrestag der Befreiung. Das Ende des Nationalsozialismus in Deutschland. Was können wir feiern? Oder ist dieser Jahrestag gerade einmal in seinem historischen Umfeld ein Tag der Freude gewesen? Gibt es eine Lehre aus dem Jahr 1945, die uns heute bewegen kann? Ich bin mir unsicher, ob ich feststellen kann, daß die Opfer jener Tage heute wirklich einen Impuls auslösen. Zum einen mag dies an der Vielzahl der Gedenktage liegen, schließlich hat der historisch interessierte Zeitgenosse – und die Anzahl derer scheint mir auch nicht unendlich zu sein – gerade erst den 100. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkriegs, jenes Großen Krieges, wie man ihn damals nannte, erlebt und wenn ich einen Blick darauf werfe, wie mit dem positiven Erbe jenes vierjährigen Schlachtes heute umgegangen wird… ja, ich meine ganz explizit die Versuche die Einigung Europas nach 1945 zu torpedieren! Ich blicke mit Sorge nach Großbritannien, wo am gestrigen Tag eine Unterhauswahl stattfand und die Angst vor einem Erfolg der UKIP mich umtreibt. Ich liebe England, doch werde ich den Boden jenes Landes nicht mehr betreten, wenn diese widerlich populistische Vereinigung einen maßgeblichen Machtanspruch erreichen wird.

Ich möchte von daher ganz stark darauf hinweisen, daß die Mütter und Väter der europäischen Einigung große Vorbilder sind, die wir alle ehren sollten! Dieses Ausrufezeichen habe ich mit größtem Bedacht gesetzt. Jene Menschen, die heute wider Brüssel und Straßburg wettern, sollten einen Aspekt beachten, der ihnen möglicherweise übel aufstoßen wird: Das, was sie zu verteidigen suchen, ist ohne europäische Einigung und Gemeinschaft nur eine Schimäre, eine Fantasie, gar ein Schwindel. Der Wohlstand, den wir vor den überfüllten Fluchtbooten aus Afrika zu schützen suchen, er wurde uns von den Müttern und Vätern der europäischen Einigung geschenkt. Oder sollte ich schreiben „geliehen“. Mit wiedererichteten Grenzen wird der Wohlstand ein Ende haben. Darüberhinaus ist gerade die Einbildung eines sogenannten Vaterlandes, eines Nationalstaates doch gerade mit Blick auf die wandelnden Grenzen alleine der letzten zweihundert Jahre, nicht wirklich tragfähig. Hätte sich das Land Luxemburg 1957 nicht letztlich gegen eine Erweiterung der eigenen Größe entschieden und auf Entschädigung in Form von Land gepocht, wären meinen Eltern beide neu eingebürgert worden, wäre auch meine Nationalität eine andere gewesen und nicht „deutsch“. Wie soll ich mich unter diesem Gesichtspunkt „deutsch“ fühlen? Der Kontinent wandelt sich nicht. Er ist stabil. Ich bin Europäer. Der 8. Mai ist ein Tag der absoluten Befreiung. Ich verabscheue jeden Menschen, der dies anders sieht. Es gibt nichts zu vergeben.

07.05.2015

Bevor der Sinn wieder vernebelt: Songidee → Jeder will Brian Eno sein, der coole und im besten Fall endet man als Arbeiterklassen-Aus/AufsteigerSnob Bryan Ferry. Ich schreibe natürlich vom jungen Brian Eno, der gerade Roxy Music und damit Meister Ferry verlassen und hinter sich gelassen hat. Und jung war er bis ca. 1982. Ja, da hatte er schon Ambient Music erfunden, hatte Glamrock gemacht und gelebt, hatte vier grandiose Solo-Alben aufgenommen, die alle auf ihre Art meisterlich inszeniert, gespielt und geschrieben sind. Er hatte mit Bowie in Frankreich und Berlin die Musik neu erfunden, hatte mit den Talking Heads drei Alben lang die Musik neu erfunden, hatte mit Jon Hassel, Robert Fripp und David Byrne jeweils Duo-Platten von Ausnahmecharakter erfunden, hatte Larajji für die Welt gefunden und eine Platte einspielen lassen, hatte als bis heute wohl einziger Mensch seinen Charakter und seine Persönlichkeit als eine Art Instrument auf LP-Covern auflisten lassen. 1974 gastierte er auf John Cales Fear unter folgendem Signum: Eno – Eno. Im gleichen Jahr half er auch auf Genesis‘ letztem großen Album The Lamb lies down on Broadway aus. Dort hieß es: Eno – Enossification. Geht da noch mehr? Klar, geht da noch mehr. Hört Euch die Musik an! Schnell! Es ist Inspiration.

Es gibt nichts zu vergeben.“ Jemand tut einem Menschen Unrecht, ob willentlich oder zufällig bleibt dahingestellt. Das Unrecht wird nicht gesühnt, aus vielerlei Gründen. Auch dies sei in diesem Fall gegeben. Ist es notwendiges Handeln für das Opfer, zu verzeihen? Es gibt keine wirklich patente, immer anwendbare Lösung für diesen Fall, es muß immer individuell betrachtet werden. Eine Frage, die sich ein Opfer immer stellen sollte ist: Was brauche ich? Abstand? Konfrontation? Reue von der Gegenseite?

06.05.2015

Heute sind es zwei Wochen. Zwei Wochen Kopfschmerzen, und nein, es wird nicht mehr besser. Es fühlt sich eher gegenteilig an. Zeit für einen Arztbesuch. Ich will nicht. Ich will einfach nicht. Wenn mir ein Brett auf den Kopf fällt, gehe ich hin. Doch nicht, wenn ich selber das Brett geführt habe. Und seit meinen beiden letzten Besuchen einer Arztpraxis, ist der Wunsch wieder dort aufzuschlagen ebenfalls in den negativen Bereich gesunken. Exzessive Bürokratie und ein spürbar genervter Mediziner sind keine einladenden Faktoren. Als Besucher einer Praxis brauche ich Hilfe und eine helfende Hand. Wenn die beiden genannten Effekte mir als Patient entgegengebracht werden, wie soll ich da reagieren? Ich bin kein Kunde, der erst einmal seine Einverständnis mit den örtlichen AGB’s erklären muß. Ich bin krank oder verletzt, ungeplant. Wobei einer der schlimmsten Angewohnheiten der gesamten Gesundheitssippschaft noch nicht erwähnt wurde: Was haben Sie denn? Wie oft muß ich meinen Satz aufsagen? Ist das wirklich notwendig? Reicht es nicht, wenn ich mein Leid dem behandelnden Arzt klage, der – wie im letzten Falle – nur halb zuhört und gleichzeitig mir nicht glaubt?

02.05.2015

Für die, welche es interessieren mag: der Kopfschmerz ist etwas leichter geworden, auch wandert er. Doch ist er noch da. Was mag ich mir da zugezogen haben? Und auch heute gab es den kurzen Impuls, den Schädel zu hämmern. Ich gab ihm nicht nach, doch folgte kein Glücksgefühl. Definitiv kein Glücksgefühl. Ärzte! Was hilft? Ich zitiere noch einmal Ursula Rucker: „where are the romantics to feed me my pills?“ Ich schrieb vor einigen Tagen, daß die Musik der Swans, sowie John Coltranes Geschichten ähneln, die unerzählt sind und mit plötzlich mit der Musik aufgegriffen werden und an die Oberfläche und in die Gesellschaft drängen. Ich gebe zu, daß ich mich einer Idee bediente, die Julian Cope in seinem hervorragenden Buch „Krautrocksampler“ aufwarf, als er das Ash Ra Tempel-Stück Freak’n’Roll beschrieb. Die Aufnahme wird eingeblendet, direkt ist der Hörer eher Teil eines kompletten Musikgruppenrituals, als daß er ein einfacher Konsument ist. Cope schrieb hierzu, daß ihn dünkte, Ash Ra Tempel spielten dieses Stück seit Anbeginn der Zeiten, und wir würden eher zufällig die Türe öffnen, hinter der die Band als Trio eine Rasanz bietet, die in dieser Form nur von wahren Heads erreicht wird. Ein Head? Ein Wissender, ein freier Mensch. Einer, der die kosmische Energie anzapft und durch sich fliessen läßt. Manuel Göttsching, Hartmut Enke und Klaus Schulze. Diese drei bieten alleine in den ersten sieben Minuten dieses akustischen Überfallkommandos mehr Präsenz, als – um ein Beispiel zu nennen – eine weltbekannte Band aus Dublin mit einem Namen aus Buchstabe und Zahl in den letzten zwanzig Jahren ihres Bestehens. Sie erzeugen in diesen Minuten, in welchen wir Staunenden ihnen lauschen dürfen, mehr Emotion in uns. Mehr? Als wohl die Mehrheit der Menschheit überhaupt ertragen kann. Hier ist der Aspekt verrückt von der Unterhaltung zu der Art von Teilnahme, die der entfernte Hörer erreichen kann. Er wird in die Performance eingesogen, emotional. Er spürt die Extase. Er spürt den inneren Krawall alleine durch die nahezu pausenlos traktierte Bassdrum, auf die Klaus Schulze eine persönliche Antiphatie verspüren muß, daß er sie tritt und tritt und tritt. Ja, es ist der Klaus Schulze, der vor dieser Zeremonie bereits sein erstes Solo-Album mit dem schönen Titel Irrlicht aufnahm und dazu in fremden, verorgelten Planetensphären einher flog, dazu ein komplettes, hilfloses Orchester völlig verstörte und später eigentlich nie mehr eindringlichere Musik schuf. Und geschaffen hat er bis heute viel. Doch in Freak’n’Roll spielt er Schlagzeug, als wäre es das Letzte, was er in diesem Leben, in dieser Dimension erleben wird. Auch Hartmut Enke, der den Bass bedient wie ein eigenes Körperteil, erreicht mit dieser Messe, diesem Dienst an der Göttlichkeit der Musik, eine Epiphanie und einen Endpunkt. Enke, der Ash Ra Tempel mitbegründete, sollte nur kurze Zeit später der Band und der Musik den Rücken kehren. Was Manuel Göttsching, der Gitarrist, in den kommenden Jahren auf die Beine stellen sollte, konnte sich auf der anderen LP-Seite zu Freak’n’Roll schon zeigen. Das Stück nannte sich Jenseits und ist ein wunderbarer, mehr als zwanzigminütiger Fluß an ruhevollem Sound, über welchem Göttschings damalige Lebensgefährtin, Rosi Müller, eine idyllisch wirkende, aber unbewußte Geschichte in losen Worten flüstert. Irgendwann in der Mitte wird sie verstummen. Danach verliert sich auch die Musik langsam in einer Dämmerung der Zeit. Das, was jedoch Jenseits vom darauf folgenden Göttsching’schen Schaffen trennt, ist die Zeitlosigkeit, die alleine schon dadurch erreicht wird, daß sich Ash Ra Tempel hier in beiden Aufnahmen völlig in sich kehren und gerade einmal der notwendige Einsatz an zeitgenössischer Technik in Instrumentarium und Aufnahme, läßt den Hörer ahnen, in welchem Zeitrahmen diese Formation arbeitete. Das soll nicht heißen, das spätere Veröffentlichungen von Ash Ra Tempel, Ashra (ab 1977), Göttsching und Schulze als Solisten, wertlos seien. Doch das Album Join Inn, das diese beiden Aufnahmen beinhaltet, ist ein Meilenstein. Ein großer Schritt für die Menschheit, die möglicherweise sogar zuhören könnte.

01.05.2015

Ein tägliches Journal hält zur Selbstreflexion an. Eine Frage, die immer wieder gestellt werden sollte, lautet einfach: Warum tue ich, was ich tue?

30.04.2015

Der Kopf ist leer. Es kommen keine erregenden Gedanken. Es kommt gerade das Unwillkürliche, die Automatik. Ich komme inzwischen mit einer kleineren Dosis an Ibu aus. Ich bin zu leer, um mich zu freuen. Dennoch schafft es Ursula Rucker einen Satz zu formulieren, der mich fast aus der Lethargie heraustrommelt: „where are the romantics to feed me my pills?“ In ihrem Stück In Her Elizabeth. Überhaupt ist dieses Lied ein Hort der Freude für jeden romantischen Liebhaber griffiger, bildstarker Lyrik. Und danach wälze ich mich in Warpaints Billy Holiday. Das Leben ist doch schön. Wer die andere Seite wenigsten anhören will, dem lege ich Ursula Ruckers Song for Billy an das fröstelnde Herz. Ich habe nie ein Lied gehört, das mich stärker angreift. Ich verrate die Story nicht, sie ist zu düster. Zu verzweifelnd. Und von diesem Stück aus, ist der Sprung zur Todesstrafe nicht weit. Ein neuer Gedanke hierzu: Wer Rache und Vergeltung will, handelt impulsiv. Dies manifestiert sich eher in der Lynchjustiz. Da ist der Mord, das Opfer liegt am Boden, dort flieht der Täter. Wir packen ihn und knüpfen ihn am nächstbesten Baum auf.

Eine beispielhafte Zusammenfassung eines typischen Lynchverfahrens. Doch ist klar, das eine solche Art der Justiz enorm fehleranfällig ist. Also nimmt der Staat, das Gemeinwesen, dem Mob den Handlungsfaden aus der Hand und führt das Lynchwesen in Eigenregie durch. Überlegt, geordnet, langwierig, emotionslos. Der rasende Mob wird zu einer kafkaesken, undurchsichtigen Masse menschenähnlicher Bürokratie. Anstatt des nächstbesten Baumes ist die Frage eher, ob noch genügend letale Medikamente auf Lager sind. Es ist bestürzend, daß es auch im Jahr 2015 noch genügend Staaten auf diesem Planeten existieren, die eine Rechtsprechung benötigen, die derart wenig Selbstbewußtsein widergibt. Der Kopf bleibt leer.

28.04.2015

Die Frage nach dem Sinn einer Hinrichtung geht immer auf das Moment der Rache, der Vergeltung, des „Wie du mir, so ich dir“. Doch zuvor entdeckte ich heute morgen einen üppigen Bluterguß auf meinem rechten Knie. Zunächst hielt ich es für einen Schatten, doch unter besserem Licht besehen, erkannte ich, daß es sich tatsächlich um einen Bluterguß handelte. Woher er kam? Ich kann nur raten… der vergangene Mittwoch? Das würde zu den Kopfschmerzen und der Schwellung an der rechten Hand passen, die sich dort zwischen Daumen und Zeigefinger seither bildete. Und damit wieder zurück zum Strang. Oder anderen todbringenden Gerätschaften. Warum richtet der Mensch andere Menschen hin? Was steht dahinter? Ich empfinde, daß eine Hinrichtung nach einem Verbrechen folgende Aussage mit sich bringt: „Wir, z. B. der Staat Arizona, werden Dich, den Straftäter, den Bösewicht, durch den Tod aus unserer Gemeinschaft ausstoßen. Wir werden das auf eine Art und Weise verrichten, daß eine Wiederkehr ausgeschlossen ist. Du hast mit einem Verbrechen die Tür zu unserer Gemeinschaft geschlossen. Wir verriegeln sie von unserer Seite anhand einer Spritze, Strom, Strang, Kugelsalve.“

In einigen Ländern, in welchen die Todesstrafe vollzogen wird, herrscht das sogenannte Christentum. Das sollte man sich bei der Wertung dieser Länder vor Augen halten. Darüber kann man sich wundern. Es ist klar, daß Anhänger des Christentums nicht gefeit sind gegen die Gefühle, die Rache und Vergeltung hervorrufen. Und sicherlich ist es auch Christen oft schwer, zu verzeihen, wenn es der christliche Glaube eigentlich verlangt.

Die Reihe „schöner fluchen“:

Blöd, wie fünf Meter Stacheldraht!“

Doch wieder zurück zu staatlich sanktioniertem Tod. Ein Satz, den man sich auf der Zunge zergehen lassen sollte, lautet: „Dafür soll er am Strick hängen, bis der Tod eintritt.“ Da höre ich doch gerade Herrn Fish von Marillion singen, und es ist ebenfalls zitierfähiges Material: „home is where the heart lies, but if the heart lies, where is home? It’s where the heart lies.“ Nun denn, noch ein Gedanke über den vor Tagen angesprochenen The The-Song Uncertain Smile. Ich schrieb über das ausufernde Solo, mit welchem Jools Holland an den Tasten den Song über zwei Minuten lang beendet. Als ich zufällig am heutigen Morgen mit einer Live-Aufnahme von Deep Purple konfrontiert wurde (natürlich Child in Time von Made in Japan), und dieses Stück von solistischen Eskapaden nur so strotzt, mußte ich daran denken, daß oft von „solistischer Masturbation“ gesprochen wird, besonders im Hinblick auf die progressiven Tage der Rockmusik in den 1970’ern. Ich stimme dem zu, möchte aber zu bedenken geben, daß es als Musiker auch nicht jedem gegeben ist, ein großer Masturbator zu sein. Und Jools Hollands Tastenritt hat auch eher etwas von weiblicher Selbstbefriedigung.

27.04.2015

Der heutige Tag beginnt erneut regnerisch. Ein Regenwurm wurde entdeckt. Diese verlassen bei Regen die Erde aus bislang nicht komplett geklärten Gründen. Nun wollte ich hier ein schönes Beispiel animalischen Existenzialismus aus der Hüfte schießen: Der Wurm flieht vor der übermässigen Feuchtigkeit des Bodens, vor den Maulwürfen, der Grabegeräusch dem Pochen der Regentropfen gleicht. Der Wurm über dem Erdboden wird Opfer von Vögeln, die ihn aufpicken oder vor Wut über das Regenwetter mißgelaunt erst einmal zertrampelt. Ja, richtig gelesen → Zertrampeln! Mit speziellen Wurm-Ex-Stiefeln. Die Unterseite mit Spikes bedeckt, so daß der Vogel auch bei großen Würmern noch einen exzellenten Stand hat, sowie mit jedem Tritt, den der Vogel tut, unmißverständliche Verletzungen hervorruft. Hiermit wollte ich die Herkunft der sogenannten „Angry Birds“, der wütenden Vögel aus dem gleichnamigen Spielchen erklären. Nicht Vögel, deren Eier von Schweinen geklaut werden, sondern Vögel, die das Wetter nicht mögen. Jetzt habe ich jedoch keine Lust mehr, über solche Geschichten zu schreiben. Es mag an den fortdauernden Kopfschmerzen liegen. Ja, das Wetter ändert sie nicht, das Ibuprofen dämmt sie nur, der Nacken ist nicht übermäßig verspannt und fällt damit als Verursacher einige Plätze zurück. Mangelnde Flüssigkeitsaufnahme? Nicht mehr, nicht weniger. Und so fällt im Schädel die Entscheidung, welche Geschichten zu erzählen sind und welche unter den Tisch fallen. Der Regenwurm als Nachfolger des Sisyphos ist natürlich auch zu lächerlich. Einen Moment kann man über ein solches Beispiel sogar laut lachen, doch danach schleunigst vergessen. Sonst holt einen der vor Wut flötende Vogel.

Der Sinn kam auf Hinrichtung. Warum? Das wird uns vielleicht der morgige Tag verraten.

26.04.2015

Endlich ein Tag, an welchem das Schädeldröhnen sich leicht zurückhält. Unter der inzwischen genügenden Dosis and Schmerzmitteln fühle ich zwar teilweises Pochen, doch letztlich ist es fein auszuhalten. Körperliche Arbeit im Freien hilft auch dabei, die Denkarbeit auf ein überschaubares Maß zurückzufahren. Es fühlt sich gut an. Und ich kann feststellen, daß Vögel einen ganz schönen Lärm veranstalten können. Am gestrigen Abend noch habe ich mir Gedanken über Jools Holland gemacht, der 1983 das The The-Stück Uncertain Smile mit einem minutenlangen Tastensolo veredelte. So der Tenor der Kenner. In jedem Fall konnte ich erkennen, daß Mr. Holland im Anfangsteil seiner Show ein gerüttelt Maß an Poserei an den Tag legt und erst in den letzten 90 Sekunden, als der Rest der Band sich auch endlich stärker zurückhält, mit Melodiereichtum hausiert. Doch bevor ich mich nun zu kritisch gegenüber dem Guten äußere, möchte ich noch hinzufügen: Uncertain Smile ist der beste The The-Song und Jools Hollands Solo ist schon ein Genuß. Eine starke Inszenierung.

Die eine kreative Idee des Tages: ein Spielesammlungsdekathlon. Ich werde daran arbeiten und eventuell an dieser Stelle vorstellen.

25.04.2015

Der Kopfschmerz wandert in die rechte Hälfte des Schädels und verstärkt sich. Obwohl ich pausenlos leise Pianomusik höre, bessert sich nichts. Noch nicht. Entgegen meiner gestrigen Empfehlungen. Aktueller Stand: Ibuprofen = 800 um 10.30 Uhr. Es macht sich eine gewisse Taubheit im Denken breit. Lesen ist kein Problem, dem Sprechen anderer Menschen zu folgen ist hingegen fast unmöglich. Auch ist der Ärger der menschlichen Stimme, das sie nahezu immer zu laut ist. Hingegen stelle ich unvermittelt fest, daß in diesem Zustand Steven Browns Music for Solo Piano ebenfalls ein fast himmlisches Vergnügen ist, zumal verstärkt durch Blaine L. Reinigers wundervolle Violinenarbeit, die sich zwischen Wolkentupfern und Nebelschwaden gleich, darum windet.

Es ist ein regnerischer Tag. Ich freue mich darüber. Die Klarheit, die der Blick nach draußen bringt, reinigt Teile des Gemüts. Mehr Ibu, doch darunter fühle ich immer noch ein leichtes Pochen im Hirn. Vielleicht sollte ich mich dem gelassenen Soul von Gil Scott-Heron und Brian Jackson anheimfallen lassen. Doch fühle ich mich nicht bereit dafür. Für was bin ich bereit? Ich werde mich heute Abend dem Märchenwald verpflichten, und weiterarbeiten an den absonderlichen Geschichten zweier fabulös bewohnter Wälder. Dabei ist es ein sonderbar Ding sich über nahe oder ferne Zukunft Gedanken zu machen. Es ist, wie ein Festklammern an der Existenz, den Film zu planen, den man des Abends sehen will. Mehr muß ich an dieser Stelle nicht ins Detail gehen. Die Schmerzen werden wieder schlimmer. Die Lautstärke nimmt zu. Die Nerven werden dünner. Verpiß Dich, Gil Scott-Heron, tut mir leid.

24.04.2015

Die Lippe schmerzt an zwei Stellen. Dort ist sie blau eingefärbt. Es ist dennoch gut, daß eine Arbeitswoche zu Ende geht. Nicht aus arbeitstechnischem Grund, alleine aus der Erschöpfung des Körpers, der durch die Adrenalinflutung an einem bestimmten Zeitpunkt wie durch eine enorm effiziente Mangel gedreht sich fühlt. Darüberhinaus macht chronischer Kopfschmerz (Codewort Nasen-Hinterkopf-Verbindung, NHV) wieder seine übliche Runde. Gibt es eine Jahreshöchstmenge an Ibuprofen? Früher sang (oder vielmehr bellte) ich in einem Lied, das Louis de Funes ein Held sei. Da stehe ich auch heute noch ziemlich zu, doch wurde der Franzose inzwischen von Dr. Gregory House abgelöst, der zwar eine Kunstfigur ist, doch eine höchst symphatisch, wie realistische. Ob Dr. House sich auch mit Krautrock auskennen mag, ist höchst unsicher, da er sich nie hierzu im Rahmen der Drehbücher äußern mußte, doch ist es nicht anzunehmen. Er wurde dabei beobachtet, wie er das Keyboard-Intro zu Baba O’Reilly von den Who nachahmte. Eine eindrucksvolle Situation. Luftkeyboard zu Neuronengesang von Klaus Schulze zu spielen, kann ich mir nicht als eine charakterstarke Aufführung vorstellen. Dieses würde eher den Eindruck einer in Nordlicht getauchten Hexenküche vermitteln, in welcher ein möglicherweise musikalisch bedröhnter Hexenlehrling in Zeitlupe an Knöpfen und Reglern hantiert, dabei jedoch auch zum lebendigen Innehalten neigt. Im Hintergrund stelle ich mir bleiche Nordeuropäer auf Sonnenbänken vor, mit Schutzbrille. Liegt das an Klaus Schulze, meinen Kopfschmerzen oder dem inneren Irrsinn?

Aus der Reihe „verlorene Buchstaben“:

Wie heißt die Geliebte Robin Hoods‘? Mad Marian.

Mehr Sonnenschein, mehr Kopfschmerz.

Als eines der besten Heilmittel gegen den Schädelschmerz und zur Linderung der Dunkelheit, die sich dort oft aufhält, empfehle ich den Genuß von Solo-Aufnahmen eines Pianisten, einer Pianistin. Besonders gelungen sind in dieser Hinsicht jedweder Mitschnitt der Gymnopédies von Eric Satie, am sinnvollsten dabei in der Interpretation von Klára Körmendi, welche mit sehr viel Bedacht an die Stücke herantritt. Einen großen Eindruck, besonders nach dem Genuß der erwähnten Gymnopédies, hinterläßt auch das erste Solo Piano-Album von Gonzales, der mit viel Leichttigkeit einen schmerzlosen Sonnenschein in seine Musik hineingleiten läßt. Auch tragen seine Pianokompositionen keinen Anspruch auf unbedingte Avantgarde in sich. Sie stehen mit allen verfügbaren Füssen auf dem Boden großer Kunst. Dort wandelt auch Nils Frahm, von welchem ich noch kein einziges auch nur mittelmässiges Stück gehört habe. Er ist ein bemerkenswertes Phänomen an Ideenreichtum und emotionalem Anspruch. Ein Heiler vor dem Herrn. Maschineller wirken da die Solopiano-Stücke aus der ebenso genannten LP von Philip Glass, die Metamorphosen in Teilen Eins bis Fünf, doch ist es hier dieser sich nur leicht verschiebende Aspekt, der auf Dauer eine große Ruhe und damit auch Beruhigung mit sich bringt. Wem dieser Glass zu hektisch ist, der mag sich dann lieber in Hände von Arvo Pärt begeben, auch wenn jener in den hervorragenden Aufnahmen der CD Für Alina teils noch weitere Instrumente mit ins Spiel bringt, doch liegt das Herz in den Tasten. Und hier sind es gerade die Spiegel im Spiegel, die mit besonders ausgefeiltem Uhrwerk gefallen können. Das Vergehen der Zeit wird hör- und sogar sichtbar, wenn diese drei verschiedenen Interpretationen den Raum fluten.

23.04.2015

Ich erhole mich von einem Zusammenbruch. Es geht sehr, sehr langsam. Die Frage stellt sich mir, was der Auslöser ist? Was bringt mich dazu meinen Körper zu schädigen, durch Schläge ins Gesicht. Durch Schläge mit Gürtel über den Rücken. Durch Hämmern des Kopfes gegen Wände und Türen. Druckabbau ist das eine. Der Druck wird durch Ohnmacht ausgelöst. Ohnmacht gegenüber Menschen, die mich beleidigen. Wie beleidigen sie mich? Kommunikation ist es nicht. Es ihr Verhalten, das mich beleidigt. Verhalten, das meine Gegenwart leugnet. Verhalten in meiner Gegenwart, das Regeln leugnet. Regeln, die eine mehr oder weniger übergeordnete Macht aufgestellt hat. Diese Regeln schützen im besten Falle mich und die Mitmenschen. Gehe ich Recht in der Annahme, daß jene Bürger, welche die Regeln beugen, asozial handeln? Nein, ich gehe nicht Recht damit, denn sich nach den Regeln handeln ist nicht per se als soziales Handeln zu sehen. Ich sehe es eher als meinen sehr bescheidenen Beitrag dazu, den Lauf der Welt nicht in jenem Moment zu stören, da ich die Waffe Kraftfahrzeug nutze. Zusammenbrüche, wie jener der mich gestern ereilte, nutzen einen Moment der Schwäche aus. Wann bin ich schwach? Ich werde mich beobachten müssen, um Anzeichen erkennen zu lernen.

Ich erinnerte mich gestern jener furchterregenden Aufnahme eines alten Stückes mit dem bezeichnenden Titel „unten“. Die Aufnahmen wurden zu einer wahrlich erregenden Situation gelebten Surrealismus. Und anhand dieser Erinnerung kann ich jedem Interessierten, also niemanden, die Arbeit an der CD „grün-orange“ erläutern. In einem ziemlich starken Textfluß zwischen dem Sommer 2000 und Herbst 2001 entstanden die meisten Texte, die ich für „grün-orange“ verwenden sollte. Darunter befand sich auch der nur wenige Worte lange Text zu „unten“. Dieser stand zunächst aufgrund seiner Kürze nicht auf der Liste meiner musikalisch umzusetzenden Poeme. In einem Moment der Trauer, während einer Beerdigung, kam mir jedoch die leuchtende Idee: Das Ping-Pong des katholischen Rosenkranzes nahm ich als Basis. So wurden zwei Stimmen im Studio geplant. Die erste Stimme, die ich an jenem Abend improvisieren sollte, erdachte ich mir als jene, welche den Basistext zu „unten“ als Ausgangspunkt für eine Vision des Schmerzes stellt. Diese Stimme ist die Dunkelheit. Als die Aufnahme im Kasten war, ging ich direkt daran, den Widerpart zu sprechen. Jenen, der sich mit dem Schmerz des Anderen nicht arrangiert, welcher dagegen anspricht. Jener, der sagt: Du bist nicht unten. Der daran festhält und zu überzeugen versucht. Der später einbricht, als die ursprüngliche Stille, welche die beiden Stimmen umgibt, sich immer mehr in einem Tosen vergräbt. Diese Kulisse, welche sich – hört man sich die CD an – wie selbstverständlich aufbaut, war einem Moment der Fügung der Dinge geschuldet. Auf weiterenen Spuren des Tonbands, das mein Freund Frank aka Von Wartholm und ich nach dem Ende der beiden Aufnahmen abhörten, waren bereits zuvor gemachte Aufnahmen von Gitarrenimprovisationen zweier befreundeter Musiker. Wir wußten in jenem Moment sofort, daß wir das komplette Rockprogramm, das hier akustisch abgebildet war, nicht gebrauchen könnten, doch eine der beiden Gitarrenspuren – chirurgisch getrennt von seiner musikalischen Hälfte und damit von jener universellen Einsamkeit des Seins durchflutet – war wie gemacht als das Nagelbett, das die beiden im Streit verfangenen Stimmen als ihren Spielplatz benötigten. Es folgten nur noch Feinheiten, die unter anderem bei Zeitpunkt 11 Minuten und 7 Sekunden einen transzendeten Moment erzeugen, dann war die Aufnahme eines Monuments abgeschlossen.

Aufgrund des heutigen Wetters – strahlender Sonnenschein – möchte ich an die vergessen Band Microdisney erinnern. Nicht, daß diese Formation viel von Wert erschaffen hätte, aber eine Textzeile hieß: I hate the heat and the heat hates me, so I hide in here. Ich verstecke mich ebenfalls sehr, sehr gerne vor der Hitze und dem prallen Sonnenschein.

Zum Abschluß möchte ich an dieser Stelle noch erwähnen, daß die Musik John Coltranes und der Swans jeweilige Phänomene sind, die nicht leichtfertig ergründet werden können. Beides scheinen mir Erzählungen gleich, die schon zuvor noch ungehört begonnen wurden und in der Musik plötzlich aufgegriffen sind und hörbar werden.

Neue Gedanken werden folgen, solange diese Finger eine Tastatur zur Verfügung haben und im Inneren des Kopfes noch Synapsen agieren. Wie auch immer.

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